3 Dinge, die wir alle über Infrastrukturen wissen sollten

Einführung

Vieles in unserem Alltag wäre undenkbar ohne ein dichtes Netz gut funktionierender Infrastrukturen. Deshalb sind sie so entscheidend dafür, ob wir am sozialen und politischen Leben teilhaben können oder nicht. Und auch, ob wir es schaffen, ökologischer zu leben und zu wirtschaften, hängt von klugen Infrastrukturentscheidungen ab, die jetzt getroffen werden müssen.

Infrastruktur leicht erklärt

Ein dichtes Netz gut funktionierender Infrastrukturen sind für viele von uns eine Selbstverständlichkeit. Wir nutzen sie rund um die Uhr. Und meistens tun wir es ganz selbstverständlich, ohne darauf zu achten. Das fängt mit dem Kaffeekochen morgens an (Strom- und Wassernetze), geht auf dem Radweg oder mit dem Bus zur Schule weiter. Später gehen wir vielleicht ins Schwimmbad oder auf den Sportplatz. In der Familie und im Freundeskreis haben wir Chatgruppen. Für die Fahrt in den Urlaub sitzen wir im Zug.

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Spätestens mit der Covid-19-Pandemie ist auch klar, wie sehr wir uns im Ernstfall auf genügend Krankenhausbetten verlassen. Alle haben in dieser Zeit gemerkt, was uns fehlt, wenn Kinos und Jugendclubs geschlossen bleiben und die Leute sich im öffentlichen Raum nur auf Abstand begegnen können.

Wie wichtig Infrastrukturen sind und was das mit Politik zu tun hat, lest Ihr im Infrastrukturatlas 2020. Mit vielen Grafiken und Beiträgen zeigt er, wie es um die wichtigsten Infrastrukturen steht und was heute zu tun ist, damit wir die Umwelt schonen und noch mehr Menschen faire Teilhabechancen erhalten. Denn soziale Infrastrukturen entscheiden mit darüber, wer welche Chancen im Leben und im Beruf hat. Und natürlich nutzen wir Bahnhöfe, Leitungen oder Verkehrswege meistens für viele Jahrzehnte, manchmal sogar für Jahrhunderte. Deshalb müssen sie so ökologisch gestaltet werden, dass genügend Spielräume für zukünftige Generationen bleiben. Bei Infrastrukturen gilt es also eine Menge zu bedenken.

1. Mehr Teilhabechancen für alle? Geht nur mit passenden Infrastrukturen

Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass allen Menschen die Türen zu guter Bildung, Kultur und Gesundheit offenstehen. Dasselbe gilt für eine schnelle Internetverbindung und ein vernünftiges Bus- und Bahnnetz. Darauf will natürlich niemand verzichten. Darum ist es eine wichtige politische Aufgabe, wirklich allen den Zugang zu eröffnen. Hier kommen die öffentlichen Infrastrukturen ins Spiel. Doch nicht nur die Zugänge sind wichtig, auch die Qualität. Ob Infrastrukturen ihre Aufgaben gut erfüllen können, hängt also davon ab, dass Zugänglichkeit und Qualität gewährleistet sind.

Zugänglichkeit meint ganz einfach reinkommen und dabei sein können. Die Zugangshürden können ganz unterschiedlich sein. Manche Menschen haben zu wenig Geld, um Eintrittspreise und Gebühren für die regelmäßige Nutzung zu bezahlen (z.B. an der Schwimmbadkasse). Andere machen Erfahrungen mit Diskriminierungen wegen ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe und werden so in öffentlichen Räumen ausgeschlossen. Zum Teil stehen auch schlicht Barrieren im Weg, sodass Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung keinen Zugang zu Infrastrukturen haben.

