Soja, Kupfer und Lithium… Was will die EU von Lateinamerika?

Soja, Kupfer und Lithium… Was will die EU von Lateinamerika?

Soja, Kupfer und Lithium… Was will die EU von Lateinamerika?

Cumbre-de-los-Pueblos
Cumbre-de-los-Pueblos, Foto: Lili Fuhr, Lizenz: CC-BY-SA

28. Januar 2013
Lili Fuhr
Warum ist es wichtig, in diesen Tagen den Blick auf eine verschlafene Stadt hinter den Anden zu werfen? Vielleicht, um ein paar Sonnenstrahlen auf die nördliche Erdhalbkugel zu lenken? Schön wär’s. Doch mitten im Hochsommer tagten dieses Wochenende in Santiago de Chile die Staats- und Regierungschefs der EU mit denen aus Lateinamerika und der Karibik (CELAC).
 
Wie auch bei der Rio+20-Konferenz hat sich die Zivilgesellschaft in einem Gegengipfel zusammengefunden, dem Cumbre de los Pueblos, der mit der gleichen partizipativen Methodologie wie in Rio Alternativen und Strategien formulieren will. Und auch die Business Community trifft sich zum exklusiven Gipfel.
 
Der offizielle Gipfel befasst sich vor allem mit Handels- und Investitionsfragen. Und das hat hohe Relevanz für das Weltklima sowie für Ernährung und Ressourcengerechtigkeit auf dem Kontinent. Das lässt sich ganz gut mit zwei Beispielen illustrieren:
 
Die EU importiert für ihre massenhafte Fleischproduktion jährlich 35 Millionen Tonnen Soja im Jahr als Tierfutter, vor allem aus Argentinien und Brasilien. Damit steht die EU nach China weltweit an zweiter Stelle. Die Fläche, die für den Anbau des (fast vollständig genmanipulierten) Sojas gebraucht wird, entspricht der gesamten Agrarfläche Deutschlands (17,5 Millionen ha)!
 
Die Folgen: Allein in den letzten Jahren hat Brasilien aufgrund der hohen Nachfrage die Anbaufläche um 2,5 Millionen ha ausgeweitet (etwa der Größe von Mecklenmburg Vorpommern) und Argentinien um die Göße von Sachsen- Anhalt (2 Millionen ha). Und die Größe (und damit Macht!) der einzelnen Betriebe nimmt kontinuierlich zu (Quelle).
 
In Argentinien werden pro Jahr mehr als 200 Mio Tonnen Glyphosat verwendet. Das Unkrautvernichtungsmittel tötet auf dem Acker alles außer den genetisch veränderten Pflanzen. Das Gift wird mit Flugzeugen verteilt und sorgt so für eine weiträumige Vergiftung von Boden, Wasser, Biodiversität – und Menschen. (Kleine Frage am Rande: Produzieren Bayer oder BASF eigentlich Glyphosat?)
 
Ein weiteres Ressourcenthema, das die Beziehungen zwischen Europa und Lateinemerika bestimmt, ist die Nachfrage in Europa nach mineralischen und fossilen Rohstoffen. Merkel hat in Santiago eine Rohstoffpartnerschaft mit Chile unterzeichnet (das Land ist reich an Lithium, Kupfer und anderen Rohstoffen) und plant eine weitere mit Peru. Wir beziehen etwa ein Viertel unserer Steinkohle aus Kolumbien!
 
Die offizielle Agenda des Gipfels bietet somit wenig Hoffnungsvolles, setzt auf neoliberales Entwicklungsmodell, Zugang zu Rohstoffen und Freihandel. Spannend ist aber doch, dass die Debatten über das “Gute Leben” (“BuenVivir“) in Lateinamerika und die Post-Wachstumsgesellschaft in Europa sehr viel miteinander zu tun haben – aber sie erfordern eben eine ganz andere Partnerschaft zwischen den beiden Kontinenten.
 

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog
"Klima der Gerechtigkeit".

Lili Fuhr ist Referentin für Internationale Umweltpolitik in der Heinrich-Böll-Stiftung.

Logo EU-Lateinamerika-Gipfel 2013, Santiago de Chile
Logo des EU-Lateinamerika-Gipfel 2013, Santiago, Quelle: minrel.gob.cl

Am 26./27. Januar 2013 findet in Santiago de Chile der VII EU-Lateinamerika-Gipfel der Staats- und Regierungschefs statt. Die Frage ist, ob die vielbeschworene biregionale Partnerschaft neben Handels-Interessen auch mit einer politischen Vision angereichert werden kann. Wir sind dabei und bieten Ihnen Hintergrundinformationen zur Rohstoff-Debatte sowie Analysen und Berichte von dem Gipfel in Santiago.  mehr»

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