Frankreich hat gewählt – und klare Antworten bleiben aus. Die Kommunalwahlen 2026 zeigen ein zersplittertes politisches Feld: Die Grünen verlieren große Städte, bleiben aber landesweit verankert. Die Linke ringt weiter mit ihrer Spaltung, während der Rassemblement National lokal zulegt, ohne die Metropolen zu erobern. Präsident Macrons Lager bleibt schwach vor Ort. Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl deutet vieles auf offene Rennen, wechselnde Allianzen und wachsende Unsicherheit im politischen System hin.
Die französischen Kommunalwahlen galten als großer Stimmungstest ein Jahr vor den nächsten Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027. Wie würde sich der Rassemblement National schlagen? Wie das Macron-Lager? Wer würde sich in der gespaltenen Linken als Gewinner hervortun?
Für die Grünen stellte sich insbesondere die Frage, ob sie ihren Sensationssieg von 2020 wiederholten können. Bei den letzten Kommunalwahlen, gleich zu Beginn der Pandemie, hatten sie überraschend die größten Städte der Republik erobert. In Bordeaux, Lyon, Straßburg, Grenoble, Besançon, Poitiers und Tours stellten sie die Bürgermeister*innen. Unter anderem in Marseille, Rennes, Nantes, Lille und Paris regierten sie mit.
Grüne: Trotz Verlusten keine Eintagsfliegen
Nach der ersten Runde am 15. März waren alle grünen Bürgermeister*innen erneut im Spiel. Dies war für die Partei bereits eine große Erleichterung. Zudem gewannen die Grünen auf Anhieb Rathäuser in 44 kleineren und mittleren Gemeinden in ganz Frankreich. Aber würde sich die „grüne Welle“ in den Großstädten letztlich halten?
Das Ergebnis der Écologistes nach der zweiten Runde ist gemischt. Zwar konnten sie Lyon, Grenoble und Tours verteidigen, mussten sich jedoch in Bordeaux, Straßburg, Poitiers, Annecy und Besançon geschlagen geben. Hatte der grüne Bürgermeister von Lyon, Grégory Doucet eine enorme Aufholjagd hingelegt, um den Kandidaten der Rechten, den ehemaligen Olympique-lyonnais-Manager, Jean-Michel Aulas zu schlagen, so war dies seinen Amtskolleg*innen in Straßburg, Poitiers und Besançon nicht gelungen.
Trotz kurzfristigen Allianzen mit La France Insoumise (LFI) musste sich Jeanne Barseghian in Straßburg der Sozialistin, und in der Vergangenheit zweifachen Bürgermeisterin, Catherine Trautmann geschlagen geben. In Poitiers verlor Amtsinhaberin Leonore Moncond‘hui ebenso gegen einen zentristischen Kandidaten Anthony Brottier, und in Besançon landete der Kandidat der Rechten, Ludovic Fagaut von den Républicains, vor der grünen Anne Vignot.
Zu den 44 Gemeinden der ersten Runde gewannen die Grünen darüber hinaus zwei Rathäuser in den Pariser Banlieues hinzu. In Bagnolet machte der Grüne Édouard Denouel mit einer linken Bürger*innen-Allianz das Rennen vor den Sozialisten und in Villepinte besiegte Mélissa Youssouf die Kandidatin eines rechten Bündnisses.
Darüber hinaus waren die Grünen als Teil weiterer linker Bündnisse erfolgreich. Allen voran in Paris, wo sie dem Sozialisten Emmanuel Grégoire als Nachfolger von Anne Hidalgo zum Sieg verhalfen, und auch in Marseille, wo der Sozialist Benoît Payan sein Amt gegen den Rassemblement National deutlicher als erwartet verteidigte. Mitregieren werden die Grünen darüber hinaus in Zukunft auch in Lille, Nantes, Rennes. In Nîmes schnappte sich der der Kandidat der Kommunisten mit den Grünen und anderen das Rathaus vor dem Rassemblement National und den Républicains. Und in Pau, am Fuße der Pyrenäen, wählten die Grünen mit dem Kandidaten der Sozialisten den Bürgermeister und ehemaligen Premierminister François Bayrou ab.
