COP31: Overshoot, finanzielle Ungerechtigkeit und eine Zukunft ohne Fossile

Lesedauer: 24 Minuten
Analyse

Die sich verschärfenden Folgen der Klimakrise – darunter der verheerende Gletschereinsturz in Nepal und Tibet Ende August – sowie das nahende Überschreiten des 1,5°C-Limits werden die Klimaverhandlungen in Antalya prägen.

The COP31 logo in Antalya, Türkiye, featuring a red tulip and a stylized face. Blurred green leaves in the foreground.

Inhalt
„Overshoot“ des 1,5°C-Limits: Ausstieg aus den Fossilen statt spekulativer Technologien
Geteilte COP31-Präsidentschaft: Türkei und Australien
Elektrifizierung: Ein gerechtes, auf erneuerbaren Energien basierendes 35x35-Ziel
Die Klimafinanzierung steht weiterhin im Mittelpunkt der Debatte
„Global Goal on Adaptation“ (GGA) muss die Finanzierungslücke bei der Anpassung angehen
Gerechter Übergang und Emissionsminderungen
Verluste und Schäden: Erneuter Fokus nach dem Gletschereinsturz im Himalaya?
Kohlenstoffmärkte und 1.5°C-Overshoot: Die Risiken von Artikel 6
Backlash gegen Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte
Innenpolitik in der Türkei im Vorfeld der COP31

Im Mittelpunkt der COP31 steht der wachsende Widerspruch zwischen der eskalierenden Klimakrise und dem politischen Versagen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das 1,5°C-Temperaturlimit in Reichweite zu halten – dazu gehört in erster Linie ein sofortiger und gerechter Ausstieg aus den Fossilen, anstatt sich auf spekulative Technologien in der Zukunft zu verlassen. Die Ungerechtigkeiten im Kontext der internationalen Klimafinanzierung – darunter die mangelhafte Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen und für Verluste und Schäden – sowie die anhaltende Verschuldung des Globalen Südens legen die strukturellen Ungerechtigkeiten offen, die den internationalen Klimaschutz untergraben. Unterdessen birgt der Ausbau der Kohlenstoffmärkte die Gefahr, dass falsche Lösungen zementiert und das fossile Zeitalter verlängert werden.

Dennoch bietet die COP31 auch Chancen: Eine wirklich gerechte Elektrifizierungsagenda, die ausschließlich auf erneuerbaren Energien basiert und durch öffentliche Klimafinanzierung gestützt wird, könnte die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern, den Zugang zu bezahlbarer Energie ermöglichen und sicherstellen, dass alle von der Energiewende profitieren. Die vollständige Umsetzung des Belém-Antalya-Mechanismus könnte ebenfalls die internationale Zusammenarbeit stärken und die technische Hilfe, den Wissensaustausch und die Unterstützung bieten, die erforderlich sind, um inklusive und gerechte Übergänge hin zu einer fossil-freien Zukunft voranzutreiben. Ob diese Chancen eingelöst werden, hängt wie immer davon ab, ob tief verwurzelte Ungleichheiten und die Interessen der fossilen Industrie bekämpft werden, oder ob zugelassen wird, dass falsche Lösungen, unzureichende Finanzmittel und politischer Widerstand einen inklusiven und gerechten Wandel untergraben.

„Overshoot“ des 1,5°C-Limits: Ausstieg aus den Fossilen statt spekulativer Technologien

Das nahende Überschreiten des 1,5°C-Limits und dessen weitreichenden Folgen werden die COP31 stark beeinflussen – und möglicherweise auch Eingang finden in eine Mantelentscheidung (cover decision) der COP31. Die Debatte um das drohende Überschreiten der in Paris vereinbarten 1,5°C-Grenze – ein sogenannter „temperature overshoot“ – wurde zuletzt stark vom UNEP-Bericht „Limiting Overshoot“ geprägt, der Anfang September 2026 veröffentlicht wurde. Darin wird ein Pfad von „overshoot, peak and decline“ als beste verbleibende Option zur Bewältigung der Klimakrise etabliert – also ein Überschreiten des 1,5°C-Limits und eine Rückkehr zu 1,5°C zum Ende des Jahrhunderts. Der Bericht stellt unmissverständlich klar, dass auch dies keineswegs ein harmloses Szenario ist – ein Überschreiten von 1,5°C bedeutet enorme Schäden für Gesellschaft, Ökosysteme und Wirtschaft, und einige dieser Auswirkungen werden auf menschlicher Zeitskala irreversibel sein.

