Dossier
Berlin Forum on Global Cooperation
Wie gestalten Deutschland und Europa ihr Verhältnis zu dem immer wichtiger werdenden Teil der Welt, der unter dem Begriff "Globaler Süden" gefasst wird?
Das jährliche Berlin Forum on Global Cooperation bringt Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Medien, internationale Organisationen und die nächste Generation von Fachkräften zusammen, um die zenralen Herausforderungen globaler Zusammenarbeit zu diskutieren. Dabei wollen wir bewusst verschiedene Dimensionen miteinander verschränken, wie Handel und Wirtschaft, Energie, Klima, Biodiversität, Rohstoffe, Migration, Geopolitik und Demokratie. Übergreifend werden Fragen von Dekolonisierung, sich verändernde Machtverhältnisse und Geschlechterverhältnisse reflektiert.
Jedes Jahr wird ein aktuelles Schwerpunktthema gesetzt und in intensiven Deep Dives vertieft, moderiert von jungen Fachleuten, die die Diskussion aktiv mitgestalten.
Thema der Konferenz
Infolge des Krieges gegen den Iran ist die Straße von Hormus de facto gesperrt. Etwa 20 bis 30 Prozent der weltweiten Ölversorgung und 20 bis 25 Prozent der weltweiten Gasversorgung auf dem Seeweg sind unterbrochen – die „größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“ (IEA).
Energie ist zu einem globalen Schauplatz harter Auseinandersetzungen geworden. US-Präsident Donald Trump hat die „amerikanische Energiedominanz“ zu seinem vorrangigen Ziel erklärt. Unter seiner Führung setzt die Vereinigten Staaten verstärkt auf fossile Energieträger und nutzt ihre enorme politische und wirtschaftliche Macht, um andere Länder zum Kauf von US-Öl und -Gas zu drängen. Zugleich versucht sie, Fortschritte bei sauberen Energien zu behindern, internationale Abkommen zu torpedieren und internationale Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen unter Druck zu setzen, die Finanzierung fossiler Energien wieder aufzunehmen.
China hingegen hat eine technologische Führungsrolle bei sauberen Technologien erlangt – zunächst langsam, dann sehr schnell. Obwohl das Land weiterhin widersprüchliche Signale in Bezug auf die Dekarbonisierung sendet, nutzte es ein Zeitfenster: Chinesische Unternehmen bauten massive Produktionskapazitäten auf, die die Kosten sauberer Technologien drastisch senkten und eine „Elektrotech-Revolution“ nicht nur im Inland, sondern auch international einleiteten.Europa steht nun vor der Herausforderung, seine heimische Industrie zu schützen und seinen Schwerpunkt auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowohl in seiner inneren Energiestrategie als auch in seinen internationalen Beziehungen zu bekräftigen. Nicht fossile Dominanz, sondern nachhaltige Energiekooperation ist das erklärte Ziel zahlreicher bilateraler und plurilateraler Partnerschaften wie der hochrangigen Just Energy Transition Partnerships. Wie wird Europa dieser Herausforderung begegnen?
Regierungen in Afrika, Asien und Lateinamerika treffen ihre energiepolitischen Entscheidungen im Spannungsfeld von Energiezugang, industrieller Entwicklung und Energiesicherheit. Die Richtung, die sie einschlagen, wird entscheidend für die Erreichung der globalen Klimaziele sein. Wie navigieren Länder des Globalen Südens durch diese konkurrierenden Anforderungen, während sie zugleich Entwicklungsgewinne maximieren, lokale Wertschöpfung sichern und Arbeitsplätze schaffen? Wie kann Europa an ihren Prioritäten anknüpfen? Und welche Rolle könnten transformative Partnerschaften zum gegenseitigen Nutzen zwischen Ländern des Globalen Südens und Europa spielen?
Wie diese Fragen beantwortet werden, wird unsere gemeinsame Zukunft bestimmen. Mehr denn je bleibt Energie ein umkämpftes Terrain. Vor diesem Hintergrund wird das Berlin Forum on Global Cooperation 2026 die Spannungen rund um Energiestrategien und die kooperativen Partnerschaften diskutieren, die für eine prosperierende Zukunft notwendig sind.
