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Pakistans Regierung stellt sich dem Klimawandel

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Pakistan

8. November 2010
Britta Petersen
Erste internationale Konferenz in Islamabad, 21./22. Oktober 2010

Es brauchte eine Jahrhundertflut um das Thema in Pakistan ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen. Die Situatuion hat es unserem Büro in Lahore und seinem Partner, dem Sustainable Development Policy Institute (SDPI) in Islamabad erlaubt, das pakistanische Umweltministerium für eine seit langem geplante bilaterale Konferenz zwischen Indien und Pakistan zum Thema Klimawandel zu begeistern: Das Programm wuchs stetig und das Ergebnis war die erste "Internationale Konferenz zu Klimawandel und Entwicklung" vom 21. bis 22. Oktober in Islamabad.
Dabei hielt die viel kritisierte pakistanische Regierung das Thema für so wichtig, dass Premierminister Yousaf Raza Gilani die Veranstaltung im Hotel „Serena“ eröffnete und Präsident Asif Ali Zardari die Delegierten am letzten Tag zu einer Abschlussveranstaltung in den Präsidentenpalast einlud. Unter den Teilnehmern waren renommierte Klimaexperten wie der Vorsitzende des Weltklimarats (IPCC), R.K. Pachauri, der Direktor der Hauptabteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen (UNDESA) und SDPI-Gründer Tariq Banuri und Martin Khor, Geschäftsführer des Thinktanks "South Centre" in Genf.
Auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung nahmen auch drei indische Experten an der Konferenz teil: Sunita Narain, Direktorin des "Centre for Science & Environment" (CSE) in Neu-Delhi und eine langjährige Partnerin der Heinrich-Böll-Stiftung, Chandra Bushan, ebenfalls CSE und Surya Sethi, früher Hauptberater der indischen Planungskommission.
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Pakistan

Qamar uz Zaman Chaudhary, der ehemalige Generaldirektor der pakistanischen Abteilung für Meteorologie zeigte in seiner beeindruckenden Präsentation Zusammenhänge zwischen der Flutkatastrophe in Pakistan und den immer deutlicher werdenden Indikatoren für den Klimawandel im Land auf.
Sunita Narain hob in ihrem Vortrag hervor, dass Länder wie Indien und Pakistan dazu in der Lage seien – und seien müssten – Alternativen zum klimaschädlichen "American way of life" zu entwickeln. Eine etwas andere Ansicht hingegen vertrat Adil Najam von der Boston University, der hervorhob dass auch Entwicklungsländer sich nicht nur auf Anpassung (Adaptation) an den Klimawandel beschränken könnten, sondern auch in Maßnahmen zur Mitigation (wie Entwicklung neuer Technologien) investieren müssten.
Am Rande der Konferenz setzten sich zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Länder Vertreter aus Indien und Pakistan zusammen, um darüber zu beraten, wie die beiden verfeindeten Staaten zusammen arbeiten können, um besser dem Klimawandel entgegenzutreten. Das Treffen, das in den Räumen der Planungskommission in Islamabad stattfand, ist Teil einer Serie von vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen beiden Ländern, die die Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Neu-Delhi und Lahore gemeinsam ausrichten.
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Pakistan

Einig waren sich indische und pakistanische Experten darin, dass der Klimawandel vor Grenzen nicht halt macht, so Shafqat Kakakhel, stellvertretender Geschäftsführer des UN-Umweltprogramms UNEP, und dass Zusammenarbeit das Gebot der Stunde ist. Während Tariq Banuri den Energiesektor als das aussichtsreichste Feld für eine Kooperation identifizierte und vor allem auf erneuerbare Energien setzen will, nannte Surya Sethi auch das kontroverse Thema Wasser sowie die abschmelzenden Gletscher des Himalayas. Besonders wichtig ist hier der Siachen-Gletscher, auf dem die Armeen beider Länder Soldaten stationiert haben.
Chandra Bushan warnte hingegen davor, die erneuerbaren Energien in den Status einer "heiligen Kuh" zu erheben. Notwendig für Entwicklungsländer sei ein Energiemix, der auch fossile Brennstoffe einschlösse. Indien, das einen Großteil seiner Energie aus heimischer Kohle bezieht aber auch stark auf Windenergie setzt, sei ein gutes Beispiel dafür.
Das letzte Wort der Konferenz hatte Präsident Asif Ali Zardari, der sich in seiner Abschlussrede als "Grüner" outete. Abzulesen sei dies daran, dass er während seiner Zeit im Gefängnis einen Baum gepflanzt habe und sich daran freute die Früchte ernten zu können, so Zardari. Dazu hatte er genug Zeit: Zardari war sieben Jahre wegen Korruption in Haft.


Den englischen Konferenzbericht, sowie weitere Links finden Sie auf unserer englischen Website.

Britta Petersen ist Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Lahore.