Serbien: Regierung will riskante Wette auf Atomkraft eingehen

Analyse

Die serbische Regierung treibt ihre nuklearen Ambitionen stillschweigend voran. Die politische Diskussion steht noch aus. Hohe Kosten, fehlendes Fachwissen und Korruption machen den geplanten Atomeinstieg zu einer riskanten Wette.

Fähre auf sandigen Flussufer; im Hintergrund wird eine Brücke mit Kran und Schrägseilen gebaut.
Teaser Bild Untertitel
Ein herkömmlicher Reaktor benötigt große Mengen Kühlwasser, weshalb die plausiblen Standorte in Serbien entlang der Donau liegen. Niedrige Wasserstände könnten aber ein Abschalten erzwingen.

Menschen eines bestimmten Alters in Serbien erinnern sich an Tschernobyl wie an einen Geschmack. Im Sommer 1986 kamen die Erdbeeren wie gewohnt, rot und reif, und wurden unter einer Wolke gegessen, die aus der sowjetischen Ukraine nach Westen gezogen war. Vesna Goldsworthy machte die Früchte zum Titel ihrer 2005 erschienenen Memoiren „Chernobyl Strawberries“, einer Coming-of-Age-Geschichte, die im Belgrad der damaligen sozialistischen Republik Jugoslawien spielt. Vierzig Jahre später bereitet sich Serbien darauf vor, selbst ein Atomkraftwerk zu bauen.

Warum Serbien glaubt, Atomkraft zu brauchen

Jahrelang wurde Atomkraft von Industriekreisen vorangetrieben. Das Argument beginnt mit einer Versorgungslücke. Die Nachfrage nach Strom steigt, während die Kraftwerke, die sie decken sollen, alt und überwiegend kohlebefeuert sind. Etwa zwei Drittel der serbischen Stromerzeugung stammen aus Braunkohlekraftwerken, der größte Teil des Restes aus Wasserkraft und nur ein kleiner Anteil aus erneuerbaren Energien ohne Wasserkraft. 

Die Nachfrage nach Strom steigt.

Offizielle Prognosen gehen davon aus, dass der Bruttostromverbrauch von rund 34 Terawattstunden im Jahr 2021 auf etwa 47 TWh im Jahr 2040 steigen wird – getrieben durch die erwartete Elektrifizierung von Heizung und Verkehr, durch Digitalisierung und durch die Hoffnung auf eine Reindustrialisierung. Der Spitzenbedarf könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts stark ansteigen.

Die Umweltfolgen dieser Abhängigkeit von Braunkohle sind zusammen mit der Energiearmut gut dokumentiert, nicht zuletzt durch die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in diesem Bereich – darunter eine der schlimmsten Luftverschmutzungen auf dem Kontinent. Trotz der Verpflichtungen, die Serbien als Mitglied der Energiegemeinschaft eingegangen ist, hat sich das Land bislang nicht zur Dekarbonisierung seines Energiesektors verpflichtet. Bis jetzt, so scheint es.

Die Belastung zeigt sich bereits. Im Jahr 2022 musste Serbien, als zwei Blöcke des Kohlekomplexes Nikola Tesla außer Betrieb waren und die Wasserkraft ein schlechtes Jahr hatte, mehr als 3 TWh Strom importieren – rund 8 Prozent des eigenen Verbrauchs – und das zu hohen Kosten für den Staat. Regierungsvertreter*innen warnen, dass das Land ohne neue Kapazitäten in naher Zukunft regelmäßig im Winter mit Engpässen rechnen könnte. Importabhängigkeit bringt ein eigenes Risiko volatiler Preise an den regionalen Strombörsen mit sich.

Es gibt einen zweiten, neueren Druck und dieser weist in die entgegengesetzte Richtung. Seit Januar 2026 erhebt der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU (CBAM) einen CO₂-Preis auf Importe in die EU, einschließlich Strom. Dadurch steigen die Kosten für den von Serbien verkauften Strom. In der Zwischenzeit hat Serbien hastig eine eigene CO₂-Steuer eingeführt, um die „indirekte Besteuerung“ der EU zu vermeiden. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen bleiben abzuwarten. Serbischer Strom ist so CO₂-intensiv, dass die Abgabe hoch ausfällt. Damit erhält Belgrad neben dem Umweltargument einen neuen kommerziellen Grund, emissionsarmen Strom zu wollen, der rund um die Uhr verfügbar ist.

