Jahresbericht 2025
2025 war ein Jahr, in dem sich politische Gewissheiten in rasanter Geschwindigkeit weiter verschoben haben. Mit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident haben sich Dynamiken entfaltet, die viele Befürchtungen noch übertroffen haben. Der Anspruch von Trumps MAGA-Bewegung, Staat und Gesellschaft tiefgreifend umzubauen, tritt offen zutage – und Autokrat*innen auf der ganzen Welt folgen diesem Beispiel.
Für Europa bedeutet dies eine Zeitenwende eigener Art. Die Notwendigkeit, insbesondere von den USA und China unabhängiger zu werden und die Kraft der Europäischen Union zu nutzen, ist offensichtlicher denn je. Gleichzeitig erleben wir, wie sehr sich Europa selbst im Wege steht: durch Uneinigkeit, zögerliches Handeln, nationale Egoismen. Für uns ist klar: Die Antwort liegt nicht in Abschottung, sondern in neuen, belastbaren Partnerschaften – etwa mit Kanada, Südkorea oder Japan, aber auch mit Ländern des Globalen Südens. Und zwar als gleichberechtigte Partner*innen beim Ausbau von Handel, Direktinvestitionen und sicheren Lieferketten, beim Schutz von Klima und Biodiversität und beim Ausstieg aus den fossilen Energien.
Wir sehen im Völkerrecht und der UN-Charta die unverzichtbare Grundlage der globalen Weltordnung. Die weiter wachsende Zahl globaler Konflikte und kriegerischer Auseinandersetzungen macht uns allerdings deutlich, wie sehr multilaterale Organisationen an Wirksamkeit verlieren. Und auch innenpolitisch erleben wir herbe Rückschritte unter anderem in den Bereichen Asyl- und Migrationspolitik, Energiewende, Zivilgesellschaft und Arbeitnehmer*innenschutz.
Diese Entwicklungen treffen auf Herausforderungen, die unsere Gesellschaft langfristig prägen werden: die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz, weitgehend unregulierte digitale Plattformen, die Konzentration technologischer, finanzieller und politischer Macht in den Händen weniger, erstarkender Antifeminismus, Angriffe auf demokratische Institutionen sowie drastische Kürzungen der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit. Neben all dem bleibt die Klimakrise die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Ohne eine starke EU werden diese Herausforderungen nicht zu bewältigen sein. Das bedeutet für uns, die Stiftung in der Breite stärker mit Blick auf die EU-Politik zu befähigen.
Deswegen haben wir 2025 daran gearbeitet, unser Profil als grüne politische Stiftung auch angesichts knapper werdender Ressourcen weiter zu schärfen. Wir haben unsere Arbeit noch stärker strategisch ausgerichtet und uns auf die Felder konzentriert, in denen wir besonders wirksam sein können. Unser Anspruch ist es, nicht im Abseits zu stehen, sondern weiter in die Mitte der Gesellschaft hineinzudrängen – ohne unsere Prinzipien aufzugeben.
Es geht uns nicht darum, „gefälliger“ zu werden, sondern die Basis für unsere Werte und Ziele zu erweitern. Deswegen haben wir Räume geschaffen, in denen auch kontroverse Fragen und Zielkonflikte offen diskutiert werden können. Dafür nutzen wir die ganze Vielfalt der Formate, die uns zur Verfügung steht: von unserer Außenpolitischen Jahrestagung bis zum Ad-hoc-Stipendiat*innentreffen, von der Reihe „Books that matter“ bis hin zur Grünen Akademie und der Debatte zum „Neuen Republikanismus“.
Unsere Partner*innen wollen wir derweil nicht nur unterstützen oder, wo nötig, schützen, sondern auch von ihnen lernen. Viele von ihnen operieren schon lange unter Bedingungen, die sich uns jetzt erst ankündigen. Diese Erfahrungen – z. B. aus Zentralamerika, dem Südkaukasus, Ungarn, den USA – fließen in unsere Arbeit ein und werden durch uns auch für ein breiteres Publikum und politische Entscheidungsträger*innen aufbereitet. Denn es ging uns auch 2025 nicht lediglich um Analyse, sondern um Handlungsfähigkeit: Wie können demokratische Gesellschaften resilient werden? Wie lassen sich Deutschlands und Europas Allianzen neu denken? Und wie können wir dazu beitragen, dass progressive Politik auch unter verschärften Bedingungen nicht nur den Status quo verteidigt, sondern Menschen mit einer positiven Vision für die Zukunft erreicht und überzeugt?
Dass wir diesen Weg gehen können, verdanken wir all den Menschen, die unsere Arbeit tragen – unseren Mitarbeiter*innen, unseren Partnerorganisationen und den vielen, die uns begleiten und unterstützen: der Mitgliederversammlung, dem Aufsichtsrat, den Fachbeiräten und auch den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung.
Mit diesem Jahresbericht laden wir Sie ein, auf ein Jahr tiefgreifender Umbrüche zurückzublicken – und gemeinsam mit uns nach vorn zu schauen: auf die Aufgaben, die vor uns liegen, und auf die Möglichkeiten, die in diesen Aufgaben liegen.
Herzlich
Dr. Imme Scholz und Jan Philipp Albrecht
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Europapolitik und Außen- und Sicherheitspolitik
Internationale Zivilgesellschaft
Menschenrechte und Gesellschaft
Demokratie und Staatlichkeit
Erinnerungskultur
Klima und Wirtschaft
Biologische Vielfalt und Rohstoffe
Kunst und Kultur
Preisverleihungen
Das Gunda-Werner-Institut
Die Heinrich-Böll-Landesstiftungen
Heinrich-Böll-Haus Langenbroich
Studienwerk – Rückenwind für Talente
GreenCampus
Archiv Grünes Gedächtnis
Stiftungsmanagement
Fördern und Spenden
TuWas-Stiftung
Gremien
Vertrauensdozent*innen
Adressen