Dossier: Indien im Wahljahr - Aufbruch oder Stagnation?

Dossier: Indien im Wahljahr - Aufbruch oder Stagnation?

Grid image Foto: Michael Bumann (Flickr) Creative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Indien, mit 800 Millionen Wahlberechtigten oft als "größte Demokratie der Welt" bezeichnet, befindet sich in einem schwierigen Transformationsprozess. Als aufstrebendes Schwellenland erhebt es einen global-politischen Machtanspruch, während große Teile der indischen Gesellschaft weiterhin unter Ausgrenzung und massiver Armut leiden.

Aber wie entwickelt sich die indische Gesellschaft wirklich und welche Akteurinnen und Akteure bestimmen die Politik? Was hat sich nach der Wahl von Narendra Modi als neuem Premierminister  (Bharatiya Janata Party - BJP) verändert und welche politischen Entwicklungen sind unter seiner Direktive zu erkennen?

Dieses Web-Dossier und die im April 2014 begonnene Vorlesungsreihe 'Understanding India' (PDF) wollen Indien in seiner Vielfalt greifbarer machen und nach den Parlamentswahlen Raum für gesellschafts- und wirtschaftspolitische Analysen und Debatten bieten, sowie Indiens außenpolitische Rolle beleuchten. Das Dossier deckt den Zeitraum vom Anfang 2014 bis Anfang 2015 ab.

Indische Demokratie, Gender & Konflikte

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Freie Medien sind für Indien als größte Demokratie der Welt besonders wichtig - doch religiöse Intoleranz, Versuche der politischen Einflussnahme und Kontrolle durch die Wirtschaft schränken die Pressefreiheit immer wieder ein.

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Die indische "Mittelschicht" war lange Zeit nur ein Beobachter des Wahlkampfgeschehens. Doch nun, im Vorfeld der 16. Parlamentswahlen des Landes, verschafft sich Gehör und wird als Akteur sichtbar. Welche Rolle spielt die neue Mittelklasse tatsächlich bei den Wahlen?

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Bei den 2014 stattfindenden Parlamentswahlen ist mit einem erneuten Aufflammen des Kommunalismus zu rechnen. Die hindunationalistische Partei BJP hofft, die Wählerschaft entlang religiöser Linien aufspalten zu können, um die Mehrheit der Hindu-Stimmen für sich zu gewinnen.

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Das 21. Jahrhundert hat einen unvollendeten Prozess globaler Demokratisierung geerbt. Selbst eine etablierte Demokratie wie Indien zeichnet sich auch 65 Jahre nach der Unabhängigkeit durch patriarchaische Strukturen aus die Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu gesellschaftspolitischer Teilhabe verwehrt.

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Das Oberste Gericht Indiens hat den historischen Beschluss rückgängig gemacht, gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr zu legalisieren. Die indische LGTBI-Community ist geschockt, in vielen großen Städten kam es zu Demonstrationen. Doch es bleibt ein Funken Hoffnung.

Wirtschaftswachstum, soziale Gerechtigkeit und Umwelt

Old Parang - Arunachal Pradesh, Indien
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2003 beschloss die indische Regierung, 162 Wasserkraftwerke zu bauen. Mehr als 40 sollten allein im Bundesstaat Arunachal Pradesh, im Nordosten des Landes entstehen. Doch bisher sieht es nicht so aus, als ob auch nur eines davon wie geplant 2017 in Betrieb genommen wird.

Flut in Kaschmir
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Kaschmir erlebte im September 2014 die schlimmste Flut seit 100 Jahren. Hunderttausende wurden von den Wassermassen eingeschlossen. Der Bergsteiger Karn Kowshik reiste mit einer Gruppe Freunden in das Katastrophengebiet, um zu helfen. Sie kamen an ihre Grenzen.

Schüler/innen in Indien
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Indien verfügt über ein günstiges Verhältnis von Erwerbstätigen, Kindern und Senioren. Die 230 Millionen Jugendlichen sind eines der größten wirtschaftlichen Potenziale des Landes. Wird die neue Regierung diesen Vorteil nutzen?

Im Hintergrund sieht man den umstrittenen Atomreaktor von Kudankulam im Bundesstaat Tamil Nadu während ein Mann ein Feld überquert
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Trotz der Katastrophe von Fukushima und ungeachtet der schlechten Bilanz der staatlichen Nuclear Power Corporation of India Ltd (NPCIL), verfolgt Indien unbeirrt den ambitionierten Plan, seine nuklearen Kapazitäten von derzeit 4.780 Megawatt, um ein Vielfaches auszubauen.

