Nachhaltige Nahrungsmittelproduktion in der ASEAN

Nachhaltige Nahrungsmittelproduktion in der ASEAN

Bio-Lebensmittel sind in den ASEAN-Ländern noch Nischenprodukte. Doch mit dem steigenden Interesse an Gesundheit und Umweltschutz rückt auch nachhaltige Landwirtschaft, einschließlich bäuerlicher Landwirtschaft und Bio-Landbau, in das Blickfeld der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Situation in Thailand, Myanmar und Singapur.

Traditionelles FarmhausTraditionelles Farmhaus in Myanmar. Urheber/in: Judith Bopp. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers 50 Jahre ASEAN – Welche Rolle spielt soziale und ökologische Gerechtigkeit?

Wachsendes Interesse an Bio-Produkten in den ASEAN-Ländern

Der weltweite Trend zu gesunden Lebensmitteln hat auch die ASEAN-Länder erfasst. Drei Faktoren scheinen dabei eine Rolle zu spielen: der Rückgang der bäuerlichen zugunsten der industriellen Landwirtschaft, zunehmende Gesundheitsprobleme und neue Lebensstile, zu denen auch bewusstes Essen gehört.

Eine „Bio-Szene“ gibt es hie und da, sie ist fortschrittlich, aber ihr Einflussbereich ist begrenzt. Getragen wird sie von interessierten und betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, aber auch Verbraucherorganisationen, Bauernverbände, Wochenmärkte, Bioläden, Einkaufs- und Lieferkooperativen und Urban Gardening Initiativen  und ähnliche Gruppen sind entstanden (vgl. Asian Farmers' Association).

Ein Ziel dabei ist es laut Towards Organic Asia (2016), „die aktuelle agrarökologische Bewegung in Asien“ durch ökologisches und soziales Well-being „zu stärken und voranzubringen”. Die Biobranche begleitet diese Szenen im Allgemeinen. In mehreren Ländern wurden Bio-Siegel eingeführt (vgl. z. B. VECO Vietnam; GOVPH).

Die Regierungen einzelner Länder haben, wenn auch  zögerlich „bio“ in ihre Landwirtschaftspolitik aufgenommen und Budgets für Schulungen, Workshops und Marketingmaßnahmen für Biolandwirte bereitgestellt. Der Erfolg dieser Maßnahmen sollte jedoch unter Vorbehalt betrachtet werden, da sich nur wenige halten konnten (Htoo Thant (b), 2016; Bopp, 2016, 181).

 ASEAN als eine regionale Gemeinschaft

Die ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) wurde 1967 als eine physische und symbolische regionale Einheit gegründet, die die eigenen Charakteristika und Ziele der einzelnen Mitglieder verkörpert. 2015 hat der Staatenbund seine Ziele durch die Etablierung der ASEAN Gemeinschaft weiter realisiert.

Zum 50-jährigen Bestehen der ASEAN wurden ihre Grundsätze und Ziele neu formuliert. Die Betonung liegt jetzt auf gesellschaftlicher Verantwortung und Solidarität der Mitglieder im Sinne einer „gemeinsamen Identität“, einer „Gesellschaft, die sich kümmert und teilt“, in der „Wohlergehen und Existenz der Bürger verbessert sind” (ASEAN, 2017).

Geht man davon aus, dass die Verbesserung von Existenz und gesellschaftliches Wohlergehen unmittelbar mit Nahrungsmitteln und Landwirtschaft zusammenhängt, sollte die Förderung der nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft zu den Zielen der ASEAN gehören.

Unterernährung ist in mehreren ASEAN-Ländern ein Fakt, in den meisten Regionen ist Mangelernährung verbreitet (vgl. ASEAN Sustainable Agrifood System, 1, 8). Angesichts dieser Lage sind Maßnahmen erforderlich, die auf qualitative und quantitative Nahrungsmittelsicherheit abzielen.

