Namibia hat die gläserne Decke durchbrochen, sodass Frauen nun die höchsten Ämter bekleiden – doch durch Repräsentation allein kann das Patriarchat nicht abgeschafft werden. Während LGBTQI+-Rechte, geschlechtsspezifische Gewalt und wirtschaftliche Ungleichheit das Versprechen feministischer Führung auf die Probe stellen, steht das Land an einem Scheideweg zwischen symbolischem Fortschritt und echter Transformation.
Im März 2025 schrieb Namibia Geschichte, als es seine erste Präsidentin vereidigte, zusammen mit einer Vizepräsidentin, einer Parlamentspräsidentin, seiner ersten Richterin am Obersten Gerichtshof und acht Ministerinnen. Viele von uns spürten, wie sich der Boden unter unseren Füßen verschob. Für eine junge Demokratie ist dies ein epochales Ereignis. Als queerer Namibier und feministischer Aktivist empfand ich sowohl Stolz als auch Besorgnis. Stolz, weil die gläserne Decke durchbrochen wurde. Besorgnis, weil Repräsentation nicht unbedingt Transformation bedeutet – insbesondere, wenn ungerechte Systeme durch patriarchalische Regierungsformen aufrechterhalten werden.
Nicht Repräsentation ist die Revolution – Transformation ist es
Afrikanische Feminist*innen betonen seit Langem, dass Repräsentation lediglich ein Tor auf dem Weg ist, nicht das Ziel. Frauen in Ämtern sind wichtig. Aber die Revolution wird an Politik, Teilhabe und Schutz gemessen.
Namibias erste Präsidentin, Netumbo Nandi-Ndaitwah, stammt aus der Regierungspartei SWAPO, die 2014 ihre bahnbrechende Politik der „Zebra-Liste“ einführte – einen Mechanismus zur Geschlechterparität, der eine 50/50-Aufteilung von Frauen und Männern auf den Kandidierendenlisten der Partei vorschreibt. Dadurch stieg der Frauenanteil in der Nationalversammlung deutlich auf etwa 46 Prozent. Namibia wurde dadurch zu einem der führenden Länder Afrikas bezüglich der Geschlechterparität im Parlament. Solche Maßnahmen trugen dazu bei, dass Namibia Geschichte schrieb, indem es als erstes Land der Welt Frauen in den drei höchsten Führungspositionen hatte. Doch trotz dieser bemerkenswerten Meilensteine in Sachen Repräsentation ist die tatsächliche Gleichstellung nach wie vor uneinheitlich verteilt.
Die Repräsentation hat sich zwar verändert, die strukturelle Verletzlichkeit bleibt jedoch bestehen.
In Namibia gibt es trotz Fortschritten bei der politischen Vertretung weiterhin strukturelle Ungleichheiten. Der Gender Pay Gap zeigt, dass Frauen pro Stunde etwa 11 bis 14 Prozent weniger verdienen als Männer. Geschlechtsspezifische Gewalt ist nach wie vor weit verbreitet: Schätzungsweise 33 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren haben körperliche, sexuelle oder emotionale Gewalt durch einen Intimpartner erlebt. Allein im Jahr 2024 wurden mehr als 5.000 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt gemeldet - eine hohe Zahl von Fällen für ein Land mit nur drei Millionen Einwohner*innen. Zivilgesellschaftliche Organisationen haben wiederholt gefordert, geschlechtsspezifische Gewalt zur nationalen Katastrophe zu erklären. Im Jahr 2020 mobilisierte eine breit angelegte feministische Kampagne über 60.000 Unterschriften – die größte Petition dieser Art – und forderte die Aufhebung des restriktiven Abtreibungs- und Sterilisationsgesetzes von 1975. Das Gesetz stammt aus der Apartheid-Zeit in Südafrika, das bis zur endgültigen Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 das Land besetzt hielt. Doch obwohl Frauen die höchsten Ämter des Staates bekleiden, haben diese langjährigen Forderungen nach Bürgerrechten nicht zu einer umfassenden Gesetzesreform oder einem systemischen Schutz für Frauen geführt. Die Repräsentation hat sich zwar verändert, die strukturelle Verletzlichkeit bleibt jedoch bestehen.
Für eine echte Transformation in Namibia muss gefragt werden: Werden patriarchalische Normen abgebaut? Nehmen wirtschaftliche Ungleichheiten ab? Gibt es für Frauen in ländlichen Gebieten, informellen Siedlungen und in Care-Zusammenhängen spürbare Veränderungen? Und vor allem: Sind LGBTQI+-Personen sicherer, freier und werden sie gesetzlich anerkannt?
So sind wir zu der Erkenntnis gelangt, dass der Lackmustest für die politische Führungsrolle von Frauen nicht ist, ob sie paritätisch vertreten sind. Vielmehr geht es um die Frage, ob Macht genutzt wird, um die Würde aller auszuweiten.
