Das Kriegsgefangenenlager Stalag X B bei Sandbostel

Hunderttausende Militär- und Zivilinternierte aus mehr als 55 Nationen einte während des Zweiten Weltkriegs das Schicksal der Gefangenschaft im Arbeits- und Kriegsgefangenenlager Stalag X B bei Sandbostel, nordöstlich von Bremen. In diesem Fotografie-Reportage-Projekt berichten die ehemaligen Gefangenen aus Großbritannien, Belgien, Frankreich, Polen, Italien und der damaligen Sowjetunion von ihrer Rolle im Krieg oder im Widerstand, von ihrer Verhaftung und dem unmenschlichen Transport nach Sandbostel und die umliegenden Orte bis zur Befreiung durch die britische Armee im April 1945.

Einige schildern die Zwangsarbeit, die Unterversorgung und den Tod im Lager. Andere berichten von zermürbender Langeweile, Theater- und Musikaufführungen oder Bildungsprogrammen. In allen Erzählungen stehen Hilfsbereitschaft und Grausamkeit unmittelbar nebeneinander - Überleben ist oft Glückssache.

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Gemeinsam lassen die Berichte die organisatorischen Konturen des Stalag X-B erkennen: Die Unterbringung von Gefangenengruppen in Scheunen oder Lagerhallen außerhalb des Lagers; die streng bewachte Arbeit beim U-Boot-Bau in Bremen, in der Landwirtschaft, in Handwerks- und Industriebetrieben sowie Werkstätten, die sich auf dem Lagergelände selbst befanden; die Strafen für Fluchtversuche, Arbeits- und Gehorsamsverweigerung und nicht zuletzt die Prozedur bei der Ankunft in Sandbostel, bei der alle Gefangenen desinfiziert wurden und eine Metallmarke mit ihrer Kriegsgefangenen-Nummer erhielten.

Besonders eindrücklich rufen sich zwei ehemalige Widerstandskämpfer der französischen Résistance das Ende des Krieges in Stalag X-B in Erinnerung. Mit dem Befehl zur „Evakuierung“ von KZ-Häftlingen hatten sich mindestens 8.000 politische Gefangene aus dem KZ Neuengamme ohne Versorgung mit Lebensmitteln auf den Todesmarsch nach Sandbostel begeben, wo sie in einem abgezäunten und besonders repressiven Lager im Lager interniert wurden. Da die KZ-Häftlinge bald ohne Nahrung und Wasser sich selbst überlassen wurden, kam es zu einer Hungerrevolte.

In derselben Nacht brachte die SS einige hundert Häftlinge nach Norden; der bisherige Kommandant und die Wachmannschaften flohen. Als die britische Armee das Lager am 29. April 1945 befreite, waren ca. 50.000 vorwiegend russische Gefangene verhungert, an Seuchen gestorben oder ermordet worden. Noch Wochen nach der Befreiung starben viele an den Folgen der Unternäherung und an Typhus.

Die Foto-Reportage von Sarah Mayr ist als Abschlussarbeit bei Ludwig Rauch an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin entstanden. Sie ist innerhalb der Abschlussausstellung #achtens vom 18. - 26. Oktober 2014 im SEZ Berlin zu sehen.

Alle Interviews und Bilder finden Sie auch in dem Buch "Sandbostel", das Sie für 25 Euro direkt bei Sarah Mayr bestellen können: