Konferenz, 26. Juni 2026, Berlin
Die neue Republik
Ein gemeinsamer Aufbruch
Es ist immer eine gute Idee, zusammenzukommen und über die öffentlichen Angelegenheiten zu sprechen – aber gerade ist es dringend. Die liberale Demokratie steht unter Druck, international und in Deutschland. Wir Bürgerinnen und Bürger brauchen jetzt eine von uns mitgetragene Erneuerung unserer Republik und einen parteiübergreifenden Dialog über ihre Zukunft. Welches Land wollen wir in einigen Jahren geworden sein? Und wie schaffen wir es, als Gesellschaft neues Fortschrittsvertrauen zu entwickeln?
Darum geht es bei der Konferenz am 26. Juni 2026. Sie ist der Auftakt für das Schwerpunktprojekt „Die neue Republik“ der Heinrich-Böll-Stiftung.
Programm
13:00 - 13:10 Uhr Großer Saal
Begrüßung
13:10 - 13:30 Uhr Großer Saal
Wir in Zahlen: Wer wir sind – und worin wir uns einig sind
Wer sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt interessiert und auf der Suche nach Zahlen und Daten ist, stößt auf die wichtige Arbeit des Think Tanks „More in Common“. Eine empirische Vermessung durch die Geschäftsführerin Katarina Peranić und den Forschungsleiter Jérémie Gagné.
13:30 - 14:15 Uhr Großer Saal
Auftakt: Worum es jetzt geht
Was ist unsere Aufgabe in dieser Zeit? Joschka Fischer, der die Berliner Republik als Außenminister und Grüner wie wenige geprägt hat, sucht im Auftaktgespräch mit Tina Hildebrandt, Ressortleiterin Politik der Zeit, nach Antworten zwischen der Verantwortung der Bundesrepublik, dem Rückzug der USA als Garantiemacht und der inneren Verfasstheit unserer vielfältiger gewordenen Republik.
14:15 - 15:00 Uhr Großer Saal
We, the People: Die Kraft der Bürger*innen in der Republik
Im 250. Jahr ihrer Unabhängigkeit ist die Zukunft der amerikanischen Republik offener denn je. Es sind Tage der Bewährung, in denen viele Bürger*innen der USA die Kraft lokaler und regionaler Bündnisse wiederentdeckt haben. Über Bürger-Power und die Rolle Europas in dieser neuen Zeit spricht Jacob Frey, der Bürgermeister von Minneapolis, mit Franziska Brantner, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Bastian Hermisson, Inlandsleiter der Heinrich-Böll-Stiftung und Transatlantik-Experte. (auf Englisch, keine Übersetzung)
Parallele Sessions
15:30 - 16:30 Uhr Großer Saal
Hier entlang nach vorne: Modernisierung, Fairness, Teilhabe
Wo sollte sich der Staat wieder wirksamer zeigen – und wo stärker auf die Kraft der Bürger*innen setzen? Wie geht Fairness in einer Republik im Umbau? Und woher kommt die Wertschöpfung, aus der wir wieder Fortschrittsvertrauen schöpfen können? Die grüne Abgeordnete Ricarda Lang, die Ökonomin und WZB-Präsidentin Nicola Fuchs-Schündeln und der politische Philosoph Rainer Forst loten aus, wie ein erneuertes republikanisches Versprechen aussieht, das gerecht und wirtschaftlich tragfähig ist.
15:30 - 16:30 Uhr Kleiner Saal
Bürgersinn und Bürger*innenstolz: Die Kommunen in der neuen Republik
Die Republik entsteht und erneuert sich vor Ort. Daniela Groß, Bayerns erste grüne Landrätin (Landsberg am Lech), und Steffen Kania (CDU), Bürgermeister von Saalfeld und Präsident des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, fragen im Gespräch mit Elisabeth Niejahr, worauf wir uns in der demokratischen Mitte einigen können und was es vor Ort jetzt braucht. Eine Session darüber, worauf sich jene „republikanischen Allianzen" konkret gründen lassen, aus denen die neue Republik ihre Kraft schöpfen kann.