Alle grünen Niederlagen waren mit wenigen tausend Stimmen zwar vergleichsweise knapp, doch sind die Verluste von Bordeaux und Straßburg besonders sichtbar und schmerzhaft. In Besançon ging zudem eine jahrzehntelange Hochburg der Linken an Rechte verloren. Und die Hoffnung, die Hafenstadt Lorient in der Bretagne zu erobern erfüllte sich knapp nicht. Trotz allem ist festzuhalten, dass sich die Grünen selbst, und auch ihre zentralen Themen von Klimaschutz, der ökologisch-sozialen Umgestaltung von Städten und Gemeinden sowie der Mobilitätswende, bis in die ländlichen Räume hinein etabliert haben, und auch von lokalen Bündnissen vertreten werden, in denen die Grünen nicht zwingenderweise eine Führungsrolle haben.
Als Gründe für die Niederlage werden der gesamtgesellschaftliche Backlash gegen Klima- und Umweltschutz angeführt, und dass den Grünen bei ihrer thematischen Ausweitung in Regierungsverantwortung die Kernkompetenz Klima nicht mehr zugeschrieben wurde. Zudem sei es ihnen nicht gelungen, die Stadtgesellschaft als Ganzes anzusprechen, und viele Wähler*innen hätten sich schließlich über die mit dem Stadtumbau verbundenen Baustellen geärgert.
Die Linke: Mit oder ohne LFI – Das ist hier die Frage
Die linken Parteien waren insgesamt erneut gespalten in die Wahlen gegangen und haben in der Summe verloren. Die „Neue Volksfront“, die sich zu den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 2024 formiert hatte, war auch auf nationaler Ebene längst zerbrochen. LFI hatte, wie unter anderem in Paris, Marseille und Straßburg, gegen linke Bürgermeister*innen eigene Kandidat*innen aufgestellt. In Straßburg bekam Jeanne Barseghian zudem von den Sozialistin Catherine Trautmann Konkurrenz. Auch in Lille, wo der grüne Kandidat Stéphane Baly 2020 mit nur wenigen hundert Stimmen dem sozialistischen Kontrahenten unterlegen war, traten die drei Parteien, Grüne, Sozialisten und LFI getrennt an.
Während die Grünen zur zweiten Runde der Kommunalwahlen außer in Bordeaux Allianzen mit LFI schmiedeten, setzten die Sozialisten Grégoire in Paris und Payan in Marseille darauf, ohne die Mélenchon-Partei zu gewinnen. Beide waren damit erfolgreich. In Marseille hatte sich der LFI-Kandidat Sébastien Delogu schließlich zurückgezogen, um den Rassemblement National zu verhindern. In Paris gewann Emmanuel Grégoire trotz der Teilnahme von LFI an der 2. Runde. Die Allianzen der Grünen mit LFI waren, mit Ausnahme von Lyon, wiederum nicht erfolgreich.
Daraus einen eindeutigen Schluss für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr abzuleiten, bleibt riskant. Es zeigt sich jedoch, dass ein Sieg zumindest für Sozialisten ohne LFI möglich ist, und dass zumindest die kurzfristigen Allianzen der Grünen überwiegend nicht von Erfolg gekrönt waren. Jenseits der lokalen Begebenheiten haben die Grünen durch die Bündnisse vermutlich bei moderaten Linken und Wähler*innen der Mitte verloren, denen vor allem Jean-Luc Mélenchon als dominierende und polarisierende Persönlichkeit nicht wählbar erschien.