Der springende Punkt bei dieser Gleichung ist jedoch, dass der „return“ – also das Zurückkehren zu 1,5°C zum Ende des Jahrhunderts – voraussetzt, dass sehr große Mengen an CO₂ aus der Atmosphäre entfernt und dauerhaft gespeichert werden. Eine Senkung der Temperatur um lediglich 0,1°C erfordert bereits die Entfernung von rund 200 Gigatonnen CO₂ aus der Atmosphäre – was den gesamten jährlichen Emissionen der Welt über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren entspricht. Die Technologien für eine derart groß angelegten CO₂-Entfernung (CDR) existieren aktuell nicht in nennenswertem Umfang; und es ist schlicht ungewiss, ob es jemals möglich sein wird, CO₂ im Gigatonnen-Maßstab effektiv aus der Atmosphäre zu entfernen.

Es ist schlicht ungewiss, ob es jemals möglich sein wird, CO₂ im Gigatonnen-Maßstab effektiv aus der Atmosphäre zu entfernen.

Alle vorgeschlagenen großtechnologischen CDR-Technologien würden – sofern sie in klimarelevantem Umfang umgesetzt würden – neben erheblichen Zweifeln an ihrer Machbarkeit und Wirksamkeit auch schwerwiegende negative Auswirkungen für Menschen und Gesellschaften, Ökosysteme, Land- und Wasserverfügbarkeit, Ernährungssicherheit usw. mit sich bringen. Großindustriell angelegte CDR-Maßnahmen würden wahrscheinlich andere globale ökologische Krisen, wie den Verlust von Ökosystemen und der Artenvielfalt, noch verschärfen. Die Folgen solcher Technologien würden erneut diejenigen treffen, die bereits am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, während es die fossile Industrie noch Jahrzehnte lang am Leben halten könnte.

Für viele Gesellschaften und Ökosysteme ist 1,5°C eine existenzielle Grenze. Welche Konsequenzen müssen wir also daraus ziehen, dass wir uns dem 1,5°C-Limit nähern? Einerseits muss es bedeuten, die Unterstützung für Anpassungsmaßnahmen zu verstärken sowie Entschädigungen für Verluste und Schäden sowie Klimareparationen zu leisten. Es muss aber auch bedeuten, die bekannten und erprobten Lösungen für die Klimakrise viel schneller voranzutreiben – den sofortigen Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen (Öl, Gas und Kohle) auf gerechte, faire und finanziell abgesicherte Weise und in allen Sektoren, und zwar zuerst in den industrialisierten und wohlhabenden Ländern, die Fossile produzieren und importieren. Es braucht außerdem den Umstieg auf erneuerbare Energien, Agrarökologie und Kreislaufwirtschaft sowie den Schutz und die rechtsbasierte Wiederherstellung unserer globalen Ökosysteme (aktuell der einzig erprobte und funktionierende Weg, CO₂ aus der Atmosphäre wieder zu binden).

Der von Kolumbien und den Niederlanden im April 2026 mit der Konferenz von Santa Marta angestoßene Prozess, den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen (TAFF) voranzubringen, ist somit ein Hoffnungsschimmer. Die zweite Internationale Konferenz zum gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen wird von Tuvalu und Irland ausgerichtet und findet im Juli 2027 im Pazifik statt. Nach langanhaltender Blockade zum Thema Fossile in der UNFCCC schafft dieser Prozess einen Raum, um einen gerechten Ausstieg aus den Fossilen im Einklang mit der internationalen Verpflichtung zur Begrenzung der Klimakrise auf 1,5°C zu voranzutreiben. Dabei ist zentral, dass der Prozess auch darauf abzielt, einige der strukturellen Hindernisse und Herausforderungen anzugehen, mit denen der Globale Süden beim Ausstieg aus den Fossilen konfrontiert ist: übermäßige Schuldenlasten, hohe Kapitalkosten, begrenzter fiskalischer Spielraum und technologische Barrieren.

Der mit der Konferenz von Santa Marta angestoßene Prozess, den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen (TAFF) voranzubringen, ist somit ein Hoffnungsschimmer.