Kooperationspartner:
Seminar für ländliche Entwicklung (SLE) der Humboldt Universität zu Berlin
Programm
18. Mai
18. Mai 2026
17:30 Uhr – Begrüßung
- Layla al-Zubaidi, Heinrich-Böll-Stiftung
- Markus Hanisch, Direktor SLE an der Humboldt-Universität
17:40 Uhr – Vortrag
Die Electrotech-Revolution – und warum sie gerade jetzt entscheidend ist
- Biqing Yang, Energieanalystin, Ember
Der britische Thinktank Ember prägte 2025 den Begriff der Electrotech-Revolution. Laut dieser Analyse verändern günstige, modulare erneuerbare Energien (vor allem Wind- und Solarenergie), Batterietechnologien sowie die Elektrifizierung von Verkehr und Heizung rasant die globale Energielandschaft. Biqing Yang, Energieanalystin bei Ember, wird die Analyse vorstellen und ihre Relevanz im aktuellen Kontext erläutern – insbesondere vor dem Hintergrund der „größten Versorgungsstörung in der Geschichte der globalen Ölmärkte“ (IEA) als Folge des Krieges im Persischen Golf
7:55 Uhr – Rede
Geopolitische Folgen der Electrotech-Revolution
- Jürgen Trittin, ehemaliger Bundesumweltminister, Deutschland
Jürgen Trittin, ehemaliger Bundesumweltminister und außenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, wird die geopolitischen Konsequenzen der Electrotech-Revolution vertiefen. In den vergangenen Jahren hat sich China zum Epizentrum der relevanten Technologien entwickelt: Es hat die Produktion hochskaliert, die Kosten gesenkt und damit die Marktposition ehemaliger europäischer Industriegrößen bedroht.
18:10 Uhr – Podiumsdiskussion
Wie die Electrotech-Revolution genutzt werden kann, um die Energiekrise zu bewältigen
Diskussion und Fragerunde mit
- Biqing Yang
- Jürgen Trittin
Moderation:
- Qing Wang, unabhängige chinesische Journalistin und Podcasterin
Qing Wang leitet The Weirdo Podcast, einen der beliebtesten chinesischen Podcasts, der aktuelle Themen innerhalb und außerhalb Chinas aus feministischer und progressiver Perspektive behandelt. Sie ist zudem eine aktive Stimme in chinesischen Debatten zu sozialer Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Klimapolitik.
19:00 Uhr - Empfang
Mit Getränken und Häppchen
19. Mai
9:00 Uhr – Begrüßung
- Jörg Haas, Heinrich-Böll-Stiftung
- Markus Hanisch, Direktor SLE an der Humboldt-Universität
09:20 - Keynotes
Nachhaltige Energiezusammenarbeit vs. fossiler Energiedominanz
- Gabriel Boric, ehemaliger Präsident von Chile
- Jennifer Morgan, Senior Fellow an der Tufts University und der Hertie School, ehemalige Staatssekretärin und Klimabeauftragte, Deutschland
Der ehemalige chilenische Präsident Gabriel Boric wird aus einer südlichen Perspektive auf die Möglichkeiten der nachhaltigen Energiekooperationen schauen und vor dem Hintergrund der aktuellen Lage Einblicke in seine Erfahrungen in diesem Bereich geben. Als Klimaexpertin und ehemalige deutsche Staatssekretärin wird Jennifer Morgan die Herausforderungen diskutieren, vor denen wir bei der Bekämpfung der fossilen Energiedominanz sowie bei der Förderung erneuerbarer Energiekooperationen und Energieeffizienz im Einklang mit dem Pariser Abkommen und den nachfolgenden COP-Beschlüssen stehen.
10:30 - Kaffeepause
11:00 - Fishbowl
Deutschlands Energiezusammenarbeit mit dem Globalen Süden: Ein Gegengewicht zur fossilen Energiedominanz?
- Bärbel Kofler, Parlamentarische Staatssekretärin, BMZ
- Sven Giegold, stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen
- Olumide Abimbola, Geschäftsführer des Africa Policy Research Institute (APRI)
- Adriana Abdenur, Co-Präsidentin des Global Fund for a New Economy (bestätigt), ehemalige Sonderberaterin der brasilianischen Präsidentschaft für internationale Angelegenheiten
Moderation:
- Celia Schmidt, Moderation und Prozessbegleitung für nachhaltige Entwicklung
Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft weltweit und die größte Industrienation der Europäischen Union mit beträchtlichem Einfluss. Gemeinsam mit vielen Ländern weltweit sieht es sich derzeit einem Angriff auf globale Abkommen, Ziele und Institutionen der internationalen Zusammenarbeit im Namen fossiler Energiedominaz ausgesetzt. Wie könnte und sollte Deutschland mit Ländern des Globalen Südens zusammenarbeiten, um die Entstehung eines klimafreundlichen, nachhaltigen Energiesystems und einer entsprechenden Wirtschaft zu fördern? Welche Bündnisse sind möglich und notwendig, um einer Agenda fossiler Energiedominaz entgegenzuwirken, und wie könnte diese vorangetrieben werden?
