PFAS bilden eine Chemikaliengruppe. Sie sind farb-, geruch- und geschmacklos, äußerst beständig und vielseitig einsetzbar. Doch was PFAS so nützlich macht, wird zum Problem für Mensch und Umwelt: Sie bauen sich kaum ab und reichern sich überall massiv an.
Wie lange dauert es, unterwegs Kaffee im Einweg-Becher zu kaufen, auszutrinken und in den Müll zu werfen. 10 Minuten? Das Getränk ist schnell konsumiert – im Becher aber steckt eine Ewigkeitsgarantie.
Damit sie Wasser und Fett abweisen, sind Einweg-Verpackungen oft mit PFAS beschichtet. PFAS ist die Abkürzung für Per- und PolyFluorAlkylSubstanzen. Sie sind farb-, geruch- und geschmacklos und gegen hohe Temperaturen, aggressive Chemikalien und Bakterien resistent.
PFAS werden daher auch Ewigkeitschemikalien genannt. Ihre Beständigkeit beruht auf extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen. Die PFAS-Gruppe umfasst inzwischen bis zu 15.000 Stoffe. Sie stecken in Regenjacken, Bratpfannen, Wärmepumpen, Feuerlöschschäumen oder Medizintechnik. Sie machen Produkte wasser-, fett- und schmutzabweisend und sorgen etwa dafür, dass Regen von Jacken abperlt oder Feuerlöschschaum stabil bleibt.
PFAS reichern sich überall an
Was so lange hält und so weit verbreitet ist, reichert sich unvermeidlich in der Umwelt und in Lebewesen an. PFAS gelangen vor allem über Abwasser und Abluft in die Umwelt. Sie lassen sich inzwischen im Blut von fast jedem Menschen nachweisen. Viele PFAS sind giftig, können Krebs verursachen, die Leber schädigen, unfruchtbar machen und das Immunsystem schwächen. In der Schwangerschaft werden sie über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen und auch über die Muttermilch weitergegeben.
Ob ein Produkt PFAS enthält, lässt sich oftmals nicht erkennen. Es gibt für die meisten Produktbereiche keine Kennzeichnungspflicht. Anfang 2023 empfahl die Europäische Chemikalienagentur ECHA der EU-Kommission, PFAS zu verbieten - so schnell und weitreichend wie möglich. Gegenwärtig läuft dazu noch die unabhängige Bewertung durch die wissenschaftlichen Ausschüsse der ECHA. Diese soll im Herbst 2026 abgeschlossen sein.
Entwicklung von Alternativen braucht Zeit
Bereits seit August 2026 gelten strengere Vorgaben der EU-Kommission für PFAS in Lebensmittelverpackungen. Ab Oktober 2026 sollen Beschränkungen für PFAS in Alltagsprodukten wie Regenjacken, Pizzakartons oder Hautpflegekosmetik folgen. Verschärft werden auch die Regeln für den Einsatz in Feuerlöschschäumen.
Schon die Verbotsempfehlung der ECHA zeigte Wirkung. Seitdem würden ihnen die Unternehmen förmlich die Türen einrennen, berichtete Dr. Stefan Löbbecke, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Chemie. Die Zahl der Anfragen nach Ersatz-Chemikalien, toxikologischen Bewertungen von PFAS-Materialien sowie nach Recycling-, Filter- und Reinigungstechnologien sei exponentiell gestiegen, so Löbbecke.
Die Entwicklung von Alternativen zu PFAS ist aufwendig und kostet Zeit: Die Alternativen müssen ebenso wasser-, fett- und hitzebeständig sein und gleichzeitig möglichst umwelt- und gesundheitsschonend. Deshalb werden den Unternehmen Übergangsfristen zugebilligt. Umweltbewusste Vorreiter bieten bereits heute PFAS-freie Produkte an, darunter Regenkleidung, Küchengeräte und Wärmepumpen.
Mehrweg-Angebote können helfen
Bisher wenig beachtet: PFAS gelangen auch mit Pestiziden aus der Landwirtschaft in die Umwelt. In den letzten 30 Jahren wurden nach Angaben des Umweltinstituts München hierzulande über 60.000 Tonnen PFAS-Pestizide auf Äckern ausgebracht. Als Abbauprodukt reichert sich dann das gefährliche Trifluoracetat (TFA) in Ackerfrüchten, Böden und im Trinkwasser an und kann ungeborene Kinder in der Schwangerschaft schädigen.
Nicht nur PFAS-Einschränkungen können Abhilfe schaffen. Seit Anfang 2023 sind Betriebe, die Getränke in Einwegbechern verkaufen, gesetzlich verpflichtet, ihren Kund*innen Mehrwegverpackungen als Alternative anzubieten.
Auch eine Besteuerung von Einweg-Verpackungen kann helfen. An einer solchen Steuer zeigten Ende 2025 laut einer Umfrage der Deutschen Umwelthilfe bereits 155 Städte Interesse. Eingeführt haben die Steuer bereits Tübingen, Freiburg und Konstanz. In Tübingen ist seit der Einführung der Steuer im Jahr 2022 der Einwegverpackungsmüll deutlich zurückgegangen.
Jeder und jede kann natürlich auch selbst einen PFAS-freien Mehrwegbecher fürs Heißgetränk mit sich führen, am besten ganz „altmodisch“ aus Glas oder Porzellan.
Weiterführende Links
Umweltbundesamt: Was sind PFAS?
Verbraucherzentrale: Ewigkeits-Chemikalien PFAS: Wo sie stecken, warum sie problematisch sind
Öko-Test: Studie: Gesundheitsgefahr durch Coffee-to-go-Becher
Fraunhofer-Gesellschaft: Jahrhundert-Gifte PFAS
Kommunal: So erfolgreich ist die Verpackungssteuer in Tübingen
NABU: Das Gift in unserem Alltag: „Ewigkeitschemikalien“ vor dem Verbot?