Friedensfilmpreis 2019: Die Jury  

Friedensfilmpreis 2019: Die Jury  

Preisverleihung

Am 7. Februar beginnt die Berlinale 2019. Zum 34. Male sucht die Jury des Friedensfilmpreises nach Werken mit friedenspolitischem Inhalt und herausragender ästhetischer Umsetzung. Der diesjährige Friedensfilmpreis wird am Sonntag, den 17. Februar im Kino Hackesche Höfe verliehen.

v.ln.r. Andreas Höfer, Jean Peters, Helgard Gammert, Lena Müller, Nora Al-Badri, Peter Steudtner
v.ln.r. Andreas Höfer, Jean Peters, Helgard Gammert, Lena Müller, Nora Al-Badri, Borbála Nagy, Peter Steudtner (zur Jury gehört außerdem Borbála Nagy)

Der Regisseur Andreas Veiel beschrieb in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Friedensfilmpreises die Aufgabe der Jury so:

"Die Jurys des FFP haben einer naiven Friedensbotschaft immer misstraut. Sie haben Filme ausgezeichnet, die sich einfachen Lösungen widersetzen. Die zeigen, wie schwer es ist, Antworten zu finden, jenseits der Wunschvorstellungen nach einer heilen Welt, jenseits einer Zweiteilung in Gut und Böse. In diesen Filmen werden Ambivalenzen und Widersprüche nicht im Sinne einer Lösung geglättet, sondern bis zur Schmerzgrenze ausgelotet. Deshalb sind viele der ausgezeichneten filme eine Zumutung. Weil sie uns Zuschauer irritieren und verunsichern – und damit ermutigen, selbst zu denken.“

 

Nora Al-Badri ist eine multidisziplinäre Konzeptkünstlerin mit deutsch-irakischem Hintergrund. Sie studierte Politikwissenschaft an der -Goethe-Universität in Frankfurt am Main. In ihrer künstlerischen Praxis realisiert sie interdisziplinäre Projekte, dabei reicht das Spektrum von Medienkunst über Dokumentarfilmen bis hin zu politischem Aktivismus.

Im Zentrum ihrer oft gesellschaftskritischen Arbeit stehen die Themen Kolonialismus, Identitätspolitik und kulturelles Erbe. Ihre Projekte finden internationale Medienaufmerksamkeit ( New York Times, BBC, Le Monde Afrique, Financial Times und Arte TV). Nora Al-Badri lebt und arbeitet in Berlin.

 

Helgard Gammert ist ausgebildete Medienpädagogin und arbeitete in verschiedenen Filmgremien. 1979 kam sie aus Mannheim nach Berlin und betreibt seither das Bali-Kino in Berlin-Zehlendorf. Dort entwickelte sie die Idee eines außergewöhnlichen Kinder- und Jugendprogramms konsequent weiter.

1986 rief sie die Berliner 'Kinder-Kino-Initiative' ins Leben, bei der jeden Monat – unterstützt vom Hauptverband der deutschen Filmtheater – ein ausgewählter Kinderfilm durch 20 Berliner Kinos tourte. 25 Jahre in Folge wurde das Bali für ein hervorragendes Jahresfilmprogramm ausgezeichnet. Helgard Gammert bekam 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

 

Andreas Höfer, geboren 1964 in Potsdam, studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg, wo er später auch als Dozent lehrte. Seit 1990 ist er als freier Kameramann tätig. Er hat an über 80 Filmen mitgewirkt, sowohl bei Dokumentar- als auch bei Spielfilmen für Kino und Fernsehen.

Bereits während des Studiums begann seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Dresen (u.a. GundermannWhisky mit WodkaSommer vorm Balkon, Raus aus der HautNachtgestalten (Spezialpreis des polnischen Camerimage-Festivals 1999), Herr Wichmann von der CDU). 1999 begann seine Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff, mit dem er u.a. Die Stille nach dem Schuss (Goldene Kamera 2000 des Internationalen Filmkamerafestivals Manaki Brothers) und Strajk – Die Heldin von Danzig (Bayerischer Filmpreis 2006) realisierte.

Weiter führte er die Kamera u.a. bei folgenden Kino-und Fernsehfilmen: AmTag, als Bobby Ewing starb (R: Lars Jessen), Beautiful Bitch (R: Theo Krieger), Monsoon Baby (R: Andreas Kleinert), Ghetto (R: Audrius Juzenas), Empathie (Deutscher Kamerapreis Bester Fernsehfilm 2010), Inklusion (R: Marc-Andreas Bochert), Eine Braut kommt selten allein (R: Buket Alakus) oder Fleisch ist mein Gemüse (R: Christian Görlitz).