Der integrierte Nahrungssicherheitsrahmen und der entsprechende Aktionsplan, die als Reaktion auf die Wirtschaftskrise 2007/2008 erstellt und 2009 veröffentlicht wurden sprechen bäuerliche Existenz, nachhaltige Agrarproduktion und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit einer besseren Nährwertbilanz an. In diesem Zusammenhang wird auch die Biolandwirtschaft als ein Element der klimafreundlichen Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit erwähnt, aber nicht weiter konkretisiert (vgl. ibid.).

Landwirtschaftlicher Hintergrund für Bioanbau

„Thailand hat in den 1960er Jahren Weltbank-Mittel erhalten, um die konventionelle, auf Monokulturen ausgerichtete Landwirtschaft zu stärken. Die Erträge stiegen zunächst dank der Ausbringung von chemischen Düngemitteln und Pestiziden. […] Etwa ab den 1970er Jahren bauten die Bauern neue Sorten an, züchteten andere Viehrassen, setzten Düngemittel ein und konzentrierten sich stärker auf die Vermarktung ihrer Produkte – alles gemäß den neuen landwirtschaftlichen Entwicklungsmodellen – und sie nahmen die ersten Kredite für ihre Investitionen auf. Die damals neue Zugverbindung zwischen Bangkok und Chiang Mai ermöglichte die Verbreitung von Agrochemikalien im Norden des Landes [...]. Das aktuelle System der konventionellen Landwirtschaft ist nicht mehr effizient und wird bald kollabieren, wenn es sich nicht ändert“ (Bopp, 2016, S. 169).

Dies trifft auch auf die Situation in anderen ASEAN-Ländern zu (vgl. Tadeo & Baladad, 4ff.; Edwards, 2013, 74; VECO Vietnam), aber eine stringente gemeinsame Strategie der nachhaltigen Bio-Produktbewegungen gibt es noch nicht.

Obgleich alternative Strategien dringend notwendig sind, sind viele Bäuerinnen und Bauern nur schwer zu überzeugen, da sie ihre Produktion den Marktmöglichkeiten anpassen und Biolandwirtschaft schwierig finden. Aber einige Bäuerinnen und Bauern haben den langfristigen Nutzen der Bio-Alternative erkannt (Bopp, 2016, 266).

Trotz der einheimischen Anbaukapazitäten wird ein beachtlicher Anteil der Nahrungsmittel importiert. Mit der ASEAN Economic Community (AEC) wird der südostasiatische Binnenmarkt geöffnet. Dadurch wird auch der Import steigen, da importierte Nahrungsmittel häufiger billiger sind als einheimische, was sich wiederum negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Bauern und Bäuerinnen auswirken kann (Interview R-4, Bopp 2016).

Aus dieser Perspektive kann die Biolandwirtschaft als Chance für die Bauern und Bäuerinnen gesehen werden, da sie stabile Preise auf den lokalen Märkten bietet, und somit die Eigenständigkeit der Bauern und Bäuerinnen sichern kann.

Sorgnis um Nahrungsmittel und Gesundheit

Die öffentliche Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln ist in vielen asiatischen Ländern wichtig, da Mahlzeiten häufig in Restaurants verzehrt oder bei Straßenhändler/innen gekauft werden. Das heißt, die Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere in den Städten, müssen sich auf die diese öffentlichen Quellen verlassen können, weil sie wenig zu Hause kochen.

Auf dem Land haben die Bauern und Bäuerinnen, sofern sie etwas Land besitzen, meist Hausgärten, die sie chemikalienfrei bewirtschaften. Gleichzeitig haben jedoch nur wenige Bauern Zeit und Land, um Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen (Bopp, 2016, 125; Tadeo & Baladad, 9).

Der massive Einsatz von Agrochemikalien in der Landwirtschaft beeinträchtigt die Gesundheit von Bauern bzw. Bäuerinnen und Verbraucher/innen gleichermaßen (vgl. Bopp, 2016, 185; VECO Vietnam; Somasundram et al. 2016, 1). Die Bio-Bewegungen in den ASEAN-Ländern ist eine Reaktion darauf, auch wenn sie aktuell noch wenig bedeutend sind. (Tadeo & Baladad,).

