Transeuropäische Medien können Europa verbinden

Transeuropäische Medien können Europa verbinden

Interview

In einem vom Nationalismus bedrohten Europa könnten transeuropäische Medien ein ambitioniertes Projekt zur Überwindung von Grenzen und Sprachbarrieren bieten. So könnten sich Bürger/innen miteinander verbinden. Catherine André von VoxEurop und Marta Cillero von Political Critique - Zweitplatzierte des Jean-Monet-Preises für europäische Integration - sprechen im folgenden Interview über ihre Erfahrungen mit transeuropäischen Medien und über die Rolle des Journalismus in der Demokratie heute.

Urheber/in: rawpixel / Unsplash / Bearbeitung: Heinrich-Böll-Stiftung. Public Domain.

Europa ist heute so stark in den Nachrichten vertreten wie nie. Trotzdem haben bisher die meisten europäischen Medienprojekte nur wenig Resonanz außerhalb der Brüsseler „Blase“ gefunden. Entsteht mit der heutigen Krise und Auseinandersetzung mit Europa eine Gelegenheit, echte transeuropäische Medienprojekte voranzubringen?

Marta Cillero: Ja. Aber diese Gelegenheit ist nicht so neu, wie sie scheint. Es gibt sie schon seit fünfzehn Jahren. Doch jetzt, mit dem Anstieg von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus, gibt es ein stärkeres Momentum für die Schaffung neuer europäischer Projekte. Die wichtigsten Themen heute - Klimawandel, Steuerbetrug durch Unternehmen, Rassismus, Migration, Menschen- und Warenströme, Feminismus - können nicht auf nationaler Ebene bewältigt werden. Um sie auf europäischer Ebene anzugehen, brauchen wir Medien, die über diese Themen sprechen und die Räume schaffen, in denen sich das Publikum mit ihnen auseinandersetzen kann.

Es könnte aussehen, als wären die transeuropäischen Medien für die EU-Blase und proeuropäische, gut gebildete KosmopolitInnen bestimmt. Der Diskurs, dass die europäischen BürgerInnen nicht aktiv, engagiert oder interessiert sind, wird von bestimmten europäischen und nationalen Eliten und Institutionen verbreitet. Ihr Interesse ist es, ihre Ideen und Privilegien zu bewahren. Sie wollen keine Öffentlichkeiten über die nationalen Grenzen hinaus. Doch in Wirklichkeit gibt es BürgerInnen, die vielleicht keine hochgebildeten Intellektuellen sind und nicht fünf Sprachen sprechen, die aber besorgt sind, weil sie den Rassismus in ihrer Umgebung sehen. Sie gehen auf die Straße, weil sie wollen, dass ihre Städte Flüchtende aufnehmen; sie sind besorgt über den Einsatz von Plastik und über die globale Erwärmung. Das ist das Publikum, mit dem wir sprechen und das wir adressieren müssen. Das derzeitige politische Klima und die Zunahme von rechtsextremer Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben uns an einen Wendepunkt gebracht. Wir müssen jetzt wirklich mit der europäischen Mediensphäre vorankommen.

Foto von Marta Cillero

Marta Cillero ist bei European Alternatives zuständig für Kommunication. Sie istAutorin und Mitherausgeberin des online-Magazins PoliticalCritique.org. Diplom in Medienwissenschaft, Journalismus und Kommunikation. Hintergrund in GenderStudies. Zuletzt arbeitete sie mit Anushay Hossain als community manager, Bloggerin und Forschungsassistentin. Marta hat eben ihren ersten Gedichtband aus feministischer Perspektive veröffentlicht beim italienischen Verlagshaus "Ensemble".
 

