Globaler Naturschutz braucht verlässliche Finanzierung

Lesedauer: 12 Minuten
Interview

Die 17. Vertragsstaatenkonferenz (COP17) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD) findet vom 19. bis 30. Oktober 2026 in Jerewan, Armenien, statt. Wir sprechen mit Jan-Niclas Gesenhues, umweltpolitischem Sprecher und Bundestagsabgeordnetem von Bündnis90/Die Grünen, über Naturschutz, Finanzierungslücken, die Rolle der Wirtschaft und die Bedeutung des Multilateralismus.

Jan-Niclas Gesenhues sitzt auf einer Treppe und lächelt in die Kamera

Das Interview mit Jan-Niclas Gesenhues führte Kristin Funke. 

Kristin Funke: Warum ist Dir die Biodiversitätskonferenz wichtig und mit welchen Erwartungen fährst Du nach Jerewan?

Jan-Niclas Gesenhues: Die CBD zeigt, dass Völkerrecht und Multilateralismus lebendig sind. Das finde ich in diesen Zeiten, in denen Typen wie Trump das Völkerrecht mit Füßen treten, extrem wichtig. Die Biodiversität-COPs haben immer gezeigt, dass die Weltgemeinschaft sich auf Dinge einigen kann. Naturschutz kann gerade jetzt eine Klammer für die Weltgemeinschaft sein, um unsere gemeinsame Heimat zu schützen.

Dabei geht es in der Sache auch um Gesundheit, um Nahrungsgrundlagen für viele Menschen weltweit, und auch um die Wirtschaft. Die Bestäubung durch Insekten, Vögel und andere Tiere sichert weltweit landwirtschaftliche Erträge im Wert von bis zu knapp 600 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das ist durch technische Lösungen nicht ersetzbar. 

Gleichzeitig ist Naturschutz ein Beitrag zur Pandemieprävention und ein Schlüssel zur Krankheitsbekämpfung. So entstammen etwa 70 Prozent der Krebsmedikamente natürlichen Substanzen oder sind solchen nachempfunden. Dazu kommt die Riesenwirkung für den Klimaschutz. Es gibt also eine Menge guter Gründe, unsere globale Biodiversität besser zu schützen, und die COPs sind das Instrument dafür.

Mit welchen konkreten Forderungen reist Du zur COP17? Welche Punkte sind aus deiner Perspektive ganz wichtig?

Eine der wichtigsten Aufgaben ist, dass wir die globale Finanzierung für den Biodiversitätsschutz sicherstellen. 30 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2030 sind von den Industrie- für die sogenannten Entwicklungsländer zugesagt, doch bisher sind wir weit von dieser Zielmarke entfernt. Das ist eine große Frage der Glaubwürdigkeit, vor allem gegenüber unseren Partner*innen im Globalen Süden. Ich erwarte von der deutschen Bundesregierung, dass sie ihre Zusagen einhält, 6 Milliarden Euro Klimafinanzierung und 1,5 Milliarden Euro Biodiversitätsfinanzierung pro Jahr zur Verfügung zu stellen. Doch vor eine paar Tagen wurde bekannt, dass Deutschland aktuell seine Versprechen bricht. Damit beschädigt die Bundesregierung massiv die Glaubwürdigkeit Deutschlands in der Welt.

Eine zweite wichtige Forderung ist, dass wir wirklich vorankommen bei der Umsetzung des 30x30-Ziels und bis 2030 30 Prozent der Fläche an Land und im Meer schützen. Eine neue Studie von Campaign for Nature und Together for the Ocean sagt: Wenn wir die bestehenden Zusagen der einzelnen Länder wirklich umsetzen, können wir 2030 bei 27% sein. Das ist ein tolles Zeichen dafür, dass gerade in dieser Zeit völkerrechtlich beschlossene Ziele auch erreichbar sind. Genau das zeigt die CBD COP. Das nun in der Implementierung auch wirklich zu flankieren in Jerewan, halte ich für ganz wichtig. 