Die Teilnehmer*innen der Fishbowl werden diese Themen aus ihren jeweiligen Perspektiven diskutieren. Das Publikum ist eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.
12:30 - Mittagspause
& Networking
14:00 - Deep Dives
Vier Deep Dives zu Aspekten der deutschen Nord-Süd-Kooperation bei der wirtschaftlichen Transformation
1. Auf dem Weg in eine Just Hydrogen Transition? Deutschland, Grüner Stahl und Energiekooperation
Diese Session beleuchtet die „Just Hydrogen Transition” am Beispiel der internationalen Partnerschaften Deutschlands für die Produktion von grünem Stahl. Sie untersucht, ob die derzeitigen Ansätze ein Gleichgewicht zwischen industrieller Wettbewerbsfähigkeit und einer gerechten sowie nachhaltigen Zusammenarbeit herstellen oder ob sie das Risiko bergen, neue Abhängigkeiten in globalen Wertschöpfungsketten zu verstärken. Da grüner Wasserstoff für die Dekarbonisierung der Industrie zentral ist, untersuchen wir, wie Deutschlands Strategien die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Dimensionen einer gerechten Energiewende berücksichtigen, einschließlich Partizipation, Standards und gerechter Verteilung der Gewinne. Das Format verbindet einen interaktiven Rundgang mit einer Expert*innendiskussion.
2. Wettlauf um Ressourcen: Kritische Mineralien, kritische Entscheidungen. Wege aus der Abhängigkeit
Der weltweite Übergang zu klimaneutraler Energie verändert nicht nur Technologien und Märkte, sondern auch die globalen Machtverhältnisse. Während die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen abnimmt, steigt - den geopolitischen Wettbewerb verschärfend - die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel und Seltenen Erden. Gleichzeitig führt die zunehmende Militarisierung zu einem weiteren Anstieg der Nachfrage.Die EU sieht sich mit wachsenden Abhängigkeiten konfrontiert, da sie die meisten Ressourcen importiert, während die Verarbeitung nach wie vor in hohem Maße in China konzentriert ist. Diese Session untersucht, wie sich der Wettlauf um Ressourcen auf die globale Gerechtigkeit auswirkt, und geht der Frage nach, wie die EU ihre Versorgung sichern und gleichzeitig nachhaltige, faire Partnerschaften fördern sowie strukturelle Abhängigkeiten verringern kann.
3. Who powers the future? Kooperationen in einer multipolaren Weltordnung
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und der Instrumentalisierung von Energie verlieren traditionelle Konzepte an Bedeutung. Die klassische Unterscheidung zwischen dem „Globalen Norden“ und dem „Globalen Süden“ wird der Komplexität einer multipolaren Weltordnung nicht mehr gerecht. Während die USA, die EU, China und aufstrebende Mächte unterschiedliche Strategien verfolgen, sind neue Formen der Zusammenarbeit für eine gerechte Energiewende essentiell. Diese Sitzung befasst sich mit sich verändernden Machtverhältnissen, der wachsenden Bedeutung der Süd-Süd-Zusammenarbeit und dem Potenzial Deutschlands und der EU, gerechte Wege in einer fragmentierten Weltordnung zu unterstützen.
4. Europa und China im Globalen Süden: Zusammenarbeit, Komplementarität oder Wettbewerb bei der weltweiten Entwicklung hin zu einer Null-Emissions-Wirtschaft? (auch im Livestream)
Zehn Jahre nach dem Pariser Abkommen sind Europa und China nach wie vor die beiden Großmächte mit einem strategischen Interesse, die Dekarbonisierung voranzutreiben – doch ihre Beweggründe und Vorgehensweisen im Globalen Süden unterscheiden sich deutlich.Dieser Workshop präsentiert die Ergebnisse einer neuen Scoping-Studie von Germanwatch. Thema ist, wie beide Akteure Energie- und Klimapfade in Schwellen- und Entwicklungsländern gestalten, in denen die Entscheidung zwischen fossilen und Null-Emissions-Pfaden entscheidend für die globalen Klimaziele ist.Die Teilnehmenden werden untersuchen, inwiefern sich die Strategien ergänzen oder konkurrieren und welche politischen Optionen für Europa in einem zunehmend umkämpften geopolitischen Kontext bestehen.
