Die Magie der CO2-Berechnungen am Beispiel Flugverkehr

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Flasche mit CO2CO2 kann nicht so leicht aus der Welt geschafft werden, im Gegenteil. Urheber/in: Nuraishah Bazilah Affandi . Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Der Flugverkehr ist ein schönes Beispiel, wie man Ziele zur Reduktion von Emissionen erreichen kann, ohne Emissionen zu reduzieren.

Der internationale Flugverband IATA hat sich Ziele gesetzt, die auf den ersten Blick ambitioniert erscheinen: „Carbon Neutral Growth“ heißt die Initiative, die damit ausdrücklich das Leitmotiv der Grünen Ökonomie aufgreift. Die zentralen Elemente sind eine Steigerung der Treibstoffeffizienz von 1,5 Prozent pro Jahr bis 2020, kein Wachstum der Emissionen ab 2020 und bis 2050 die Halbierung der Emissionen auf die Hälfte vom Referenzjahr 2020. Das ist mit Effizienz oder gar „Biokerosin“ nicht zu erreichen. Geht also die IATA von einem Schrumpfen des Luftverkehrs aus? Mitnichten! Wie das Reduktionsziel trotzdem erreicht werden kann, hat die Branche durch eine Studie zu ermitteln versucht, die Bloomberg New Energy Finance (BNEF) gemeinsam mit der amerikanischen NGO Environmental Defense Fund durchführte. Allerdings sei das Ziel nicht in erster Linie durch technische Innovationen zu erreichen, sagt Guy Turner, Chef-Ökonom von BNEF und leitender Autor der Studie, sondern vor allem durch die Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel. „Nur so kann die Branche ihre Emissionen kompensieren.“ 

Das ist von dankenswerter Offenheit: Ziel des Emissionshandels ist es im Falle des Flugverkehrs, nicht die Emissionen zur reduzieren, sondern sie preiswert zu kompensieren. „Bis 2020 werden laut der Bloomberg-Studie genug CO2-Zertifikate auf dem Markt sein, um 30 bis 50 Prozent der Abgase aus dem Flugverkehr bis 2050 zu kompensieren. Bis zu 4,6 Milliarden Dollar müsste die Luftfahrtbranche jährlich für die Emissionsrechte berappen. Auf den Ticketpreis eines Fluges von Paris nach New York gerechnet, käme der CO2-Aufschlag einer Preiserhöhung zwischen 1,50 Dollar und zwei Dollar gleich. Mit dem Kauf von Zertifikaten könnte die Flugbranche ihre CO2-Bilanz also vergleichsweise günstig verbessern.“

Mit diesem Plan sieht sich die Flugindustrie „in the forefront of industries on managing carbon emissions“. Zumindest sind sie Wegbereiter einer surrealen Welt, in der steigende Emissionen als Reduktionen verkauft werden können.

Aus: Kritik der Grünen Ökonomie, Thomas Fatheuer / Lili Fuhr / Barbara Unmüßig, oekom-Verlag, 2015, S. 144 f.
 

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