Lulas Sieg hat die „Tropical Forest Forever Facility“ (TFFF) fürs Erste gerettet, doch aufgrund ihrer Abhängigkeit von privaten Investitionen, der Verschuldung des Globalen Südens und fragwürdiger Entscheidungsstrukturen ist sie nach wie vor eine Scheinlösung für die Wälder – ganz gleich, wer in Brasilien an der Macht ist.
Die Wiederwahl von Lula da Silva bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien war ein wichtiger Sieg für die progressive Politik in Lateinamerika. Sie verhinderte knapp einen erneuten Abstieg in das Chaos der rechtsextremen Bolsonaro-Ära. Lulas klarer Sieg war zugleich ein Triumph über den US-Interventionismus und die Versuche der Trump-Regierung, ihre politische, neokoloniale und militärische Vorherrschaft in der Region durchzusetzen.
Doch diese Wahl hatte auch eine weniger offensichtliche Folge: Der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) – ein neues, höchst umstrittenes Waldfinanzierungsprogramm, das von der brasilianischen Regierung vorangetrieben wird – erhielt eine Rettungsleine. Ein Sieg Bolsonaros wäre zweifellos das Ende des TFFF gewesen. Doch jetzt hängt der Fonds weiterhin am Tropf: Bis Jahresende muss er eine Anfangsfinanzierung von 10 Milliarden US-Dollar sichern – bisher ohne Erfolg. Sollte das nicht gelingen, droht der Rückzug wichtiger Investoren wie der norwegischen Regierung, unabhängig davon, wer in Brasilien an der Macht ist.
Damit wird die COP31 zur entscheidenden Bewährungsprobe für den TFFF. Obwohl die Initiative nicht auf der offiziellen Tagesordnung der UN-Klimaverhandlungen steht, werden seine Protagonist*innen in den Fluren des Konferenzzentrums in Antalya verzweifelt nach zusätzlichen Zusagen suchen.
Was ist in Belém schiefgelaufen?
Die COP30 in Belém scheiterte nicht nur daran, einen verbindlichen Fahrplan zum Ende der Entwaldung zu beschließen – auch der TFFF blieb hinter seinem Versprechen zurück, die „Zukunft der Tropenwälder“ zu sichern. Brasiliens Vorzeige-Finanzierungsprogramm hatte bisher nur 6,7 Milliarden US-Dollar an Förderkapital eingesammelt – weit weniger als die ursprünglich für den Vollbetrieb veranschlagten 25 Milliarden US-Dollar.
Doch was der TFFF vor allem auslöste, war breiter Widerstand. Bei den Demonstrationen in Belém prägten Parolen gegen den TFFF das Bild. Eine Erklärung, die den TFFF ablehnte und die Rechte der Wälder verteidigte, wurde von 205 Organisationen unterzeichnet, viele von ihnen nahmen an Gegenkundgebungen teil.1
Der ursprüngliche Plan sah vor, das Sponsor-Kapital von 25 Milliarden US-Dollar zu nutzen, um „vorrangige Marktanleihen“ (Darlehen und Anleihen mit niedrigem Zinssatz und hoher Rückzahlungspriorität) im Wert von bis zu 100 Milliarden US-Dollar zu emittieren – mit einem Hebel von 1:4. Daraus sollte ein Investitionsfonds von insgesamt 125 Milliarden US-Dollar entstehen. Dieser Betrag sollte dann mit höherer Rendite angelegt werden, um jährliche Einnahmen von vier Milliarden US-Dollar zu erzielen. Diese Einnahmen sollten an Tropenwaldländer fließen – als Gegenleistung für den Erhalt von einer Milliarde Hektar intakter Tropenwälder.
Mehr als ein Viertel der TFFF-Mittel stammt bisher aus Ländern, die eigentlich die Hauptnutznießer sein sollten.
In Belém kamen die Kapitalzusagen der Sponsoren aus dem Globalen Norden auf 3 Milliarden US-Dollar von Norwegen, 1 Milliarde Euro (1,15 Mrd. USD) von Deutschland und 500 Millionen Euro (577 Mio. USD) von Frankreich – insgesamt 4,7 Milliarden US-Dollar, allesamt mit spezifischen Bedingungen und Auflagen verbunden. Brasilien und Indonesien, zwei der drei größten Tropenwaldländer, sagten jeweils 1 Milliarde US-Dollar an Fördermitteln zu. Das bedeutet: Mehr als ein Viertel der TFFF-Mittel stammt bisher aus Ländern, die eigentlich die Hauptnutznießer sein sollten.
Zusätzlich trugen sehr geringe Zusagen aus den Niederlanden (5 Millionen US-Dollar), Portugal (1 Million US-Dollar) und der Minderoo Foundation (10 Millionen US-Dollar) dazu bei, die Gesamtsumme auf 6,7 Milliarden US-Dollar zu erhöhen – wobei diese Mittel aufgrund mehrerer Auflagen nicht sofort verfügbar sind.2
Seitdem sind weitere Zusagen eingegangen, etwa 400 Millionen Pfund (ca. 534 Mio. USD) vom Vereinigten Königreich und weitere 500 Millionen US-Dollar aus den Niederlanden nach der Wahl, wodurch sich die Gesamtsumme auf 7,8 Milliarden US-Dollar erhöhte. Gleichzeitig haben jedoch der fortwährende Rechtsruck in Europa und die nachlassenden Klimaschutzverpflichtungen einige Zusagen infrage gestellt. Ein Mitglied des CDU-Haushaltsausschusses argumentierte, dass Deutschlands Investition von 1 Milliarde Euro schwer zu rechtfertigen sei und aus dem Staatshaushalt 2027 gestrichen werden sollte.
