Zurück zu den Wurzeln


Den Dürren trotzen: Durch Re-Greening wurden in Niger aus sandigen Böden wieder ertragreiche Anbauflächen. Foto: Aissatou Nobre/IFDC Photography; Quelle: Flickr; Lizenz: CC-BY-NC-SA

10. Januar 2013
Christine K

Erst Dürre, dann Überflutungen - mehr als fünf Millionen Menschen im westafrikanischen Land Niger sind dieses Jahr davon betroffen. Doch gibt es auch erfolgreiche Aktionen gegen die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels in Niger. Die Story vom Re-Greening wird weniger oft erzählt, obwohl die Erfolgsbilanz dieser einfachen Methode der Agroforstwirtschaft erstaunlich ist: In den letzten 10 bis 30 Jahren haben nigrische Bauern und Bäuerinnen mehr als zwei Millionen Bäume gepflegt und großgezogen, sie haben fünf Millionen Hektar Land begrünt – was in manchen Regionen hieß, aus vollkommen sandigen Böden wieder grüne Produktionsflächen zu machen, und haben dadurch die jährliche Landwirtschaftsproduktion des Landes um etwa 500,000 Tonnen erhöht.

Während der 2011 Dürre hatten die Re-Greening Bauern und Bäuerinnen in der Region Zinder einen Getreideüberfluss von 14,000 Tonnen. Die Böden, die der Dürre besser standhalten, sind auch gegen die Fluten besser gewappnet: die Re-Greening Technik schreibt eigentlich nur vor, dass die Bauern Bäume, Baumstümpfe, Gräser und Blätter auf ihren Äckern liegen lassen, damit sich Nährstoffe bilden, die die Böden bereichern. Das Wurzelnetzwerk der Bäume und Sträucher lockert die Böden auf; genauso wie die von den Ernterückständen angelockten Termiten, die durch ihre unterirdische Baggerarbeit Millionen von kleinen Kanälen schaffen, in die auch größere Wassermengen versickern können. In einigen Orten Nigers wurde durch diese Technik der Grundwasserspiegel um mehr als 10 Meter angehoben.

Während der Dürren der siebziger Jahre: keine Zeit zum" Aufräumen" der Felder

Diese einfache Methode des „Liegen-lassens“ entstand durch einen historischen Zufall. Als die großen Dürren der siebziger Jahre begannen, mussten viele junge Nigrer sich in den Küstenländern Westafrikas als Saisonarbeiter verdingen, um ihr Überleben zu sichern. Viele schwärmten nach Nigeria, Ghana oder in die Elfenbeinküste aus, um gerade noch rechtzeitig zur Saatzeit nachhause zu kommen. Manche kamen aber doch zu spät… und hatten keine Zeit mehr, ihre Felder „aufzuräumen“, wie es seit der Kolonialzeit üblich geworden war: tabula rasa vor jeder Saatzeit, wo jeder Baumstamm ausgerissen und jedes Blatt weggefegt wurde, bevor das Saatgut in den Boden kam. Der Kolonialismus hatte die Landwirtschaft säuberlich von der Forstwirtschaft getrennt.

Dass diese Art von „effizienter Landwirtschaft“ lebensgefährlich war, wurde den Bauern erst durch die großen Dürren klar. Durch die globale Erwärmung noch intensiviert, bäckt die unnachgiebige Sahel-Sonne die Böden, bis sie steinhart und rissig werden. Jeder größere Regen schwemmt die nährstoffreiche Oberschicht einfach fort, und wo die Risse tiefer werden, entstehen tiefe Erosionstäler, die den Bauern ihr Land stehlen.

Holzdiebe als Gefahr für Re-Greening

Re-Greening, oder Agroforstwirtschaft, ist zuerst einmal eine kulturelle und politische Entscheidung. Die Technik wird letztendlich von den Bäuerinnen selber angewandt, und wurde in Niger von vielen Dorfgemeinschaften verfeinert. Sie wurden dabei von ihrer Regierung und von Forschungsinstituten im Land unterstützt, und ihre Erfahrungen wurden ausgewertet und verbreitet. Die politische Dimension lässt sich auf Satellitenfotos zeigen: im Vergleich zu Niger ist das südliche gelegene Land Nigeria wesentlich karger und brauner, die Baumdichte deutlich niedriger, obwohl der Sahel hier langsam in die weniger trockene Savannah übergeht. In Nigeria haben viele Politiker Baumpflanzprogramme verabschiedet und Saatgut oder Stecklinge bereitgestellt, die letztendlich aber nicht wuchsen, weil sich keiner richtig verantwortlich fühlte. Großangelegte Pflanzprogramme sind für Korruption anfällig, da sie oft mit großen Summen finanziert werden müssen.

Die Bauern in Niger hingegen brauchen kaum Startkapital: sie müssen nur die bereits vorhanden Bäume und Sträucher pflegen. Natürlich gab es auch in Niger Probleme, und eine Gefahr für die Re-Greening Landwirtschaft stellten vor allem die Holzdiebe dar, die sich der wachsenden Bewaldung gerne bedienten, um den immer lukrativeren Feuerholzmarkt zu beliefern. Die nigrischen Bauern und Bäuerinnen mussten hier ihre eigene Lösung finden, und taten es, indem sie Dorfkomitees zur Überwachung der Felder ins Leben riefen: Frauen und Männer patrollieren nun regelmäßig die Felder, die Dorfchefs haben sich mit der Polizei abgesprochen, und die Zahl der Diebstähle geht in diesen Gemeinden so stark zurück, dass es Dörfer gibt, denen die Forschung bestätigt, dass ein Feuerholzmarkt eine nachhaltige Einkommensquelle darstellen kann – all das im Dürreland Niger.

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Christina K ist Leiterin des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Nigeria.
 

Dossier

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