16:00 – Kaffeepause
16:30 – Podiumsdiskussion
Nächste Schritte: Über die Schnittstelle von Krieg, Geopolitik, Energie und Gender
- Adriana Abdenur, Co-Präsidentin des Global Fund for a New Economy (bestätigt), ehemalige Sonderberaterin der brasilianischen Präsidentschaft für internationale Angelegenheiten
- Jennifer Morgan, Senior Fellow an der Tufts University und der Hertie School, ehemalige Staatssekretärin und Klimabeauftragte, Deutschland
Moderation:
- Qing Wang, unabhängige chinesische Journalistin und Podcasterin
17:30 - Schlusswort
- Jörg Haas, Heinrich-Böll-Stiftung
- Markus Hanisch, Direktor SLE an der Humboldt-Universität
17:45 - Netzwerken
19:00 - Ende
Rückblick
Berlin Forum für Globale Zusammenarbeit 2025
Von der Disruption zur Transformation
Das erste Berlin Forum für Globale Zusammenarbeit, organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem SLE der Humboldt-Universität zu Berlin, führte die Debatte über Deutschlands Engagement mit den Ländern der Globalen Mehrheit in einer Ära der Disruption.
Mitschnitte
Berlin Forum für Globale Zusammenarbeit 2025 - Keynotes María Fernanda Espinosa & Carlos Lopes - Heinrich-Böll-Stiftung
Begrüßung und Keynotes "Globale Zusammenarbeit 2025"
- María Fernanda Espinosa, Ehemalige Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen; ehemalige Außen- und Verteidigungsministerin von Ecuador
- Prof. Carlos Lopes, Nelson Mandela School of Public Governance, Universität von Kapstadt, Südafrika
Berlin Forum für Globale Zusammenarbeit 2025 - Die Rolle Deutschlands in der globalen Zusammenarbeit - Heinrich-Böll-Stiftung
Die Rolle Deutschlands in der globalen Zusammenarbeit
- Jochen Steinhilber, Abteilungsleiter im BMZ
- Gregor Darmer, CEO der Global Perspectives Initiative
- María Fernanda Espinosa
- Prof. Carlos Lopes
Berlin Forum für Globale Zusammenarbeit 2025 - Neuaufstellung der dt. internationalen Zusammenarbeit - Heinrich-Böll-Stiftung
Wie muss sich die deutsche internationale Zusammenarbeit neu aufstellen?
- Ute Sudmann, Referentin für Entwicklungspolitik, Germanwatch
- Frederike Kaiser, Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen, BAG Globale Entwicklung
- Tobias Bischof-Niemz, Vorstand, Enertrag
- Prof. Dr. Theo Rauch, Honorarprofessor für Wirtschafts- & Sozialgeographie
- Jochen Steinhilber
Berlin Forum für Globale Zusammenarbeit 2025 - Keynote Adam Tooze - Heinrich-Böll-Stiftung
Nachhaltige Entwicklung und die Krise der US-Hegemonie
- Adam Tooze, Historiker, Publizist, Mitherausgeber des Wirtschaftsmagazins „Surplus“
Die Präsentation (PDF) sowei ein vollständiges Transkript (PDF) des Vortrags von Adam Tooze beim Berlin Forum für Globale Kooperation 2025 stehen als Download zur Verfügung.
Graphic Recordings
Die vier Deep Dives des Berlin Forums 2025 wurden live von einer Grafikerin begleitet. Entstanden sind visuelle Momentaufnahmen, die zentrale Diskussionen, Ideen und Kontroversen der Sessions auf einen Blick zusammenfassen.
Livestreams Entwicklungspolitische Diskussionstage 2024
Entwicklungspolitische Diskussionstage 2024 - Grüne Industrialisierung - Heinrich-Böll-Stiftung
Entwicklungspolitische Diskussionstage 2024 - Naturschutz zu welchem Preis? - Heinrich-Böll-Stiftung
Entwicklungspolitische Diskussionstage 2024 - Im Schatten kolonialer Schuld - Heinrich-Böll-Stiftung
Livestreams Entwicklungspolitische Diskussionstage 2023
Entwicklungspolitische Diskussionstage 2023 (1/3) - Feminismus, freier Handel, politische Förderung - Heinrich-Böll-Stiftung
Entwicklungspolitische Diskussionstage 2023 (2/3) - Grabbing the Sunshine? Grüner Wasserstoff - Heinrich-Böll-Stiftung
Entwicklungspolitische Diskussionstage 2023 (3/3) - Die Zukunft der Zusammenarbeit in Afghanistan - Heinrich-Böll-Stiftung
Livestreams Entwicklungspolitische Diskussionstage 2022
Die Diskussionsinhalte sind auch verschriftlicht als Briefing Paper abrufbar.