Es wurde eine „einmalige Initiative dieser Generation über einen innovativen Finanzierungsmechanismus“ versprochen. Doch welche Finanzlogik steckt wirklich hinter dem TFFF? Und wird er die Ursachen und Treiber der Entwaldung bekämpfen? Fangen wir von vorne an.
Wessen Vorschlag ist das eigentlich?
Die brasilianische Regierung behauptet, der TFFF werde von den Tropenwaldländern des Globalen Südens geleitet. In Wahrheit handelt es sich um einen Vorschlag von Banker*innen für Banker*innen, der im Globalen Norden unter Führung der Weltbank konzipiert wurde.
Eine der frühesten Fassungen war eine Reihe von vier Papieren, die 2018 vom Center for Global Development (CGD) unter dem Titel „Creating a Multilateral Wealth Fund for a Global Public Good: A Proposal for a Tropical Forest Finance Facility“ veröffentlicht wurden. Zu den Autor*innen gehörte Kenneth Lay, ehemaliger Vizepräsident und Schatzmeister der Weltbank (2006–2010). Weitere Mitwirkende kamen aus dem Globalen Norden sowie aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.
In diesen ersten Unterlagen wurden Brasilien, Indonesien oder die Demokratische Republik Kongo nicht erwähnt. Die Beteiligung dieser Tropenwaldländer und die spätere Führungsrolle der brasilianischen Regierung kamen erst später hinzu – und verliehen dem Vorhaben Legitimität.
Ein neokoloniales Wirtschaftsmodell
Laut der Fassung von 2018 ist der TFFF
„ein Vorschlag zur Mobilisierung erheblicher kostengünstiger Ressourcen, die in private Märkte investiert werden können, um eine finanzielle Rendite zu erzielen und damit erfolgreiche Maßnahmen zu belohnen, die zur Erreichung eines globalen Ziels beitragen: der Verringerung der Entwaldung. […] Die Nutzung vorwiegend öffentlicher Mittel zur Erzielung von Investitionsgewinnen aus dem privaten Sektor, die wiederum internationale Finanzmittel für öffentliche Güter bereitstellen, könnte dazu dienen, über die begrenzten Grenzen der Entwicklungshilfe hinauszugehen.“
Von Anfang an war klar: Der TFFF sollte mit begrenzten öffentlichen Mitteln weitaus größere private Investitionen mobilisieren, um Gewinne für wohlhabende Investor*innen zu erwirtschaften – und gleichzeitig zu behaupten, zur „Eindämmung der Entwaldung“ beizutragen. Ein bequemer Ansatz, um öffentliche Beiträge zu begrenzen, private Renditen zu maximieren und dabei zu behaupten, eine wirksame Rolle im Kampf gegen die Entwaldung im Globalen Süden zu spielen.
Diese ursprüngliche Finanzlogik aus dem Jahr 2018 wurde in den drei anschließenden Konzeptpapieren der brasilianischen Regierung3 wieder aufgegriffen. Sie basieren auf zwei Grundprinzipien:
- Umwandlung von Geldern, die von wohlhabenden Investorenländern und -unternehmen geliehen wurden, in Gewinne, die genutzt werden können, um „Veränderungen in Entwicklungsländern voranzutreiben“.
- Verteilung dieser Mittel nach einem ergebnisorientierten Ansatz, sobald vorab vereinbarte messbare Ergebnisse erreicht sind.
Im Kern reproduziert dies eine neokoloniale und technokratische Dynamik.
Im Kern reproduziert dies eine neokoloniale und technokratische Dynamik: „Messbare Ergebnisse“ werden gegenüber gelebten Realitäten privilegiert. Komplexe soziale, kulturelle und ökologische Zusammenhänge werden auf enge Kennzahlen reduziert. Was leicht zu messen ist, wird tendenziell vorrangig behandelt – auf Kosten von Geschlechtergerechtigkeit, indigenen Regierungssystemen, kollektiven Rechten, strukturellen Ursachen von Ungleichheit und anderen Formen von Umweltschäden jenseits der Entwaldung.
Der TFFF wird als „ländergeführter“ Ansatz präsentiert, verstärkt aber eine paternalistische Denkweise: Geber*innen und Akteure des Globalen Nordens „treiben den Wandel“ im Globalen Süden voran – statt sich mit ihrer historischen Verantwortung für den Klimakollaps, ökologische Schäden, Kolonialverbrechen und der Ungerechtigkeit der Verschuldung des Globalen Südens auseinanderzusetzen.
Für seine Befürworter*innen ist der TFFF eine einmalige Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Private Investor*innen können Geld verdienen und gleichzeitig ihr Greenwashing absichern, indem sie ihre angeblichen Beiträge zu „Netto-Null“-Verpflichtungen und „naturpositiver Finanzierung“ melden – etwa bei der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD)4. Die Zivilgesellschaft hat solche Machenschaften jedoch als umstrittene Praktiken angeprangert, die Unternehmensmissbrauch, Menschenrechtsverletzungen und Umweltverbrechen aufrechterhalten.
