Wenige Global Player kontrollieren den Handel mit Futtermitteln, für deren Anbau Regenwald und Savanne abgeholzt sowie Indigene vertrieben werden. Am Ende der Lieferkette landet das Soja von Konzernen wie Cargill unter anderem in europäischen Ställen im Futtertrog.
Die Sojabohne ist mittlerweile das begehrteste Agrarprodukt der Welt – ihr Export hat 2024 rund 80 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Zwischen 1968 und 2018 hat sich die globale Soja-Anbaufläche mehr als vervierfacht und die Erntemenge sogar mehr als verachtfacht. Ein Treiber dieser Entwicklung ist die wachsende Nachfrage nach tierischen Produkten, denn mehr als 75 Prozent der weltweit angebauten Sojabohnen enden als Eiweißfutter in der Nahrung von Schweinen, Hühnern, Rindern. Den weltweiten Handel mit Soja und anderen Futtermitteln wie Mais oder Weizen kontrolliert eine Handvoll Unternehmen: Archer Daniels Midland (ADM), Bunge sowie Cargill aus den USA, COFCO aus China und Louis Dreyfus Company (LDC) aus den Niederlanden.
Dieses Oligopol wird auch als Big Five bezeichnet. Es profitiert am meisten, wenn die Preise steigen. Zum Beispiel, wenn die Agrarmärkte durch geopolitische Krisen erschüttert werden – während der Corona-Pandemie und nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine erzielten die Big Five Rekordgewinne. Aktuell konzentriert sich der Agrarhandelssektor sogar noch weiter: Bunge hat 2025 mit dem kanadischen Konzern Viterra eine weitere Fusion abgeschlossen. Bereits im Jahr 2022 kontrollierten beide Konzerne mehr als ein Fünftel der Sojaexporte und fast ein Viertel der Maisexporte aus dem Schlüsselmarkt Brasilien. Wettbewerbsexpert*innen warnen, dass durch steigende Marktmacht die Erzeuger*innen weniger verdienen, die Verbraucher*innen höhere Preise zahlen und der Markt insgesamt instabiler wird.
Studien zufolge werden weniger als 3 Prozent aller Sojabohnen unter Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards produziert. Immer wieder geraten die großen Agrarhändler wegen Waldrodungen und Menschenrechtsverletzungen in die Kritik. Das gilt insbesondere für Cargill – mit einem Umsatz von 160 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 das größte Privatunternehmen der USA. Cargill beliefert unter anderem den deutschen Einzelhändler Aldi und betreibt seit 2003 sogar einen eigenen Hafen in Santarém im brasilianischen Bundesstaat Pará. Von dort aus kontrolliert Cargill den Handel mit Soja aus dem brasilianischen Amazonasgebiet und der Cerrado-Savanne. Zwar brachte die brasilianische Regierung 2006 ein Moratorium auf den Weg, um Konzerne wie Cargill daran zu hindern, Soja zu beziehen, für dessen Produktion es im Amazonasgebiet zu Abholzungen kam. Untersuchungen zeigen jedoch: Cargill handelt immer noch mit Soja, für dessen Anbau mindestens bis ins Jahr 2020 Amazonas-Regenwald niedergebrannt wurde. Im September 2025 entschied die brasilianische Wettbewerbsbehörde zudem, das Soja-Moratorium ab 2026 auszusetzen – ein dramatischer Rückschritt für den Waldschutz. Seit Jahren werfen Indigene wie die Munduruku dem Konzern außerdem vor, angestammte Landrechte zu missachten. In der Kritik steht unter anderem der von Cargill und anderen Großkonzernen unterstützte Bau der Ferrogrão genannten Eisenbahnstrecke. Die fast 1.000 Kilometer lange Transportstrecke für Soja und Mais droht, 16 Gebiete Indigener zu zerschneiden und Landraub zu begünstigen. Recherchen zeigen auch miserable Arbeitsbedingungen bei Cargill. Ein brasilianisches Gericht verurteilte den Konzern im Jahr 2023 zu Entschädigungszahlungen, weil er Kakao von Plantagen bezog, auf denen nachweislich Kinderarbeit eingesetzt wurde.
Die Marktmacht der großen Agrarhandelskonzerne muss gebrochen werden, um Indigene vor Vertreibung, Bäuer*innen und Arbeiter*innen vor Ausbeutung, Verbraucher*innen vor hohen Preisen und die Umwelt vor Zerstörung zu schützen. Dafür müssen erstens Fusionen auch mit Blick auf ihre sozialen und ökologischen Folgen kritisch geprüft werden. Zweitens braucht es effektive Strafen, wenn Konzerne ihre Marktmacht missbrauchen, um Preise zu diktieren und so den Wettbewerb zu verzerren. Drittens ist mehr Transparenz nötig: Was lagern die großen Agrarhandelskonzerne in welchem Umfang? Dieses Wissen würde es Staaten ermöglichen, im Ernstfall auf diese Bestände zugreifen zu können, um Ernährungs- und Preiskrisen abzumildern; ein Anliegen, das Vorrang vor Unternehmensprofiten und Renditen für Investoren haben sollte. Mehr Transparenz braucht es auch bei dem langen Weg, den Sojabohnen und andere Futtermittel bei ihrer Weltreise von der Saat bis zum Endverbrauch zurücklegen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Verordnung der Europäischen Union (EU) über entwaldungsfreie Lieferketten. Sie soll sicherstellen, dass die Konzerne sowie ihre Zulieferer und Subunternehmen bei der Produktion keine Menschenrechtsverletzungen begangen und keine Flächen genutzt haben, auf denen nach 2020 der Wald geschädigt oder abgeholzt wurde. Und schließlich kann die Politik mit Förderprogrammen die Nachfrage nach Soja und anderen Futtermitteln senken, indem sie Betriebe dabei unterstützt, weniger Tiere zu halten und stärker heimische Eiweißpflanzen zu nutzen – und pflanzenbasierte Ernährung für Verbraucher*innen attraktiver macht.