Der dritte wichtige Punkt ist aus meiner Sicht, dass der sogenannte Cali-Fonds wirklich operativ und umgesetzt wird, weil es hier um Gerechtigkeit geht. Es darf nicht angehen, dass europäische oder amerikanische Pharma- oder Kosmetikkonzerne Milliarden mit der Nutzung der Biodiversität verdienen und die indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften leer ausgehen. Der Cali-Fonds ist dafür da, dass die Industrie, die Pharmakonzerne und die Kosmetikkonzerne in diesen Cali-Fonds einzahlen und die Mittel gezielt verwendet werden, um die Länder und Gemeinschaften zu unterstützen, aus denen diese Ressourcen kommen. Dieser globale Vorteilsausgleich muss funktionieren. Das ist eine zentrale Gerechtigkeitsfrage, da muss Jerewan liefern.

Mehr zur UN-Biodiversitätskonferenz

Dieser Artikel ist Teil der Berichterstattung der Heinrich-Böll-Stiftung zur UN-Biodiversitätskonferenz (CBD COP). In unserem Dossier finden Sie Analysen, Kommentare und Hintergrundinformationen zu vergangenen und aktuellen Verhandlungen, zentralen Debatten und Ergebnissen.

➤ Zum Dossier zur UN-Biodiversitätskonferenz

Die aktuelle Zielerreichung bei den Zielen des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF), der 2022 verabschiedet wurde, ist ja noch sehr dürftig. Wir sind jetzt auf halber Strecke bis 2030. Wo müssen wir auf globaler Ebene ansetzen, um diese Ziele zu erreichen? 

Wenn wir bis 2030 die Ziele nicht erreichen, dann verdoppeln sich die Kosten für notwendige Gegenmaßnahmen gegen den Biodiversitätsverlust. Gleichzeitig werden Lebensmittel teurer, Wetterextreme heftiger, Krankheiten und Ernteausfälle häufiger. Deswegen ist es so wichtig, dass wir bei den globalen Zielen jetzt auch liefern. Beim 30x30-Ziel an Land sieht es schon ganz gut aus, in den Meeren allerdings nicht. Dabei sind die Meere eine äußerst wichtige Nahrungsgrundlage und ein Juwel der Biodiversität. Deswegen ist entscheidend, dass die jetzt ebenfalls anstehende erste Vertragsstaatenkonferenz des BBNJ-Abkommens, also des Abkommens für den Schutz der Biodiversität auf Hoher See, erfolgreich wird, damit wir das 30x30- Ziel auch auf den Meeren erreichen.

Der zweite Punkt ist die massive Verschmutzung mit Chemikalien und Plastik als einer der Haupttreiber des Biodiversitätsverlustes. Dazu gibt es ja auch ein wichtiges Ziel im GBF, das die Halbierung der schädlichen Wirkung von toxischen Einträgen auf die Natur vorsieht. Da muss die Weltgemeinschaft vorankommen und da kann z. B. Europa jetzt ganz konkret liefern mit dem Verbotsverfahren für bestimmte PFAS (sogenannte „Ewigkeitschemikalien“). 

Die Abschaffung von umweltschädlichen Subventionen ist ein weiteres bedeutsames Ziel. Eine, die ich sofort abschaffen würde, wäre die Steuerprivilegierung von Gas und Öl in der Plastikproduktion. Das ist ökologisch massiv schädlich. Diese drei – Reduktion toxischer Einflüsse, Abbau umweltschädlicher Subventionen und der Schutz der Biodiversität auf den Meeren – sind wichtige GBF-Ziele, bei denen ich von der der COP Fortschritte erwarte.

Du hast die fossile Öl- und Gasindustrie schon als Treiber von Biodiversitätsverlust genannt, wen siehst Du da noch? Wie können wir diesen Treibern global, aber eben auch in Deutschland, entgegenwirken? 