Wer finanziert den Fonds wirklich?
Einer der besorgniserregendsten Aspekte des TFFF ist seine starke Abhängigkeit von den Anleihemärkten für Schulden des Globalen Südens. Im Grunde wird das Geld, das zum „Schutz“ tropischer Wälder verwendet wird, größtenteils von Ländern des Globalen Südens bezahlt – durch Schuldendienst und Zahlungen an wohlhabende internationale Investor*innen. Wie das Third World Network warnt, kommt die eigentliche Finanzierung „von den Entwicklungsländern selbst, getarnt durch die internationalen Kapitalmärkte als ‚natürliche‘ Kapitalrendite“.
Hier zeigt sich die perverse Logik der Geldmaschine:
Der TFFF leiht sich Milliarden Dollar von Sponsor*innen und wohlhabenden Investor*innen zu niedrigen Zinsen und investiert diese dann in Anleihen von Schwellenländern – etwa von hoch verschuldeten Staaten des Globalen Südens, die dringend Liquidität benötigen oder von Unternehmen, die die Entwaldung vorantreiben. Diese Anleihen bringen höhere Renditen, weil sie als risikoreicher gelten: Kreditnehmer*innen aus dem Globalen Süden haben beispielsweise ein höheres Ausfallrisiko.
Der durch diese Zinsdifferenz (und oft ungerechtfertigte Risikoeinschätzungen) erzielte Gewinn wird dann in erster Linie für folgende Zwecke verwendet: Rückzahlung der Kreditgeber*innen, Deckung der Weltbankgebühren, Bedienung der Zinsen auf das Sponsor-Kapital.
Der TFIF (Tropical Forest Investment Fund) verdient sein Geld also damit, die Schuldenkrise und die Zahlungsunfähigkeit im Globalen Süden zu verschärfen.
Nur wenn nach diesen Transaktionen noch Gewinne übrig bleiben, fließen tatsächlich Mittel an die Tropenwaldländer. Der TFIF (Tropical Forest Investment Fund) verdient sein Geld also damit, die Schuldenkrise und die Zahlungsunfähigkeit im Globalen Süden zu verschärfen – und das zu einer Zeit, in der die Verschuldung bereits beispiellose Ausmaße erreicht hat.
Merel van der Mark, Koordinatorin der Forests and Finance Coalition und Expertin für Finanzmechanismen, erklärt den Zusammenhang zwischen dem Versagen des Globalen Nordens, seine Verpflichtungen bei der Finanzierung von Klimaschutz und Biodiversität zu erfüllen, und der Verlagerung hin zu privater Finanzierung, um die Finanzierungslücke zu schließen:
„Seit Jahren bitten die Tropenwaldländer die reicheren Länder um Unterstützung beim Schutz ihrer Wälder. Doch die reichen Länder haben es versäumt, die Beträge zu mobilisieren, die für einen echten Waldschutz erforderlich sind.“
„Daher erscheint mir der TFFF als trauriges Eingeständnis, dass die reichen Länder ihren Teil nicht leisten – und dass die einzige Möglichkeit, sie zur Bereitstellung von Mitteln für den Waldschutz zu bewegen, darin besteht, dass sie ihr Geld mit Zinsen zurückerhalten. In diesem Sinne denke ich, dass der TFFF Finanzmittel nicht auf gerechte Weise mobilisiert.“
Entwaldung als „Marktversagen“?
Die Begründung des TFFF lautet, dass der Fonds durch die Bewertung stehender Tropenwälder ein „Marktversagen“ beheben will. Indem er den „Ökosystemleistungen“ der Tropenwälder einen finanziellen Wert zuweist und dafür bezahlt, sollen Anreize für deren Schutz statt für deren Zerstörung oder Degradierung geschaffen werden.
Die Finanzialisierung der Natur ist also die treibende Kraft des Vorschlags: Wälder werden in einen Marktwert umgewandelt, der Renditen generieren kann – wobei die Kapitalakkumulation Vorrang vor Menschenrechten, der Integrität der Ökosysteme und allen anderen Erwägungen hat.
Doch dieser Ansatz zeigt einen tiefgreifenden Widerspruch: Das vorherrschende Wirtschaftssystem, das die Natur in einen Finanzwert verwandelt, zerstört gleichzeitig die Kulturen, Praktiken, Rechte und Beziehungen zu ihren Territorien indigener Völker, lokaler Gemeinschaften, von Frauen* und Jugendlichen. Die Kommodifizierung der Natur ist daher nicht vereinbar mit der Achtung der komplexen sozialen und ökologischen Zusammenhänge, die die natürlichen Ökosysteme auszeichnen.5
Die strukturellen Treiber der Entwaldung sind genau dieselben Rohstofflieferketten und industriellen Prozesse, die das derzeitige Wirtschaftssystem antreiben.
