Einunddreißig Jahre nach dem Genozid von Srebrenica behauptet das offizielle Belgrad weiterhin, Serbiens Verantwortung beschränke sich darauf, ein „Nachbarland" des Bosnienkrieges gewesen zu sein. Dokumente, Urteile und Zeugenaussagen zeichnen ein anderes Bild: von der Munition, die die Armee der Republika Srpska erreichte, über die Abschiebung von Überlebenden, die in Serbien Zuflucht suchten, bis hin zur direkten Beteiligung des serbischen Staatssicherheitsdienstes an der Tötung von sechs Bosniaken bei Trnovo. Die Grenze der Verantwortung, so zeigt sich, war nie so eindeutig, wie sie dargestellt wird.
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Der Text von Jovana Kolarić untersucht, welche Rolle Serbien und serbische Institutionen konkret bei Srebrenica spielten. Drei Ebenen werden dokumentiert:
- die politische und logistische Unterstützung der Armee Jugoslawiens für die Armee der Republika Srpska vor und während der Offensive;
- mindestens 30 geflüchtete Srebrenica-Überlebende, die serbische Polizei zwischen Juli und August 1995 an die Republika Srpska zurückgab – nur sechs überlebten;
- die direkte Beteiligung der serbischen Staatssicherheit über die Škorpioni-Einheit bei der Erschießung von sechs Bosniaken in Trnovo
Der Text schließt mit der bis heute anhaltenden Relativierung durch die serbische Führung.
Kernthese: Serbiens Verantwortung ist rechtlich enger gefasst (IGH 2007: keine Verhinderung/Bestrafung, kein Völkermord selbst), aber die dokumentierten Einzelfälle zeigen eine direktere operative Verstrickung, als die offizielle Erzählung zulässt.
„Srebrenica endete nicht an der Grenze zu Serbien. Was serbische Behörden 1995 wussten – und taten – ist Teil der Geschichte des Völkermords."
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