Das Spurengas Kohlendioxid (CO₂) blieb über Jahrhunderte unbeachtet. Doch dann begann der Mensch, riesige Mengen gespeicherten Kohlenstoffs aus der Erde zu holen und zu verbrennen. Damit bringt er das planetare Klima in historisch kurzer Zeit aus dem Lot.
Der Erderhitzer, der unsichtbar und klimaschädlich ist
Kohlenstoffdioxid ist toxisch fürs Klima und sorgt für die lebensgefährliche Erderwärmung. Und es hat einen langem Atem. Es kann bis zu tausend Jahre dauern, bis das CO2, das die Menschheit heute aus fossiler Verbrennung freisetzt, aus der Atmosphäre verschwunden sein wird.
Genügend Zeit, damit das CO2 die eingestrahlte Sonnenenergie absorbieren und so - entsprechend dem Treibhauseffekt – die Temperaturen auf der Erde ansteigen lässt. Jedes Grad mehr erhöht die Kapazität der Erdatmosphäre, Wasser und Wärme zu speichern um 7 Prozent. Das sorgt für zunehmende Wetterextreme wie Dürren und Starkregen.
Warum behandelt man so ein gefährliches Treibhausgas nicht wie andere Schadstoffe und verbietet es?
Das forderte als einer der ersten 2019 Dr. Johann Dupuis von der Universität Lausanne. Ohne Wenn und Aber müsse CO2 als Schadstoff gelten und als solcher in das Umweltschutzgesetz aufgenommen werden, schrieb der Schweizer Politikwissenschaftler. Analog zu den Rechtsvorschriften über Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid oder Ozon solle es auch für die Genehmigung des CO2-Ausstoßes einen strengen Rechtsrahmen geben, verlangte Dupuis.
CO2 kommt auch in der Natur vor
Die Idee ist bestechend einfach – die Schwierigkeit einer Umsetzung liegt vor allem daran, dass CO2 zugleich ein Naturstoff ist. Von den Ozeanen und den Landflächen der Erde werden jedes Jahr rund 800 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt - und in etwa in der gleichen Menge wieder aufgenommen. Ein globales Nullsummenspiel.
Seit gut 150 Jahren verändert die Menschheit jedoch mehr und mehr dieses Gleichgewicht. Sie setzte allein 2025 mehr als 42 Milliarden Tonnen Kohlendioxid zusätzlich frei, vor allem durch die Verbrennung des in fossilen Energiequellen wie Kohle, Öl und Gas gespeicherten Kohlenstoffs.
Weil die Erde offenbar ein widerstandsfähiger Planet ist, wird von den menschengemachten Emissionen etwa die Hälfte von den Ozeanen aufgenommen. Damit bleiben jedes Jahr rund 20 Milliarden Tonnen CO2 „übrig“. Diese Menge ist zwar 40-mal kleiner als die der jährlichen natürlichen Emissionen - sie reichte allerdings aus, um den CO2-Gehalt der Atmosphäre vom vorindustriellen Wert von 280 Parts per Million (ppm) auf den Rekordwert von mehr als 425 ppm im Jahr 2025 zu steigern.
Folgen des Klimawandels schaukeln sich auf
Dadurch verbleibt mehr Wärme in der Atmosphäre und die Erde erwärmt sich mit. Die Folgen sind häufigere und stärkere Hitzewellen, Dürren, Starkregenereignisse und der Anstieg des Meeresspiegels.
Inzwischen ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre so hoch, dass die Folgen des Klimawandels sich gegenseitig aufschaukeln. Heißzeiten drohen und es wird immer wahrscheinlicher, dass Kipppunkte erreicht werden, also kritische Schwellen, ab denen sich die Veränderungen selbst verstärken und kaum noch rückgängig machen lassen - etwas das Schmelzen von Eisschilden, das Auftauen von Permafrost oder das Absterben von Korallenriffen.
Einem CO2-Molekül ist aber schwer anzusehen, ob es aus dem natürlichen Kohlenstoffkreislauf stammt oder aus menschlichen Quellen. Johann Dupuis hat seine CO2-Verbots-Idee deswegen später präzisiert und sie auf CO2 aus fossilen Energien eingegrenzt.
Was bringt das? Von den 42 Milliarden Tonnen CO2, die die Menschheit 2025 in Umlauf brachte, stammen etwa 38 Milliarden Tonnen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Nur vier Milliarden kommen aus so genannten Landnutzungsänderungen, zum Beispiel aus trockengelegten Mooren oder geschädigten Wäldern.
90 Prozent stammen aus fossiler Verbrennung
Damit ist die Rechnung klar: Rund 90 Prozent des menschengemachten CO2 entstehen aus fossiler Verbrennung. Nur wer diese CO2-Quelle stark reduziert und am Ende stoppt, wird den schädlichen Einfluss des Treibhausgases aufs Klima beseitigen können.
Politisch umsetzen lässt sich das, indem nicht das CO2, sondern die Verbrennung fossiler Stoffe nach und nach verboten wird. Mit dem Kohleausstieg machte Deutschland hierfür den ersten Schritt. Gesetzlich ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 über ein Einsatzverbot des fossilen Brennstoffs geregelt. Im Verkehr zielen das Verbrenner-Aus und in den Gebäuden ein Verbot für Gas- und Ölheizungen in die gleiche Richtung.
Auch ein CO2-Preis, entweder direkt über eine Steuer oder den Emissionshandel, verfolgt dieses Ziel: Der Emissionshandel begrenzt die CO₂-Menge, die noch ausgestoßen werden darf, und senkt sie Schritt für Schritt auf null.
Damit ein CO2-Preis wirken kann, brauchen die Menschen emissionsarme oder -freie Alternativen für ihr Leben – etwa, indem die Politik gute Radwege und Ladeinfrastruktur für Elektroautos, einen zuverlässigen ÖPNV und Bahnverkehr oder den Ausbau von Wärmenetzen fördert.
Weiterführende Links
Global Carbon Project: Fossil fuel CO2 emissions hit record high in 2025
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: CO2 als Rohstoff