Die Vereinbarkeit eines Wirtschafts- und Finanzsystems, das darauf ausgelegt ist, die Natur für Profit auszubeuten und von waldabhängigen Gemeinschaften zu schöpfen, mit dem Schutz tropischer Wälder ist an sich schon ein Paradoxon. Die strukturellen Treiber der Entwaldung sind genau dieselben Rohstofflieferketten und industriellen Prozesse, die das derzeitige Wirtschaftssystem antreiben: Agrarindustrie, intensive Viehzucht, Bergbau, fossile Industrie, Infrastrukturentwicklung, Abholzung für Zellstoff und Papier, Energie aus Biomasse.
Dasselbe Finanzsystem, das den TFFF stützen wird, generiert enorme Gewinne aus Unternehmen, die die Entwaldung vorantreiben. Es ist, als würde man bewusst einen aussichtslosen Kampf führen, nur um Gewinne für wohlhabende Investor*innen zu sichern.
Die Propaganda-Falle: „Beratung“ durch indigene Völker ist nicht gleich Entscheidungsmacht
Eine zentrale Säule des TFFF ist, dass Tropenwaldländer mindestens 20% der Zahlungen, die sie erhalten, für die Unterstützung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften (Indigenous Peoples and Local Communities, IPLCs) bereitstellen müssen. Erhält ein Tropenwaldland also vier US-Dollar pro Hektar stehendem Wald, müssten 80 Cent an die IPLCs fließen.
Im jüngsten TFFF-Vorschlag (Concept Note 3.1) wurden daher „Richtlinien für die Zuweisung an indigene Völker und lokale Gemeinschaften“ entwickelt. Zudem wurden ein „Technisch-wissenschaftliches Beratungsgremium“ und ein „IPLC-Beirat“ eingerichtet. Der IPLC-Beirat, der sich hauptsächlich aus zehn IPLC-Vertreter*innen zusammensetzt, wird den TFFF-Vorstand jedoch lediglich beraten – und hat keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung hinsichtlich der Mobilisierung und Verwaltung der Gesamtressourcen des Fonds. Zudem müssen die Mitglieder des IPLC-Beirats vom TFFF-Vorstand bestätigt werden.
Die wirklich wichtigen Entscheidungen werden vom Vorstand des Tropical Forest Investment Fund (TFIF) getroffen – dem „finanziellen Herz“ des Fonds, der für die Verwaltung des Kapitals zuständig ist. Wie das World Rainforest Movement (WRM) in ihrer Analyse des Programms hervorhebt, handelt es sich um einen Mechanismus, der tief in kolonialer Logik verwurzelt ist. Den IPLCs eine beratende Rolle zuzuweisen und ihnen die Befugnis zu geben, über die Verwendung eines Bruchteils der verbleibenden Mittel zu entscheiden, ist nicht dasselbe, wie ihnen uneingeschränkten Zugang zur Entscheidungsfindung und zur Mitwirkung an der Leitungsstruktur des Fonds zu gewähren.
Häuptling Ninawa Huni Kui, ein indigener Vertreter aus dem brasilianischen Amazonasgebiet und Präsident der Föderation des indigenen Volkes der Huni Kui in Acre, steht dem Programm äußerst skeptisch gegenüber. In einem Interview sagte er:
„Ich glaube nicht, dass wir mit diesen Maßnahmen positive Ergebnisse erzielen werden. Die ‚Tropical Forest Forever Facility‘ ist nur eine weitere Propagandafalle, die wohlhabenden Investor*innen riesige Gewinne bescheren wird. Aus kritischer Sicht handelt es sich um eine Form der Vereinnahmung: Indigene Völker werden einbezogen, ohne dass sie die Entscheidungen treffen dürfen. Es ist eine weitere Täuschung. Die Entscheidungen des Fonds werden nicht den tatsächlichen Wünschen und Bedürfnissen aller Völker entsprechen. Das schwächt letztendlich die indigene Bewegung, anstatt sie zu stärken.“
Neben den Bedenken hinsichtlich der Entscheidungsfindung sieht der Anführer der Huni Kui auch den spekulativen Charakter des TFFF als Widerspruch zur Weltanschauung indigener Völker:
„Ein kapitalistischer Fonds steht in krassem Widerspruch zu den spirituellen Weltanschauungen indigener Völker, zur Beziehung zwischen bem viver und den Territorien. Finanzielle Mittel dürfen nicht mit bem viver6 verwechselt werden. ‚Ich gebe ihnen ein bisschen Geld, und schon haben sie eine bessere Beziehung zur Natur.‘ Darum geht es nicht. Wir sprechen von einem tieferen Konzept; es geht um Ehrfurcht vor und Anerkennung der Natur.“
Darüber hinaus ist das erklärte Bekenntnis des Fonds zu Gerechtigkeit, Rechten und Inklusion – ausgedrückt durch die Einführung von „Modalitäten für den Zugang zu Finanzmitteln“ für IPLCs und Tropenwaldländer – im Falle von Marktstress, Liquiditätsdruck, Inanspruchnahmen oder Zahlungsausfällen nicht gewährleistet. Selbst wenn die Finanzarchitektur des Fonds intakt bleibt, erhalten Tropenwaldländer und damit auch IPLCs möglicherweise keine Zahlungen, da der Rückzahlung der Investoren Vorrang eingeräumt würde.
TFIF: Der eigentliche Entscheidungsträger
Die Governance-Struktur des TFFF umfasst zwei unabhängige Einrichtungen:
- den Tropical Forest Investment Fund (TFIF),
- die Tropical Forest Forever Facility („die Facility“ oder TFFF).