Die COP31 folgt zudem auf einen weiteren gescheiterten Versuch Mitte Oktober, eine Einigung über den Zeitplan für den 7. Sachstandsbericht (AR7) des IPCC zu erzielen – eine anhaltende Verhandlungsblockade, die einen weiteren Schatten auf die COP31 werfen wird, inklusive auf die Diskussion zur zweiten Globalen Bestandsaufnahme (Global Stocktake, GST) im Jahr 2028 und dessen Vorbereitung. Unabhängig davon, auf welchen endgültigen Zeitplan für die Veröffentlichung sich die Regierungen im IPCC letztendlich einigen werden (hoffentlich bei der Wiederaufnahme der unterbrochenen Sitzung in naher Zukunft), ist es entscheidend, dass die IPCC-Szenarien Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt stellen, sich nicht länger auf aktuell spekulative und unbewährte Technologien wie Carbon Capture (Use) Storage (CC(U)S) und Carbon Dioxide Removal (CDR) verlassen, sondern stattdessen aufzeigen, wie ein beschleunigter globaler Ausstieg aus den Fossilen dazu beitragen kann, das 1,5°C-Limit in Reichweite zu halten.

Geteilte COP31-Präsidentschaft: Türkei und Australien

Zum ersten Mal gibt es bei der COP31 eine geteilte Präsidentschaft, die sich auf die Türkei als offiziellen und logistischen Gastgeber sowie Australien als Verhandlungsleitung aufteilt. Diese Regelung wurde nach einer langen Pattsituation im Wettbewerb zwischen den beiden Ländern um die COP-Präsidentschaft vereinbart.

Die Aktionsagenda der türkisch-australischen Präsidentschaft konzentriert sich auf eine Reihe von Prioritäten, darunter Elektrifizierung, Null-Abfall, klimaresiliente Städte und Ozeane. Dabei wird gleichzeitig versucht, Debatten über den fossilen Ausstieg in den Hintergrund zu drängen – was die Gefahr birgt, dass nicht nur die Elektrifizierungsagenda zu einem Trojanischen Pferd wird, das die Fossilen am Leben erhält.

Gemäß dem bilateralen Abkommen zwischen der Türkei und Australien sollen im Falle von Meinungsverschiedenheiten „Konsultationen stattfinden, bis die Differenzen zur beiderseitigen Zufriedenheit beigelegt sind“. Inwieweit dies die Verhandlungsdynamik in der Praxis erschwert, bleibt abzuwarten. Um die tiefgreifenden Herausforderungen, denen sich die pazifischen Inselstaaten in Australiens Nachbarschaft gegenübersehen, im Mittelpunkt zu halten, fand die Pre-COP in Fidschi, Tuvalu und Palau statt.

Ob die diesjährige Regelung der geteilten Präsidentschaft einen Präzedenzfall für künftige COPs darstellt, ist ebenfalls offen. Die COP32 soll jedoch in Addis Abeba unter der alleinigen Präsidentschaft Äthiopiens stattfinden.

Ein Vermächtnis der letztjährigen Präsidentschaft (COP30-Präsident André Corrêa do Lago) sind zwei von der Präsidentschaft initiierte Roadmaps, die zum Ende der COP30 in Belém angekündigt wurden und über deren Fortschritte auf der COP31 Bericht erstattet werden muss: eine zum Ausstieg aus den Fossilen („Transitioning away from fossil fuels in a just, orderly, and equitable manner“, TAFF-Roadmap) und eine weitere zum Thema Entwaldung („Eindämmung und Umkehrung der Entwaldung und Waldschädigung bis 2030“). Für beide Roadmaps wurden Beiträge und Eingaben von Regierungen und nichtstaatlichen Akteuren eingeholt. Die TAFF-Roadmap stützt sich zudem auf die Ergebnisse der TAFF-Konferenz in Santa Marta, und die Roadmap zur Entwaldung wird von der von Brasilien geleiteten Initiative für eine „Tropical Forest Forever Facility“ (TFFF) begleitet (für eine kritische Einordnung siehe hier).

Elektrifizierung: Ein gerechtes, auf erneuerbaren Energien basierendes 35x35-Ziel 

Die türkisch-australische Präsidentschaft schlägt als zentrales Element der COP31 – möglicherweise als Teil einer erwarteten Mantelentscheidung (cover decision) – ein globales Ziel von 35 % Elektrifizierung des Endenergiebedarfs bis 2035 vor. Durch Initiativen wie das „COP31 35 by 35 Global Electrification Pledge“ und die Electrify Now-Kampagne gewinnt die Elektrifizierungsagenda zunehmend an politischer Dynamik. Die Zivilgesellschaft hat die Fokussierung auf die Elektrifizierung weitgehend begrüßt, da eine auf erneuerbaren Energien basierende Elektrifizierung ein wirkungsvolles Instrument sein kann, um sowohl die Klimakrise als auch die fossile Energiekrise zu bewältigen, die weltweit zu Preisschocks und Versorgungsengpässen geführt hat. 

