Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung

Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung

2. Auflage
Fleischatlas 2018 - Rezepte für eine bessere Tierhaltung
10. Jan. 2018
Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde Diplomatique
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: Januar 2018
Seitenanzahl: 50
Lizenz: CC-BY 4.0

Kein anderer Sektor trägt so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion. Die Folgen sind wissenschaftlich belegt und Land auf und ab diskutiert. Jetzt ist es höchste Zeit zu handeln: Sollen die Ziele der globalen Nachhaltigkeitsagenda 2030 und das Pariser Klimaabkommen erreicht werden, muss die Fleischproduktion grundlegend umgebaut werden.

Immer mehr Menschen in Deutschland sind dazu bereit - und wundern sich, dass die Politik so wenig tut. Denn ein Umbau der Tierhaltung ist keine Träumerei, sondern durchaus möglich:  Das zeigt der „Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung“, der die wichtigsten Instrumente und politischen Maßnahmen auf eine verständliche und visuell ansprechende Weise beschreibt. Für viele Auswirkungen der industriellen Tierhaltung liegen die Lösungen schon auf dem Tisch – es hapert jedoch am Willen der Politik, sie anzuwenden. Denn der Widerstand der globalen Fleischindustrie ist gewaltig.

Der Fleischatlas 2018 ist eine gemeinsame Veröffentlichung von BUND, der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique. Er ist der vierte Atlas der Fleischatlas-Serie und  präsentiert – anders als die vorherigen Atlanten - nicht nur die Probleme der Fleischindustrie und ihre Ursachen, sondern vor allem Chancen, Strategien und Instrumente für einen Wandel.  

 

Inhaltsverzeichnis:

ZWÖLF KURZE LEKTIONEN ÜBER FLEISCH UND DIE WELT
Infografik.
 

GRENZEN: ENDLICHKEIT DER LANDWIRTSCHAFT
Die wachsende Produktion von Fleisch und  Milch hat fatale Folgen. Sie kollidiert mit der Bekämpfung von Hunger und Armut. Und sie erschwert Klima- und Artenschutz.
 

INSTRUMENTE: MARKETING FÜR GUTE ERNÄHRUNG
Um weniger Fleisch zu essen, brauchen die Konsumentinnen und Konsumenten Anreize und Unterstützung – auch eine Aufgabe der Kantine von morgen.
 

LABEL: SUCHE NACH DER HALTUNGSNOTE
Viele wollen wissen, unter welchen Umständen das Tier gelebt hat, dessen Fleisch sie kaufen. Aber noch fehlt eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. 
 

FISKUS: REGULIEREN DURCH KASSIEREN
Fleisch und Wurst zu produzieren belastet Umwelt und Klima. Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten dieser Produkte? Welche Anreize könnten die Schäden verringern? Abgaben, Steuern, Zölle – der ideale Weg ist noch nicht gefunden. 


SCHLACHTABSCHNITTE: VON KOPF BIS SCHWANZ
Wer möglichst viele Teile eines Tieres in Speisen verwandeln will, ist in Hofschlachtereien richtig – und bei Spitzenköchinnen und -köchen. Sie sagen: Wer Innereien, Knochen und Knorpel verachtet, wird auch Fleisch nicht schätzen.


FLÄCHENBINDUNG: GRENZEN FÜR NUTZTIERE
Ein Konzept gegen die Übernutzung der Natur, die „flächengebundene Tierhaltung“, legt für eine bestimmte Fläche fest, wie viele Tiere pro Hektar sie höchstens verträgt.


KOMBIHALTUNG: MEHR ALS EIN EINKOMMEN
Bäuerliche Betriebe experimentieren fantasievoll mit neuen Formen der Nutzung: Tiere weiden auf Obstwiesen, in Wäldern und zwischen technischen Anlagen. 


TIERWOHL: SCHMERZ UND LEID IM STALL
Es gibt viele Ideen, was zu einer „tierwohlgerechten“ Haltung nötig ist. Sie kann Erkrankungen und Verletzungen im Stall vermeiden und die Gesundheit der Herden verbessern.


NITRATE: WAS NICHT GEBRAUCHT WIRD,  KOMMT INS GRUNDWASSER
Mit zahlreichen Ideen wollen EU-Länder die Stickstoffbelastung ihrer Böden senken. Ein Weg dorthin führt über die stete Kontrolle der Tierhalterinnen und Tierhalter.


LANDNUTZUNG: DAS FLEISCH UND SEINE FLÄCHEN
Der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln  führt zu einer Expansion des Agrarlandes. Das wäre unötig, wenn der Verzehr von Fleisch sinken würde – und damit der Tierbestand.