Der TFIF ist für die Mobilisierung und Verwaltung finanzieller Ressourcen zuständig und trifft wichtige Entscheidungen über den TFIF-Vorstand – eine zentrale Institution innerhalb des Systems. Der TFIF verfügt über eine eigene Führungsstruktur und hat die Freiheit, „marktorientierte Entscheidungen“ zu treffen, was unweigerlich bedeutet, dass wirtschaftliche Interessen Vorrang vor Rechten haben werden. Die TFFF beschränkt sich darauf, „das Belohnungssystem für Waldbedeckung zu überwachen, einschließlich der Förderkriterien, Überwachungsmethoden und Auszahlungsregeln“.
Dem TFFF-Vorstand gehören achtzehn Mitgliedsländer an:
- neun Sponsorenländer,
- neun Nicht-Sponsorenländer mit Tropenwäldern, die die in der Charta der Facility festgelegten Kriterien erfüllen.
Die Charta ist der institutionelle Leitungsrahmen des Fonds und regelt Umsetzungsmodalitäten, Förderkriterien und andere grundlegende Überlegungen. Alle Sponsorenländer, die mindestens eine Milliarde US-Dollar zum TFFF beitragen, erhalten einen Sitz im TFFF-Vorstand, bis die Gesamtzahl neun erreicht ist.
Der Technische und Wissenschaftliche Beirat sowie der Beirat der indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften (IPLCs) werden unter der Aufsicht des TFFF-Vorstands tätig sein. Dies schränkt ihre Entscheidungsbefugnis in Schlüsselbereichen wie Konfliktlösung, Durchsetzungsmaßnahmen, Festlegung von Indikatoren und Festlegung von Ausgangswerten ein – und widerspricht den Grundsätzen der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC). Zudem schwächt es die demokratische Kontrolle.
Der TFIF-Vorstand hingegen setzt sich aus „Expert*innen“ mit der erforderlichen „Fachkompetenz“ zusammen. Diese werden von den „souveränen Sponsoren“ (nationalen Regierungen, die Sponsor-Kapital bereitstellen) auf „Empfehlung eines unabhängigen Ausschusses“ nominiert nd ernannt.
Die Rolle der Weltbank
Die Weltbank fungiert als Treuhänder des Programms, hier auch das TFFF-Sekretariat angesiedelt. Zudem könnte sie „bestimmte Treasury-Management-Dienstleistungen für den TFIF“ erbringen. Ihr Ruf ist im Globalen Süden jedoch diskreditiert, da sie weithin dafür bekannt ist, Länder in die Verschuldung zu treiben, ungerechte Kreditbedingungen aufzuerlegen, Volkswirtschaften so zu gestalten, dass sie großen Konzernen statt den Menschen zugutekommen, und sogar militärische Diktaturen zu unterstützen.
Der TFFF wird daher von einer Organisation betreut und kommt dieser zugute, die für Maßnahmen verantwortlich ist, welche Ungleichheiten und ökologische Belastungen im Globalen Süden verschärfen7 – was sich in Zeiten globaler Krisen und finanzieller Instabilität als noch problematischer erweisen könnte.
Die von der Weltbank überwachte Zahlungsrangfolge richtet sich nach den Einnahmen des TFIF und wird wie folgt priorisiert:
- Anleihegläubiger*innen (inkl. „Zahlungen für Schuldendienst und Gebühren“ an diejenigen, die dem TFFF Geld geliehen haben, sowie Gebühren der Weltbank),
- Sonstige private Investor*innen,
- Staatliche Geldgeber*innen (bei denen es sich hauptsächlich um staatliche Darlehen handelt),
- Förderfähige Tropenwaldländer, deren Entwaldungsrate unter 0,5 % liegt – sie stehen ganz hinten in der Reihe.
Sollten die Einnahmen sinken, werden Zahlungen an Tropenwaldländer als Erstes zurückgestellt. Verschlechtert sich die Lage weiter, wird der TFIF eine „geordnete Liquidation einleiten“.
Diese Zahlungshierarchie ist von Bedeutung: In Jahren mit geringen Renditen würden die waldbezogenen Zahlungen gekürzt, bevor die Renditen der Investoren beeinträchtigt werden. Bei extremen Markteinbrüchen könnten waldbezogene Zahlungen sogar ganz ausgesetzt werden. Als Nächstes stünden Kürzungen bei den Zahlungen an staatliche Geldgeber*innen an, wodurch die Interessen privater Investor*innen weiter geschützt würden.
Zahlungen an indigene und lokale Gemeinschaften (IPLCs) haben daher die niedrigste Priorität, während die Interessen der Sponsor*innen und vermögenden Privatanleger*innen durch die Anlagestrategie des Fonds geschützt werden. Der Versuch, Gewinnstreben und Umweltziele auf diese Weise in Einklang zu bringen, könnte daher den Druck auf waldabhängige Gemeinschaften erhöhen – denn letztlich tragen sie die größte Risikolast durch Marktvolatilität, eine mögliche Liquidation und Strafzahlungen.
Wird der TFFF Anreize für Investitionen schaffen, die den Wäldern schaden?