Zentral dabei sind die Kriterien, auf die die Zivilgesellschaft hingewiesen hat, die sicherstellen sollen, dass die Elektrifizierung dem Ziel der Klimagerechtigkeit dient: Die Elektrifizierung muss auf erneuerbaren Energien basieren, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern und Menschen ohne Zugang zu Energie versorgen, ohne die durch den Rohstoffabbau frühere und gegenwärtige negative Auswirkungen von extraktiven Industrien zu wiederholen.

Zentral dabei sind die Kriterien, die sicherstellen sollen, dass die Elektrifizierung dem Ziel der Klimagerechtigkeit dient.

Ein offener Brief, der von mehr als 90 zivilgesellschaftlichen Netzwerken und Organisationen unterzeichnet wurde, argumentiert, dass Elektrifizierungsziele ausschließlich auf erneuerbaren Energien basieren und sowohl fossile als auch nukleare Energie ausschließen müssen; zudem müssen sie mit den Verpflichtungen in Einklang gebracht werden, die im Rahmen der ersten globalen Bestandsaufnahme (Global Stocktake, GST) vereinbart wurden: die Nutzung erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen, die Energieeffizienz zu verdoppeln und den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen in den Energiesystemen voranzutreiben. Insbesondere in Ländern mit hohem Einkommen sollten Energieeffizienz und Suffizienz priorisiert werden, beispielsweise durch eine Umstellung auf kollektiven öffentlichen Nahverkehr anstelle von privaten Elektrofahrzeugen. Und: Menschen sollten Vorrang vor Rechenzentren haben.

Weltweit haben 655 Millionen Menschen keinen Zugang zu Strom, und viele weitere verfügen nach wie vor nicht über eine zuverlässige oder bezahlbare Energieversorgung. Die Elektrifizierung muss auch dazu dienen, die Lücke beim Zugang zu Energie zu schließen, indem dezentrale und gemeinschaftsbasierte erneuerbare Energien gefördert werden, darunter netzunabhängige Solaranlagen und Mininetze, um bisher nicht versorgte Gemeinden schneller und kostengünstiger zu erreichen, als wenn man auf den Ausbau des Stromnetzes warten würde, und um die Bezahlbarkeit sicherzustellen. Die Elektrifizierung muss auf gerechte, faire und rechtsbasierte Weise umgesetzt und durch öffentliche Klimafinanzierung sowie Umsetzungsmaßnahmen gestützt werden.

Schließlich dürfen die Rohstoffe für die Energiewende keine neue technologische Abhängigkeit schaffen oder die negativen Auswirkungen der fossilen Extraktion und der bestehenden Bergbauindustrie reproduzieren: Die Energiewende muss Rechte und Sorgfaltspflichten achten, einschließlich der Rechte indigener Völker und der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC) sowie der Rechte betroffener Gemeinschaften und Arbeitnehmer*innen. Auf ökologischer Ebene muss sie Ökosysteme, Wasser und die biologische Vielfalt schützen und den Tiefseebergbau ausschließen. Insgesamt muss der Primärbedarf an mineralischen und metallischen Rohstoffen durch Suffizienz, Effizienz, Wiederverwendung, Recycling und kreislauffähiges Design reduziert werden. Die Unterzeichnenden des offenen Briefs fordern zudem die multilaterale Umsetzung der Grundsätze des Gremiums des UN-Generalsekretärs zu Critical Energy Transition Minerals.

Die Klimafinanzierung steht weiterhin im Mittelpunkt der Debatte

In Zeiten drastisch sinkender öffentlicher Entwicklungshilfe und rekordhoher Militärausgaben der Industrieländer wird der Schwerpunkt in Antalya weiterhin auf der Klimafinanzierung liegen, die als übergreifender Faktor den Fortschritt in anderen Verhandlungssträngen ermöglicht, beispielsweise beim Globalen Ziel zur Anpassung (GGA), bei der Operationalisierung des Belém-Antalya-Mechanismus (BAM) im Rahmen des Arbeitsprogramms für einen gerechten Übergang oder bei der Vorbereitung der zweiten globalen Bestandsaufnahme (siehe hierzu unsere ausführlichere technische Analyse zu Fragen der Klimafinanzierung auf der COP31).