Die Hauptursachen des Biodiversitätsverlusts sind Lebensraumverlust und toxische Substanzen in der Natur. Lebensraumverlust geht ganz massiv auf Rohstoffabbau und industrialisierte Landwirtschaft zurück. Deswegen sind das aus meiner Sicht auch die Hebel, wo wir ansetzen müssen. Wir müssen aufhören, Rohstoffe der Natur abzupressen, einmal zu nutzen und dann wieder in der Natur zu entsorgen. Das ist einfach nicht nachhaltig. Da braucht es global eine echte Kreislaufwirtschaft, das ist für die Biodiversität extrem wichtig. Daher: Rohstoffabbau ersetzen durch eine echte Kreislaufwirtschaft und industrialisierte Landwirtschaft ersetzen durch eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft, einhergehend mit einer nachhaltigeren Ernährung und einer Reduzierung des Pestizideinsatzes. 

Ein weiterer Punkt: Naturschutz allein reicht nicht mehr. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten ist eigentlich das Wichtigste, dass wir jetzt eine Dekade der Renaturierung einleiten. Das müssen gar nicht unbedingt Schutzgebiete sein. Es geht darum, dass man verbaute Gewässer wieder natürlicher führt, versiegelte Plätze abpflastert und Wälder wieder naturnäher gestaltet. Das ist mindestens so entscheidend wie Schutzgebiete auszuweisen.

Was sind die Forderungen von Bündnis 90/Die Grünen in Sachen Naturschutz und Biodiversität in Deutschland? 

Die wichtigste Forderung aus meiner Sicht ist, dass die deutsche Bundesregierung ihre internationalen Finanzzusagen einhält: eine Milliarde Euro für den globalen Regenwaldfonds TFFF, 6 Milliarden Euro Klimafinanzierung, 1,5 Milliarden Euro Biodiversitätsfinanzierung. Da bricht die Bundesregierung ihre Versprechen und deshalb machen wir Druck, dass das korrigiert und eingehalten wird. Wir haben gerade erst einen großen Antrag in den Bundestag eingebracht, in dem wir ganz konkret titelscharf auflisten, wo aufgestockt werden muss, insbesondere im BMZ-Etat. Denn da liegen die meisten Mittel für die globale Klima- und Biodiversitätsfinanzierung. Und wir machen uns stark dafür, dass die CDU mit ihrer Blockade der TFFF-Mittel nicht durchkommt.

Die zweite Forderung ist, dass die Bundesregierung bei der Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie liefert und nachschärft. Auch in Deutschland muss das 30%-Ziel erreicht werden, aber es fehlen noch 17 Prozent der Fläche an Land. Die Bundesregierung muss zudem die europäische Wiederherstellungsverordnung, also das europäische Renaturierungsgesetz, konsequent umsetzen. 80 Prozent der Ökosysteme in Europa sind in einem schlechten Zustand. In Deutschland wurden über 95 Prozent der Moore und Feuchtgebiete zerstört und trockengelegt. Hier braucht es ein breit angelegtes Renaturierungsprogramm sowie eine deutliche Aufstockung der Mittel im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) und im Naturschutzfonds. Davon profitieren dann auch die Kommunen und die landwirtschaftlichen Betriebe, wenn sie eine bessere Wasserhaltung auf ihren Flächen haben und eine größere Bodenbiodiversität, die letztendlich auch die Ernten absichert. Renaturierung ist nicht nur Naturschutz, sondern auch gut für die Landwirtschaft, für den Hochwasserschutz, für die Gesundheit, für die Lebensqualität in unseren Städten. Da muss die Bundesregierung deutlich stärker liefern, als sie das bisher tut.

Projekte auf kommunaler oder regionaler Ebene zeigen schon sehr gut, dass das funktionieren kann, da gibt es ja bereits eine Reihe von Erfolgsbeispielen.