Das ist das Versprechen der Atomkraft: gleichmäßiger, CO₂-armer Strom, der nicht vom Wetter abhängt. Dies wird als „Grundlast“ bezeichnet – die minimale, rund um die Uhr bestehende Nachfrage, die niemals verschwindet – und die Kraftwerke, die dazu gebaut werden, sie zu bedienen. Für eine kohleabhängige Volkswirtschaft unter Dekarbonisierungsdruck ist das Argument attraktiv. Es ist zugleich der einfachste Teil der Geschichte.

Serbien steht noch ganz am Beginn der Umsetzung

Serbien folgt dem vom Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) festgelegten Fahrplan, den sein nationales Programm in drei gesetzlich definierte Phasen übersetzt. In Phase eins wird geprüft, ob die Entwicklung der Kernenergie überhaupt gerechtfertigt ist. Sie ist im Wesentlichen eine Forschungsaufgabe: eine Reihe technischer, organisatorischer, rechtlicher, wirtschaftlicher, finanzieller und personeller Untersuchungen, die klären sollen, ob das Land die Voraussetzungen und die Kapazitäten für ein Weitergehen besitzt. In Phase zwei wird das eigentliche Programm entwickelt. Sie endet, wenn die Nationalversammlung auf Vorschlag der Regierung eine Strategie für die friedliche Nutzung der Kernenergie verabschiedet. Erst Phase drei umfasst einen tatsächlichen Reaktor: Planung, Bau und Betrieb eines Kraftwerks; hierfür würde ein eigenes, speziell zu diesem Zweck verabschiedetes Gesetz gelten. Das Ministerium für Bergbau und Energie leitet die ersten beiden Phasen; die dritte Phase, sollte sie jemals erreicht werden, wäre ein gänzlich anderes Vorhaben.

Ein betriebsbereiter Reaktor wird erst nach 2040 als Option betrachtet.

Serbien steht ganz am Anfang von Phase eins. Die Institutionen, die diese Phase durchführen sollen, wurden erst jetzt eingerichtet. Im Februar 2026 setzte die Regierung eine ressortübergreifende Expertengruppe ein, und bis zum Sommer war die serbische Organisation zur Umsetzung des Nuklearenergieprogramms (NEPIO) arbeitsfähig. NEPIO ist keine einzelne, durch einen einzigen Rechtsakt geschaffene Institution; sie verbindet diese Arbeitsgruppe mit einer internen Einheit im Ministerium für Bergbau und Energie. Ihre Mitglieder kommen aus verschiedenen Teilen des Staates: dem Vinča-Institut für Nuklearwissenschaften, dem Nikola-Tesla-Institut für Elektrotechnik, der Serbischen Nukleargesellschaft, der Aufsichtsbehörde SRBATOM, den Strom- und Übertragungsunternehmen sowie mehreren Ministerien – vom Umwelt- bis zum Verteidigungsministerium. Die regulatorische Aufsicht liegt bei SRBATOM, das auf Grundlage des Strahlenschutz- und Nuklearsicherheitsgesetzes des Landes eingerichtet wurde.

Die Regierung will Phase eins bis Mitte 2027 und die Phasen eins und zwei zusammen bis 2032 abschließen; zu diesem Zeitpunkt hofft sie, eine Technologie auszuwählen. Ein betriebsbereiter Reaktor – der eigentliche Inhalt von Phase drei – wird erst nach 2040 als Option betrachtet. Frankreichs EDF ist der Favorit für die Auswahl als strategischer Partner. Das Unternehmen unterzeichnete im April 2024 eine Absichtserklärung und erarbeitete die erste Machbarkeitsstudie; nun wurde es gebeten, mehrere der Studien aus Phase eins zu erstellen, während die übrigen ausgeschrieben werden. Serbien hält sich jedoch seine Optionen offen. Es hat ähnliche Absichtserklärungen mit dem chinesischen Atomenergieinstitut, Russlands Rosatom und Südkoreas KHNP unterzeichnet oder Gespräche darüber geführt, ebenso mit Slowenien. Keine dieser Vereinbarungen ist bindend. Doch die Bandbreite der Interessenten – von Paris über Moskau bis Peking – verweist auf die politische Entscheidung hinter der technischen.