Catherine André: Ich stimme ausdrücklich zu, dass die BürgerInnen nicht nur über die Situation in ihrem Herkunftsland besorgt sind, denn die größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind grenzüberschreitend. Wenn beispielsweise der Klimawandel die Menschen bereits lokal betrifft, kann er weder allein auf nationaler noch auf EU-Ebene angegangen werden. Wir brauchen transeuropäische Medien mehr denn je, um über die Themen zu berichten, die den Menschen wirklich wichtig sind. Viele Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa sind sehr aktiv, und finden z.B. ihre eigenen lokalen Antworten auf die so genannte "Flüchtlingskrise",  oder verschiedenste regionale Lösungen zur Bewältigung von Klimawandel und Umweltfragen. Die Medien müssen diese Erfahrungen und gute Praktiken vermitteln. Wir spüren auf jeden Fall den derzeitigen Schwung, aber die europäische Idee könnte in den nächsten zehn Jahren auch zum Erliegen kommen. Wir müssen die bereits überzeugten EuropäerInnen mit qualifizierten Nachrichten versorgen, aber wir dürfen auch nicht vergessen, uns an die Mehrheit zu wenden, die sich ausgegrenzt fühlt.

Oft kamen die Versuche, transeuropäische Medienprojekte zu kreieren, als Top-down- oder Soft Power-Ansätze daher. Oder sie sind westeuropäische Formate und Förderprogramme, wie etwa Euronews oder Arte. Andere Nachrichtenseiten oder Zeitschriften wie die Ihrigen sind eher klein und von geringer Reichweite. Wie lässt sich diese Situation erklären? Sind Bottom-up- und Kuratieransätze die Zukunft der transeuropäischen Medien?

Catherine André: VoxEurop will nicht konkurrieren mit großen Leitmedien oder auf die Brüsseler Blase spezialisierten Medien. Das ist nicht unser Ziel, und andere machen das schon gut. Wir versuchen zur Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit beizutragen. Deshalb veröffentlichen wir in mehreren Sprachen. Wir übersetzen viele wichtige Texte, die für eine Reihe von Ländern wichtig sind. Wir sind klein, aber wir begrüßen die Beiträge und Ideen von Menschen, die sie mit uns diskutieren und teilen möchten.

Foto von Catherine André

Catherine André ist Journalistin. Sie ist Mitgründerin und verantwortliche Herausgeberin von VoxEurop. Sie ist stellvertretende Herausgeberin von Alternatives Economiques und Vizepräsidentin der Association of European Journalists France (AJE).

Marta Cillero: Ich stimme zu, dass wir nicht versuchen, mit den großen Medien zu konkurrieren, weil wir nicht die Kapazität dafür haben und es nicht unser Ziel ist. Wir können nicht mit der New York Times konkurrieren. Deshalb brauchen die JournalistInnen und Menschen in der alternativen, transeuropäischen Medienwelt mehr Ehrgeiz und größere Kapazitäten, um sich neue Narrative auszudenken. Natürlich wollen wir unsere Ressourcen erhöhen und unser Netzwerk ausbauen. Aber wir sprechen für die AktivistInnen und mit den AktivistInnen. Wir engagieren uns in verschiedenen sozialen Bewegungen und interessieren uns für das, was vor Ort geschieht.

Political Critique ist ein Magazin, aber auch ein Netzwerk. Und wir wollen dieses Netzwerk unbedingt wachsen lassen. Es ist eine Sache, JournalistIn zu sein, zu schreiben und zu berichten, aber es ist nochmal etwas anderes, sich den verschiedenen Mitgliedern des Netzwerks zu widmen und herauszufinden, welche Länder nicht abgedeckt werden und wie man Synergien schafft. Political Critique will nicht das Dach sein, unter dem alle zusammenkommen, sondern will die Rolle der "Pressekoordination" übernehmen und alle miteinander in Verbindung bringen. Das ist eine echte Herausforderung, weil es sehr zeitaufwendig ist. Wenn eine bestimmte Zeitschrift aus der Tschechischen Republik eine andere aus Spanien kontaktiert, weil sie durch Political Critique von ihr gehört hat, ist das ein Erfolg.

Wie können transeuropäische Medien aufgebaut werden, wo es doch so viele lokale historische Verläufe, spezifische Öffentlichkeiten, Medien und Sprachbarrieren in Europa gibt?