Zwar befindet sich das auf der COP29 vereinbarte neue kollektive quantifizierte Ziel zur Klimafinanzierung (NCQG), das die Zusage beinhaltet, bis 2035 jährlich 300 Milliarden US-Dollar an Entwicklungsländer bereitzustellen, nun technisch gesehen in der Umsetzungsphase, doch gibt es nach wie vor weder Klarheit über einen schrittweisen Aktionsplan zur Aufstockung der Klimafinanzierung, noch darüber, in welchem Verhältnis öffentliche zu privaten Finanzmitteln stehen sollen und wie die Mittel für Klimaschutz, Anpassung sowie zur Bewältigung von Verlusten und Schäden verteilt werden sollen. Ein noch ehrgeizigeres Vorhaben, die in Belém vorgestellte „Baku-Belém-Roadmap für 1,3 Billionen“, die auf massive Mobilisierung des Privatsektors und steigende Einnahmen aus dem Emissionshandel setzt, wird von der scheidenden brasilianischen COP30-Präsidentschaft vorangetrieben, die in Antalya über die Fortschritte bei der Umsetzung berichten wird. Die Zukunft der Roadmap ist jedoch ungewiss angesichts des Wettbewerbs um Kapital und der steigenden Kapitalkosten für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern.

In Antalya könnte es zu einer Wiederholung des Tagesordnungskampfs aus Belém zum Thema Klimafinanzierung kommen.

Die meisten Kontroversen in Antalya werden sich wahrscheinlich um das auf der COP30 verabschiedete zweijährige Arbeitsprogramm zur Klimafinanzierung (CFWP) drehen. Dies war der unzureichende Trostpreis für Entwicklungsländer, die mit dem NCQG und dessen Unklarheit darüber, wer den Löwenanteil zum Ziel beitragen wird, unzufrieden waren. Zwar fanden bereits im Juni in Bonn einige Diskussionen statt, doch wollen die Länder des Globalen Südens das Thema als separaten Tagesordnungspunkt neu aufgreifen, um die Arbeit des Programms ausschließlich auf die Verpflichtung der Industrieländer zur Bereitstellung öffentlicher Klimafinanzierung für Entwicklungsländer zu konzentrieren – was von den Industrieländern abgelehnt wird. Diese Verpflichtung ist im Artikel 9.1. des Pariser Abkommens verankert. Da dieser Punkt von der scheidenden brasilianischen Präsidentschaft auf die vorläufige Tagesordnung der COP31 gesetzt wurde, könnte es in Antalya durchaus zu einer Wiederholung des Tagesordnungskampfs aus Belém zu diesem Thema kommen, was den Beginn der Verhandlungen verzögern könnte.

Der Fokus auf die Rolle der öffentlichen Klimafinanzierung richtet sich über die Quantität hinaus auch auf die Qualität der Klimafinanzierung in Zeiten sinkender Finanzmittel – Zuschüsse statt Kredite, die die ohnehin schon untragbare Schuldenlast in Entwicklungsländern noch verschärfen würden, einen einfacheren und direkteren Zugang zu Mitteln, auch für lokale Gemeinschaften, sowie die Einbeziehung von Menschenrechten und Geschlechtergleichstellung in die Verteilung der Klimafinanzierungsströme. Diese Diskussion gewinnt angesichts der Schwierigkeiten, mit denen multilaterale Klimafonds im Rahmen der UNFCCC bei der Sicherung ihrer regelmäßigen Mittelauffüllung konfrontiert sind, noch mehr an Bedeutung – darunter die enttäuschenden Ergebnisse für den Anpassungsfonds und die Globale Umweltfazilität (GEF) im Jahr 2026 sowie Bedenken hinsichtlich der bevorstehenden Mobilisierungsbemühungen des Grünen Klimafonds (GCF) und des Fund for responding to Loss and Damage (FRLD).