Für welche Atomkraft entscheidet sich Serbien?

Nehmen wir an, Serbien kommt bis zur Auswahl. Dann steht es vor einer Entscheidung, über die derzeit die gesamte Branche diskutiert: der große konventionelle Reaktor oder der kleine modulare Reaktor (SMR).

Der konventionelle Reaktor ist eine bekannte Größe. Ein Standard-Leichtwasserreaktor erzeugt mit einer einzigen, individuell geplanten und vor Ort errichteten Anlage 1.000–1.600 MW. Hinter ihm stehen Jahrzehnte an Betriebserfahrung – und eine schlechte Bilanz bei Kosten und Zeitplänen. Europas jüngste Vorzeigeprojekte, Hinkley Point C in Großbritannien, Flamanville in Frankreich und Vogtle in den USA, lagen allesamt weit über dem Budget und hinter dem Zeitplan. Ein moderner Reaktor mit 1.000 MW wird inzwischen auf 5 bis 20 Milliarden Euro geschätzt, also ein Mehrfaches des Preises eines Kohlekraftwerks, und der Bau dauert häufig mehr als ein Jahrzehnt.

Kleine modulare Reaktoren (SMR)

Der SMR ist die angesagte Alternative und die Quelle eines großen Teils der derzeitigen Begeisterung, nicht zuletzt bei der Europäischen Kommission. Die Nachfrage, vor allem in den USA, wird zu einem großen Teil durch den Bedarf an Strom für neue Rechenzentren getrieben. Er kehrt die Logik des Großbaus um. Statt einer großen Maschine werden mehrere kleinere Einheiten verwendet, normalerweise unter 300 MW und oft deutlich weniger, die als standardisierte Module in einer Fabrik gefertigt, zum Standort transportiert und dort zusammengesetzt werden; die Kapazität kann nach Bedarf erweitert werden. Zu den behaupteten Vorteilen gehören geringere Anfangskosten pro Einheit, ein schnellerer und besser vorhersehbarer Bau, flexible Standortwahl (beispielsweise auf einem stillgelegten Kohlekraftwerksgelände, sodass kein sehr spezifischer Standort erforderlich ist) sowie passive Sicherheitssysteme, die sich auf Schwerkraft und Konvektion statt auf Pumpen stützen.

Es ist eine unsichere Wette.

Die Wirtschaftlichkeit ist weniger schmeichelhaft als das Verkaufsargument. Nach dem Maßstab, der am meisten zählt – den Kapitalkosten pro Kilowatt Kapazität – sind SMRs derzeit teurer als große Reaktoren, nicht billiger. Die IEA betrachtet Kostengleichheit als ein Ziel, das erst um 2040 erreicht werden soll; dann, so prognostiziert sie, werden die Baukosten für SMRs in Europa und Amerika auf etwa 4.500 US-Dollar/kW sinken. Der Fall für SMRs beruht auf der Wette, dass die serielle Produktion in Fabriken die Kosten im Laufe der Zeit senken wird. Dafür muss jemand das teure Risiko des First Movers übernehmen und genügend Anlagen bauen, um dies zu beweisen. Es ist eine unsichere Wette. Bisher verfügen nur Russland und China über netzgekoppelte SMRs im Betrieb, und noch keine westliche kommerzielle Anlage läuft. Doch das Bild verändert sich schnell. Auch die eigene Studie von EDF betrachtet beide Optionen – den konventionellen und den im Trend liegenden SMR.

Personal, Kosten und Umweltschutz sind Herausforderungen

Unabhängig davon, welchen Reaktor Serbien wählen könnte, stehen dieselben Hindernisse im Weg und mehrere davon sind wichtiger als die Wahl selbst.

Serbiens Mangel an nuklearem Fachwissen ist gravierend.