Marta Cillero: Political Critique funktioniert als Netzwerk, und der Einfluss, den die unterschiedlichen Mitglieder haben können, ist sehr wichtig. Wir veröffentlichen Originalinhalte in englischer Sprache aus unserem Zusammenschluss freiberuflicher JournalistInnen, und wir vertrauen auf die Inhalte von ihnen und unseren PartnerInnen. Wenn wir zum Beispiel ein Thema in Spanien beleuchten wollen, bitten wir unsere PartnerInnen dort entweder um einen Beitrag, den sie zu dem Thema geschrieben haben, den wir dann übersetzen und veröffentlichen - oder wir fragen selbst die Inhalte an und geben einen eigenen Artikel in Auftrag. Das funktioniert wirklich gut, weil unsere PartnerInnen bereits über eine Leserschaft verfügen, die für uns schwer zu erreichen wäre. Durch den Aufbau von Allianzen schaffen wir einen Austausch: denn auch das Partnermagazin bezieht Inhalte, nicht nur von Political Critique, sondern auch von Mitgliedern unseres Netzwerkes in anderen Ländern, die automatisch auch ihre PartnerInnen sind.

Eine unserer Partnerinnen, Pikara Magazine, ist eine sehr bekannte feministische Zeitschrift in Spanien. Auch wenn sie kein ausgesprochen europäisches Magazin sind, zielen sie trotzdem darauf ab, ein paneuropäisches Publikum zu erreichen. Nicht nur, weil sie mit uns zusammenarbeiten, sondern auch, weil sie über Themen außerhalb ihres nationalen Kontexts schreiben. Sie veröffentlichten zum Beispiel einen Artikel auf Spanisch über österreichische Großmütter, die gegen die extreme Rechte kämpfen - geschrieben von einem spanischen Journalisten, der zwischen Frankreich, Spanien und der Ukraine pendelt. Der Artikel wurde ursprünglich für ein spanisches Publikum geschrieben und dann ins Englische übersetzt. Wie viele andere ist sich auch Pikara bewusst, wie dringlich der europaweite Austausch von Inhalten ist angesichts der ähnlichen Umstände, unter denen BürgerInnen allerorts leiden.

Catherine André: Unabhängige europäische Nachrichtenmedien zu schaffen und aufrecht zu erhalten ist eine große Herausforderung. Das aktuelle Medienumfeld ist schwierig, und das schon gleich auf europäischer Ebene, wo erst noch eine Gemeinschaft von leicht erreichbaren Lesenden geschaffen werden muss. Europäische Medien erfordern die Übersetzung der meisten Artikel in mindestens drei oder vier Sprachen. Sowas braucht Ressourcen und Zeit und ist kostspielig. Aber es ist wirklich jede Anstrengung wert. Die europäischen unabhängigen Medien wachsen langsam, teils auch deshalb, weil sie sehr stark auf Werten basieren und wirklich für die Demokratie arbeiten und sich mit Themen befassen, die von den nationalen Medien kaum abgedeckt werden.

VoxEurop bestand drei Jahre lang als Verein, im September 2017 wurde sie dann die erste europäische Genossenschaft, die ein Medium betreibt. Wir versuchen, auf eine andere und sehr innovative Weise zu arbeiten: mit mehr ÜbersetzerInnen, AutorInnen und viel Zusammenarbeit und Arbeiten in Netzwerken. Die Website von VoxEurop ist kostenlos, und wir arbeiten derzeit an einem Mitgliedschaftsmodell, das wahrscheinlich dem von The Guardian sehr ähneln wird. Wir sind immer noch fragil, aber wir wachsen. Derzeit sind wir an drei großen Projekten beteiligt. Eines davon ist das European Data Journalism Network, das vor einem Jahr mit vielen PartnerInnen in ganz Europa gegründet wurde. Sein Ziel ist es, Fake News mit Daten und Infografiken zu bekämpfen. Die Herausforderung ist spannend: Wir müssen eine neue Form des Journalismus schaffen und dem Publikum nahe bleiben, während wir auf europäischer Ebene erzählen, diskutieren und analysieren.