Interview mit Ashish Kothari, Gründungsmitglied der Umwelt-NRO Kalvapriksh und Ko-Autor des Buches"Churning the Earth: The Making of Global India", einer Kritik der Entwicklungsstrategie Indiens.

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Mehr als ein Jahrzehnt schien das boomende Indien auf dem Weg zu sein, eine neue Supermacht zu werden. Doch das Wachstum ging nur mit geringer sozialer Inklusion einher, und ein erheblicher Teil der indischen Bevölkerung ist nach wie vor arm. Dieses Thema ist nicht neu, gewinnt aber im aktuellen Konjunkturabschwung und angesichts der Wahlen im Frühjahr 2014 weiter an Brisanz.

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Nach der aktuellen Armutsstatistik ist die Zahl der offiziell Armen in Indien auf ein Rekordtief gesunken. Ein genauerer Blick auf die zugrunde liegende Armutsgrenze und den Zeitpunkt der Veröffentlichung dämpft allerdings den Optimismus.

Foto-Essay "Der einfache Bürger"

Patriotische Rikscha-Fahrer auf einer "Zeig Stärke-Kundgebung"
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Nach einer von allgemeiner Enttäuschung und Anti-Stimmung gegen korrupte Regierungen getragenen Wahl sowie der Vereidigung der Aam Aadmi Partei (AAP) 2013, war der weitere Weg der Partei eine regelrechte Achterbahnfahrt. Dieser Foto-Essay gibt einen kleinen Eindruck von dem steinigen Weg der Partei in ihren 49 Tagen in der Regierung von Delhi.

Indien in der Welt

Narendra Modi und Barack Obama im Gespräch
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Der indische Premierminister Narendra Modi nutzte die UN-Vollversammlung Ende September 2014 für seinen ersten Staatsbesuch in den USA. Am 26. Januar wird US-Präsident Barack Obama Indien besuchen.

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Indiens Premierminister Modi ist darum bemüht, gute Beziehungen zu wichtigen Ländern herzustellen: In Japan vermarktet er Indien als „Niedrig-Kosten Herstellerland“, auch die Beziehung zu den USA versucht er wieder zu beleben. Die Presseschau im Indien-Blog.

Indischer Premierminister Manmohan Singh bei einem Treffen mit seinem pakistanischen Amtskollegen Nawaz Sharif am Rande der 68. UN-Generalversammlung am 29. September 2013 in New York
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Die zehnjährige Regierungszeit der Kongress-geführten UPA-Koalition geht ohne eine nennenswerte Verbesserung der indisch-pakistanischen Beziehungen zu Ende. Die Tatsache, dass der scheidende indische Premierminister Manmohan Singh trotz bester Absichten nicht ein einziges Mal sein Geburtsland besuchen konnte, spricht Bände und zeigt die strukturellen Zwänge einer problembeladenen Beziehung.

Ein Wähler zeigt seinen mit Tinte markierten Finger nachdem er in der dritten Wahlphase am 10. April in Delhi seine Stimme abgegeben hat.
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In Indien finden derzeit und noch bis Mitte Mai die 16. Parlamentswahlen statt. Beim Wahlkampf geht es besonders um den Zustand der nationalen Wirtschaft, die Zukunft des Säkularismus und unweigerlich um Führungsqualitäten der Regierung. Welche Rolle spielt dabei die Außenpolitik bei der Stimmabgabe indischer Wählerinnen und Wähler?

von

Trotz der wirtschaftlichen Liberalisierung seit 1991, der Exportförderung und mehr ausländischen Direktinvestitionen ist Indien noch kein Schwergewicht in der Weltwirtschaft. Allerdings lösen außenpolitische Fragen in den letzten Jahren zunehmend innenpolitische Kontroversen und Regierungskrisen aus.

von

Indien hat ein nukleares Wettrüsten in einer der ärmsten und instabilsten Gegenden der Welt eingeleitet, in der seit 1947 eine anhaltende strategische Feindseligkeit zwischen Indien und Pakistan vorherrscht. Dies trägt auch zu Verunsicherung und Destabilisierung in der Region bei.

