Weitere Informationen zum Thema Neue Ökonomie der Natur

Weitere Informationen zum Thema Neue Ökonomie der Natur

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Hier finden Sie Empfehlungen und Links zu den wichtigsten Artikeln, Publikationen, Datenbanken und Videos zu unserem Dossier "Neue Ökonomie der Natur".

1. Kritik der Grünen Ökonomie.
Barbara Unmüßig, Lili Fuhr, Thomas Fatheuer. Oekom, 2015.

Das Konzept der Grünen Ökonomie will als neues Leitbild Lösungen für ökologische und ökonomische Probleme anbieten. Kann sie das wirklich? Die Autor/innen hinterfragen in dem Buch und dem umfangreichen Webdossier die Grundannahmen der Grünen Ökonomie, ihre Hypothesen und Lösungsvorschläge. Können "grüne" Technologien tatsächlich eine Lösung sein, wenn sie den Konsum weiter anheizen? Was bedeutet grünes Wachstum, wenn gleichzeitig die Emissionen aus der Nutzung fossiler Energieträger weiter steigen? Wo liegen die Grenzen und Widersprüche eines Konzepts, das Natur retten will, indem es ihren Dienstleistungen einen Geldwert gibt?

2. Einführung in die Neue Ökonomie der Natur.
Thomas Fatheuer. Heinrich-Böll-Stiftung, 2014.

Kann Natur tatsächlich besser geschützt werden, wenn das, was sie in existenzieller Weise für den Menschen leistet, in Euro und Dollar ausgedrückt wird? Die Publikation Neue Ökonomie der Natur führt in das Thema ein und beleuchtet die Konzepte und Instrumente, die aus der Idee einer ökonomischen Bewertung der Natur hervorgehen.

3. CO2 als Maß aller Dinge. Die unheimliche Macht von Zahlen in der globalen Umweltpolitik.
Camila Moreno, Daniel Speich Chassé und Lili Fuhr. Heinrich-Böll-Stiftung, 2016. 

Am Beispiel des metrischen Denkens in der Klimapolitik zeigen die Autor/innen, wie zwar sehr viel neues Wissen hervorgebracht wird, gleichzeitig aber auch etliches verloren geht. Die Bedrohung „Klimawandel“ wird fast ausschließlich als ein Problem zu hoher CO2-Emissionen wahrgenommen, die möglichst genau gemessen werden müssen. Ursachen, komplexe Wirkungszusammenhänge und politische und wirtschaftliche Interessen werden durch die Abstraktion, die metrisches Denken in der Klimapolitik mit sich bringt, unsichtbar gemacht. Das wirkt sich auch auf die Lösungssuche aus. Denn die Art und Weise, wie wir ein Problem beschreiben, legt weitgehend fest, welche Schritte und Maßnahmen wir zur Lösung des Problems in Erwägung ziehen.

4. On the Value of Nature. The Merits and Perils of a New Economy of Nature.
Barbara Unmüßig. Heinrich-Böll-Stiftung, 2014.

Die Publikation skizziert Zielkonflikte und unterschiedliche Sichtweisen auf die Debatte um eine ökonomische Bewertung von Natur. Die Argumente veranschaulichen, warum eine differenzierte Betrachtung der ökonomischen Bewertung und Bepreisung von Natur notwendig ist, aber auch worin die Unterschiede und vielfältigen Verbindungen liegen. Die Autorin fragt auch nach den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, dass die neuen marktbasierten Instrumente im Naturschutz dazu tendieren, den Staat aus seiner Verantwortung zu entlassen, Grenzwerte für Verschmutzung und Zerstörung von Natur zu setzen und deren Einhaltung zu garantieren.

5. Economic Valuation and Payment for Environmental Services. Recognizing Nature's Value of Pricing Nature's Destruction?
Jutta Kill. Heinrich-Böll-Stiftung, 2015.