Wer finanziert Ihre Medien? Wie können transeuropäische Medien nachhaltig und finanziell tragfähig sein und dennoch unabhängig bleiben? Bietet das Zeitalter der Online-Publikation und Online-Berichterstattung eine Chance?

Marta Cillero: Die Finanzierung war schon immer kompliziert, aber es gab auch immer Möglichkeiten. Man muss kreativ und mutig sein, um neue Projekte zu schaffen. Political Critique wird von zwei Organisationen finanziert: European Alternatives und Krytyka Polityczna. Sie stellen beide ein bestimmtes Budget für das Magazin bereit und finanzieren es zu gleichen Teilen. Es ist nicht unbedingt nachhaltig: In einem Jahr könnte Political Critique den Laden schließen - oder auch nicht. Momentan müssen wir unbedigt die Rolle der Netzwerkkoordination definieren, aber es gibt Möglichkeiten weiterzumachen.

Was das Zeitalter der Online-Publikation betrifft, so bin ich absolut nicht diejenige, die glaubt, dass Print tot ist. Natürlich nimmt das gedruckte Papier ab, aber ich glaube, es wird sich selbst neu erfinden. Traditionelle Zeitungen vielleicht nicht so sehr, doch gedruckte Zeitschriften sind immer noch präsent, und es entstehen vielversprechende neue Projekte. Aber das Internet und die sozialen Medien sind unvermeidlich, und die Zahlen und Reichweiten auf Facebook zum Beispiel sind unglaublich - man kommt nicht darum herum, dort zu sein und diese Gespräche zu führen. Die extreme Rechte ist darin sehr erfolgreich - sie weiß, dass man auf Twitter aktiv sein muss, und erreicht mit Instagram das Publikum unter 25 Jahren. Auch die sogenannten traditionellen Medien erfinden sich im Internet neu - The Guardian, El País und die New York Times veröffentlichen ihre Geschichten auf Instagram.

Welches Modell will VoxEurop bauen? Ist es nicht so, dass Paywalls geschlossene und gleichgesinnte Communities bilden?

Catherine André: Wir entwickeln heute ein Geschäftsmodell, das auf Mitgliedschaft beruht. Wenn wir zur Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit beitragen wollen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass unsere Inhalte für alle kostenlos zugänglich sind, und nicht nur einer kleinen Gemeinschaft bereits überzeugter Europäer und Europäerinnen hinter einer Paywall. Aber dank der finanziellen Unterstützung einer engen Gemeinschaft werden wir dies leisten können. Außerdem werden wir als Genossenschaft unserer Leserschaft, PartnerInnen, JournalistInnen, ÜbersetzerInnen und allen Mitgliedern unseres Ökosystems die Möglichkeit bieten, ein Stück VoxEurop zu besitzen und eine Stimme bei unseren Entscheidungen als Herausgeber zu erhalten. Ein Medium, das seinen Lesenden und JournalistInnen gehört, ist eine Garantie für Unabhängigkeit - und das ist unsere oberste Priorität.

Gibt es eine Krise des Journalismusberufs in Europa? Welche Rolle spielen Journalismus und JournalistInnen für die Demokratie und eine lebendige Öffentlichkeit?

Marta Cillero: Demokratie geht mit Pluralismus einher. Deshalb müssen wir als Journalistinnen und Journalisten sehr aufmerksam sein, welche Art von Geschichten wir erzählen, wer sie erzählt und wer die ProtagonistInnen sind. Wenn wir über die europäischen Medien sprechen, laufen wir Gefahr, nur eine einzige Geschichte zu haben und in der europäischen Blase gefangen zu sein. Wir müssen uns wirklich mit den echten ProtagonistInnen jeder Geschichte auseinandersetzen. Es gibt viele Gründe für den Aufstieg der extremen Rechten und des Nationalismus. Aber einer der Gründe, der sicherlich dazu beigetragen hat, war die vereinfachte Darstellung von MigrantInnen und Minderheiten durch die Medien, die diese als einzigartige, einheitliche, unveränderliche und isolierte Gruppen darstellten. Die Menschen, die diese Konzepte repräsentieren, sind tatsächlich sehr vielfältig, und wir müssen sie für sich selbst sprechen lassen und sie in das Gespräch einbeziehen: die so genannten "Frauen", "MigrantInnen", "Geflüchtete", "Arbeiter und Arbeiterinnen", "Unterprivilegierte" und so weiter. Als alternative Medien ist es von grundlegender Bedeutung, dass wir nicht nur in ihrem Namen, sondern auch mit den Betroffenen und ProtagonistInnen selbst sprechen. Die Dekonstruktion des bestehenden Diskurses ist sehr wichtig, um nicht noch mehr gegenüber der extremen Rechten an Boden zu verlieren.