Obwohl im Konzeptpapier 3.1 des TFFF festgelegt ist, dass Investitionen in Entwaldung, Kohle, Torf, Öl und Gas ausgeschlossen werden, geben die unklaren Ausschlusskriterien des Fonds Anlass zu ernsthaften Bedenken. Unklar bleibt, ob und wie die Kriterien Investitionen in Sektoren, die Entwaldung verursachen, wirksam verbieten und sicherstellen, dass Unternehmen, die mit schädlichen Auswirkungen auf die Biodiversität in Verbindung stehen, nicht vom Programm profitieren.
Merel van der Mark weist darauf hin, dass es viele weitere Industriezweige gibt, die „Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben, wie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und intensiver Wasserverbrauch, die derzeit nicht ausgeschlossen sind“. Und hier liegt ein Spannungsfeld:
„Wenn die Ausschlusskriterien zu streng sind, werden sie zu viele Aktivitäten ausschließen – und der Fonds wird nicht in der Lage sein, die Renditen zu erzielen, die er benötigt, um die Zahlungen an die Waldländer zu leisten.“
Gewinne auf spekulativen Finanzmärkten zu erzielen und sich gleichzeitig auf Ausschlusskriterien zu stützen, um Investitionen in Aktivitäten zu vermeiden, die die biologische Vielfalt zerstören, offenbart einen grundlegenden Widerspruch im Kern des Fonds. Was nützt es, ein Programm zu schaffen, das zu sozialen und ökologischen Schäden führen könnte, wenn keine Schutzmaßnahmen entwickelt und strikt durchgesetzt werden?
Der TFFF behauptet zudem, strenge Kriterien anzuwenden, um sicherzustellen, dass die Zahlungen an Tropenwaldländer deutlich gekürzt werden, sollten deren Entwaldungsraten steigen. Wie van der Mark jedoch erklärt, besteht die Gefahr einer Verlagerung in andere Biome: Wenn TFFF-bezogene Zahlungen dazu führen, dass die Rohstoffproduktion einfach in Gebiete ausgeweitet wird, die nicht unter das Programm fallen, schadet das der Natur woanders.
Darüber hinaus „besteht auch das Risiko, dass die Intensivierung der Produktion auf bereits umgewandelten Flächen durch den Einsatz von mehr Düngemitteln und Pestiziden der Natur auf andere Weise schadet als durch Entwaldung.“ Die Kriterien des TFFF sind nicht in der Lage, eines dieser Risiken zu mindern.
Der TFFF könnte zu einem weiteren Instrument werden, um Finanzmittel für Zerstörung zu instrumentalisieren.
Zivilgesellschaftliche Organisationen warnen seit langem vor der dringenden Notwendigkeit, destruktive Finanzierungen zu stoppen, die Wäldern und der biologischen Vielfalt schaden. Ironischerweise könnte der TFFF aufgrund seiner Konzeption zu einem weiteren Instrument werden, um Finanzmittel für Zerstörung zu instrumentalisieren – etwa durch die Verlagerung von Waldverlust in andere Biome innerhalb der förderfähigen Tropenwaldländer. Zudem lenkt er von den Bemühungen ab, die Ströme internationaler Finanzmittel grundlegend zu verändern.
Die derzeitige Finanzarchitektur für Klima und Biodiversität – die darauf ausgelegt ist, die Ziele der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) und der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) zu unterstützen – ist dem extraktiven Wirtschaftsmodell untergeordnet. Die Hindernisse für den Zugang zu Finanzmitteln durch Länder des Globalen Südens – wie Machtasymmetrien, Ungerechtigkeiten bei der Verschuldung und Herausforderungen bei der Mobilisierung von Ressourcen – werden mit schuldengetriebenen Naturschutzprogrammen wie dem TFFF nicht überwunden.
„So wichtig es auch ist, Finanzmittel für den Naturschutz zu mobilisieren, wie es die TFFF versucht, so ist es doch noch weitaus wichtiger, schädliche Finanzpraktiken zu regulieren. Wenn destruktive Finanzpraktiken nicht gestoppt werden, ist das so, als würde man den Boden wischen, während der Wasserhahn noch läuft“,
erklärt van der Mark.
„Um destruktive Finanzpraktiken wirklich zu stoppen, müssen wir das Kernproblem angehen: unser Wirtschaftssystem, das auf Rohstoffabbau und einer strukturellen Abhängigkeit von endlosem Wachstum basiert. Dieser Wachstumszwang treibt ökologischen Overshoot, soziale Ungleichheit und Finanzpraktiken voran, die Schäden externalisieren und Gewinne privatisieren. Wir müssen zu einem Wirtschaftssystem übergehen, das innerhalb der planetarischen Grenzen operiert, Ökosysteme wiederherstellt und Suffizienz über Akkumulation stellt.“
Echte Lösungen: Die Ursachen von Entwaldung und Biodiversitätsverlust bekämpfen
Marktbasierte Ansätze im Feld Klima und Biodiversität sind ständig in Skandale verwickelt und sehen sich konstant mit ernsthaften Fragen hinsichtlich ihrer Integrität konfrontiert.8 Bedenken wegen Menschenrechtsverletzungen und einer schlechten Leistungsbilanz erfordern alternative Ansätze, die auf Menschenrechten, traditionellem Wissen und Geschlechtergerechtigkeit beruhen.