Das drängendste Problem sind die personellen Ressourcen. Serbiens Mangel an nuklearem Fachwissen ist gravierend. Das Moratorium von 1989 verbot weder Lehre noch Forschung, aber die Wirkung war ähnlich: Fachleute wanderten aus, Studiengänge und Universitätskurse für Nukleartechnik wurden eingestellt, und die ältere Generation ging in den Ruhestand, ohne dass praktisch jemand für ihren Ersatz ausgebildet worden war. Nuklearphysik an der Universität Belgrad wird von Physikern unterrichtet, die in anderen Fachgebieten ausgebildet wurden, und die Fakultät für Elektrotechnik hat nach einer inoffiziellen Angabe in 20 Jahren keinen einzigen Nuklearingenieur hervorgebracht. In diesem Punkt sind sich alle Seiten einig: Der Wiederaufbau der Expertise dürfte 10 bis 20 Jahre dauern – ungefähr so lange, wie der Bau des Kraftwerks dauern würde.

Auch die wirtschaflichen Rahmenbedingungen sind nicht besser. Neben den hohen Kapitalkosten liegen die Gestehungskosten von Atomstrom bei einem Mehrfachen der Kosten neuer Solar- oder Windkraftanlagen – etwa 140–220 US-Dollar pro MWh gegenüber deutlich unter 80 US-Dollar bei großmaßstäblicher Solarenergie und Onshore-Windkraft. Die Lücke hat sich vergrößert, da erneuerbare Energien günstiger geworden sind, auch wenn solche direkten Vergleiche die Kosten für Speicherung und Backup unterschätzen, die variable Stromerzeugung benötigt. Der Rückbau eines Kraftwerks kostet 0,8 bis 1,3 Milliarden Euro, und ein tiefengeologisches Endlager der Art, wie Finnland eines gebaut hat, kann drei Milliarden Euro kosten und muss über Jahrhunderte überwacht werden. 

Die Gestehungskosten von Atomstrom liegen bei einem Mehrfachen der Kosten neuer Solar- oder Windkraftanlagen.

Private Versicherer werden nicht die gesamten Kosten eines schweren Unfalls übernehmen, sodass der Staat zum Versicherer letzter Instanz wird; allein die Aufräumarbeiten nach Fukushima haben 180 Milliarden US-Dollar überschritten, größtenteils aus öffentlichen Mitteln. Geschäftsbanken finanzieren solche Projekte nur selten ohne staatliche Garantien. Erfolgreiche Reaktoren werden tendenziell von stark staatlich unterstützten Unternehmen wie der französischen EDF oder der koreanischen KEPCO gebaut. Erneuerbare Energien schaffen im Vergleich etwa 2,7-mal so viele Arbeitsplätze pro investiertem Dollar und können innerhalb eines Jahres zurückgebaut werden.

Dann gibt es noch den physikalischen Aspekt, der in Serbien größtenteils noch nicht untersucht wurde. Erstens wurde keine seismologische Studie speziell für die Analyse des Baus eines Atomkraftwerks in Serbien erstellt, obwohl Serbien in einem mäßig aktiven seismischen Gürtel liegt und fast jede Woche kleinere Erdstöße verzeichnet. Zweitens benötigt ein herkömmlicher Reaktor große Mengen Kühlwasser. Die Donau könnte dies mit einer durchschnittlichen Abflussmenge von 5.500 bis 6.000 Kubikmetern pro Sekunde problemlos liefern, weshalb die plausiblen Standorte entlang des Flusses liegen. Kühlung verursacht jedoch thermische Verschmutzung: Wasser wird fünf bis 10 Grad wärmer zurückgeleitet, wodurch der Sauerstoffgehalt sinkt und die biologische Vielfalt des Flusses geschädigt wird. Hinzu kommt, dass der Druck des Klimawandels auf die Süßwasserressourcen – wie in diesem Jahr deutlich wurde – bedeutet, dass niedrige Wasserstände in großen Flüssen Reaktoren dazu zwingen könnten, während längerer sommerlicher Dürren vorübergehend abgeschaltet zu werden, wie es in diesem Sommer in den Nachbarländern zu beobachten war.

Das Land verfügt über kein Endlager.

