Unsere Gäste im Haus Langenbroich 2007

5 Minuten

Maxwell Sibanda

Schriftsteller, Journalist und Fotograf aus Simbabwe (Jahrgang 1968). Bis September 2003 war Sibanda Kulturredakteur bei der Daily News in Harare, dann stürmten bewaffnete Polizisten auf Anordnung von Präsident Mugabe die Redaktion, und die einzige unabhängige Tageszeitung in Simbabwe wurde geschlossen. Sibanda, der auch für Reporter ohne Grenzen arbeitete, musste Simbabwe verlassen. Seither lebt er in Europa, unterstützt von dem europäischen Netzwerk für politisch verfolgte Schriftsteller. Auf Deutsch erschienen bislang: „D‘Zimbabwe – Haus aus Stein“ (Leykam-Verlag, Graz 2006); „Simbabwe mit spitzer Feder – Politische Karikaturen seit der Unabhängigkeit“ (Ausstellungskatalog, Kulturreferat München)


Bashana Abeywardene

Schriftsteller und Journalist aus Sri Lanka (Jahrgang 1972). Bashanas erste Gedichte entstanden noch während seiner Schulzeit und reflektieren den Schrecken des Bürgerkrieges. 1991 begann er als Journalist zu arbeiten. Bashana gehört zu den Gründungsmitgliedern der Zeitschrift Hiru, die seit 1993 erscheint. Mitte der neunziger Jahre gründete sich die „Hiru Action Group“, die sich für Frieden mit den Tamilien und für Pressefreiheit einsetzt. Der Mord an dem tamilischen Journalisten Sivaram Dharmeratnam, einem engen Weggefährten Bashanas, im April 2005 machte schlagartig deutlich, dass die freie Meinungsäußerung in Sri Lanka Lebensgefahr bedeutet. Auch Bashana Abeywardene wurde mit dem Tod bedroht und musste fliehen.


Sharnush Parsipur

Schriftstellerin aus dem Iran (Jahrgang 1946). Sie arbeitete bereits während ihres Soziologiestudiums für das staatliche iranische Fernsehen. 1974 legte sie aus Protest gegen die Hinrichtung zweier Künstler ihren Posten als Redakteurin nieder. Kurz darauf wurde sie wegen ihrer öffentlichen Kritik am Schah-Regime für ein Jahr inhaftiert. Unter der islamischen Regierung wurde Parsipur für die Veröffentlichung der Erzählsammlung „Zanan bedun-e mardan“ (dt. „Frauen ohne Männer“) erneut inhaftiert und blieb ohne weitere Angabe von Gründen für fast fünf Jahre im Gefängnis. Dort entstand 1983 ihr Roman „Tuba – und die Bedeutung der Nacht“ (Unionsverlag 1995). 1994 entschloss sie sich in die USA zu gehen, wo sie heute lebt.


Daniel Banulescu

Schriftsteller aus Rumänien (Jahrgang 1960). Nach einem Ingenieurstudium arbeitete er u.a. als Korrektor, Reporter und Nachtwächter. Der erste Gedichtband „Ziua i n care am fost publicat“ (dt. „Der Tag an dem ich publiziert wurde“) konnte 1987 als Beilage zur Zeitschrift Convingeri Comuniste erscheinen. Den Ruf des „Enfant terrible“ der rumänischen Gegenwartsliteratur zementierte er mit seinem ersten Roman „Te pup in fund, conducator iubit!“ (1994, dt. „Ich küsse dir den Hintern, geliebter Führer!“, Edition per procura 2005), für den er den Preis der Vereinigung Rumänischer Schriftsteller erhielt. Eine Auswahl seiner Gedichte in deutscher Übersetzung ist und dem Titel „Schrumpeln wirst du wirst eine exotische Frucht sein“ (Edition per procura, 2003) erschienen. Der Band wurde 2005 mit dem Preis für europäische Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet.


Apti Bisultanov

Schriftsteller aus Tschetschenien (Jahrgang 1959). Er studierte an der philologischen Fakultät der Tschetschenisch-Inguschischen Staatsuiversität in Grozny und war als Dozent, Redakteur und Herausgeber tätig. 1986 erschien sein erster Gedichtband „Noch – ze – tschö“ (dt. „Pflug – Feuer – Haus“). Der Titel assoziiert das Wort „Nochtschitschö“, das soviel wie „Land der Tschetschenen“ bedeutet. 1988 folgte der Gedichtband „Zcha Illi“ (dt. „Das Lied“) und 1991 der dritte Band „Tkesan Indare“ (dt. „Schatten eines Blitzes“), der eine Serie von Gedichten enthält, die den Opfern der Deportationen unter Stalin gewidmet sind. Bisultanov erhielt 1992 den Tschetschenischen Volkspreis für Literatur. Von Anfang an unterstützte er die Unabhängigkeitsbewegung, 1999 wurde er Vizepräsident für Soziales in Tschetschenien. Seit 2002 lebt Bisultanov in Berlin, 2003 erhielt er den Preis der Poets of all Nations Foundation. Auf Deutsch erschiene: „Schatten eines Blitzes“ (Kitab-Verlag 2004); „Etüden des Abschieds“ (Rheinsberger Bogen 24, 2007)


Viatcheslav Kuritsyn

Schriftsteller aus Russland (Jahrgang 1965). Er arbeitete als freier Journalist, Literaturkritiker und Kurator in Moskau. Dort gilt Kuritsyn als einer der markantesten Figuren der literarischen Welt, als „genialer Wilder“ und Wegbereiter der modernen russischen Literatur. Als sich die Illusion seiner Generation zerschlug, das Land neu zu ordnen, zog sich Kuritsyn aus dem Kulturbetrieb zurück, widmete sich seiner künstlerischen Arbeit und veröffentlichte eine Zeitlang unter Pseudonym. 2003 wurde er als Co-Autor des Romans „Monat Arcachone“ für den „Nazionalnij Bestsellser“ Preis nominiert. Im Herbst 2005 erschien sein Buch „Kuritsyn -  Weekly“ - ein Kompendium seiner Kritikertätigkeit und Chronik der Sturm- und Drang-Jahre Russlands, für das er 2005 den renommierten „Andrej-Belyi-Preis“ erhielt. Heute lebt er als freier Schriftsteller in St. Petersburg.


Jakub Sarwas

Komponist, Dirigent und Musiker aus Polen (Jahrgang 1977). Seine musikalische Ausbildung begann er an der Staatlichen Musikschule in Gliwice und schloss sie 1996 (Hauptinstrument: Akkordeon) ab. Von 1996 – 2001 studierte er Komposition, Dirigieren und Musiktheorie an der Musikakademie in Kattowitz. Sein Aufbaustudium absolvierte Sarwas an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln. Er ist Mitglied der polnischen Gesellscahft für Zeitgenössische Musik, des Verbandes der polnischen Komponisten  und der Gleiwitzer Gesellschaft für Musik. Darüber hinaus ist er Gründer des „Sarwas Project“ und des „Sarwas Ensemble“, mit dem er als Komponist, Dirigent und musikalischer Leiter arbeitet. Er komponiert Kammermusik, symphonische, elektronische und elektrosakustische Musik, Schauspiel- und Film-Musik.