Ein wirksamer Finanzierungsmechanismus muss darauf abzielen, die Ursachen von Entwaldung, Klimawandel und Verlust der biologischen Vielfalt zu bekämpfen, die vorherrschenden Wirtschafts- und Finanzstrukturen so umzugestalten, dass Natur und soziale Gerechtigkeit Vorrang vor privaten Interessen haben.
Zwar bildet die gemeinsame, aber unterschiedlichen Verantwortung der Länder eine entscheidende Grundlage für den Aufbau einer starken Finanzarchitektur. Doch die Konzeption des TFFF weist erhebliche Mängel auf und wird nicht in der Lage sein, Ressourcen für die Tropenwaldländer auf nachhaltige, geschlechter- und sozial gerechte und verlässliche Weise zu mobilisieren. Stattdessen ist der TFFF ein spekulativer Finanzmechanismus, der sich aus der Verschuldung des Globalen Südens nährt und inmitten geopolitischer Instabilität auf volatilen Finanzmärkten spekuliert.
Der viel gepriesene direkte Zugang von 20% zu den Mitteln für indigene Völker und lokale Gemeinschaften (IPLCs) ist eine Falle, die darauf abzielt, sich die Unterstützung indigener Gruppen zu erkaufen: Ein Mitspracherecht bei den Restmitteln ist nicht dasselbe wie die volle Verwaltungshoheit über den Fonds. Indigene Völker, lokale Gemeinschaften, Frauen* und Jugendliche müssen vollen Zugang zur Entscheidungsfindung in der gesamten Verwaltungsstruktur jedes Fonds haben, der wirklich wirksam sein will.
Ein wirksamer Fonds muss neben einem robusten Beschwerdemechanismus auch kontinuierlichen Kapazitätsaufbau, rechtlichen Schutz, strenge Vorschriften zum Schutz von Landrechten gewährleisten. Zudem muss er aktiv dabei unterstützen, die finanziellen Anreize abzubauen, die die Entwaldung vorantreiben, und gleichzeitig die Rechtssysteme stärken, um den hohen Risiken etwas entgegenzusetzen, denen Umweltschützer*innen beim Schutz ihrer Territorien ausgesetzt sind.9
Ein wirksamer Fonds muss neben einem robusten Beschwerdemechanismus auch kontinuierlichen Kapazitätsaufbau, rechtlichen Schutz, strenge Vorschriften zum Schutz von Landrechten gewährleisten.
Darüber hinaus müssen institutionelle Regelungen und politische Entscheidungen, die wirklich auf einen transformativen Wandel abzielen, die zugrunde liegenden strukturellen Hindernisse angehen, darunter:
- Umschuldung und Schuldenerlass10 sowie Steuergerechtigkeit:
Vorrang muss der Entlastung der Länder des Globalen Südens von dem finanziellen Druck eingeräumt werden, der sie dazu zwingt, die Rohstoffproduktion auszuweiten und sich auf zerstörerische Aktivitäten zu verlassen. Öffentliche Finanzmittel müssen aufgestockt werden, um soziale und ökologische Prioritäten zu finanzieren, anstatt die Schuldenkrise fortzuschreiben. In diesem Zusammenhang ist die Besteuerung der Superreichen und der extraktiven Industrien ein dringendes Thema, um einen effizienten Fonds zu konzipieren, um die Ursachen der Entwaldung und des Verlusts der biologischen Vielfalt anzugehen.
- Anerkennung der ökologischen Schulden:
Die Länder des Globalen Nordens tragen historisch die Hauptverantwortung für den Großteil der Zerstörung der biologischen Vielfalt und der ökologischen Degradation, entziehen sich jedoch weiterhin ihrer Verantwortung. Nur zwei Länder haben ihren Anteil von 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr geleistet, der im Rahmen des Globalen Rahmenwerks für biologische Vielfalt von Kunming–Montreal (KMGBF)11 vereinbart wurde. Ein wirksamer Fonds muss nicht nur menschenrechtsbasierte und geschlechtergerechte Ansätze gewährleisten, sondern auch das koloniale Erbe der Naturzerstörung und dessen Auswirkungen auf Gesellschaften, Volkswirtschaften, traditionelle Kulturen und Ökosysteme anerkennen.
Die Aufstockung öffentlicher Mittel für den Artenschutz und den Klimaschutz bei gleichzeitiger Verringerung des finanziellen Drucks, der Länder des Globalen Südens zu Aktivitäten drängt, die der Artenvielfalt schaden, ist unerlässlich, um sinnvolle und dauerhafte Ergebnisse zu erzielen.
Fazit: Der durch den Kapitalismus verursachte ökologische Kollaps lässt sich nicht mit mehr Kapitalismus lösen
Echte Bemühungen zur Eindämmung der Entwaldung erfordern eine Abkehr von marktbasierten Ansätzen, die die Akkumulation von Reichtum und Greenwashing perpetuieren, und stattdessen die Unterstützung einer inklusiven Entscheidungsfindung bei gleichzeitiger Bekämpfung der strukturellen Ursachen des Waldverlusts.
Der TFFF kann Agrarindustrie, Extraktivismus, illegalen Abholzung, falsche Lösungen und perverse Anreize, die zerstörerische Aktivitäten aufrechterhalten, nicht effektiv in Frage stellen.
