Fisch – bald ausverkauft?

Fisch – bald ausverkauft?

Fisch ist ein Eckpfeiler der globalen Nahrungssicherheit. Es ist das weltweit am meisten gehandelte Produkt, das direkt aus der Natur gewonnen wird. Doch diese Abhängigkeit aller Nationen von der Ressource Fisch ist gleichzeitig die größte Bedrohung für unsere Fischbestände. Viele sind überfischt, Tendenz steigend.

Infografik aus dem Meeresatlas 2017: Flotten-Gesamtvolumen mit Ertrag und Subvention in der Hochsee- und KüstenfischereiUrheber/in: petraboeckmann.de. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Bereits vor vielen tausend Jahren fingen und aßen unsere Vorfahren Fisch. Doch während an Land die Lebensweise des Jagens und Sammelns von der sesshaften bäuerlichen Kultur abgelöst wurde, ist die ­Fischerei bis heute eines geblieben: Jagd! Und wer fischt, sät nicht. Er erntet.

Dieses Jagdverhalten und die zunehmende Nachfrage nach Fisch durch eine wachsende Weltbevölkerung haben die globalen Fischbestände schrumpfen lassen. Über 30 Prozent sind nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO überfischt oder gar zusammengebrochen, da sie nicht nachhaltig bewirtschaftet werden.

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Zwar bestandserhaltend, aber dennoch bis an die Grenze der Belastbarkeit ausgeschöpft sind 58 Prozent. Das heißt: 90 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Fischbestände sind ausgereizt. Mehr Nutzung geht hier nicht. Die meisten Bestände könnten sich allerdings durch kluges Fischereimanagement im Laufe von ein paar Jahren bis Jahrzehnten erholen. Es gibt erfolgreiche Beispiele solcher Konzepte, etwa in den USA, Neuseeland, Australien und Norwegen. Dort haben sich viele Bestände erholt. Auch in der Europäischen Union, die 2009 noch von einer 90-prozentigen Überfischung ausgegangen war, beträgt die Überfischung nur noch 50 Prozent, nicht zuletzt wegen stärkerer Fangbeschränkungen.

Doch nicht alle Bestände sind in der Lage, sich relativ schnell zu erholen, auch wenn sie nachhaltig bewirtschaftet werden. Manche Bestände großer Speisefische wie Marlin, Schwertfisch, Hai oder Kabeljau sind bereits um bis zu 90 Prozent geschrumpft. Delfine und Meeresschildkröten, Opfer des Beifangs, sind teilweise sogar vom Aussterben bedroht. Sie regenerieren sich nicht so schnell. Auch manche Thunfische gehören zu den Arten, deren Bestände sich kaum erholen werden, solange weiter gefischt wird. Und das geschieht, da ihr Marktwert so hoch ist, dass sich die Jagd auf sie auch noch lohnt, wenn nur noch wenige Exemplare vorhanden sind. Der Rote Thun ist so begehrt, dass er auf dem japanischen Markt regelmäßig schwindelerregende Höchstpreise erzielt. Neujahr 2013 erwarb eine japanische Sushi-Gastronomiekette ein besonders prachtvolles Exemplar für umgerechnet 1,3 Millionen Euro. Insgesamt gehen heute 85 Prozent des Mittelmeerfangs nach Japan, weltweit fast zwei Drittel des kompletten Fangs.

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Viele Entwicklungsländer sind auf die Fischerei besonders angewiesen. Denn dort ist die Fischerei Haupterwerbszweig. Weltweit schätzt man die Zahl der kleinen Fischerinnen und Fischer auf rund 12 Millionen. In der industriell betriebenen Fischerei dagegen arbeiten nur 500.000 Menschen. Pro Kopf fangen diese aber ein Vielfaches dessen, was kleine, „handwerklich“ Fischende mit ihren Netzen aus dem Meer holen. Mit sogenannten Fabrikschiffen, die mit modernen Technologien wie Echolot, Aufklärungsflugzeugen und riesigen Netzen ausgestattet sind, schöpfen sie traditionelle Fanggründe gründlich ab. Die Fangschiffe operieren weltweit und suchen die profitabelsten Fischgründe auf. Zum Beispiel vor den Küsten Westafrikas, wo es wenig staatliche Regulierung gibt und sie den Einheimischen ungleiche Konkurrenz machen.

Ein anderes großes Problem für die Erhaltung der Bestände ist die sogenannte illegale, unregulierte und undokumentierte (IUU-)Fischerei. Fische werden mit unerlaubtem Fanggerät, zu Sperrzeiten oder in Schutzgebieten gefangen. Oder es werden Fischarten gefangen, für die es keine Lizenz gibt, oder mehr Fische gefangen, als erlaubt ist. Illegale Fänge machen einen Anteil von bis zu 31 Prozent der globalen Fischfänge aus. Manche Fangschiffseignerinnen und -eigner entziehen sich rechtsstaatlicher Kontrolle, indem sie unter einer sogenannten Billigflagge fahren. Andere nutzen aus, dass es beispielsweise sehr schwer ist, IUU-Schiffe inmitten der Inseln und Archipele Indonesiens zu verfolgen. Ähnlich in der Beringsee: Hier wird IUU-Fischerei vor allem durch China und Russland betrieben. Sie liegt hier bei 33 Prozent. Nach Schätzungen werden jedes Jahr mindestens 500.000 Tonnen illegal gefangener Fisch in Umlauf gebracht. Immerhin wurden in der Europäischen Union nun schärfere Hafenkontrollen eingeführt. Trotzdem landet auf europäischen Tellern immer noch illegal gefangener Fisch.

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Auch politischer Wille hält den Druck auf die Fischbestände aufrecht: In Spanien und Portugal beispielsweise hat die Politik aus Angst vor Arbeitslosigkeit jahrelang völlig überdimensionierte Fischereiflotten subventioniert und dadurch letztlich den Ausverkauf der Fischbestände noch beschleunigt.

Würden Fischereiministerien den Empfehlungen der Wissenschaft systematisch folgen und Bestände nur so befischt, dass sie auf Dauer den maximalen nachhaltigen Ertrag abwerfen (Konzept des „Maximum Sustainable Yield – MSY), wäre ein stetig nachwachsender Fischreichtum in den Meeren der Welt keine Illusion. Ein guter Anfang wäre es wohl, die Subventionen – zum Beispiel für Treibstoff – konsequent zu streichen.

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