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Genauso wichtig ist die Qualität von Infrastrukturen. Denn nur, wenn z.B. eine Schulausbildung alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich fördert, profitieren auch diejenigen davon, bei denen die Eltern ein schlechtes Schulangebot nicht mit privater Nachhilfe ausgleichen können. Erst wenn Zugänglichkeit und Qualität zusammenkommen, können Infrastrukturen so funktionieren, dass sie Ungleichheiten in der Gesellschaft ausgleichen.

2. Ein Schlüssel für mehr Klimaschutz

Bisher war vor allem von der Gegenwart die Rede. Welche Infrastrukturen gebaut oder erhalten werden, wirkt aber sehr langfristig: Ein Schienennetz, Glasfaserkabel oder Strommasten bleiben schließlich für viele Jahre stehen. Deshalb müssen wir heute so planen und entscheiden, dass es für zukünftige Generationen nicht ungerecht wird. Bereits heute verstärken Umwelt- und Klimaschäden bestehende Ungleichheiten, vor allem global betrachtet. Dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verschärfen. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass die weltweiten CO2-Emissionen drastisch sinken müssen, um die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß einzudämmen. Wie wir das am besten schaffen, wird unterschiedlich gesehen. Klar ist allerdings, dass es nicht weiter geht wie bisher. Verkehrssysteme, Energieversorgung, Städtebau uvm. – dies alles muss klimaneutral werden. Deshalb wird zum Beispiel oft von einer Energiewende und einer Verkehrswende gesprochen.

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In einer modernen Gesellschaft wird dieser Wandel zum ökologischen Leben und Wirtschaften nur mit der Unterstützung von Infrastrukturen gehen, nicht ohne oder sogar gegen sie. Für die Verkehrswende müssen zum Beispiel Schienennetzte ausgebaut werden, in vielen Städten fehlt ein gutes Radwegenetz. Für die Energiewende in Deutschland müssen Stromtrassen gebaut werden, um die Energie vom windreichen Norden in den dichten bevölkerten Süden zu bringen. Die Chancen von „smarten“ Systemen zum Energiesparen können nur genutzt werden, wenn es flächendeckend gute Netzverbindungen gibt.

3. Infrastrukturen sind eine politische Aufgabe!

Aus dem bisher Gesagten folgt: Infrastrukturen sind nicht nur eine Sache für Fachleute. Sie sind eine Aufgabe für die Politik. Sie muss die richtigen Weichen stellen, denn viele Infrastrukturen werden den wichtigen ökologischen und sozialen Zielen heute nicht gerecht. Der Moment für die Veränderung ist jetzt: In den kommenden Jahren müssen in Deutschland viele richtungsweisende Entscheidungen getroffen werden, etwa bei den Verkehrs- und Energienetzen, aber genauso im Gesundheitswesen, der Entwicklung der Schulen und bei der Digitalisierung. Auf die Infrastruktur wird es also sehr ankommen.

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Über die konkreten Lösungen muss dann breit in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Nur so können sie von allen akzeptiert werden. Damit die Menschen mit Verwaltung und Politik ins Gespräch kommen, müssen vielerorts die Möglichkeiten zu guter Beteiligung ausgebaut werden. Das Motto sollte dabei lauten: Mitgestalten, aber nicht blockieren, denn die Zeit für den ökologischen und sozial gerechten Wandel drängt. Dabei wird es zwar auch um einzelne Projekte gehen (die Straßenbahn, die kommunale Wasserversorgung oder den Kita-Neubau), aber vor allem um das große Ganze.

Gefragt sind deshalb auch gesellschaftliche Leitbilder, mit denen wir uns über die Infrastrukturen der Zukunft verständigen können: Wie erreichen wir gleichzeitig hohe Qualität und Zugänglichkeit? Wie können soziale und andere Ausschlüsse vermieden werden? Welche Infrastrukturen brauchen wir für den Wandel zum ökologischeren Leben und Wirtschaften? Und wie können zukünftige Generationen in diesen Entscheidungen angemessen berücksichtigt werden? Einen Überblick dazu und erste Antworten liefert der Infrastrukturatlas 2020.