Neben seiner Tätigkeit als Kameramann ist Höfer auch als Fotograf aktiv. Jüngst erschienen seine Porträts und Dokumentationen für das Buch "Lasst uns reden - Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad (Chile)" und eine Fotoausstellung 2017/18 im Foyer des Hans-Otto-Theater Potsdam mit Kinderporträts aus einem Erstaufnahmelager für Geflüchtete.

 

Lena Müller ist Filmemacherin, Produzentin und Autorin. Ihr vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilm Dragan Wende – West Berlin  (Max Ophüls Preis 2013) lief weltweit auf über 50 Festivals, im TV und im Kino. Nach sechs Jahren Festanstellung bei der BBC im Bereich Dokumentarfilm und Koproduktionen arbeitet sie nun an ihrem ersten Spielfilm und einer TV-Serie. 

Die Deutsch-Jugoslawin Lena Müller wuchs in (West-)Berlin und Paris auf. Nach einem Studium in Philosophie, Politikwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Oxford arbeitete sie zunächst in einem Belgrader Think Tank für Menschenrechte und entwickelte zahlreiche Bürgerrechtsprojekte, u.a. den Zivilrechtswegweiser für Serbien “U pravu si!” (Auflage: 100.000).

Zugleich wandte sie sich als Produzentin und Schauspielerin dem Film und Theater zu. Sie war Gründerin des Berliner Film- und Theater-Kollektivs jules&jenn, produzierte Kurz- und Dokumentarfilme, arbeitete als Stoffentwicklerin und im Weltvertrieb für RISE AND SHINE. Im Jahr 2009 gründete sie die Produktionsfirma von.müller.film, mit der sie dokumentarische und fiktionale Stoffe entwickelt. Sie lebt in Berlin.

 

Borbála Nagy geboren in Ungarn, studierte Filmwissenschaften in Budapest, wo ihre ersten Kurzfilme entstanden. Sie war als Journalistin tätig, beschäftigte sich mit Drehbuch- und Filmdramaturgie und nahm an diversen Workshops in Ungarn, Rumänien und Frankreich teil. 2011 zog sie nach Deutschland und arbeitete zunächst als Filmfestivalorganisatorin.

2012 begann sie ihr Regie-Studium an der Deutschen Film-und Fernsehakademie Berlin (dffb). Seitdem realisierte sie mehrere Kurzfilme, die weltweit zu Festivals eingeladen wurden. Ihr Film „Everything Alright“ ( Minden rendben, 2018) wurde für den Deutschen Kurzfilmpreis 2018 nominiert.

 

Jean Peters ist Politikwissenschaftler, Autor des Critical Campaigning Manifests und erforscht mit dem Peng! Kollektiv neue Taktiken und Strategien der politischen Mobilisierung mit Hilfe von Kunst, Hacking und Aktivismus.

Zusammen mit Peng! hat sich Peters in spektakulären Aktionen u.a. ungefragt als Pressesprecher von Google und Vattenfall ausgegeben, hat im Namen von „Heckler und Koch“ einen Waffenrückruf in den USA gestartet und organisierte einen Aussteigerverein für Geheimdienstmitarbeiter*innen.

Seine Arbeiten wurden unter anderem auf der Berlin Biennale und der Athener Biennale gezeigt. 2018 erhielt er zusammen mit Peng! den Aachener Friedenspreis. Er lehrt u.a. an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg und der Universität für angewandte Kunst in Wien zu Formen des eingreifenden Journalismus.

 

Peter Steudtner, geboren 1971 in Berlin, ist Trainer und Berater für gewaltfreie Konflikttransformation und Sicherheit für Menschenrechtsverteidiger*innen. Gleichzeitig arbeitet er als Dokumentarfilmer und -fotograf (https://panphotos.org). 

Sein Engagement zu "Holistischer Sicherheit" für Aktivist/innen (Mitautor des "Holistic Security Guide"), unter anderem als Digital Integrity Fellow für DDP/HIVOS, brachte ihn 2017 wegen angeblichen Terrorismusverdachts gemeinsam mit türkischen Menschenrechtsverteidiger*innen für 113 Tage in türkische Haft (#Istanbul10). Die Erfahrungen dieser Zeit und des fortlaufenden Gerichtsprozesses verarbeitet und verwandelt er zu weiteren "Holistic Security"-Handreichungen und  in Formen künstlerischer Positionen.

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