15:30 - 16:30 Uhr Podcaststudio
»Pick Your Battles«
Jan Philipp Albrecht im Gespräch mit Düzen Tekkal, Autorin und Gründerin der Initiative GermanDream
16:45 - 17:00 Uhr Großer Saal
Artist Talk: Fotoserie „Die neue Republik
Der Berliner Fotograf Christian Werner ist im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung quer durch Deutschland gereist und hat Menschen aus unterschiedlichen Berufen und Regionen porträtiert. Hier spricht er über seine Eindrücke.
Parallele Sessions
17:00 - 18:00 Uhr Großer Saal
Politik, Sprache und Klasse: Wer redet mit wem in der Republik?
Wer ergreift selbstverständlich das Wort und fühlt sich gemeint, wenn es um Bürgerschaft geht? Omid Nouripour, Vizepräsident des Bundestags, und die Schriftstellerin Daniela Dröscher diskutieren, wie politische Sprache Zugehörigkeit verteilt: zwischen Mehrheit und Migrationshintergrund, zwischen Handwerk und Bildungsbürgertum, zwischen Repräsentation und Übersehen-Werden. Ein Gespräch über demokratische Verständigung: und damit über die Basis für einen demokratischen Aufbruch in der diverser gewordenen Republik.
17:00 - 18:00 Uhr Kleiner Saal
Mehr E-Republik wagen: Ein ökologisches Fortschrittsversprechen
Die Energiewende kommt voran – und ist politisch angefochten wie selten zuvor. Eva-Maria McCormack, Gründerin der Klimakommunikations-Initiative Talking Hope, und Christian Stöcker, Kognitionspsychologe und Spiegel-Kolumnist, diskutieren, wie Deutschland Kurs halten kann – und welche Chancen wir verspielen, wenn wir es nicht tun: wirtschaftlich, geopolitisch, demokratisch.
17:00 - 18:00 Uhr Podcaststudio
Brauchen wir eine neue Dienstpflicht?
Über eine neue Dienstpflicht wird derzeit viel gesprochen, und oft sitzen die Betroffenen dabei nicht am Tisch. Quentin Gärtner, ehemaliger Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Student und Kommunalpolitiker, debattiert mit Stipendiat*innen der Heinrich-Böll-Stiftung, was nicht über die junge Generation hinweg entschieden werden darf: ob, wie und wofür sie der Republik Zeit, Engagement und Risiko schulden.
18:10 - 18:30 Uhr Großer Saal
Keynote: Wofür wir kämpfen
Wofür kämpfen wir schon – und wozu sind wir bereit, wenn es darauf ankommt? Stephan Anpalagan, Autor und evangelischer Theologe, beantwortet diese Frage nicht abstrakt, sondern an sich selbst. Eine Abschlusskeynote, die auf den Kern republikanischer Freiheit führt.
18:30 - 18:40 Großer Saal
Ausblick: Wie weiter mit dem Republik-Projekt?
Ab 19:00
Gemeinsamer Ausklang auf der Terrasse
Warum macht ihr diese Konferenz?
Wir finden, es ist immer eine gute Idee, als Bürgerinnen und Bürger zusammenzukommen und über die öffentlichen Angelegenheiten zu sprechen. Aber gerade jetzt ist es dringend, und es geht um viel: Die liberale Demokratie muss sich in einer harten globalen Auseinandersetzung um Macht und Werte neu bewähren, international und bei uns in Deutschland. Wie es ausgeht, wird darüber entscheiden, wie frei wir in Zukunft leben werden. Da reicht es nicht, uns an die Seitenlinie zu stellen und Haltungsnoten zu verteilen, sondern wir müssen mitten auf dem Platz stehen.
