Prima Klima? Wofür die Klimatour gut sein soll

Prima Klima? Wofür die Klimatour gut sein soll

Prima Klima? Wofür die Klimatour gut sein soll

21. Mai 2008
Von Ralf Fücks und Barbara Unmüßig
Von Ralf Fücks und Barbara Unmüßig, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung

Der Klimawandel ist in aller Munde. BILD macht ihn zum Titelthema, und keine Talkshow kommt darum herum. Bundeskanzlerin Merkel hält im Ausland grüne Reden, und die EU-Regierungschefs beschließen ein europäisches Klimaschutzprogramm. Deutschland ist ein Vorreiter bei  Wind- und Solarenergie. Ökologische Investmentfonds boomen, und der „Economist“, das Zentralorgan der Finanzwelt, sieht eine „green economy“ heraufziehen. Selbst Hollywood huldigt dem Stamm der „LOHAS“ (Life Style of Health and Sustainability), und wer auf sich hält, achtet beim Einkauf auf Bio und Fair Trade.

Also alles auf gutem Weg? Leider nicht. Die weltweiten CO²-Emissionen steigen. Das gilt für die meisten alten Industrieländer, deren Klimakonto ohnehin schon überzogen ist, während die aufsteigenden Wirtschaftsmächte in Asien und Lateinamerika schnell nachziehen. Bisher können effizientere Technologien und erneuerbare Energien die Wucht des Wirtschaftswachstums nicht aufhalten, die von zwei Milliarden zusätzlicher Produzenten und Konsumenten vorangetrieben wird. Der globale Rohstoffhunger treibt die Zerstörung der letzten ökologischen Reservate voran. Und der Versuch, herkömmliches Benzin durch vermeintliche „Biokraftstoffe“ zu ersetzen, trägt zu einer neuen Hungerkrise in einer Vielzahl von Entwicklungsländern bei.

Auch die Europäische Union bleibt hinter ihren klimapolitischen Verpflichtungen zurück. In Deutschland wachsen vor allem die Emissionen im Verkehrsbereich. Dutzende neue Kohlekraftwerke sind geplant, die den CO²-Ausstoß um Jahrzehnte verlängern. Auf globaler Ebene bleiben die ökologischen Instrumente schwach. Im Jahr 2012 läuft das Kyoto-Protokoll aus, und es ist offen, ob es rechtzeitig ein neues Klimaabkommen geben wird, das sowohl die USA wie die aufsteigenden Industriemächte einbezieht. Ohne globale Klimagerechtigkeit wird es keine Einigung geben. Dazu müssen die reichen Industrieländer beim Klimaschutz vorangehen: wer seit Jahrzehnten den Löwenanteil der CO²-Emissionen in die Atmosphäre geblasen hat, muss jetzt auch den Löwenanteil bei ihrer Verminderung erbringen.

Mit der Klimatour 2008 wollen wir dazu beitragen, dass ein breites Bündnis für Klimaschutz entsteht. Um die grüne Wende zu schaffen, müssen alle ihren Beitrag leisten: Politik, Unternehmen und VerbraucherInnen. Jeder einzelne ist gefordert, das zu tun, was in seiner Macht steht. Ökologie ist nicht nur eine Frage neuer Technologien. Es geht auch um einen anderen, umweltbewussten Lebensstil, um eine andere Kultur des Lebens. Diesen Zusammenhang wollen wir mit der Klimatour 2008 deutlich machen. Wir danken allen, die sich daran beteiligen.

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