ZUCHT GESUCHT: ZWEINUTZUNGSTIERE
Männliche Geschwister von Hochleistungs Legehennen werden umgehend getötet, die der Milchkühe oft vernachlässigt. Die ökologische Tierzucht will das ändern und beide Geschlechter nutzen.


ANTIBIOTIKA: WENN DAS VIEH DIE GESUNDHEIT  DER MENSCHEN BEDROHT
Bakterien, die durch die Tierhaltung gegen Antibiotika resistent wurden, bedrohen Millionen Menschen. Vielerlei Maßnahmen können dazu beitragen, die Gefahr zu verringern.


VERMARKTUNG: ALTE RASSEN UND NEUE TECHNIK
Für kleinere Hersteller von Biofleisch  gibt es viele neue Möglichkeiten, ihre Produkte abzusetzen. Zu den  Hofläden kommen Webshops und Onlineplattformen. Die Produkte müssen interessant, transparent und am besten aus der Nähe sein.


EINZELHANDEL: TIERHALTUNG – EIN THEMA  FÜR DEN SUPERMARKT
Mit Information, Preissetzung und Einkaufspolitik können die großen Filialhändler für artgerechtere Haltung bei ihren Lieferanten sorgen. Aber oft dienen die Schritte eher der eigenen Profilierung.


EU-AGRARPOLITIK: IDEEN FÜR DAS GELD AUS BRÜSSEL
Auch mit den derzeitigen EU-Mitteln könnte der Umbau der Tierhaltung beginnen: bessere Ställe, eine andere Haltung und schonende Nutzung der Acker- und Grünflächen – die Gelder sind da.


KLIMA: VIEL WENIGER EMISSIONEN NUR MIT VIEL WENIGER TIEREN
Die Klimapolitik kann zu einer besseren Tierhaltung in Deutschland beitragen. Umgekehrt kann die Landwirtschaft auch den Klimaschutz fördern.


GENTECHNIK: DNA-SCHEREN AN DER ARBEIT
Rund um die Welt arbeiten Firmen daran, das Erbmaterial von Nutztieren zu verändern. Oft machen ihnen Risiken und Wechsel wirkungen einen Strich durch die Rechnung.


INSEKTEN: ALTE UND NEUE NÜTZLINGE 
Mit Eifer propagiert, aus Ekel verweigert – wo Insekten nicht traditionell verzehrt werden, verbreiten sie sich als neues Nahrungsmittel für Mensch und Tier nur langsam. Dabei sind die ökologischen Vorteile enorm.


LABORFLEISCH: BIOLOGEN ZEIGEN IHRE MUSKELN
Mit In-vitro-Fleisch wollen Biotechnologen das Bedürfnis der Welt nach immer mehr tierischem Protein stillen. Während die Kosten sinken, steigen die Kenntnisse über den Aufwand und die Risiken der Produktion.

9 Kommentare

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Volkmar Wissenberg

Erbitte um den Fleischatlas 2018 per E Mail

Vielen Dank

Petra Rogge

Das unglaubliche Leid der Tiere scheint kaum eine Erwähnung wert zu sein. Am Ende ist tot doch tot, in der Regel grausam im Schlachthof. Jedes Tier ist ein fühlendes Wesen und es ist nicht seine Bestimmung, für die Gaumenlust des Menschen getötet zu werden.

Daniel Brenner

Liebes Autor*innen-Team,
vorab vielen Dank für den neuen Fleischatlas. Gleich zum ersten Artikel "Endlichkeit der Landwirtschaft" habe ich jedoch eine Nachfrage bezüglich der Angaben der Nutzung globaler Agrarflächen. Im Text steht, 77 % der globalen Landwirtschaftsfläche seien für die Tierproduktion verbraucht, zwei drittel davon Weideflächen und das andere Drittel Ackerland. Letzteres wären etwa 25% der weltweiten Agrarflächen. Auch die nicht für die Tierproduktion genutzten Agrarflächen machen dann etwa 25% der Gesammtfläche aus. Demnach müssten die Hälfte aller Äcker für die Tierproduktion genutzt werden, also besonders für Soja und Mais. In der Abblidung auf Seite 11 machen Soja und Mais aber nur 20 % der weltweiten Äcker aus und nicht 50 %, wie es sich aus dem Text ergeben würde. Wie kommt dieser Unterschied zustande? Oder: Wo liegt mein Denkfehler?
Viele Grüße
Daniel Brenner

