Von Präsenz zu Macht: Geschlechtergerechtigkeit nach Women Deliver 2026 neu denken

Analysis

Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen und Interviews aus Melbourne untersucht dieser Artikel, wem in globalen Geschlechterdebatten Gehör geschenkt wird – und warum ein echter Wandel eine Verschiebung der Machtverhältnisse erfordert und nicht nur eine Ausweitung der Beteiligung.

People sit scattered across rows of red seats in an auditorium, some reading or using phones and tablets.

Dieser Beitrag ist eine automatische Übersetzung.
Übersetzt mit DeepL.
Originalsprache ist English

Die Women Deliver 2026-Konferenz in Melbourne versammelte 6.123 Teilnehmer*innen aus 189 Ländern und 246 Sprachen. Diese Zahlen spiegeln das Ausmaß und die Dringlichkeit globaler Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit wider. Doch jenseits der Teilnahme offenbart diese Analyse ein komplexeres Bild von Inklusion, Macht und anhaltenden strukturellen Lücken. Unsere Autorin teilt ihre Erkenntnisse aus Literaturrecherche und Interviews mit Aktivist*innen vor Ort.

Women Deliver

Women Deliver ist eine globale Advocacy-Organisation, die sich auf die Verbesserung der Geschlechtergleichstellung und körperlichen Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen konzentriert. Als globale Organisator*innen veranstaltet sie alle drei Jahre große Konferenzen, die wichtige Akteur*innen der Geschlechtergleichstellung aus aller Welt zusammenbringen.


Die Politik der Präsenz: Teilnahme kritisch lesen

Obwohl die numerische Teilnahme auf Inklusivität hindeuten mag, offenbart eine tiefere Analyse das, was feministische Literatur zunehmend als „strukturelle Abwesenheit" bezeichnen. Mit anderen Worten: Obwohl Teilnehmer*innen physisch anwesend und statistisch erfasst sein mögen, können sie aufgrund der Art und Weise, wie Institutionen und Systeme organisiert sind, nach wie vor von bedeutsamer Macht, Einfluss, Sichtbarkeit und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen bleiben. „Abwesenheit" meint hier nicht den buchstäblichen Ausschluss aus dem Raum, sondern eine institutionell erzeugte Form von Unsichtbarkeit und Verstummen. Dieses Konzept wird zunehmend in der feministischen Wissenschaft erforscht, insbesondere in der Kritik an Partizipation, Repräsentation und Macht in humanitären Räumen und Entwicklungskontexten.

Von geschlechter-responsiven zu geschlechter-transformativen Ansätzen

Auf Paneldiskussionen und Nebenveranstaltungen war ein starker Aufruf zu vernehmen, von geschlechter-responsiven zu geschlechter-transformativen Ansätzen überzugehen. Diese Unterscheidung ist gut etabliert: Geschlechter-responsive Interventionen adressieren unmittelbare Bedürfnisse, während transformative Ansätze darauf abzielen, strukturelle Ungleichheiten abzubauen. Die Melbourne-Erklärung, die durch Konsultationen mit über 650 Mitwirkenden auf der diesjährigen Women Deliver-Konferenz entwickelt wurde, spiegelt diesen Anspruch wider. Sie fordert Rechenschaftspflicht, Solidarität und die Auseinandersetzung mit ungerechten Wirtschaftssystemen. Erkenntnisse aus meiner Literaturrecherche und den Informant*inneninterviews deuten jedoch auf eine anhaltende Lücke bei der Umsetzung hin.

Risiken neu definieren: Wessen Risiken zählen?

Ein zentraler analytischer Ansatz, der sich sowohl aus der Fachliteratur als auch aus den Konferenzdiskussionen herauskristallisiert, ist das Konzept des Risikos. Traditionelle humanitäre Rahmenwerke definieren Risiko in institutioneller Hinsicht – als finanzielles, reputationsbezogenes und operatives Risiko. Feministische Perspektiven argumentieren jedoch, dass diese Sichtweise die Risiken verschleiert, denen Gemeinschaften und Bewegungen selbst ausgesetzt sind (ICVA, 2020; O’Neal-Dunham, 2024). Durch den Austausch mit wichtigen Informant*innen, insbesondere mit Akteur*innen des Feminist Humanitarian Network (FHN), wurde deutlich, dass von Frauen geführte Organisationen weiterhin als „riskante“ Investitionen wahrgenommen werden. Doch die Fakten deuten auf das Gegenteil hin: Das eigentliche Risiko besteht darin, diese Organisationen nicht zu finanzieren, was zu geschwächten Bewegungen und Rückschlägen bei der Gleichstellung der Geschlechter führt (Nolan et al., 2025). Diese Erkenntnis deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung bei der Vorstellung des neuen Berichts „Extractive By Design“ des FHN in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung während der Konferenz. Die Teilnehmenden betonten immer wieder, dass die Praktiken der Geber den Schutz der Institutionen über die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Gemeinschaften stellen. Die Erwartung, dass Frauenorganisationen in Krisensituationen „neutral“ bleiben, verschärft dieses Problem zusätzlich. Wie Wissenschaftler*innen argumentieren, kann Neutralität in Kontexten struktureller Ungerechtigkeit bestehende Machtungleichgewichte eher verstärken, als sie in Frage zu stellen (Krishnan, 2025).