Mehr Vielfalt in den Rathäusern
La France Insoumise hatte nach dem ersten Wahlgang auf den Erfolg in drei größeren Städten gesetzt: In Roubaix bei Lille, in Toulouse und in Limoges. Geklappt hat es nur in Roubaix, dennoch haben sie vor allem in den Vororten und im Umland von Paris drei Rathäuser erobert. In Saint-Denis, La Courneuve und Creil, sowie auch in den Banlieues von Lyon wurden mit LFI zudem zwei Schwarze und vier Politiker mit nordafrikanischer Herkunftsgeschichte Bürgermeister. Ein weiterer Durchbruch für die Repräsentation von Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus den sogenannten „Quartiers Populaires“ in der französischen Politik. Auch bei den Grünen gewannen in den Banlieues mit Mélissa Youssouf in Villepinte und Mohamed Gnabaly in Île-Saint-Denis Schwarze Kandidat*innen, bei den Sozialisten setzte sich der marokkanisch-stämmige Karim Bouamrane in Saint-Ouen erneut durch.
Diese Siege sind relevant, da Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der französischen Politik trotz seiner Kolonial- und Einwanderungsgeschichte bei weitem nicht adäquat repräsentiert sind. Dies gilt zudem auch für den Zugang zu Machtpositionen in den Arbeitervierteln, wo sie sich als Bürger*innen überproportional wiederfinden. In diesen „Quartiers Populaires“ ist, auch aufgrund der mangelnden Repräsentativität, die schließlich auch Wahlbeteiligung besonders gering. Ausgerechnet LFI hat in den letzten Jahren erkannt, dass diese Potentiale erfolgreich mobilisiert werden können. Andere Parteien lassen diese Ansprache und Mobilisation vergleichsweise vermissen.
Von einer Geschlechterparität sind die Rathäuser Frankreichs ebenso weit entfernt, obgleich es eigentlich seit 2000 ein Gesetz zur Gleichstellung von Frauen in der Politik gibt. Nach den Kommunalwahlen 2026 sind lediglich 23 Prozent der Bürgermeister*innen Frauen. Trotz dieses niedrigen Niveaus ist dies nahezu eine Verdopplung seit 2001.
Die Rechtsextremen auf dem Vormarsch?
Mit Spannung wurde auch erwartet, wie der Rassemblement National (RN) bei den Kommunalwahlen abschneiden würde. Bereits in der ersten Runde konnte er zwar seine Hochburgen Fréjus und Perpignan im Süden und Hénin-Beaumont im Norden verteidigen; in der zweiten Runde gelang es ihm jedoch nicht sein großes Ziel zu erreichen, die Rathäuser von Marseille und Toulon zu erobern. In den Großstädten spielt der RN weiterhin eine untergeordnete Rolle. Allerdings siegte der ehemalige Vorsitzende der Républicains, Eric Ciotti, mit seiner neuen Partei Union des droites pour la République (UDR) in einer Allianz mit dem RN in Nizza. Insgesamt gelang es der rechtsextremen Partei knapp 70 Bürgermeister in Frankreich zu stellen, im Gegensatz zu 11 bei den vorherigen Wahlen 2020. Es bleibt jedoch überwiegend bei einer regionalen Konzentration im Süden und in den ehemaligen Bergbau- und Stahlregionen im Norden und Nordosten.
Die rechts-konservative Partei Les Républicains ging insgesamt als stärkste Partei mit den meisten Kommunen aus den Wahlen hervor, gefolgt von den Sozialisten. Die Républicains dominieren in den wohlhabenden Vororten von Paris. Zu den größten Städten gehören Clermont-Ferrand, Limoges, Brest und Besançon, wo sie eine jahrzehntelange Vorherrschaft der Sozialisten und zuletzt der Grünen abgelöst haben. In nahezu keiner Gemeinde haben die Républicains mit dem RN zusammengearbeitet. Auf lokaler Ebene hat die Brandmauer also gehalten.
Wie auf der linken gibt es auch auf der rechten Seite landesweit zahlreiche Wahlbündnisse und Bürgerallianzen, die sich nicht eindeutig einer Partei zuordnen lassen. So werden beispielsweise die Großstädte Toulouse, Metz und Caen von solchen „gemischten, rechten Allianzen“ regiert.