Bioprodukte sind meist auf den lokalen Bauernmärkten, aber auch über Einkaufsgenossenschaften und in Supermärkten erhältlich. Die Produkte, die in Letzteren angeboten werden, bedürfen meist der Zertifizierung, aber viele Verbraucher/innen verlassen sich auch auf eine sogenannte Vertrauensgarantie. Produkte ohne Zertifizierung werden meist lokal und regional vermarktet. Mit der Ausnahme von Singapur, das seine Lebensmittel importieren muss, ist der grenzüberschreitende Handel mit Bio-Produkten in den ASEAN-Ländern noch selten.

In Asien besteht bereits ein einheitlicher Bio-Standard, der die Vergleichbarkeit verschiedener regionaler Standards, Vermarktung und weltweite Anerkennung ermöglicht (UNCTAD, 2012, 1). Das Äquivalent der ASEAN, der ASEAN Standard for Organic Agriculture (ASOA), wird seit Kurzem angestrebt und umfasst ein Kennzeichnungssystem (Vientiane Times, 2016).

Es soll Faktoren ansprechen, die üblicherweise in der Bio-Landwirtschaft von Bedeutung sind, etwa Bodenqualität, Wasser und Anbausystem (vgl. Association of Southeast Asian Nations, 5ff.). Die Kritiker/innen einer systematischen ASEAN-Biozertifizierung argumentieren, sie werde nur die Preise nach oben treiben und so potenzielle Verbrauchergruppen ausschließen (Interview R-37, Bopp, 2016).

Der Status der Bio-Landwirtschaft in den ASEAN-Ländern

Die Bio-Landwirtschaft ist, so herrscht Konsens, in vielen Aspekten identisch mit der traditionellen Landwirtschaft, so wie viele kleinbäuerliche Betriebe sie praktizierten. Auch wenn in den ASEAN-Ländern Klima und Bodenverhältnisse, Pflanzensorten und Anbaumethoden unterschiedlich sind, so ist die traditionelle Landwirtschaft doch ein integraler Bestandteil der südostasiatischen Landwirtschaft (UNCTAD, 2012, 2).

Das moderne Konzept der Bio-Landwirtschaft mag im Westen entwickelt worden sein, aber die traditionelle Landwirtschaft in Südostasien ist schon seit langem von Ressourcenschonung und Biodiversität geprägt (Bopp, 2016, 73; UNCTAD, 2012, 2, 3).

In Kontrast dazu begannen die ASEAN-Länder beinahe einheitlich den Einsatz moderner Technologien und synthetischer Inputs im Rahmen ihrer Nahrungsmittelsicherheitsprogramme, was zunächst ihren Eintritt in den regionalen und globalen Wettbewerb erleichterte.. Im Laufe der Grünen Revolution und der stetigen Verbreitung von Agrochemikalien schwand in Südostasien zunehmend das Wissen über die traditionelle Landwirtschaft. Öffentliche Subventionen für Agrochemikalien sind heute fast selbstverständlich (Bopp, 2016, 97).

Viele alternative Landwirtschaftsbewegungen in Südostasien begannen mit den Bedürfnissen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. Der Verfall der Reispreise, extreme klimabezogene Ereignisse wie Taifune, Überschwemmungen oder Dürren ließen die bäuerlichen Haushalte verarmen. Bio-Landwirtschaft wurde als ein Gegenmittel eingeführt.

Sie bietet den Bauern und Bäuerinnen in ländlichen wie in städtischen Regionen eine Alternative zum bisherigen Lebensunterhalt und sie kann zu Milderung der Folgen des Klimawandels beitragen (Tadeo & Baladad, 7).

