Lärm und Ruhestörung: Müll, den man hören kann

Hintergrund

Lärm gilt als ein Schadstoff, an den sich Menschen angeblich gewöhnen können. Doch das stimmt nicht: Ist der Lärmpegel dauerhaft zu hoch, kann er krank machen. Ruhe und Stille dürfen deshalb kein Luxusgut sein.

Grafik zu Lärm durch Flugzeuge, Baustellen und Straßenverkehr; eine Person hält sich wegen der Schallwellen die Ohren zu.
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Lärm und laute Geräusche können die Gesundheit massiv schädigen.

Lärm mit Lärm bekämpfen? Im Kleinen klappt das. Schall beruht auf Luftschwingungen, die sich mit etwa 340 Metern pro Sekunde fortbewegen. Die Schallwellen haben „Berge“ und „Täler“ – Das machen sich Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, der sogenannten Noise-Cancelling-Technologie, zunutze.

Dabei wird der eingehende Schall zerlegt und dort ein Wellen-„Tal“ erzeugt, wo ein „Berg“ ist, und ein „Berg“ dort, wo ein „Tal“ ist. Die Schwingungen heben sich gegenseitig auf – aus Lärm wird Stille. Unterm Kopfhörer lassen sich so ungestört Musik oder Podcasts hören.

Im Großen funktioniert das nicht. Die zunehmende Nutzung von Noise Cancelling zeigt eher, dass die Welt immer lauter wird.

Verkehr ist die größte Lärmquelle

Das betrifft nicht nur urbane Regionen, sondern auch die Meere. In den letzten 35 Jahren hat sich pro Jahrzehnt der Unterwasserlärm verdoppelt. Im Wasser breiten sich Schallwellen 4,5-mal schneller aus als in der Luft.

Ob an Land oder im Meer - die Dezibel-Plage steigt nicht linear an. Sie folgt einer logarithmischen Logik. 3 Dezibel mehr bedeuten eine Verdopplung und 10 Dezibel mehr eine Verzehnfachung der Schallenergie.

Der Verkehr ist die mit Abstand größte Lärmquelle in Deutschland. Bereits Straßenlärm, der im Haus 65 Dezibel laut ist, erhöht das Risiko für Herz-Kreislaufstörungen um 20 Prozent. Drei Viertel der Menschen fühlen sich durch Straßenlärm gestört oder belästigt.

„Lärmometer“: Skala von 0 bis 130 dB(A) ordnet Geräusche von Mücke und Flüstern bis zu Verkehr, Sirene und Düsenflugzeug ein.

Stille und Ruhe werden zum Luxusgut

Lärm als Umweltbelastung trifft benachteiligte Gruppen besonders stark. Weltweit leben Haushalte mit geringem Einkommen häufiger in der Nähe von Industrieanlagen, Müllkippen oder Hauptverkehrsadern und sind so größerem Lärm ausgesetzt. Stille und Ruhe gelten teilweise  schon als Luxusgut.

Lärmbelastung ist damit ein Paradebeispiel für Umweltgerechtigkeit, erklärt Thomas Myck, Lärmexperte beim Umweltbundesamt. Liegt eine Wohnung oder ein Haus an einer Hauptverkehrsstraße, werde weniger Miete gezahlt. „Das heißt, Menschen, die nicht so gut betucht sind, leben häufiger an lauten Straßen", betont der Experte. 

Lärm macht krank

Lärm und laute Geräusche können die Gesundheit massiv schädigen. Bei Erwachsenen wird vor allem das Herz-Kreislauf-System, bei Kindern die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflusst. „Wer meint, an Lärm könne man sich gewöhnen, liegt leider falsch“, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Kraus, Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik RWTH Aachen.

Die seit 2002 geltende Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union verpflichtet Städte, Gemeinden und Behörden, alle 5 Jahre die Belastung der Bevölkerung durch Umgebungslärm zu ermitteln und in Lärmkarten darzustellen. Auf deren Grundlage sind dann Lärmaktionspläne aufzustellen. 

Balkendiagramm der zehn deutschen Städte mit der höchsten Lärmbelastung: Düsseldorf liegt mit 34,5 Prozent an erster Stelle.

Die aktuell laufende Lärmkartierung soll bis Ende Juni 2027 abgeschlossen sein. Darauf basierend müssen dann bis zum Juli 2029 neue Lärmaktionspläne erarbeitet und beschlossen werden.

Tempo 30 kann Lärmbelastung halbieren

Mögliche Maßnahmen sind: Reduzierung des LKW-Verkehrs, die Einführung von Tempolimits oder zeitliche Verkehrsbeschränkungen, der Umstieg auf E-Autos und E-Busse, eine stärkere Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs, von Fahrrad- und Fußverkehr oder der Bau von Schallschutzwänden. Auch lärmarmer Straßenbelag kann den Geräuschpegel verringern.

Gegenüber Tempo 50 verringert Tempo 30 den Lärmpegel um etwa 2 bis 3 Dezibel. Das menschliche Ohr nimmt das als eine Halbierung der Lautstärke war, auch treten weniger Lärmspitzen durch beschleunigende Fahrzeuge auf.

Wenig Abhilfe gibt es gegen den Unterwasserlärm. Die zunehmende wirtschaftliche Nutzung der Ozeane, die seismische Erkundung von Öl- und Gasfeldern, Frachtschifffahrt und Kreuzfahrttourismus, der Ausbau der Offshore-Windkraft sowie die militärische Nutzung der Meere verlärmen diese immer mehr, stellen eine krank machende, mitunter tödliche Form der Meeresverschmutzung dar. Für die Lebewesen im Meer gibt es keine Noise-Cancelling Kopfhörer.

 

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Lärm

Lärminfo.at: Lärm in Europa 2025

gesund.bund.de: Lärm: Auswirkungen auf die Gesundheit

Uniklinik Aachen: Stressfaktor Alltagslärm und wie man sich wirksam schützen kann

Deutsche Welle: Lärm: Die unsichtbare Bedrohung

Ocean Care: Unterwasserlärm

Bundesamt für Naturschutz: Unterwasserschall

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