Die Macronie weiterhin ohne lokale Verankerung
Das Lager von Macron, insbesondere seine eigene Partei „Renaissance“ haben es erneut nicht geschafft sich eine lokale Basis aufzubauen. Renaissance hat als Präsidentenpartei im zweiten Wahlgang gerade mal acht Städte und Gemeinden erobert, genau so viele wie die Grünen. Die größte Stadt ist nun Bordeaux, wo der Kandidat Thomas Cazenave den grünen Bürgermeister Pierre Hurmic ablöst.
Als größte Partei aus der Macron-Allianz geht die Partei Horizons hervor, deren Vorsitzender und Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe als Bürgermeister von Le Havre wiedergewählt wurde. Insgesamt erreichte die Partei in 21 Gemeinden eine Mehrheit. In Paris unterstützte Horizons auf Wunsch Philippes und gegen den Willen des lokalen Spitzenkandidaten Pierre-Yves Bournazel die rechte Kandidatin Rachida Dati, woraufhin Bournazel noch vor der zweiten Runde zurücktrat. Auch der ehemalige Europa- und Verkehrsminister Clément Beaune, selbst Kandidat für das 11. Arrondissement von Paris, distanzierte sich von dieser Allianz. In Straßburg wiederum unterstützte Horizons die Sozialistin und Siegerin Catherine Trautmann gegen die Grüne Jeanne Barseghian, was Trautmann im Gegenzug Probleme mit den Sozialisten auf nationaler Ebene einbrachte. In Pau wurde dafür der ehemalige Premierminister und Macron-Allierte François Bayrou als Bürgermeister vom Sozialisten Jérôme Marbot abgelöst.
Eindeutige Signale für die Präsidentschaftswahl: Fehlanzeige
Was bedeuten die Kommunalwahlen also für die nationale Ebene ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen? Konkret erstmal nicht viel. Die beiden traditionell dominierenden Parteien auf kommunaler Ebene, die Républicains und die Sozialisten sind auf nationaler Ebene als eigenständige Parteien marginalisiert. Dass sich daran etwas ändert, ist unvorstellbar.
Der Rassemblement National hat bei den letzten Parlamentswahlen und auch bei den Europawahlen deutlich höhere Gewinne eingefahren als sich dies auf kommunaler Ebene gezeigt hat. Allerdings konnte der RN mit nun rund 70 Gemeinden seine lokale Basis für den Präsidentschaftswahlkampf ausbauen. In diesem Kontext hat der „Plan Péricles“ des rechtsidentitären Milliardärs Pierre-Édouard Stérin zwar in der Summe sein Ziel von 300 Gemeinden für den RN nicht erreicht, aber durchaus Fortschritte erzielt und zukünftiges Personal aufgebaut. Auch wenn das Berufungsverfahren von Marine Le Pen gegen das Verbot als Präsidentschaftskandidatin anzutreten, noch läuft, bereitet sich ihre Partei und auch die französische Öffentlichkeit bereits auf einen Kandidaten Jordan Bardella vor. Laut einer Umfrage von IPSOS wären 38% der Franzosen mit einer möglichen Wahl von Jordan Bardella einverstanden. Zugleich zeigt sich, dass der RN bei Wahlen sein Plateau erreicht haben könnte. Daher beginnen intern Diskussionen, ob auch der RN Allianzen mit anderen rechten und rechtsextremen Parteien bilden sollte.
Auf nationaler Ebene ist das Lager von Macron zwar nicht ganz so schwach wie auf kommunaler Ebene, aber auch dort ist die ursprüngliche Idee von Emmanuel Macron, die Mitte als neue politische Kraft gegenüber links und rechts zu etablieren, als gescheitert anzusehen. Von Wahl zu Wahl wurden die Ränder, der Rassemblement National sowie La France Insoumise, gestärkt und die klassischen Parteien der Républicains und Sozialisten marginalisiert, ohne dass eine stabile Partei im Zentrum entstanden wäre. Derzeit erscheint aus dem Bündnis die Partei Horizons und ihr Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe noch am ehesten in der Lage, in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen zu bestehen.
