Tschernobyl – Wendepunkt oder Katalysator?

Ortsschild von Prypjat
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Tschernobyl wirkt bis heute

Tschernobyl hatte eine starke Wirkung auf die Umweltbewegung und Umweltpolitik in Ost- und Westeuropa. Hiermit beschäftigt sich jetzt eine Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung.

Tschernobyl ist eine fortdauernde Katastrophe. Aktuell gehen die Meldungen über die Einsetzung eines neuen Sarkophags um die Welt. Und Tschernobyl ist überall. Über 20 Länder sind an dieser Aktion beteiligt, denn die Auswirkungen eines Nuklearunfalls machen nicht an Ländergrenzen halt. Radioaktive Isotope treibt der Wind über weite Entfernungen – aus der fernen Sowjetunion bis in den Westen. Und: Radioaktive Isotope sind lang bleibende Gäste, sie gelangen in den ökologischen Zyklus der Nahrungsketten.

Tschernobyl ist zwar überall – wirkte aber politisch überall ein bisschen anders. Die Konferenz „Tschernobyl – Wendepunkt oder Katalysator? Umweltpolitische Praxen, Strukturen, Wahrnehmungen im Wandel (1970er – 1990er Jahre)" diskutiert, wie und warum Tschernobyl in verschiedenen europäischen Ländern und von verschiedenen staatlichen Stellen, Politikern und Parteien, Medien, Umwelt- und Anti-Atomgruppen ganz unterschiedlich wirkte.

 

Die Konferenz fragt nach der Bedeutung von Tschernobyl für die Umweltpolitik. Welche Auswirkungen hatte Tschernobyl auf die Umweltpolitik und insbesondere Energiefragen? War Tschernobyl wirklich ein Wendepunkt? Oder bündelte und beschleunigte sie – wie ein Katalysator – nur (umwelt-) politische Projekte und Debatten, die ohnehin vorbereitet waren?

Siebzehn Konferenzbeiträge betrachten die Wahrnehmung und die politischen Auswirkungen von Tschernobyl in Ost- und Westeuropa. Politische Gruppen nutzten Tschernobyl auch als Argument für ihre eigenen, nicht immer nur umweltpolitischen Ziele. Beiträge zu Bulgarien, Polen, Litauen, Weißrußland, Rußland, der Ukraine und der DDR gehen verschiedenen osteuropäischen Erfahrungen nach. Sie zeigen, inwieweit Tschernobyl dem „Ökonationalismus“ Auftrieb gegeben und zum Zerfall der Sowjetunion und des Ostblocks insgesamt beigetragen hat.

Beiträge zu Schweden, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien und Dänemark machen deutlich, dass die große Bedeutung von Tschernobyl in der Bundesrepublik Deutschland nicht unbedingt der westeuropäischen Norm entsprach.

Wie sich Tschernobyl auf Parteipolitik, die Risikoabwehr durch die öffentliche Verwaltung und schließlich auch auf die beginnende Energiewende auswirkten, zeigen verschiedene Beiträge zur Bundesrepublik Deutschland.

Ein besonderes Highlight ist der öffentliche Abendvortrag von Joachim Radkau „Tschernobyl: Wendepunkt oder Katalysator der Umweltpolitik“. Der renommierte Bielefelder Umwelt-Historiker ist der bedeutendste Experte in Deutschland zur Geschichte der Atomkraft und Umweltpolitik.

 

Video-Mitschnitte der Konferenz "Tschernobyl – Wendepunkt oder Katalysator? Umweltpolitische Praxen, Strukturen, Wahrnehmungen im Wandel (1970er – 1990er Jahre)?" am 2. und 3. Dezember 2016




Begrüßung und Einführung: Marianne Zepp, Jan-Henrik Meyer, Christoph Becker-Schaum

Mitschnitte der einzelnen Panels:

 

Mehr Informationen zur Konferenz finden Sie hier.