Catherine André: Journalistinnen und Journalisten tragen eine große Verantwortung, aber die Krisen von Medien und Ökonomie sowie ihr Zusammenhang haben zu zunehmenden Zeitzwängen und wirtschaftlichen Druck auf JournalistInnen geführt. Es ist sehr schwierig für sie geworden, unter guten Bedingungen zu arbeiten und Stücke zu veröffentlichen, auf die sie stolz sind. Und die Anzahl der veröffentlichten Artikel ist in den letzten fünfzehn Jahren stark zurückgegangen. Ich denke, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von JournalistInnen hat einige dazu bewegt, alternative Medien zu gründen.

Auch ChefredakteurInnen sind manchmal starkem Druck von AktionärInnen oder EigentümerInnen ausgesetzt, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Ich fühle mich als Redakteurin sehr verantwortlich, aber ich weiß, dass ich nicht allein bin. Es gibt viele Menschen, die eine gute Arbeit mit oft unzureichenden Mitteln leisten. Wir müssen häufiger gemeinsam über neue Wege der Finanzierung von verantwortungsvollen und qualitativ hochwertigem Journalismus nachdenken.

Marta Cillero: Was die Krise des Journalismus betrifft, glaube ich nicht an das Konzept des "BürgerInnenjournalismus". Ich erinnere mich an die vielen MedienanalystInnen, die, als die ersten Smartphones auftauchten, dachten, dass jetzt alle JournalistInnen werden würden, und dass dann der Journalismus ausstirbt. Das ist natürlich nicht der Fall, denn Journalismus ist mehr als nur ein Foto zu schießen, ein Interview zu führen und dann einen Artikel zu schreiben. Und es ist nicht eingetreten, dass die Leute herumlaufen, Artikel schreiben und sie einfach veröffentlichen; ich sehe kein steigendes Interesse der BürgerInnen, sich aktiv an der Medienlandschaft zu beteiligen. Allerdings arbeiten wir vor Ort eng mit sozialen Bewegungen und politisch-sozialen Kampagnen zusammen, und gelegentlich fragen AktivistInnen oder BürgerInnen uns, wie man einen Beitrag schreibt oder ob wir ihre Geschichten erzählen könnten.

Catherine André: Der Journalismus verändert sich und wird in vielerlei Hinsicht herausgefordert. Es gab immer einige sehr engagierte Zeitungen, und die Debatte um Objektivität gibt es schon so lange, wie es Journalismus gibt. Welche Haltung nehmen wir ein? Es läuft immer wieder auf die Fakten hinaus - aber wie präsentierst du sie, welche Art von Schlagzeile wählst du aus und schlägst du vor? Die Idee, die Realität zu betrachten und sie zu beschreiben, ist komplex. Im Moment ist die Geschwindigkeit, mit der Informationen zirkulieren - einschließlich einiger Fake News, auch wenn dies an sich kein neues Phänomen ist – und in den politischen Bereich eingespeist werden, schneller als je zuvor. Es braucht schnellere Antworten. Als ich mich entschied, Journalistin zu werden, war meine Motivation, den Menschen zu helfen und ihnen Werkzeuge mit auf den Weg zugeben, so dass sie selbstständig denken können. Es ist sehr interessant, den Menschen Raum zu geben, um sich zu äußern, damit sie an der breiteren Debatte teilnehmen können.

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