Die Publikation zeigt den historischen und politischen Kontext auf, in dem die ökonomische Bewertung von Natur heute stattfindet. Die Autorin beschreibt, warum eine ökonomische Bewertung von Natur kein neues Phänomen ist, sich aber dennoch von früheren Wellen der ökonomischen Bewertung von Natur unterscheidet. Ein wichtiger Unterschied liegt demnach darin, dass das zentrale Instrument der aktuellen ökonomischen Bewertung von Natur, der Handel mit Kompensationsgutschriften, nicht auf physisch erfassbaren Waren oder Gütern beruht. Das Produkt, das beim Kompensationshandel verkauft wird, ist vielmehr eine unterlassene Handlung, durch die Emissionen eingespart oder Naturzerstörung verringert wird. Die Publikation wird ergänzt durch Online-Kommentare zu den in der Publikation diskutierten Argumenten und Analysen.

6. Die vermessene Natur. REDD: Wie die Klimapolitik den Wald entdeckt und verändert.
Thomas Fatheuer. FDCL, 2015.

Die vermessene Natur' stellt den derzeit populären Ansatz REDD+ vor, der Wald- und Klimaschutz verbinden soll. Nach einer Einführung in die konzeptionellen Grundzüge von REDD werden die Erfahrungen bei der Umsetzung von REDD beschrieben. Die Broschüre schließt mit einer Analyse der waldrelevanten Beschlüsse des Klimagipfels von Paris im Dezember 2015.

7. REDD: A Collection of Conflicts, Contradictions and Lies.
World Rainforest Movement, 2015.

Die Broschüre REDD: A Collection of Conflicts, Contradictions and Lies stellt die wohl umfangreichste Sammlung kritischer Berichte und Einzelfalldokumentationen von REDD+-Projekten dar. Die 24 Beispielen dokumentieren, warum REDD+-Projekte eine Gefahr für kleinbäuerliche Landnutzung und für Waldvölker sind während sich der Ansatz gleichzeitig als ungeeignet zeigt, die Ursachen großflächiger Waldzerstörung anzupacken: Nicht ein einziges der dokumentierten REDD+-Projekte zielt auf ebenjene Ursachen großflächiger Waldzerstörung ab.

8. The Endless Algebra of Climate Markets.
Larry Lohmann. CornerHouse Briefing, 2011.

Der Kohlenstoffmarkt ist ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, was passiert, wenn Umweltkrisen mit neoliberalem Denken und Ansätzen gelöst werden sollen. Der Autor beschreibt, wie der Emissionshandel soziale und ökologische Herausforderungen der Klimakrise nicht löst, sondern sie lediglich re-interpretiert und in Diskurse und Instrumente packt, die Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung und divergierenden politischen und wirtschaftlichen Interessen gar nicht erst aufkommen lassen. Das Argument der „Internalisierung externer Kosten“ entlarvt der Autor als endloses Ändern des Themas statt als Ansatz zur Lösung des Problems, und weist darauf hin, dass mit jeder Internalisierung andere Dimensionen von Naturzerstörung externalisiert werden.

9. The Nature that Capital Can See: Science, State, and Market in the Commodification of Ecosystem Services.
Morgan Robertson. Society and Space, 2006: Vol. 24: 367-387.

Der Artikel beschreibt am Beispiel des Handels mit Kompensationsgutschriften für Feuchtgebiete in den USA die Erwartung an Naturwissenschaftler/innen, Informationen bereitzustellen, die sie nicht konfliktfrei liefern können. Zu groß sind Wissenslücken und fehlendes Verständnis über die dynamischen, miteinander verbundenen Prozesse, die Lebensräume definieren, als dass sich die vom Kompensationshandel geforderten normierten und abstrahierten Daten konfliktfrei produzieren ließen. So gilt eine Asternart als Indikator für intakte Feuchtgebiete, sodass ihre Zerstörung nur mit Kompensationsgutschriften erlaubt ist, während gleichzeitig der wissenschaftliche Streit ungelöst bleibt, ob es sich bei der Art um eine Art, mehrere Arten oder gar um Pflanzen handelt, die unterschiedlichen Gattungen zuzurechnen sind. Fehlidentifikationen der Indikatorart für ein „intaktes Feuchtgebiet“, die darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang Zerstörungen des Feuchtgebiets erlaubt sind, und wie eine solche Zerstörung auszugleichen ist, scheinen in einem solchen Kontext unvermeidlich. Der Artikel zeigt auf, dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um ein weitgehend unauflösliches Dilemma.

