Globale Plastikverschmutzung stoppen
Die Plastikverschmutzung ist ein globales Problem. Jede Minute wird die Menge einer LKW-Ladung voll von Plastikabfall in unsere Ozeane gekippt. Der überwiegende Teil aller jemals produzierten Kunststoffe landet heute auf Deponien, in Ökosystemen und in der Umwelt, da weniger als 10 Prozent effektiv recycelt werden. Jedes Jahr gelangen schätzungsweise 19 bis 23 Millionen Tonnen Plastikmüll in aquatische Ökosysteme, was die biologische Vielfalt, die menschliche Gesundheit und die Lebensgrundlagen schwer beeinträchtigt. Angesichts dieses Ausmaßes wurden im November 2022 Verhandlungen über ein verbindliches globales Abkommen aufgenommen, um die enorme Flut an Plastikmüll einzudämmen. Seitdem laufen die Verhandlungen über ein globales Plastikabkommen weiter und spiegeln sowohl die Dringlichkeit der Krise als auch eine anhaltende Uneinigkeit über verbindliche Obergrenzen für die Plastikproduktion wider.
Das Bewusstsein für die Zerstörung, die durch Plastikmüll angerichtet wird, wächst bei vielen Menschen ebenso wie bei politisch Verantwortlichen. Doch was hat das Plastikproblem mit der Ungleichheit der Geschlechter zu tun? Inwiefern betreffen seine Auswirkungen Menschen verschiedener Geschlechter unterschiedlich, und warum kann dieses Umweltproblem soziale Benachteiligung und bereits bestehende Diskriminierung verstärken?
Die Plastikverschmutzung verändert nicht nur Lebensräume und verringert die Fähigkeit der Ökosysteme, sich an den Klimawandel anzupassen, sondern wirkt sich beispielsweise direkt auf die Möglichkeiten von Millionen Menschen aus, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Das wiederum zwingt uns, auf die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, insbesondere zwischen Frauen und Männern zu schauen. Denn Frauen sind weltweit in sehr viel höherem Maße in ihren Haushalten für die Überlebenssicherung verantwortlich. Zugleich ist ihr Zugang zu Ressourcen wie Land, Wasser und Krediten stark eingeschränkt. Sie arbeiten sowohl in der Landwirtschaft, im Fischfang, aber auch in der Industrie im Kleinhandel und im informellen Sektor. Der Verlust von fruchtbaren Böden und die Verseuchung von Gewässern und Küsten betrifft sie unmittelbar und existentiell.
Doch die Plastikkrise ist größer und die globalen Ausmaße der schleichenden Zerstörung werden nicht durch die Zahlen des Plastikabfalls deutlich. Wir sehen buchstäblich nur die Spitze des Müllbergs. Denn Plastik ist entlang seines gesamten „Lebenszyklus“ problematisch. Umweltorganisationen und die globale Bewegung „Break Free From Plastic“ (BFFP) fordern deshalb längst, dass die Gefahren, die von Kunststoffen für Menschen und Umwelt ausgehen, in jeder Phase dieses Kreislaufs benannt und gebannt werden: Angefangen bei der Gewinnung der fossilen Rohstoffe, über die Produktherstellung und die Nutzung bis zu dessen Verwertung und Entsorgung. Mit einem kritischen Blick auf die Phasen der in Plastik steckenden fossilen Rohstoffe und auf die anwachsende Produktion von Kunststoffen haben die zivilgesellschaftlichen Aktivist*innen erreicht, dass die Verantwortung der Plastikindustrie sichtbar wird. Diese wiederum will die öffentliche Aufmerksamkeit auf das oft kleinteilige Abfallmanagement und Recycling lenken.
Auch aus feministischer Sicht ist eine kritische Betrachtung des gesamten Plastikkreislaufs entscheidend, wenn das Plastikproblem nicht auf die Konsument*innen und deren Nutzungsverhalten oder auf schädliches Mikroplastik in Kosmetikartikeln reduziert werden soll. Vielmehr ist jede Phase des Plastikzyklus durch unterschiedliche geschlechtsspezifische Erfahrungen und Betroffenheit gekennzeichnet. Von der Petrochemie und dem Mikroplastik bis hin zu Müllexporten und dem Abfallmanagement: der Lebenszyklus von Plastik wirkt sich unterschiedlich auf die Geschlechter aus.
Da die Plastikproduktion weiterhin rasant zunimmt und die globalen Verhandlungen noch immer ergebnislos sind, muss zur Bewältigung dieser Krise anerkannt werden, wie strukturelle soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten sowohl die Verletzlichkeit einzelner Gruppen gegenüber Schäden als auch deren Zugang zu Lösungen prägen. Der einzige Weg, gerechte und nachhaltige Antworten auf die Umweltzerstörung zu entwickeln, besteht darin anzuerkennen, wie diskriminierende Strukturen und geschlechtsspezifische Ungleichheit die Plastikkrise verschärfen – und umgekehrt, wie die Krise selbst geschlechtsspezifische Machtungleichheit verschärft.
Produktdetails
Inhaltsverzeichnis
Einführung
FOKUS - Die globale Plastikkrise betrifft Frauen und diskriminierte Gruppen in gleicher Weise
- Rohstoffausbeutung: zu Lasten lokaler Gemeinschaften und Frauen
- Produktion: Giften permanent ausgesetzt
- Nutzung und Verbrauch: Gesundheitsrisiken durch Hygiene und Schönheitsstandards
- Abfallmanagement und Recycling: Aufräumen am Ende der Plastikwertschöpfungskette
- Abfallentsorgung: Müllexporte sind nicht geschlechtsneutral
EINBLICKE - Von der Mülltrennung zum Machtgewinn
- Wie globale Umwelt-Akteur*innen Plastikbekämpfung, Umweltgerechtigkeit und Anti-Diskriminierung verbinden
OUTLOOK - Verantwortung übernehmen
- Gegen die Plastikflut und für Geschlechtergerechtigkeit