Unser Platz (in) der (Bundes)Republik: Studienreise mit Schwerpunkt Außenpolitik

Bericht

Wie kann eine inklusive und progressive Außenpolitik aussehen? Das haben internationale Stipendiat*innen bei einer Studienreise der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin erfahren.

Das Foto zeigt eine Gruppe von Stipendiat*innen im Auswärtigen Amt in Berlin.

Im August 2025 veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung eine Studienreise für internationale Stipendiat*innen, um sie mit dem Feld der internationalen Beziehungen vertraut zu machen und ihnen aus erster Hand Einblicke in die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung sowie von Bündnis 90/Die Grünen zu geben. Ziel war es, eine inklusive und progressive Außenpolitik kennenzulernen, bei der Menschen mit vielfältigen Hintergründen im Mittelpunkt stehen.

Die Veranstaltung begann mit der Ankunft von Menschen unterschiedlichster Herkunft in Berlin – aus allen Teilen Deutschlands, aber auch mit Wurzeln auf der ganzen Welt: u.a. Ukraine, Neuseeland, Burkina Faso, Namibia, Brasilien, Iran, Israel und Philippinen. Ebenso gemischt waren die Fachbereiche von Biologie über Global Governance zu Sprachwissenschaft und Musik, aus denen jeweils Studierende, Promovierende und Alumni dabei waren.

Gleich zu Beginn nahmen wir an einer Sitzung zur außenpolitischen Arbeit der Stiftung und zur Bedeutung der feministischen Außenpolitik der Grünen teil. Auch wenn diese Plattform in einem zunehmend konservativen Klima mit Schwierigkeiten konfrontiert ist, lebt sie doch weiter – getragen vom Engagement der Mitarbeitenden in Stiftung und Partei.

Klimaziele und Militärausgaben prägen die Diskussion

Am zweiten  Tag hörten wir einen Vortrag von Dr. Abdullah Fahimi, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der über die wachsende Bedeutung der Einhaltung der Klimaziele des Pariser Abkommens sprach. Im Mittelpunkt dabei stand die existenzielle Bedeutung dieses Vorhabens und Deutschlands Schlüsselrolle bei der Bewältigung dieses Problems. Danach besuchten wir das Auswärtige Amt und sprachen darüber, wie diese progressiven Ziele auf höchster Ebene verfolgt werden. Anschließend besuchten wir das Humboldt Forum, um mehr über den dort behandelten Teil der deutschen Geschichte zu erfahren.

Dann ging es auch ins Freie: Wir besuchten den Reichstag, das Zentrum der politischen Macht Deutschlands, und sprachen mit dem Büro von Deborah Düring, MdB, außenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dieses Gespräch fand nur einen 

Jüdisches Denkmal

Tag nach dem NATO-Gipfel statt, auf dem sich alle Mitgliedsstaaten einstimmig darauf verständigten, 5 Prozent ihres BIP für Militärausgaben bereitzustellen – ein Schritt, der die progressive Agenda einer sicherheitspolitischen Ausrichtung auf Diplomatie anstelle militärischer Stärke erheblich herausfordert. Anschließend nahmen wir an einer Führung durch die politischen Zentren Berlins teil, lernten verschiedene Interessengruppen und Institutionen kennen, die in der Stadt zusammenwirken, und beendeten den Tag mit einem Besuch des Denkmals für die ermordeten Jüd*innen Europas. Dort diskutierten wir als internationale Stipendiat*innen über das Erbe des Faschismus in Europa und darüber, was wir als Gesellschaft tun müssen, um eine solche Tragödie in Zukunft zu verhindern.

Verschiedene Standpunkte konstruktiv vereinen

Der letzte Tag war dem Nachdenken und dem gemeinsamen Diskutieren all der wichtigen Themen gewidmet, die wir in diesen drei intensiven Tagen behandelt hatten. Wir reflektierten, schlugen Lösungen vor und setzten uns produktiv und friedlich mit unseren Meinungsverschiedenheiten auseinander. Dies war zwar herausfordernd, aber nicht unmöglich – auch wenn wir über heikle Themen sprachen: Etwa die gerechte Bekämpfung der Klimakrise für den globalen Süden, eine ehrliche Diskussion über den Krieg in Gaza – ein in Deutschland nach wie vor schwer zu besprechendes Thema angesichts der deutschen Geschichte im Zweiten Weltkrieg –, die Stärkung der Stimmen von Frauen in der nach wie vor männlich dominierten Außenpolitik, die koloniale Vergangenheit Europas oder das richtige Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Diplomatie, ohne in übermäßige Militarisierung zu verfallen.

Dieser letzte Aspekt war für mich besonders wertvoll, denn es ist selten, solche Gespräche in einem zunehmend polarisierten Klima führen zu können. Es gab mir Hoffnung, dass wir trotz der schwierigen Zeiten, in denen wir leben, durch rationales und aktives Diskutieren polarisierender Themen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen können – und gemeinsam, über alle Unterschiede hinweg, Lösungen für schwierige Probleme finden.

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