Moore und Energie: Verbrannte Erde

Atlas

Dass Menschen die Moore nutzen, um Wärme zu gewinnen, lässt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen. Auch heute wird in Ländern wie Finnland oder Belarus noch mit Torf geheizt. Nachhaltig ist das nicht – doch es gibt neue klimafreundliche Ideen, wie Moore beitragen können, Energie zu erzeugen.
 

Mooratlas Infografik: Jährlicher Ausstoß von Treibhausgasen, in Tonnen CO»-Äquivalente pro Hektar
Teaser Bild Untertitel
Anbau von Biomasse zum Heizen und Beweidung mit Wasserbüffeln: Paludikultur ermöglicht nachhaltige und lukrative Moornutzung

Der Abbau und das Verbrennen von Torf zerstört nicht nur Tausende Jahre alte Bodenschichten. Für den Abbau muss das Moor auch entwässert werden, was enorme Mengen des Kohlenstoffs freisetzt, der vorher durch nasse Moore der Atmosphäre entzogen und im Boden gespeichert wurde. Obwohl lange bekannt ist, wie sich das Verbrennen von Torf auf das Klima auswirkt, wird er in einigen Ländern bis in die Gegenwart für die Energiegewinnung abgebaut, meistens in Hochmooren. Im Norden und Osten Europas waren es 1999 über 21 Millionen Tonnen; aufgrund europaweit unterschiedlicher Dokumentationsstandards liegen aktuellere verlässliche Zahlen für den Kontinent kaum vor. In Belarus und Finnland ist Torf noch heute eine wichtige Energiequelle. In Finnland war Torf im Jahr 2020 verantwortlich für 3,4 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Landes. Der finnische Staat ist auch Hauptaktionär des Fortum-Konzerns, der zum Beispiel am Bau eines Torfkraftwerks in Ruanda beteiligt ist. Betrieben wird dieses klimaschädliche, aber eben extrem profitversprechende Projekt unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe.

Cover Mooratlas

Der Mooratlas 2023

Der Mooratlas beleuchtet in 19 Kapiteln die Folgen der Zerstörung dieser einzigartigen Lebensräume und zeigt die Chancen nasser Moore und ihrer Nutzung für die Gesellschaft auf, um alle Akteur*innen zum Handeln zu ermutigen – „Moor muss nass“!

Zum Mooratlas

Um die Zerstörung von Torf und den enormen Ausstoß von Treibhausgasen aus entwässerten Mooren zu stoppen, müssen die Wasserstände dieser Flächen wieder angehoben werden. Diese Wiedervernässungen gehen mit neuen Nutzungsformen einher. Eine Möglichkeit, um Landwirtschaft und Moorschutz zu vereinen, ist Paludikultur: Dieses Konzept zur Moorbewirtschaftung ist auf hohe Wasserstände ausgelegt. Mit Biomasse aus Paludikultur bietet sich die Möglichkeit, regional die Energieversorgung auf erneuerbare Ressourcen umzustellen. Da sie unabhängig von Wind und Sonne eingesetzt werden kann, ist sie ein wichtiger Baustein der Energiewende. Im Gegensatz zu Holz kann sie jedes Jahr geerntet werden. Bei der Verbrennung wird daher nur Kohlenstoff der Atmosphäre zugeführt, der im letzten Jahr in der Biomasse gebunden wurde und nicht wie im Holz über Jahrzehnte. Und Torfbildung ist trotz oberirdischer Ernte von Biomasse möglich, denn Pflanzen wie Seggen bilden Torf durch ihre Wurzeln, die nicht mitgeerntet werden. Sie verbleiben im nassen Boden und werden über die Jahre zu Torf.

Mooratlas Infografik: Emissionen in Tonnen CO» pro Terajoule
Biomasse von entwässerten Mooren emittiert bei Verfeuerung mehr CO₂ als fossile Brennstoffe. An der Moorwiedervernässung führt daher kein Weg vorbei

Biomasse aus Paludikultur kann in Heizwerken oder Biogasanlagen verwendet werden. Als Energieträger eignet sich Biomasse aus Nasswiesen, wo zum Beispiel Seggen oder Rohrglanzgras wachsen. Für ihre Verfeuerung eignen sich Strohfeuerungsanlagen, die sich an die hohen Aschegehalte und kritischen Inhaltsstoffe der Biomasse anpassen lassen. Dadurch werden unerwünschte Emissionen von Kohlenmonoxiden oder Stickoxiden vermieden und außerdem verhindert, dass sich die Anlagen vorzeitig abnutzen. Je später die Biomasse geerntet wird, desto geringer ist ihr Gehalt an kritischen Inhaltsstoffen. Durch eine späte Mahd im Sommer werden auch Wiesenbrüter wie die Uferschnepfe oder der Brachvogel geschützt, die von März bis Juli auf diesen Flächen brüten. Geerntet werden muss die Biomasse allerdings im trockenen Zustand. Denn nur trocken besitzt sie einen guten Heizwert von 4,1 Kilowattstunden pro Kilogramm, womit sie auf einen ähnlichen Brennwert wie Getreidestroh kommt. Trocken ist sie auch als Ballen lagerfähig oder kann zu Pellets gepresst werden. Pionierprojekte zeigen, wie das funktionieren kann: In der mecklenburg-vorpommerischen Stadt Malchin gibt es seit 2014 ein Heizwerk, das pro Jahr 3.500 Megawattstunden Wärme aus dem Heu von lokalen Nasswiesen erzeugt. Damit können rund 500 Wohneinheiten, mehrere Schulen und Bürogebäude über ein Wärmenetz versorgt werden.

Mooratlas Infografik: Bestand von naturnahen Hochmooren in Europa, in 1.000 Hektar
Torf galt in Deutschland lange als wichtigster Energieträger. Vor allem solcher aus Hochmooren: Durch Torfabbau sind sie daher besonders geschädigt

Auf Moorböden könnten auch Windkraftanlagen oder Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) errichtet werden. Bislang jedoch werden die notwendigen Wiedervernässungen von Mooren, an denen mit Blick auf die Klimaziele kein Weg vorbeiführt, bei der Anlagenplanung häufig nicht mitgedacht. Gebaute Anlagen sind daher nicht an Nässe angepasst und behindern Restaurierungsmaßnahmen. Noch fehlen geeignete Demonstrationsflächen, auf denen sich deutlich unter Beweis stellen ließe, dass der derartige Ausbau erneuerbarer Energien auf nassen und somit wenig tragfähigen Böden erfolgreich sein kann.

Ein Schritt in diese Richtung ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2023. Es sieht vor, die Errichtung von PV-Anlagen auf wiedervernässten Böden durch einen Bonus finanziell zu fördern. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass sich in Mooren nach ihrer Wiedervernässung eine geschlossene Vegetation bilden muss, die den Torfboden schützt. PV-Anlagen müssen daher noch genügend Licht für die Pflanzen auf dem Boden durchlassen. Fachleute plädieren deshalb dafür: Solange es keine erprobten Verfahren gibt, um diese Herausforderungen zu meistern, sollten PV-Anlagen erst einmal nur auf stark degradierten Böden errichtet werden, wo keine naturschutzfachlichen Auflagen bestehen. Des Weiteren ist ein Monitoring der gegenseitigen Auswirkungen zwischen nassem Moor und PV-Anlagen notwendig, um möglichen negativen Folgen entgegen zu wirken.