Neue Impulse in der  Bio-Szene in Thailand

In Thailand gibt es gemessen an der Größe des Landes zwar bereits viele Biobäuerinnen und Biobauern, aber sie sind untereinander schlecht organisiert und vernetzt. Vertragslandwirtschaft schafft unfaire Handelsbedingungen zwischen den Bäuerinnen und Bauern und den Unternehmen – was ebenfalls ein Grund ist, warum sich manche für die Bio-Landwirtschaft entscheiden (Bopp, 2016, 172).

Die Bio-Landwirtschaft ist eine Neuinterpretation der traditionellen Landwirtschaft, so wie sie von vielen Kleinbäuerinnen und –bauern in der Region praktiziert wurde. Gerade die Autonomieaspekte dieser Form der Landwirtschaft werden seit den 1980er Jahren wieder von vielen NRO und Aktivisten betont, die den Verfall der bäuerlicher Existenzen aufhalten möchten.

Die traditionelle Thai-Landwirtschaft ist kleinbäuerlich strukturiert und folgt vielen Grundsätzen des Bio-Anbaus, etwa die Verwendung eigener Inputs wie Mist als Düngemittel, Kompostierung, eigenes Saatgut und Wasserspeicherung. Die aktuelle Bio-Szene, die in hohem Maße urban ist, ist daher mehr eine Rückbesinnung als die Übernahme neuer Trends und sie spiegelt die Wurzeln in den Realitäten der ländlichen Bauern und Bäuerinnen wider.

In der Bio-Bewegung spielt Gesundheit die zentrale Rolle – sie wird getragen von persönlichen Erfahrungen mit Krankheit oder Krankheit im persönlichen Umfeld. Darüber hinaus „kommt ein Großteil der Nachfrage nach Bio-Produkten aus Bangkok, wo die Städter weder die Möglichkeit haben, ihre eigenen Nahrungsmittel anzubauen noch Kontrolle über die Herkunft ihres Essens haben“ (Bopp, 2016, 91, 92).

Die Bio-Bewegung zieht daher Städterinnen und Städter an, die in einer Megacity soweit wie möglich einen alternativen Lebensstil verwirklichen und einfach und umweltfreundlich mit Bio-Stadtgärten und sozialem Zusammenhalt leben wollen.

Die Motivation der Verbraucherinnen und Verbraucher ist meist persönlicher Natur, aber vermittelt auch Solidarität mit den Erzeugerinnen und Erzeugern. Somit sind die Ziele der Verbraucher/innen und der Erzeuger/innen miteinander verbunden und beide können profitieren, wenn die Bio-Bewegung gestärkt wird.

Traditionelle Landwirtschaft kontra Agroindustrie in Myanmar

Solange die Sicherheit synthetischer Düngemittel in der Landwirtschaft nicht gegeben ist, wird die Nachfrage nach Bio-Produkten aus Gesundheitserwägungen steigen – eine Nachfrage, die derzeit in erster Linie aus drei Gruppen kommt: der wohlhabenden Mittelschicht, den im Land ansässigen Expats und den Touristen (vgl. Nyun, 2016).

Ähnlich wie in anderen ASEAN-Regionen müssen die Bauern und Bäuerinnen in Myanmar mit geringer finanzieller Stabilität, Enteignung ihres Grund und Bodens  und Arbeitskräftemangel aufgrund von Abwanderung fertig werden. Diese Situation zwingt viele von ihnen, für den Markt anstatt für den Eigenbedarf anzubauen, auch wenn die Landwirtschaft in Myanmar noch stark kleinbäuerlich geprägt ist.

Aufgrund der politischen Verschlossenheit des Landes entwickelte sich die Bio-Branche nur allmählich. Aber 2009 wurde eine private Organisation (MOAG) gegründet, die die Bio-Landwirtschaft unterstützt und ihre Produkte zertifiziert. Im Jahr 2011 hatten sechs Biobauern- und bäuerinnen eine Zertifizierung erhalten (vgl. Greennet: Myanmar Organic Agriculture).