Indus River
von

Der Indus-Wasservertrag wird international als Beispiel erfolgreicher Konfliktlösung zwischen zwei Ländern angesehen. Doch sowohl in Indien als auch in Pakistan gibt es ein gewisses Maß an Unzufriedenheit, welche die Wasserverteilung laut Vertrag betrifft.
Ist der Vertrag also ein Erfolg oder ein Fehlschlag?

Videos

The Invisible Hands (Engl.)
Der englischsprachige Dokumentar-Kurzfilm fragt, welche Bedeutung die häufig unbezahlte und unsichtbare Arbeit von Frauen für die indische Gesellschaft hat - und wer von dieser Arbeit profitiert.

Jyoti: Fair Works
Die Initiative “Jyoti - Fair Works” ist ein Projekt, das speziell Frauen in der Landwirtschaft im Süden Indiens unterstützt.

Lok Sabha: Indische Parlamentswahlen 2014

Das indische Parlament in Neu Delhi
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Seit fünf Monaten ist der indische Premierminister Narendra Modi nun im Amt. Seitdem hat Modi viel versprochen und wenig davon gehalten. Für eine erste Bilanz ist es jedoch noch zu früh.

Indischer Premierminister Narendra Modi
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In seiner ersten Rede zum Unabhängigkeitstag verzichtete Indiens Premierminister Narendra Modi auf Panzerglasschutz und sprach über Gewalt an Frauen und Indien als Produktionsstandort. Ein Beitrag aus dem Indien-Blog.

Männer beim Gebet in Indiens größter Moschee Jama Masjid
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Indiens neue Regierungspartei BJP hat den zweifelhaften Ruf, die interreligiösen Spannungen auf dem Subkontinent zu schüren. Politikanalyst Rajeev Bhargava spricht im Interview über den Wahlsieg von Narendra Modi und die Befürchtungen der Muslime vor dem Erstarken der Hindu-Nationalisten.

Indiens Wahlsieger Narendra Modi
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Narendra Modi, der umstrittene Spitzenkandidat der Bharatiya Janata Party (BJP), hat einen überraschend eindeutigen Wahlsieg erzielt. Dies weckt hohe Erwartungen bei vielen, und Ängste bei anderen.

Arvind Kejriwal, Ex-Ministerpräsident von Delhi und Führer der Aam Aadmi Partei, hält im muslimischen Viertel der alten Pilgerstadt Varanasi eine Rede an seine Anhänger.
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Es sind Wahlen in Indien und in kaum einem anderen Bundesstaat kann man besser spüren, woher der Wind weht, als in Uttar Pradesh. Foto-Reporter Nikhil Roshan hat so eindrückliche Impressionen vom Wahlkampf mit seiner Kamera festgehalten.

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Narendra Modi von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) ist der sichtbarste Anwärter für den Posten zum Premierminister in den indischen Parlamentswahlen. Sebastian Schwecke analysiert, welche Chancen die Partei hat, um Sitze im indischen Unterhaus zu sichern.

Erstwähler
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Die sehr junge Wählerschaft, insbesondere die 120 Millionen Erstwähler, könnten den Wahlausgang in Indien in beträchtlichem Umfang beeinflussen. Da überrascht es nicht, dass einige der politischen Parteien Strategien ausarbeiten, mit denen sie die jungen Wähler für sich gewinnen können.

Wahlkampfhelfer der Aam Aadmi Partei in Pune
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In drei kurzen Reportagen berichtet der deutsche Journalist Rainer Hörig, der seit 1989 in Pune lebt, über den Wahlkampf in Indien. Er hat ein Dorf in Maharashtra besucht, junge Wahlhelfer der Aam Aadmi Partei beim Wahlkampf in Pune begleitet und Bewohner eines städtischen Slums befragt, was sie von den Wahlen erwarten. Diese Reportagen vermitteln einen lebendigen Eindruck davon, wie der Wahlkampf vor Ort durchgeführt wird und was die Menschen dort politisch bewegt.

Rahul Gandhi, Vizepräsident der Kongresspartei
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Seit seinem unerwarteten Sieg bei der Unterhauswahl 2004 führte der Kongress zwei Koalitionsregierungen. Zehn Jahre später und nach den schweren Niederlagen bei den jüngsten Landtagswahlen Ende 2013 geht der Kongress geschwächt in die bevorstehende Unterhauswahl.