Sabine Weist

Ich bewundere und verehre in Demut und Dankbarkeit Bauern, Land - Wirte, die uns versorgen mit lebendigen, bunten, notwendigen, Vitamin- und Mineralstoffreichen Lebens - Mitteln, das durch eigene harte Arbeit,
und eben nicht auf dem Rücken unschuldiger fühlender Lebewesen, die eingesperrt, künstlich vermehrt, gequält und getötet werden.
Tierische Produkte sind nachweislich überflüssig, langfristig schädlich, ethisch nicht vertretbar.
"Tierwohl" ein unsinniger Nebenschauplatz
Entweder man betrachtet Tiere als gefühllose Fell-, Feder- Schuppen-Beutel, - was niemand glaubt, - dann ist es auch egal ob sie in Massen zusammengepfercht werden oder frei laufen, oder wie sie getötet werden.
Oder aber man sieht Tiere als fühlende individuelle Lebewesen, und zwar alle, nicht nur Hund und Katz, - was jeder weiß, - dann ist jede Haltungs-, Ausbeutungs-, Tötungsform, das künstliche auf die Welt bringen, um all dies zu tun, allesamt noch Babies und Kinder, strikt ausgeschlossen.
Es kann schlicht nicht angehen, daß diese unschuldigen fühlenden Lebewesen zwar eine gute Behandlung verdienen sollen,
nicht aber ihr Leben.

Lisa Müller

Wie viel Prozent der Fleischproduktion entfallen auf die Herstellung von Tiernahrung bzw. Hunde- und Katzennahrung?
Und wieviel Tonnen Fleisch verfüttert ein Zirkus oder ein Zoo im Jahr?
Sind diese Mengen im Fleischatlas enthalten?

Sandra Drees

Hallo, Heinrich Böll Stiftung,
vielen Dank für den Fleischatlas 2018. Er ist so wichtig!!!
Ich würde mir wünschen, dass in den Texten zusätzlich zu „Fleisch“ auch immer wieder „Wurst“ steht. Mein Eindruck ist, dass die meisten Menschen immer wieder betonen „ach, ich esse gar nicht viel Fleisch“, beißen in ihr Salamibrötchen und holen sich die Currywurst. Ich glaube, da gibt es noch eine große Wahrnehmungsdiskrepanz.
Ich finde die Grafiken oft sehr schwer zu verstehen. Ich muss mich lange einsehen, um die Hauptaussagen herauszulesen. Das ist schade.

Ein für mich extremes Hauptargument in Bezug auf Achtung der Lebewesen fehlt mir. Nur wenigen ist bewusst, dass alle Tiere in der Massentierhaltung nicht annähernd ihr eigentliches Lebensalter erreichen. Und auch Bio ist hier nicht besser (Masthuhn 6 Wochen/12 Wochen, Schwein 6 Monate/1 Jahr) Diese Zahlen finde ich dramatisch! Wir essen Tierjugendliche. Tiere sind Produktionsgüter.
Gut finde ich die zahlreichen Lösungsvorschläge im aktuellen Atlas. Manchmal geht es mir nicht weit genug. Vor dem Hintergrund der rasanten KI-Entwicklung frage ich mich, wie werden Künstliche Intelligenzen wohl mit uns umgehen, wenn wir Menschen auch nur noch Ressourcen für sie sind. Wir Menschen sollten es eigentlich besser machen.

Danke für Ihre Recherchen und Publikationen!
Mit freundlichen Grüßen
Sandra Drees

Regina H

Ich bin sehr gespannt und habe viel gutes gehoert. Lieben Dank!

Holger S

In einem Artikel der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zur Halbierung des Fleischkonsums, wie im Fleischatlas empfohlen, wird der Effekt auf ca. 1% Einsparung von CO2 berechnet (Die Berechnung für diesen Zweck mal nicht diskutiert). Es werden andere Möglichkeiten der Minderung von CO2-Freisetzung aufgezeigt, sicher nicht falsch.
Rechne ich allerdings die durch eine – in eben diesem Artikel propagierte – Klimaschutzberatung der Landwirtschaftskammer mögliche Einsparung von 50 t CO2 pro landwirtschaftlichem Betrieb auf alle Betriebe in Deutschland um, kommt da auch nur ein Einspareffekt von ca. 1 % heraus.
Da der Artikel der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mittlerweile so weitläufig gestreut wird, möchte ich zumindest darauf hinweisen, dass die Anregung der Reduzierung des Fleischkonsums und die Klimaschutzberatung der LWK – was die Möglichkeiten der Einsparung von CO2 betrifft – gleichberechtigt nebeneinanderstehen.
Die Haltungsbedingungen der Tiere mal außen vorgelassen.

Sascha Strauch

Ich habe gerade auch die Stellungnahme der LWK Niedersachsen gelesen:
http://m.lwk-niedersachsen.de/?m=news&article=31867
Wie erklärt sich die Meinung der LWK,dass der Beitrag zur Reduzierung der Emissionen durch die Halbierung des Fleischkonsums sehr gering ausfallen würde?