Eine wichtige Aufgabe besteht darin, parteiübergreifend unsere Demokratie vor den Anti-Demokrat:innen im In- und Ausland zu schützen. Aber nur zu bewahren wird nicht ausreichen. Zu umfassend ändert sich die Welt um uns herum. Damit wir eine gute Zukunft für alle Menschen in unserem Land sichern können, braucht es eine von den Bürger:innen getragene Erneuerung unserer Republik. Dazu braucht es auch eine gesellschaftliche Verständigung, wohin diese Erneuerung führen soll. Und dabei hat auch Mitte/Links eine eigene, wichtige Rolle zu spielen. Welches Land wollen wir in einigen Jahren geworden sein? Wie schaffen wir es, als Gesellschaft neues Fortschrittsvertrauen zu entwickeln? Zu diesen Fragen wollen wir als Stiftung unseren Beitrag leisten und einen Diskussions- und Handlungsraum anbieten.
Ok, aber warum sagt ihr dann „Republik“ und nicht einfach „Demokratie“?
Berechtigte Frage, denn letztlich geht es um die Demokratie! Wir denken aber, dass es lohnt, auch die alte Idee der Republik wieder häufiger und selbstbewusster im Mund zu führen. Denn in ihr liegt eine große verbindende Kraft, die wir in Deutschland selten genutzt haben. Wer Republik – oder republikanisch – sagt, betont zwei Aspekte von Demokratie:
1. Dass die politische Freiheit der Bürger:innen im Zentrum steht, und dass diese Freiheit immer auch soziale, kulturelle und infrastrukturelle Voraussetzungen hat, damit man sie ausüben kann. Kurz gefasst: persönliche und politische Freiheit gehören eng zusammen
2. Dass es auf die Verständigung unter den Bürger:innen ankommt, ihre tragende Rolle auch anzunehmen und auszuüben. Dass Bürger:in zu sein, eben nicht nur heißt, sein eigenes Ding zu machen, sondern auch Verantwortung für das Gemeinwohl zu tragen und es mit gestalten zu können. Die (moderne) Republik bzw. das Republikanische betont also bestimmte Aspekte der Demokratie, die wir gerade besonders dringend brauchen.
Ihr wisst schon, dass viele Menschen bei republikanisch zuerst an Trump und die US-Republikaner oder an rechte Parteien in Europa denken?
Ja, das stimmt. Aber wir glauben, es lohnt, um den Begriff und die Idee der Republik und des Republikanischen zu kämpfen und sie selbstbewusst in Anspruch zu nehmen, gerade auch von Mitte/Links. Diese Tradition ist zu wichtig, um sie preiszugeben.
Warum sagt ihr „die neue Republik“? Was ist denn so neu an dieser Republik?
Man kann immer darüber streiten, wie neu etwas ist, um neu genannt werden zu dürfen. Aber klar ist, dass wir in einer Zeit des Übergangs und der Bewährung leben. Die „Bonner Republik“ ist Geschichte, die DDR ohnehin. Aber auch die Zeit der „Berliner Republik“ und die sie begleitende liberale Hegemonie ist sichtbar an ihr Ende gekommen.
Und es gibt noch eine weitere Veränderung: Unser Land hat eine deutlich vielfältigere Bevölkerung als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Darin liegt eine große Chance, aber auch der Auftrag, noch einmal neu zusammenzuwachsen. Wir brauchen eine Verständigung, was uns verbindet und wofür wir bereit sind, uns gemeinsam einzusetzen.
Warum sprecht ihr so viel über Bürger:innen? Findet ihr nicht, dass der Staat besser funktionieren muss?
Doch, dringend. Ein Staat, der seine Aufgaben nicht erfüllt – ob in der Verwaltung, der Bildung, bei Infrastruktur oder Sicherheit – verspielt das Vertrauen der Bürger:innen. Und ohne dieses Vertrauen verliert die Demokratie ihren Boden.
Aber Bürgerstaat und leistungsfähiger Staat sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Eine Staatsreform, um besser zu „liefern“, ist unbedingt notwendig. Aber sie ist nicht hinreichend, um als demokratische Gesellschaft materiell wie ideell zu bestehen. Das geht nur, wenn wir Bürger:innen unser demokratisches Gemeinwesen mittragen und mitgestalten.