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Kurz vor Sommerbeginn 2014 finden in Indien die sechzehnten Parlamentswahlen statt. Der Kampf zwischen den zwei größten nationalen politischen Parteien - der Kongress-Partei und der Indischen Volkspartei - hat begonnen.

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Die Aam Aadmi Party ist aus einer Antikorruptionsbewegung entstanden und hat einen spektakulaeren Einstieg in die indische Politik geschafft. Die neue politische Macht fordert nun die alten Regeln der indischen Politik heraus.

von

Der “Aufstieg” regionaler politischer Parteien bestimmt derzeit am nachhaltigsten die politische Landschaft Indiens. Die exponentiell zunehmende Anzahl an Parteien und der stetig schrumpfende Vorsprung, mit dem Parlamentswahlen entschieden werden, lassen auch  neue regionale Machtzentren entstehen.

von

Am 4. Dezember 2013 hat die Bevölkerung Neu Delhis eine neue Lokalregierung gewählt. Deutet man das Wahlergebnis als Signal für die Parlamentschaftswahlen 2014, könnte eine Verschiebung der politischen Machtverhältnisse in Indien bevorstehen.

Publikationen und Studien

Coverfoto der Studie "Der neue Bürgeraktivismus in Indien"

Diese Studie rollt noch einmal die jüngste Geschichte der neuen Protestbewegungen in Indien auf. Sie analysiert ihre Herkunft und die Akteure, das Kräftespiel, die verschiedenen Aktionsformen sowie ihre Anhänger und Kritiker.

Ausgabe 2/13: Die zweite Ausgabe unserer Reihe "Perspectives Asien" versammelt Stimmen von Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Ländern Asiens, die sich Gedanken über Entwicklungsmodelle für ihre Region machen. Wie lässt sich Wohlstand für alle schaffen, ohne langfristig die Natur und Lebensgrundlagen der gesamten Bevölkerung zu zerstören?

Ausgabe 1/13: Diese erste Ausgabe der Perspectives Asien befasst sich mit Konflikten und den Folgen des Ressourcenabbaus in Afghanistan, China, Indien, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und Thailand. Der globale Bedarf an fossilen Energieträgern, Metallen, Mineralien, Holz und Agrarprodukten hat sich in den letzten 30 Jahren nahezu verdoppelt - mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt.

BLOG: Indiens junge Generation

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Avani Tewari ist 19 Jahre alt und studiert Jura an der Jindal Global Law School in Sonipat, nördlich von Delhi. Für dieses Dossier hat die junge Inderin die Mediendebatte im Wahljar 2014 analysiert. Dabei beschreibt sie auch, wie die junge Generation Indiens die Veränderungen im Land erlebt.

Mitschnitte

Südasiatische Perspektiven auf den Westen
mit Pankaj Mishra (Historiker) und Nadeem Aslam (Schriftsteller) am 12. September 2014

Video: Urvashi Butalia on Women's Rights in India

Vortragsreihe Understanding India

Radical Ecological Democracy: Towards Human Well-being with Sustainability and Equity
mit Ashish Kothari (Autor, Greenpeace, India) am 18. Mai 2015.

India as a Global Player: Chances and Constraints
Mit Sumit Ganguly (Professor und Autor, USA) am 9. Februar 2015

Caste: The New and the Old in 21st Century India
Mit Janaki Abraham, Soziologin und Associate Professor an der Delhi University, am 1. Dezember 2014.

Nuclear India: Deeper into the Military and Civilian Abyss?
mit Praful Bidwai (Sozialwissenschaftler und Aktivist) am 3. November 2014

Women in India - The Role and Status of a Marginalized Sex
mit Urvashi Butalia (Journalistin und Redakteurin, Indien) am 6. Oktober 2014

Consumerism, Censorship and Media Globalization in India
mit Nadja-Christina Schneider (Humboldt-Universität Berlin) am 3. Juni 2014

India and its Democracy
mit Rajeev Bhargava (Centre for the Study of Developing Societies, India) am 13. Mai 2014

Election in India – Dynamics of political change in India
mit Vidya Subrahmaniam (The Hindu, India) am 1. April 2014

Einführung

Ein wichtiges Anliegen der Stiftungsarbeit in Asien liegt darin, die vielfältigen gesellschaftspolitischen, ökonomischen und ökologischen Dynamiken, sowie die wachsende globale Rolle der Region zu verstehen und einen Dialog zwischen Akteuren in Europa und Asien zu fördern.

Kontakt

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