Die Förderung der Bio-Landwirtschaft ist jedoch ein Schlüsselziel in der jüngsten klimafreundlichen Landwirtschaftsstrategie Myanmars, die 2015 erstellt, aber deren Umsetzung noch nicht öffentlich eingeläutet wurde (vgl. Hom NH et al., 2015, 6).

Vielmehr scheint die sog. gute landwirtschaftliche Praxis (GAP) der FAO Priorität zu genießen, um die landwirtschaftliche Produktion auf den ASEAN-Markt vorzubereiten. Bio-Anbaumethoden benötigen dagegen mehr Zeit, um sich durchzusetzen (Htoo Thant (a), 2016), obwohl erklärt wurde, „das GAP-System wurde eingeführt als vorübergehende Maßnahme“ auf dem Weg zu einer komplett pestizidfreien Bioproduktion (Htoo Thant (c), 2017).

Da die Regierung in Myanmar die Bio-Landwirtschaft nur wenig unterstützt, sind es die NRO, die die Nachhaltigkeitsbestrebungen in der ländlichen Entwicklung vorantreiben: Die NRO Metta arbeitet landesweit mit Gemeinschaften zusammen, um die Selbstversorgung der von der Landwirtschaft Lebenden ebenso wie umweltfreundliche Methoden im Sinne eines gesunden Lebensstils zu fördern.

„Weit verbreitete Armut, bewaffnete Konflikte und humanitäre Krisen“ sollen überwunden werden (Metta Development Foundation, 2014, 4). Sogenannte Farmer Field Schools widmen sich den Themen Nahrungsmittelsicherheit und Management der natürlichen Ressourcen im Rahmen von biologischen Anbaumethoden, Erhalt von hochwertigem Saatgut und Bodenschutz.

Ziel ist die Förderung ökologischer Landwirtschaftspraktiken der lokalen Bäuerinnen und Bauern, die dem Erhalt der Bodenqualität dienen und einen gesunden Lebensstil unterstützen. Dabei sind die oben genannten Hindernisse häufig noch zu überwinden (Metta Development Foundation, 2014).

 Die Bedürfnisse der städtischen Gesellschaft in Singapur

Dicht besiedelt und hochgradig versiegelt bietet der Stadtstaat nur wenig landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Mit der Ausbreitung der Stadt geht immer mehr Anbaufläche verloren. Auch wenn ein Teil des Bedarfs, insbesondere Blattgemüse, tatsächlich in Singapur selbst angebaut wird, so werden doch 90 % des Bedarfs durch Importe gedeckt (vgl. Ling Ling, 2015).

Kürzlich wurden 200 überdachte Agrotechnologie-Parks als Ersatz für Anbaufläche errichtet. Hier wird entweder auf Boden oder in Hydrokultur Intensivlandwirtschaft betrieben. Dennoch soll auf jeden Fall Anbaufläche für die Landwirtschaft beibehalten werden.

Die Agri-Food & Veterinary Authority (AVA), ein Landwirtschaftsministerium gibt es in Singapur nicht, hat gerade Ausschreibungen für Bodenpacht veröffentlicht: „Die lokale Erzeugung, insbesondere von Schlüsselprodukten wie Gemüse, Fisch und Eiern, ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Nahrungsmittelsicherheit in Singapur“, allerdings sollen dabei „moderne Verfahren angewendet (werden), damit angesichts der begrenzten verfügbaren Fläche die Produktivität gesteigert wird“ (Agri-Food & Veterinary Authority Singapore 2017 (a) / (b)).

In der Stadt selbst werden derzeit Urban Gardening Initiativen gegründet, die die Stadtlandschaft verändern sollen. Sie sind kreative Alternativen zu den Agro-Parks, an denen sich auch einzelne Personen ohne großen Aufwand beteiligen können. Meist handelt es sich um private Initiativen, die aber mit Schulungen und Demo-Projekten der AVA unterstützt werden (vgl. Ling Ling, 2015).