Das linke Lager geht nicht nur aus dieser Kommunalwahl gespalten hervor. Entsprechend steuert es auch auf die Präsidentschaftswahlen zu. Jean-Luc Mélenchon drängt seine Partei LFI auf einen eigenständigen, fundamental-oppositionellen Kurs. Er hat die 2024 formierte „Neue Volksfront“ de facto aufgekündigt und den Sozialisten während der Haushaltsverhandlungen mit der Regierung Lecornu im Herbst 2025 Verrat vorgeworfen. Er selbst ist wiederum regelmäßig dem Vorwurf ausgesetzt, den Nahost-Konflikt und die Solidarität mit den Palästinensern zu instrumentalisieren und in der politischen Auseinandersetzung mit antisemitischen Stereotypen zu spielen. Nach dem Tod des rechtsextremen Aktivisten Quentin Déranque infolge von Schlägen durch Linksextremisten in Lyon hat er sich nicht eindeutig gegen Gewalt ausgesprochen. Konservativen und rechten Kräften ist es daraufhin gelungen, LFI als außerhalb des republikanischen und demokratischen Spektrums zu markieren. Von Jordan Bardella über den Präsidentschaftskandidaten Bruno Retailleau bis hin zum derzeitigen Innenminister Nunez wurde aufgerufen, eine Brandmauer gegen LFI zu errichten.
Auch Teile des sozialistischen Lagers schließen eine Kooperation mit LFI aus; dazu zählen der mögliche Präsidentschaftskandidat Raphaël Glucksmann (Place Publique) sowie der ehemalige Präsident François Hollande. Auch aus diesem Grund haben sich Benoît Payan in Marseille und Emmanuel Grégoire in Paris gegen eine Vereinigung mit LFI ausgesprochen. Sie setzen alle gemeinsam darauf, auch während der Präsidentschaftswahl 2027 in einer Allianz mit den Grünen, Kommunisten und anderen, aber ohne LFI, siegreich sein zu können.
Der Vorsitzende der Sozialisten Olivier Faure und insbesondere die französischen Grünen sehen das kritischer. Vor allem die Grünen-Vorsitzende Marine Tondelier wird nicht müde, alle linke Parteien aufzurufen in einer Urwahl einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen. Dies wird allerdings selbst von Jean-Luc Mélenchon abgelehnt. Ob selbst eine Urwahl der Linken ohne LFI (und ohne Raphaël Glucksmann, der sich bis dato verweigert) eine*n Kandidat*in hervorbringen könnte, der für die Linken an Mélenchon vorbeiziehen könnte, ist derzeit nicht erkennbar.
Ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen, zu denen Emmanuel Macron selbst nicht mehr antreten kann, ist das Kandidat*innenfeld weit offen und unübersichtlich. Nach knapp 10 Jahren einer Dreiteilung der politischen Landschaft, wie sie sich derzeit in der Nationalversammlung darstellt, könnten die Kommunalwahlen ein Hinweis darauf sein, dass es sich wieder auf zwei Blöcke konzentriert, allerdings mit geschrumpften ehemaligen Präsidentenparteien Les Républicains und Sozialisten und deutlich gestärkten Rändern. Seit der Wiederwahl von Präsident Macron im Juni 2022 hat sich gezeigt, dass sein Block der Mitte nicht nur schrumpft, sondern sich im Zweifel auch eher rechts einordnet. Ob damit ein Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe im Zweifelsfall für linke Wähler*innen eine Alternative zu Jean-Luc Mélenchon sein könnte, sollte es keine andere erfolgsversprechende Kandidatur links der Mitte geben, ist fraglich.
Somit stellt sich für Sozialisten und Grüne die große Frage, ob es ihnen gelingen mag, eine vereinigende, charismatische Persönlichkeit zu finden, die auf dem derzeit offenen und unübersichtlichen Feld ein mehrheitsfähiges Angebot gegen den in den Umfragen dominierenden Rassemblement National einerseits und den sich bereitmachenden Jean-Luc Mélenchon andererseits machen kann.