Alles bereit für eine erfolgreiche Energiewende am Bau

Alles bereit für eine erfolgreiche Energiewende am Bau

Nirgendwo wird so viel Abfall produziert und so viel Wärme verbraucht wie beim Bau und bei der Nutzung von Gebäuden. Hier entscheidet sich, ob wir in Deutschland in Zukunft nachhaltig leben können. Bis 2050 sollen die Klimagasemissionen auf nahezu Null sinken. Die Technik steht bereit. Der Trend stimmt. Doch die Umsetzung stockt.

Nahaufnahme eines Gebäudes mit GerüstSanierung eines Gebäudes am Professor-Huber-Platz in München im Mai 2013. Urheber/in: digital cat. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Drei Zahlen vorneweg:

36 Prozent der hierzulande verbrauchten Energie werden im Bereich Wohnen und gewerbliche Gebäude verbraucht.

209.538.000 Tonnen Abfälle kommen jedes Jahr auf deutschen Baustellen zusammen. Das ist 15mal mehr als der Hausmüll, den die Müllabfuhr abholt. Zum Vergleich: Diese umgerechnet 2,5 Tonnen Beton, Ziegelbruch und Teerreste pro Kopf und Jahr sind gut 35.000 Mal schwerer als der viel diskutierte Verpackungsmüll.

Und noch eine Zahl: Warmes Wasser und wohlige Wärme verbrauchen fast hundert Mal mehr Energie, als die gesamte Beleuchtung eines Haushalts.

Die Bundesregierung hat darum das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2050 einen „nahezu klimaneutralen Gebäudebestand“ zu erreichen. Das bedeutet, dass sämtliche Heizungen von Öl, Gas und Kohle auf nachhaltige, erneuerbare Energieträger umgestellt werden.
 

Abb. 2: Energieverbrauch von Wohngebäuden verschiedener Energiestandards. Quelle: TU Darmstadt, ifeu. Urheber/in: Martin Pehnt. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.


Mögliche Wärmeversorgung in der Zukunft

Dazu muss aber auch der Energiebedarf deutlich gesenkt wird. Schätzungen zeigen, dass durch vermehrtes Dämmen und Sparmaßnahmen bis 2050 zwischen 40 und 60 Prozent Einsparungen möglich sind. Die verbleibenden Wärmeverluste lassen sich auch bei Neubauten nicht immer völlig vermeiden oder gehen beispielsweise auf denkmalgeschützte Gebäude zurück, die nicht oder nicht vollständig gedämmt werden können.

Kandidaten für die künftige Wärmeversorgung sind vor allem Solarthermie, Umweltwärme durch Wärmepumpen und geothermische Sonden sowie Biomasse-Heizungen. Dazu kommen intelligente Wärmenetze, die auch Abwärme aus Industrie- und Gewerbebetrieben nutzen und Anteile solarer Wärme aufnehmen. Solche Wärmenetze könnten übrigens auch ein neues Handlungsfeld für Bürgerenergieprojekte sein.

Alles zusammen gibt es in Deutschland dann ausreichend inländische erneuerbare Energieträger für den Gebäudebereich, wenn die Einsparpotentiale genutzt werden. Zahlreiche hocheffiziente Gebäudekonzepte für Neubauten zeigen, dass eine Reduktion des Energieverbrauchs gegenüber dem Gebäudebestand um den Faktor 10 technisch machbar und wirtschaftlich darstellbar ist.
 

Abb. 2: Energieverbrauch von Wohngebäuden verschiedener Energiestandards. Quelle: TU Darmstadt, ifeu. Urheber/in: Martin Pehnt. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.


Mangelnde Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen

Das Problem ist die Sanierung von bestehenden Gebäuden: Hier ist es technisch zwar möglich, aus einem Mehrfamilienhaus der 1970er Jahre ein effizientes Gebäude von heute zu machen. Aber es ist anspruchsvoll und teurer. Darum geht der „Endenergieverbrauch“ für Raumwärme nur langsam zurück und Deutschland wird sein für 2020 selbst gesetztes Zwischenziel verfehlen: Um dieses zu erreichen, müsste der Endenergieverbrauch jährlich um zwei Prozent sinken. Tatsächlich liegt die Quote bei 1,7 Prozent.

Egal wie man es dreht und wendet: Ein wesentliches Hemmnis ist die mangelnde reale oder empfundene Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen und beim Einsatz von erneuerbaren Energieträgern. Höhere Preise von fossilen Energien würden die Investitionen im Bausektor dauerhaft Richtung Effizienz und neuer Heizsysteme vorantreiben.

Ein einfacher Ansatz wäre eine CO2-orientierte Erhöhung der Energiesteuer auf Öl, Gas und Kohle. Analog der „Schweizer Lenkungsabgabe“ könnte eine solche Abgabe sofort in anderen Bereichen wieder an die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler zurückfließen: In der Schweiz werden diese Einnahmen beispielsweise an die Krankenkassen ausgezahlt und den Versicherten von ihrer Prämie abgezogen. Der nötige Umbau der Gebäude in Deutschland ließe sich so beschleunigen und sozial gerecht gestalten.

Wirtschaft muss nicht auf die Politik warten

Doch nicht nur die Politik, auch der Markt muss neue Lösungen bereitstellen. Wie kann es gelingen, die Kosten der Sanierung zu senken und Maßnahmen in die Breite zu bringen? Ein Ansatz ist die industrielle Standardisierung von Sanierungen wie es Energiesprong vormacht, ein Projekt aus den Niederlanden.

Dort wurde ein Prototyp einer höchsteffizienten Sanierung entwickelt und in Zusammenarbeit mit Wohnungsunternehmen so gestaltet, dass typische holländische Gebäude innerhalb von weniger als einer Woche renoviert werden können. Der Hauseigentümer bekommt nicht nur ein komplett saniertes Haus mit neuer Fassade, Fenster, Dach, Heizung und Solaranlage, sondern auch eine Einspargarantie für 30 Jahre.

Die Sanierungskosten für eine typische Wohneinheit konnten auf rund 50.000 Euro gesenkt werden. Dies funktioniert auch durch eine bis ins Detail ausgefeilte Technik.

Diese erfolgreichen Innovationen zeigen: Die Wirtschaft muss nicht immer auf die Politik warten. Beim Bau könnten deutsche Firmen von den erneuerbaren Energien lernen. Die Exportquote der deutschen Windenergieunternehmen liegt heute deutlich über 60 Prozent, einzelne Firmen erreichen 80 Prozent und mehr. Auch die deutsche Bauwirtschaft könnte im Zeichen des Pariser Klimaabkommens die hierzulande entwickelten „Öko-Häuser“ zu Exportschlagern machen – und so auch über den eigenen national begrenzten Rahmen wirken.

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