Was den Abfall betrifft, verfügt das Land über kein Endlager selbst für schwach radioaktives Material, geschweige denn für den hochradioaktiven abgebrannten Brennstoff, den ein Reaktor produzieren würde und der Hunderttausende von Jahren isoliert gelagert werden muss. Und dann ist da noch das Unfallrisiko. Atomkraft ist tatsächlich CO₂-arm, über ihre Lebensdauer hinweg 10–15 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilowattstunde, nahe an der Windkraft. Aber nur, wenn man die Unfälle ausklammert.

Deutschlands Erfahrung weist in beide Richtungen. Seit der Abschaltung seiner letzten Reaktoren im Jahr 2023 hat Deutschland mit Wind- und Solarenergie, die inzwischen zusammen fast die Hälfte seines Stroms liefern, das Licht angelassen – unterstützt durch Kohle, Gas und Importe, wobei ein großer Teil des importierten Stroms aus französischer Atomkraft stammt. Anke Weidlich, eine Forscherin für Energiesysteme, argumentiert in ihrem jüngsten Interview mit der Zeit, dies zeige, dass ein modernes Stromnetz keine neue Atomkraft benötige: Die Leistungen, die Reaktoren einst bereitstellten, etwa Frequenzstabilität und Trägheit, könnten zunehmend von Batterien, netzbildenden Wechselrichtern und grenzüberschreitenden Verbindungen übernommen werden. Dieselbe Geschichte ist jedoch eine Warnung. Ein Land, das auf Atomkraft verzichtet, ohne über genügend saubere, verlässlich verfügbare Leistung zu verfügen, um sie zu ersetzen, endet damit, sich auf Kohle und seine Nachbarn zu stützen – genau aus dieser Lage versucht Serbien, das weitgehend von Braunkohle abhängig ist, herauszukommen.

Schwache Rechtstaatlichkeit und Korruption machen Umsetzung unwahrscheinlich

Es gab kaum eine öffentliche Debatte, und dies ist kein bloßer Einwand gegen das Verfahren. Es ist ein grundlegendes Problem, das nicht nur die öffentliche Beteiligung und Transparenz betrifft, sondern auch die institutionellen Kapazitäten des Staates – nicht nur im Hinblick auf Expertise, sondern auch hinsichtlich seiner Fähigkeit, demokratisch zu regieren. Angesichts der schwachen Rechtsstaatlichkeit und des Versagens bei der Bekämpfung von Korruption sowie der katastrophalen Bilanz beim Umweltschutz ist es nahezu unvorstellbar, dass ein Projekt dieser Größenordnung und Komplexität von den bestehenden Institutionen jemals umgesetzt oder auch nur abgesichert werden könnte. Der Umgang des Ministeriums für Bergbau und Energie mit der EDF-Studie ist ein Beispiel dafür: Es veröffentlichte die vorläufige Fassung, obwohl die nachverfolgten Änderungen noch nicht bereinigt waren.

Ein Reaktor toleriert weder Fehler beim Bau noch Inkompetenz im Management.

In Serbien ist es schwer, nicht an das Vordach des Bahnhofs von Novi Sad zu denken, das im November 2024 einstürzte und sechzehn Menschen das Leben kostete. Eine mit ausländischen Partnern wiederaufgebaute Infrastruktur, deren Versagen und die anschließende ausweichende institutionelle Reaktion schonungslos die Unfähigkeit des Staates offenlegten, ein Projekt zu bewältigen, das weitaus kleiner und einfacher war als ein Kernkraftwerk. Das ist der unbequeme Hintergrund von Serbiens atomaren Ambitionen. Ein Reaktor toleriert weder Fehler beim Bau noch Inkompetenz im Management. Zuvor muss das Land einen verlorenen Berufsstand wiederaufbauen, Dutzende Milliarden Euro aufbringen, ein rechtliches und regulatorisches System von Grund auf schaffen, die IAEO jetzt und später Euratom zufriedenstellen und entscheiden, auf wessen Technologie und auf welchen Einflussbereich es sich für die nächsten fünfzig Jahre stützen will. Das Aufheben des Verbots war der einfache Teil.

Zum Warenkorb hinzugefügt: