Vorstellungen von Projekten aus Palästina

Vorstellungen von Projekten aus Palästina

Projekte

Mit der Sensibilierung gegenüber Plastikverschmutzung und den folgenden Konsequenzen steigt auch das Interesse der Menschen, daran etwas zu ändern. Wir präsentieren vier Projekte aus Palästina, die sich für eine saubere Welt einsetzen, indem sie recyclen, upcyclen und wiederverwenden.

Right to Movement

„Right to Movement‟ (RTM) ist eine Laufgemeinschaft in Palästina. Indem wir laufen, wollen wir das grundlegende Menschenrecht auf Bewegungsfreiheit fördern, und gleichzeitig Frauen dazu bewegen, gemeinsam mit Männern auf der Straße zu laufen. Aktuell gibt es neun solcher Laufgruppen in Palästina, und sie alle bieten ihren Mitgliedern ein wöchentliches Trainingsprogramm.

„Right to Movement‟ entstand im Dezember 2012, und die Idee war ein Nebenprodukt des Palästinensischen Marathonlaufs. Der Palästina-Marathon verweist auf unterschiedliche Aspekte des Alltags in Palästina: Die Strecke von 42,195 Kilometern in und um Bethlehem führt in zwei Schleifen von der Geburtskirche durch die Altstadt von Bethlehem, dann entlang der Mauer zu zwei Flüchtlingslagern und vorbei an israelischen Siedlungen. Das Ziel befindet sich wiederum an dem Ort, wo Jesus geboren wurde. Der nächste (und mittlerweile siebte!) Palästina-Marathon wird am 22. März 2019 stattfinden.  

Unser wichtigstes Ziel ist, positive Geschichten über Palästina zu erzählen. Seit 2014 haben wir uns mit wenigstens zehn Läuferinnen und Läufern (zu gleichen Anteilen Frauen und Männer) an Marathonwettbewerben in aller Welt beteiligt. Wir wollen Brücken zu Menschen schlagen, die sich für unsere Geschichte interessieren – eine Geschichte, die so ganz anders ist als alles, was man aus den Medien erfährt – eine Geschichte, die unsere Stärken herausstreicht und unsere Hoffnung, dass Palästinas Zukunft besser wird.

Im Juni 2018 fand das erste „Plogging Palestine‟ statt. „Plogging‟ ist ein umweltfreundlicher Sport, bei dem Laufen bzw. Gehen verbunden wird mit Müllsammeln. „Plogging‟ entstand in Schweden (der Begriff setzt sich zusammen aus „plocka“ - schwedisch für „aufheben‟ – und Jogging) und breitete sich von dort aus, denn mehr und mehr Menschen wollen heute etwas tun gegen die Verschmutzung der Umwelt mit Plastik. Als Training verbindet „Plogging‟ mit dem Laufen eine Reihe von Körperbewegungen wie das Beugen, Hocken oder Dehnen. RTM beteiligt sich am „Plogging‟, da wir in erster Linie auf den Straßen laufen und so gleichzeitig etwas für die schöne Stadt Ramallah tun können, nämlich sie sauber halten!

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The New Heritage, Gaza

Das Projekt „New Heritage‟ (Neues Erbe) sammelt Tragetaschen aus Nylon. Diese werden gewaschen und desinfiziert – worauf Frauen aus dem Gazastreifen aus ihnen neue, nützliche Dinge herstellen. Aus den Plastiktüten wird Garn gemacht, und aus diesem häkeln die Frauen dann Behälter, Kissen und Stofftiere.  Der Name des Projekts rührt daher, dass sich hier das traditionelle Handwerk des Häkelns verbindet mit modernen, umweltfreundlichen Verfahren. Außer um die Umwelt geht es hierbei auch darum, Frauen im Gazastreifen Arbeit zu geben.

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Basata, Gaza, PSE

Basata ist ein Onlinehandel für hochwertige Möbel, die durch „Upcycling‟ entstehen. Ziel ist es, auf diesem Weg Wohnen nachhaltig zu machen. Gegründet wurde das Projekt von der Architekturstudentin Aya Kishko. Jedes so entstandene Möbel ist einzigartig – und hergestellt mit Achtung, Wertschätzung und Dankbarkeit. Jede Wohnung in Palästina soll auf diesem Weg ein Stück echter Handwerksarbeit aus Gaza erhalten.

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Al-Razem, Jerusalem

Al-Razems Faszination mit Recycling begann vor zehn Jahren – mit einem Schulprojekt. Heute arbeitet er in Jerusalem, wo er, während des heiligen Monats Ramadan, zahlreiche Plastikbecher, Flaschen und Fruchtkonservendosen sammelt, welche in Hochzeitssälen und Gemeindezentren nach Mahlzeiten liegen bleiben, wenn die Moslems gemeinsam das Fasten brechen. Aus diesem Müll stellt er dann Kronleuchter her, Laternen, Lampions und andere Zierobjekte. Angeregt durch jene Laternen, die während des Ramadans üblicherweise aufgehängt werden, installiert er seine Kunstwerke auf den Straßen der Altstadt von Jerusalem, wo sie mit ihren wunderbaren Farben die Nacht erleuchten und den Geist des Ramadans widerspiegeln.

Al-Razem sagt: „Ich möchte die Objekte nicht besitzen, möchte keinen Ruhm ... ich will nur den Gedanken der Wiederverwertung verbreiten, und so den Schaden minimieren, den wir unserer Umwelt zufügen.‟

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Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers "Clean it up! Müll in Nahost und Nordafrika".

Aus dem Englischen übersetzt von Bernd Herrmann.

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