Ist das nicht abgehoben, über die „neue Republik“ nachzudenken, während sich viele Menschen Sorgen um Miete, Strompreise und Jobs machen?
Diese Sorgen sind real und sehr berechtigt, und wir nehmen sie ernst. Aber der Eindruck, es gäbe eine Konkurrenz zwischen „großen Demokratiefragen“ und konkreten Alltagsproblemen, geht aus unserer Sicht in die Irre.
Im Gegenteil: Die soziale Frage und die demokratische Frage hängen unmittelbar zusammen. Republikanische Freiheit setzt voraus, dass Menschen die materiellen, sozialen und kulturellen Bedingungen haben, um ihre politische Rolle auch ausüben zu können. Studien verweisen seit Jahren darauf, wie stark ökonomische Unsicherheit, Abstiegsängste und das Gefühl politischer Ohnmacht das Vertrauen in die Demokratie aushöhlen. Und es wird leider nicht besser: Vielmehr zeigen Daten der OECD zur sozialen Mobilität, dass das Versprechen, durch eigene Anstrengung etwas zu erreichen, in Deutschland inzwischen für viele schwerer einzulösen ist als noch vor einer Generation.
Wer es also ernst meint mit der Demokratie, muss über bezahlbares Wohnen, Energiekosten, gute Arbeit und faire Bildungschancen sprechen. Und wer diese Fragen lösen will, muss die Demokratie ernst nehmen – also fragen: Wie organisieren wir uns als Bürger:innen, um zu tragfähigen Antworten zu kommen? Beides gehört zusammen. Genau darum geht es uns mit der „neuen Republik“.
Meint ihr nur die Bundesrepublik? Was ist mit Europa?
Es stimmt, dass der Begriff Republik den Blick auf den nationalen Rahmen lenkt, in dem sich demokratische Selbstregierung nach wie vor am wahrnehmbarsten verwirklicht. Das ist kein Zufall: Die Bundesrepublik ist der Ort, an dem wir als Bürger:innen konkret Verantwortung tragen, wählen, streiten, gestalten.
Aber unsere Republik ist ohne Europa längst nicht mehr denkbar: politisch, ökonomisch, sicherheitspolitisch. Eine Erneuerung der deutschen Republik ist immer auch ein Beitrag zur Erneuerung Europas. Wir sehen das als zwei Seiten derselben Aufgabe.
Welche Rolle spielt das Thema „Die neue Republik“ bei der Heinrich-Böll-Stiftung?
„Die neue Republik“ ist ein neuer politisch-strategischer Schwerpunkt in der Inlandsarbeit – ein längerfristiges Vorhaben, mit dem wir einen Beitrag zur demokratischen Erneuerung leisten wollen. Wir bündeln unter diesem Ansatz Konferenzen, Publikationen, Bildungsformate und Kooperationen mit Partnern aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Politik.
Daneben arbeiten wir als Stiftung weiter an vielen anderen Themen – internationale Politik, Klima- und Energiewende, Geschlechterdemokratie, weltweite Bildungs- und Demokratieförderung. Einen Überblick findest du auf boell.de.
Ich habe noch eine Frage oder einen Kommentar. Wo kann ich mich melden?
Schreib uns am besten eine E-Mail: die-neue-republik@boell.de
Wie geht es nach der Konferenz weiter? Könnt ihr mich bitte auf dem Laufenden halten?
Trag dich in unseren Verteiler für „die neue Republik“ ein. Wir laden dich dann zu künftigen Veranstaltungen ein und informieren über Projekte von unseren Partnern.
Kontakt:
Roman Schmidt, Leitung Programmlinie Demokratie und Gesellschaft
E schmidt@boell.de
Ole Meinefeld, Referent Zeitdiagnose und Diskursanalyse
E meinefeld@boell.de