Intersektionalität: Von der Rhetorik zur Praxis

Intersektionalität wurde bei Women Deliver 2026 häufig thematisiert, doch ihre Operationalisierung bleibt uneinheitlich. Die Diskussionen erkannten die Notwendigkeit an, queere Gemeinschaften, Jugendliche und Menschen in repressiven und autoritären Kontexten einzubeziehen. Sowohl Informant*inneninterviews als auch persönliche Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass diese Perspektiven nicht konsequent in die Programmgestaltung oder Förderprioritäten integriert werden. Diese Lücke ist angesichts des weltweiten Aufstiegs koordinierter Anti-Gender-Bewegungen besonders bedeutsam. Feministische Wissenschaft betont, dass Geschlechtergleichstellung nicht erreicht werden kann, ohne verschränkte Formen der Marginalisierung anzugehen. Darüber hinaus waren aufkommende Debatten über Daten und Evidenz prominent: Informant*innen äußerten Bedenken darüber, was als „Wirkung" gilt, wer sie definiert und wie Daten verwendet werden – insbesondere in Kontexten, in denen Gemeinschaften Kriminalisierung ausgesetzt sind.

Lokalisierung und die Frage nach dem „Ökosystem“

Das Konzept eines neuen „Ökosystems“ der Entwicklungszusammenarbeit war ein wiederkehrendes Thema auf der Konferenz. Es legt den Schwerpunkt auf die Verlagerung von Entscheidungsbefugnissen auf lokale Akteure, die Dezentralisierung der Finanzierung und die Förderung kooperativer Netzwerke. Sowohl die Fachliteratur als auch die Erkenntnisse aus der Praxis zeigen jedoch, dass dies bislang eher ein Ziel als eine verwirklichte Realität ist. Debatten zur Lokalisierung machen deutlich, dass sich zwar die Rhetorik gewandelt hat, die Finanzierungsstrukturen jedoch weiterhin im Globalen Norden konzentriert sind (Wolff, 2024; Reality of Aid, 2023). Meine Gespräche mit den Teilnehmenden bestätigten, dass viele Basisorganisationen Schwierigkeiten haben, die sich wandelnden Prioritäten der Geber zu interpretieren, die oft in einer komplexen und sich ständig ändernden Sprache kommuniziert werden. Junge pazifische Frauen auf der Konferenz brachten diese Spannung eindringlich zum Ausdruck und wiesen darauf hin, dass die Systeme sie weiterhin als Begünstigte und nicht als gleichberechtigte Partnerinnen behandeln. Ihre Forderung nach echter Teilhabe spiegelt langjährige feministische Forderungen nach Selbstbestimmung und Machtumverteilung wider.

Schlussfolgerung: Von der Zusammenkunft zur Transformation

Women Deliver 2026 war ein Raum sowohl der Inspiration als auch des Widerspruchs. Es brachte eine globale Gemeinschaft zusammen, die sich der Geschlechtergerechtigkeit verschrieben hat, spiegelte jedoch auch die Ungleichheiten innerhalb dieser Gemeinschaft wider.

Drei zentrale Erkenntnisse gehen aus dieser Analyse hervor:

  1. Risiko muss neu gerahmt werden, um Gemeinschaften und Bewegungen statt institutionellen Interessen Priorität zu geben.
  2. Macht muss sich wirklich verschieben, sodass lokale Akteur*innen nicht nur einbezogen werden, sondern die Führung übernehmen.
  3. Intersektionalität muss von der Rhetorik in die Praxis überführt werden und sowohl die Programmgestaltung als auch Förderentscheidungen prägen.

Letztendlich unterstrich die Konferenz einen entscheidenden Punkt: Globale Zusammenkünfte müssen mehr tun als Stimmen zu sammeln – sie müssen die Systeme transformieren, die darüber bestimmen, wessen Stimmen gehört werden.

Wenn sich das Ökosystem der Geschlechtergleichstellung tatsächlich weiterentwickelt, dürfen diejenigen, die von diesem Wandel am stärksten betroffen sind, nicht an seinen Rändern verbleiben. Sie müssen in seinem Zentrum stehen – es definieren, gestalten und den Weg an vorderster Front bestreiten.

 

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