10. REDDheads: Die Menschen hinter REDD und der Klima-Betrug in Südostasien
Stiftung Asienhaus; Chris Lang

REDD ist nicht aus dem Nichts entstanden. Hinter der Idee stehen Menschen und Institutionen, die REDD auf unterschiedliche Weise in den vergangenen Jahrzehnten gefördert haben. Um REDD zu verstehen, muss man die beteiligten Akteure und deren Beweggründe verstehen. Der 'REDDheads'-Bericht skizziert Akteure, die REDD in der Region Südostasien geprägt haben.

11. Biodiversity offsetting in practice.
Biodiversity Briefing Nr. 3, FERN, 2015.

Die Broschüre beschreibt anhand von Beispielen aus Großbritannien und Frankreich, wie die Biodiversitätskompensation zur „Lizenz zur Zerstörung“ wird. Eine umfangreiche Literaturliste verweist auf Erfahrungsberichte mit dem Handel von Biodiversitätsgutschriften in Australien und den USA, die mannigfaltige Probleme und Widersprüche in Konzeption und Umsetzung von Biodiversitätskompensationsansätzen dokumentieren.

12. The ‟Green Economy”: giving immunity to criminals.
WRM Bulletin 222, März 2016.

Der 222. Rundbrief des World Rainforest Movement widmet sich dem Thema der Biodiversitätskompensation und zeigt auf, wie insbesondere die Verursacher von großflächiger Naturzerstörung, Verschmutzung und Menschenrechtsverletzungen vom Handel mit Kompensationsgutschriften profitieren, und wie der Ansatz eine nahezu ungehinderte Expansion von Zerstörung durch industriellen Bergbau und Agroindustrie erleichtert. Weitere Artikel geben einen Überblick, in welchen Ländern Umweltgesetzgebung bereits geändert wurde und wird, um Kompensationshandel als Instrument im Umweltschutz zu verankern – und damit den Schutz der Natur auszuhebeln.

13. REDD-Monitor (Webseite)

Schatztruhe an Informationen zum Thema REDD – dem Ansatz, der Wald- und Klimaschutz vereinen soll. REDD steht dabei für „Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und nicht nachhaltiger Waldnutzung“ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation). 

14. Finanzialisierung der Natur.
Webdossier Finance and Trade Watch.

Das Webdossier Finanzialisierung der Natur richtet sich an Aktivist/innen und bietet eine leicht verständliche Einführung in die Thematik. Neben Hintergrundinformationen bietet das Webdossier Bildungsmaterialien, Literaturhinweise und Aktionsaufrufe.

15. Natur – Spekulationsobjekt mit Zukunft?
Arte Dokumentation, 2015.

Natur – Spekulationsobjekt mit Zukunft untersucht in verschiedenen Ländern, wie Natur in ein handelbares Produkt verwandelt und für Kapitalkreisläufe des Finanzmarkts greifbar wird. Wie wurde Naturschutz zu einem globalen Markt? Warum interessiert sich die Finanzwelt so brennend für diesen neuen Wirtschaftsbereich? Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Akteuren der neuen Märkte und den Verantwortlichen für die jüngste weltweite Finanzkrise? Welchen Einfluss üben Lobbys bei internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen oder der EU aus, um dieses „Naturkapital“ zu mehren? Welchen Gesetzen unterliegen diese neuen Märkte?

16. The Story of REDD.
Trickfilm


7-minütiger Zeichentrickfilm, der die Geschichte von REDD von seinen Ursprüngen als Tagesordnungspunkt auf den UN-Klimaverhandlungen bis hin zur konfliktgeladenen Umsetzung von REDD+-Projekten im Wald beschreibt und zeigt, wer die wirklichen Profiteure und Verlierer von REDD+ sind.

Diese Literatur- und Linkliste ist Teil unseres Dossiers "Neue Ökonomie der Natur".

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