Ja, es freut mich total, das zu sehen. Als wir in der Bundesregierung waren, haben wir gegen massiven Widerstand das ANK durchgekämpft, und jetzt ist es da. Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich zu Hause in Ibbenbüren sehe, dass der Aasee renaturiert wird. Oder dass in Bremen 75 ANK-Projekte umgesetzt wurden, also weit überproportional angesichts der Größe und der Finanzkraft des Bundeslandes. Von der abgepflasterten Fläche, wo jetzt Urban Gardening und Stadtteilinitiativen ein Zuhause gefunden haben, bis hin zu großflächigen Moorrenaturierungen oder Artenhilfsprogrammen in Mecklenburg- Vorpommern, wo sich endlich die Schreiadlerpopulation wieder stabilisiert und nebenbei ganz viele tolle Naturgebiete und Naturräume wiederhergestellt werden - da sieht man auch die Früchte der eigenen harten Arbeit. Zu sehen, dass auch konkret was passiert mit dem, was man politisch beschlossen hat und es nicht immer nur abstrakt bleibt, ist so wertvoll und tut richtig gut. 

In dem Autorenpapier, das Du vor Kurzem mit dem Co-Bundesvorsitzenden der Grünen, Felix Banaszak, veröffentlicht hast, macht Ihr Euch für eine neue Naturschutzagenda stark und sagt, dass es auch im großen Maßstab private Investitionen, innovative Unternehmen und neue Geschäftsmodelle als neuen Hebel für große Naturschutzprojekte braucht. Wie kann das funktionieren, wenn bisherige Erfahrungen mit Biodiversitätsbanken, Zertifikaten und Kompensationsgutschriften und anderen finanzmarktbasierten Instrumenten zeigen, dass sie voller Risiken und inhärenter Widersprüche stecken und keine nennenswerten Erfolge für Biodiversitätsschutz hervorgebracht haben? 

Im GBF wird sehr klar festgehalten, dass wir diesen riesigen Finanzierungsbedarf für den Biodiversitätsschutz einfach nicht mit Steuermitteln allein abdecken können. Dafür haben die Staaten nicht genug Geld. Man braucht öffentliche Gelder, man braucht philanthropische Stiftungen, man braucht aber auch Mittel aus der Privatwirtschaft. Einerseits gibt es die verpflichtenden Beiträge, über den Cali-Fonds beispielsweise, damit Länder und indigene Gemeinschaften kompensiert werden, wenn Unternehmen mit Biodiversität Geld verdienen. 

Andererseits gibt es auch Anreize für Unternehmen, in Biodiversität zu investieren. Ohne diese Mittel wird es nicht gehen und deswegen finde ich den Gedanken schon spannend, sich Verbündete für den Biodiversitätsschutz zu suchen, die man nicht sofort auf dem Schirm hat. Lebensmittelhändler beispielsweise, die sagen, wir wollen keine dubiosen CO2-Zertifikate, sondern unseren CO2-Fußabdruck durch Moorrenaturierung in Europa kompensieren. Oder Schokoladen- und Kautschukproduzenten, die wissen, wir müssen in Biodiversität entlang unserer Lieferketten investieren, weil unser Geschäftsmodell davon abhängt. Da gibt es verschiedene Ansätze. Manche Unternehmen investieren in die Resilienz ihrer Lieferketten. Andere fragen: Wo kann Naturschutz auch spannend sein, um damit Einnahmen zu erzielen? Ein Beispiel sind die erheblichen ökonomischen Auswirkungen von Nationalparks weltweit. Gerade in Ländern mit niedrigerem Einkommen schafft Naturtourismus Einnahmen und Arbeitsplätze. Ich habe doch nichts dagegen, wenn Unternehmen mit Birdwatching-Reisen Geld verdienen - solange die Natur davon profitiert und die lokale Bevölkerung beteiligt wird. 

Drittens, und das sagen uns auch die fortschrittlichen Unternehmen, brauchen wir auch die Regulatorik. Es darf nicht sein, dass der Green Deal jetzt zurück abgewickelt wird und gerade die Unternehmen bestraft, die vorangehen. Resilienz von Lieferketten, Biodiversität auch als Geschäftsmodell und regulatorische Rahmenbedingungen, damit die Unternehmen im Wettbewerb gestärkt werden, die bei Biodiversität vorangehen. Das ist meines Erachtens der Dreiklang, den es braucht. Wenn die richtigen Anreize und Regulatorik gegeben sind, kann die Privatwirtschaft auch ein wichtiger Akteur sein. Zumindest die Teile der Privatwirtschaft, die keine Lust mehr darauf haben, ihr Geschäftsmodell nur auf Naturzerstörung aufzubauen, sondern die erkannt haben: Mein Geschäftsmodell kann ich nur erhalten, wenn ich was für die Biodiversität tue. Stimmen in der Wirtschaft, die sagen: „Bitte behaltet die Entwaldungsrichtlinie bei, bitte behaltet das Lieferkettengesetz bei, bitte behaltet die Wiederherstellungsverordnung bei“ – diese Stimmen sollten wir stärken.