Verschiedene Bio-Läden und Lieferdienste versorgen derzeit die gesundheitsbewussten Verbraucher in Singapur. Sie beziehen ihre Produkte sowohl aus dem Ausland als auch von den eigenen Höfen, die sie in den Nachbarländern bewirtschaften (The Best Singapore (b)). Die Produkte kommen aus Malaysia, Australien oder Thailand – so erhält eine Hühnerbäuerin in Südthailand regelmäßig Eierbestellungen aus Singapur, und ein Produzent in Nordthailand verkauft Obst und Gemüse in den Stadtstaat (vgl. Bopp, 2016, 130; 126/127).

Der lokale Bio-Anbau steckt noch in den Kinderschuhen, aber einige kleine Höfe an der Peripherie sind bereits auf Bio umgestiegen, liefern an Haushalte in der Stadt und veranstalten Führungen. Ein etablierter Bio-Hof erweitert sein Angebot durch importierte Waren, jedoch ohne Zertifizierung, da der Besitzer „nicht beabsichtigt, Gemüse außerhalb von Singapur zu verkaufen“ (GreenCircle Eco-Farm, 2016).

Das Konzept des Hofs – „Gemüse aus der Region von Bauern aus der Region für Verbraucher aus der Region” – hat „die Herzen der Menschen in Singapur erobert“ (The Best Singapore (a)).

Neue Strategien und die Zukunft der Bio-Landwirtschaft

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den ASEAN-Ländern auf Bio-Landwirtschaft umsteigen müssen und dass sie dabei von der steigenden Nachfrage gesundheitsbewusster Verbraucher profitieren können. Die verschiedenen Bewegungen wurzeln in ähnlichen Situationen und Bedürfnissen.

Zugang zu sicheren und gesunden Lebensmitteln sollte für alle Bürger gegeben sein, das heißt, Bio-Produkte sollten auch für die ärmeren Schichten erschwinglich sein.

Das ist ein Grund, warum die Selbstzertifizierung oder der vertrauensbasierte Handel mit Bio-Produkten in den ASEAN-Ländern so beliebt ist: Der für die Erzeuger/innen kostspielige Zertifizierungsprozess ist für die lokalen Märkte ungeeignet, da die Kosten auf die Preise umgeschlagen werden müssen. Daher entscheiden sich viele Bio-Kleinbauern und -bäuerinnen für die direkte Vermarktung, die Erzeuger/innen wie Verbraucher/innen faire Preise garantiert.

Die Bio-Landwirtschaft, ob zertifiziert oder vertrauensbasiert, scheint vielen Bauern und Bäuerinnen in den ASEAN-Ländern eine neue Existenzstrategie zu bieten. Da die Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln voraussichtlich steigen wird, und die sozioökonomischen und ökologischen Probleme kaum weniger werden, können die Bio-Bauern und -Bäuerinnen stabile Märkte erwarten, insbesondere wenn sie die Kommunikation mit engagierten Verbrauchergruppen suchen.

Die Reduzierung des chemischen Inputs wird auf längere Sicht gesundheitlichen Nutzen bringen und finanzielle Engpässe können überwunden werden.

Wird dem Bio-Anbau eine zentrale Rolle in der ASEAN-Landwirtschaft zuerkannt, kann die Bewegung Bauern bzw- Bäuerinnen und Verbrauchende stärken und sich mit den internationalen Bio-Bewegungen vernetzen. Gemeinsam mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft kann die ASEAN-weite Bio-Strategie auch Exportmöglichkeiten eröffnen.

Dabei sollten die Ziele der lokalen Bauern bzw. Bäuerinnen und Verbraucherinnen bzw. Verbraucher jedoch nicht durch Ambitionen auf dem Weltmarkt gefährdet werden. Angesichts der Gefahr, von großen internationalen Unternehmen abhängig zu werden, müssen Identität und Eigenständigkeit der Bio-Bauern und -Bäuerinnen gewahrt bleiben.

Aus dem Englischen übersetzt von Annette Bus.

LITERATUR

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