Der Waldschutz erfordert robuste, auf Rechten basierende öffentliche Finanzierungsmechanismen.
Im Kern ist der TFFF eine gehebelte Wette auf riskante Schwellenländeranleihen12, die widersprüchliche Ansätze zum Waldschutz verkörpert und die Aufmerksamkeit von der dringenden Notwendigkeit ablenkt, die Expansion der extraktiven Industrien zu stoppen. Er verschleiert zudem die Rolle staatlicher Politik – die oft durch den Druck des internationalen Finanzsystems geprägt ist –, die den Extraktivismus als vermeintliche Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität darstellt.
Der Waldschutz erfordert robuste, auf Rechten basierende öffentliche Finanzierungsmechanismen, die die Integrität der Ökosysteme und die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften in den Mittelpunkt stellen – und nicht marktgetriebene Modelle, die Regulierung, Investitionsprüfungen sowie soziale und ökologische Schutzmaßnahmen erfordern.
Echte Lösungen werden bereits überall vor Ort entwickelt, und wir müssen darauf hinarbeiten, dass die richtigen finanziellen Ressourcen sowie die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorhanden sind, damit sie wirksam werden können. Diese Alternativen müssen gestärkt werden durch kohärente Politik und zentrale Voraussetzungen wie die Gewährleistung von Landrechten.
Wälder und Biodiversität dürfen nicht wie Waren oder Finanzanlagen behandelt werden – der durch den Kapitalismus verursachte ökologische Zusammenbruch lässt sich nicht mit noch mehr Kapitalismus lösen.
Fußnoten
- 1
“NO to TFFF, YES to Forest Rights. Statement from Civil Society Organisations on the Launch of the Tropical Forests Forever Fund (TFFF)”, Global Forest Coalition (GFC), November 2025,
- 2
Siehe “Investment Tracker,” TFFF Watch.
- 3Das erste Konzeptpapier wurde von der brasilianischen Regierung im Juli 2024 veröffentlicht, das zweite im Februar 2025, das dritte im August 2025 und das vierte (Version 3.1) im Oktober 2025.
- 4Die TNFD ist eine freiwillige Initiative zum Greenwashing von Unternehmen, die sich aus einer Gruppe großer Konzerne zusammensetzt – darunter viele mit einer miserablen Bilanz in Umweltfragen. Sie basiert auf der zentralen Annahme, dass eine verstärkte Selbstberichterstattung von Unternehmen über ihre Umweltschäden der Schlüssel zur Lösung der Biodiversitätskrise sei. Diese Arbeitsgruppe hat einen Rahmen dafür entwickelt, worüber ein Unternehmen berichten sollte. Weitere Informationen „The TNFD: What it is, who’s behind it and why it’s a major greenwashing risk“, Global Forest Coalition (GFC), Dezember 2022. Die TFFF wird es Unternehmen, die von Umweltzerstörung profitieren, ermöglichen, die „Einhaltung“ der TNFD-Vorgaben zu melden und „Finanzprodukte“ einzusetzen, die angeblich „die Natur unterstützen“, um ihre umweltschädlichen Aktivitäten zu verschleiern.
- 5
Eine Analyse zur Kommodifizierung der Natur und zur Verhinderung eines tatsächlichen Wandels findet sich in „Marketing the planet: The financialization of nature“ von Helena Paul, Radical Ecological Democracy, Januar 2022,
- 6
Eine südamerikanische indigene Philosophie, die tiefgehende Beziehungen zwischen Mensch und Natur einer individualistischen, materialistischen und konsumorientierten Entwicklung vorzieht. Siehe Alberto Acosta, The Dictionary of Radical Alternatives,; sowie Eduardo Gudynas und Alberto Acosta, „La renovación de la crítica al desarrollo y el buen vivir como alternativa“, Utopía y Praxis Latinoamericana, 2011.
- 7
Siehe außerdem The World Bank: A Critical History (2023) von Éric Toussaint.
- 8
“Rise in legal challenges over carbon credit schemes”, The Guardian, June 25, 2025; Souparna Lahiri und Valentina Figuera Martínez, Biodiversity Offsetting: A corporate social license to perpetuate biodiversity destruction and gender inequality, Global Forest Coalition (GFC), Oktober 2024.
- 9
Für eine Analyse der Kämpfe von Umweltaktivist*innen siehe “Collective Power: The Struggle for Protection for Land and Environmental Defeders”, 16. September 2026, Global Witness.
- 10
Für eine Analyse der wichtigsten Gründe, warum die Verschuldung für den Biodiversitätsschutz von Bedeutung ist und weiterhin auf der Agenda internationaler politischer Prozesse stehen sollte, siehe Jessica Dempsey und Audrey Irvine-Broque: „Addressing debt is critical to halting biodiversity loss“, März 2022, Third World Network.
- 11
Pettinotti, L., Cao, Y., Kamninga, T. and Colenbrander, S. (2024) A fair share of biodiversity finance? Apportioning responsibility for the $20 billion target by 2025. ODI Working Paper. London: ODI.
- 12
Siehe Max Alexander Matthey und Aidan Hollis, “The Tropical Forest Forever Facility (TFFF): Brazil’s $125bn Rainforest Gamble,” Substack, September 2025.