Welche internationalen Foren und Initiativen schätzt Du neben der CBD noch als relevant oder erfolgversprechend ein für den Schutz von Biodiversität? 

Ich würde zunächst nochmal zwei multilaterale Prozesse nennen, weil sie total wichtig sind. Einmal das BBNJ-Hochseeschutzabkommen, weil es, soweit ich das überblicken kann, von allen globalen Abkommen das mit den schärfsten Implementierungsinstrumenten ist und weil es wirklich konkrete Schutzgebiete ausweist. Es kann mit qualifizierter Mehrheit entscheiden und braucht kein Einstimmigkeitsprinzip. Ich setze große Hoffnungen in das BBNJ-Abkommen. Zweitens erwarte ich von der Bundesregierung, dass sie jetzt einen neuen Versuch unternimmt, um die globalen Verhandlungen für ein Plastikreduzierungs-Abkommen voranzubringen. Auch da braucht es aus meiner Sicht qualifizierte Mehrheiten. Es darf nicht sein, dass man sich von einzelnen Ölländern mit fossilen Geschäftsmodellen in Geiselhaft nehmen lässt. 

Aber abgesehen von den multilateralen Foren würde ich ein besonderes Licht auf das International Indigenous Forum on Biodiversity werfen wollen. Die haben ein eigenes globales Treffen von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften mit einem besonderen Fokus. Wie kann man beispielsweise die Stärkung von Landrechten für Indigene und Biodiversitätsschutz zusammenbringen? Das halte ich für extrem relevant. 

Worauf man ebenfalls schauen sollte, sind die jährlichen Tagungen von IPBES, also dem Weltbiodiversitätsrat, weil sich dort einiges getan hat. Ich fand es total spannend, dass IPBES sich jetzt mit Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern zusammengetan hat, weil man erkannt hat, dass die reine naturwissenschaftliche Erkenntnis nicht ausreicht, sondern man auch einen politischen Plan zur Umsetzung braucht. Wer sind Verbündete? Wer sind Akteure? Was sind die richtigen Zeitpunkte? Es ist ja fast schon eine Floskel mittlerweile, aber wir haben kein naturwissenschaftliches Erkenntnisproblem, sondern müssen in die Umsetzung kommen. 

Mein Lieblingsinstrument sind außerdem eigentlich die bilateralen Biodiversitätspartnerschaften, die NBSAP Accelerator Partnerships. Als ich parlamentarischer Staatssekretär war, bin ich in Cali und Rom mit Gründungsurkunden rumgelaufen und habe mit 10, 15 Ländern den Startschuss gegeben für solche Biodiversitätspartnerschaften, von Armenien über Kolumbien bis Somalia. Da steckt wahnsinnig viel Potenzial drin, weil es ganz konkret darum geht: Wie setze ich das um? Wo weise ich ein Schutzgebiet aus? Wie sieht eine Schutzgebietsverordnung aus? Welche anderen Programme kann ich machen? Welches Capacity Building brauche ich dafür? Wie binde ich die lokalen Gemeinschaften ein? Da wird Naturschutz dann wirklich konkret und ich glaube, dass wir als Deutschland mit unserem Know-How im Schutzgebietsmanagement viel anzubieten haben, aber umgekehrt auch wahnsinnig viel lernen können. Da kommen dann der Nationalpark-Ranger aus Ruanda und der Nationalpark-Ranger aus Deutschland zusammen und tauschen sich auf Augenhöhe über die Praxis aus. Das finde ich genial an diesem Instrument. Das ist was, das wir dringend mehr stärken und ausbauen müssen.

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