Das „Born-Free-Feminismus-Paradoxonʻʻ
Ich gehöre zur Generation der „Born Free“ in Namibia – aufgewachsen nach der Apartheid und mit dem Versprechen der Gleichberechtigung unter einer der fortschrittlichsten Verfassungen Afrikas. Doch viele queere Jugendliche wie ich gingen beim Erwachsenwerden einen schmerzhaften Scheideweg: Wir sind in einer befreiten Demokratie aufgewachsen, während Gesetze aus der Kolonialzeit unsere Existenz weiterhin kriminalisierten. Vor der Unabhängigkeit wurden unseren Eltern aufgrund ihrer Hautfarbe Würde und das Recht auf freie Liebe verweigert. Mehr als drei Jahrzehnte später waren LGBTQI+-Namibier*innen weiterhin an die Fesseln der Sodomiegesetze aus der Apartheid-Ära gebunden und zu Bürger*innen zweiter Klasse degradiert. Wie „frei geboren" sind wir wirklich, wenn Freiheit immer noch an Bedingungen geknüpft ist?
Im Juni 2023 erkannte der Oberste Gerichtshof Namibias im Ausland rechtmäßig geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen zwischen einem namibischen und einem ausländischen Ehepartner an und bekräftigte, dass queere Namibier „ein fester, untrennbarer Bestandteil unserer Gesellschaft“ sind. Im Jahr 2024 hob das Oberste Gericht in Windhoek das Sodomieverbot aus der Apartheid-Ära auf und bekräftigte damit den verfassungsmäßigen Schutz der Würde und Gleichheit. Dies waren wegweisende Bekräftigungen der konstitutionellen Demokratie.
Doch die Fortschritte vor Gericht stießen im Parlament auf Gegenwehr. Es folgten rückschrittliche, verfassungswidrige Gesetze gegen die Anerkennung von LGBTQI+, begleitet von politischer Rhetorik, die die Grenze zwischen moralischer Panik und Staatskunst verwischte. Worte sind wichtig. Wenn führende Politiker, die für die Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit zuständig sind, die Gleichstellung von Queers als Bedrohung darstellen, wirkt dies über die Parlamentssäle hinaus. Die von Jugendlichen geführte Bürgerrechtsbewegung Equal Namibia dokumentierte einen Anstieg von Feindseligkeit und Gewalt nach der Verabschiedung dieser Anti-LGBTQI+-Gesetze, sieben Mitglieder unserer Gemeinschaft verloren in dieser polarisierten Zeit ihr Leben.
Staatlich gebilligte Homophobie steht im Widerspruch zu dem Ethos der antikolonialen Freiheit.
Das ist das Paradox: Eine Befreiungsbewegung, die gegen rassistische Unterdrückung gekämpft hat, steht nun für Gesetze, die queere Bürger*innen marginalisieren. Präsidentin Nandi-Ndaitwah ist selbst eine Veteranin des Befreiungskampfes. Dieses Erbe verleiht ihr moralische Autorität. Aber Befreiung kann nicht selektiv sein. Staatlich gebilligte Homophobie steht im Widerspruch zu dem Ethos der antikolonialen Freiheit, für das sich die SWAPO einst einsetzte.
Die Frage, vor der Namibia steht, ist nicht, ob Frauen führen können – das können sie nachweislich. Die Frage ist, ob eine aus der Befreiung hervorgegangene Führung die Freiheit in vollem Umfang ausweiten wird, insbesondere mit Blick auf Geschlechterparität im Parlament.
Namibia unter Afrikas tolerantesten Ländern – doch die Elitepolitik hinkt hinterher
Afrobarometer stuft Namibia als eines der sozial tolerantesten Länder des Kontinents ein, wobei 51 Prozent der Namibier*innen gegenüber Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen tolerant sind. Die Bevölkerung Namibias zeigt oft mehr Offenheit, als die politische Rhetorik vermuten lässt. Die Elitenpolitik neigt jedoch zunehmend zu populistischem Moralismus. Die Menschen in Namibia sind nicht „homophob“ oder gegen „sexuelle und reproduktive Rechte“ – wohl aber unsere Politiker. Und genau hier ist ein Wandel notwendig, nicht nur bei der Repräsentation.
Die Bevölkerung Namibias zeigt oft mehr Offenheit, als die politische Rhetorik vermuten lässt.
Die Zivilgesellschaft erkennt sowohl Chancen als auch Widersprüche. Wir feiern den Aufstieg der Frauen, begreifen aber auch, dass formale Gleichstellung nicht automatisch eine feministische Regierungsführung nach sich zieht. Wenn diese Regierung wirklich eine Vorreiterrolle in Sachen Gleichstellung der Geschlechter einnehmen will, muss sie die Repräsentation mit den Rechten in Einklang bringen: den zivilgesellschaftlichen Raum schützen, die körperliche Autonomie bekräftigen und Mobilisierungen gegen Rechte abwehren, die sich gegen Frauen und queere Gemeinschaften richten.
Namibia steht an einem entscheidenden Punkt. Die Welt beobachtet ein Land, das von Frauen geführt wird. Wir sind stolz auf unsere Frauen in Führungspositionen. Die tiefgreifendere Frage ist, ob diese Führung die Demokratie erweitern oder lediglich symbolisieren wird.
Die Repräsentation hat die Tür geöffnet. Die Transformation – insbesondere mit Blick auf die Behandlung von LGBTQI+ sowie sexuellen und reproduktiven Rechten – wird darüber entscheiden, ob dieser historische Moment zu einem feministischen Meilenstein oder zu einer verpassten Chance wird.
Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um die überarbeitete Fassung einer DeepL-Übersetzung.