In Antalya werden im Rahmen des Veredas-Dialogs auch Diskussionen darüber stattfinden, wie alle Finanzströme gemäß Artikel 2.1.c des Pariser Abkommens mit einer emissionsarmen und klimaresilienten Entwicklung in Einklang gebracht werden können. Die Entwicklungsländer haben sich erfolgreich für Schutzmaßnahmen eingesetzt, um sicherzustellen, dass Empfehlungen – beispielsweise zu grünen Taxonomien oder zu innerstaatlichen Mobilisierungsbemühungen – nicht präskriptiv sind und die nationalen Gegebenheiten berücksichtigen. Im Mittelpunkt der ersten Gespräche standen „praktische Lösungen“, unter anderem bei einem hochrangigen Rundtischgespräch, bei dem während der jüngsten Jahrestagungen des IWF und der Weltbank Klimaverhandler*innen mit Finanzminister*innen, Zentralbanken und Regulierungsbehörden zusammenkamen; dabei ging es beispielsweise um Schulden-für-Klima-Swaps oder Garantieinstrumente, um den Entwicklungsländern etwas Luft zu verschaffen. Um jedoch wirklich sinnvoll zu sein, muss der Dialog über vorübergehende Lösungen hinausgehen und einige der strukturellen Ungleichheiten und Ungleichgewichte im globalen Finanzsystem angehen, die den Zugang zu Kapital für Entwicklungsländer erschweren und verteuern.

„Global Goal on Adaptation“ (GGA) muss die Finanzierungslücke bei der Anpassung angehenl

Die Anpassung an den Klimawandel und insbesondere die Bewältigung der Finanzierungslücke bei der Anpassung, die einigen Schätzungen zufolge jährlich rund 387 Milliarden US-Dollar beträgt, bleibt in Antalya eine Priorität und wird wahrscheinlich auch im Mittelpunkt der afrikanischen COP32 in Addis Abeba stehen. Die COP30 brachte das Globale Anpassungsziel (GGA) mit der Einigung auf eine Reihe von 59 Belém-Anpassungsindikatoren (BAI) voran. Die technischen Verhandlungen in Bonn scheiterten jedoch, nachdem die Industrieländer sich weigerten, bei der Umsetzung des GGA einen klaren Zusammenhang mit der Bereitstellung von Finanzmitteln herzustellen. 

Dies ist ein weiterer Schlag ins Gesicht, da die klimagefährdetsten Entwicklungsländer bereits hoch verschuldet sind.

Die Länder des Globalen Südens fordern einen klaren Verweis auf das Belém-Versprechen, die Anpassungsfinanzierung bis 2035 gegenüber 2025 auf rund 120 Milliarden US-Dollar zu verdreifachen. Dies baut auf dem alten Ziel der COP26 in Glasgow auf, die Anpassungsfinanzierung bis 2025 gegenüber dem Niveau von 2019 zu verdoppeln – ein Ziel, das wahrscheinlich verfehlt wird. Nach Angaben der OECD wurden im Jahr 2024 lediglich 31,7 Milliarden US-Dollar für Anpassungsmaßnahmen bereitgestellt, der größte Teil davon in Form von Darlehen, viele davon sogar zu Marktzinsen. Dies ist ein weiterer Schlag ins Gesicht, da die klimagefährdetsten Entwicklungsländer bereits hoch verschuldet sind und jährlich mehr für den Schuldendienst ausgeben als für Bildung oder Gesundheit – und somit den finanziellen Spielraum für Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen, insbesondere zur Stärkung der Resilienz, vermissen lassen.

Gerechter Übergang und Emissionsminderungen

Eine Einigung im Rahmen des Arbeitsprogramms für einen gerechten Übergang (Just Transition Work Programme, JTWP) über die Einrichtung eines neuen Belém-Antalya-Mechanismus (BAM) war die Erfolgsgeschichte der COP30, und im Juni in Bonn wurden weitere Fortschritte bei der Ausarbeitung des Rahmens und der Leitlinien für die Funktionsweise des BAM erzielt. Ein Beschluss in Antalya würde den BAM vollständig in Kraft setzen. Der Mechanismus wurde bewusst nicht als separater Fonds, sondern als Gremium für Koordination, technische Hilfe und Wissensaustausch eingerichtet, um Entwicklungsländern bei einem inklusiven und gerechten Übergang nicht nur in ihrem Energiesektor, sondern in ihrer Gesellschaft und Wirtschaft im weiteren Sinne zu helfen. In den Formulierungen zum BAM wurde die Bedeutung des sozialen Dialogs, der Menschenrechte sowie der Einbeziehung von Pflegearbeit und informeller Arbeit in solche Überlegungen hervorgehoben; dies war ein Lichtblick in einem Prozess, in dem die Einbeziehung von Menschenrechtsformulierungen in andere Verhandlungsstränge auf erheblichen Widerstand gestoßen ist.

Was die Emissionsminderungen betrifft, müssen die Verhandlungsführer*innen in Antalya entscheiden, ob sie das Arbeitsprogramm zur Emissionsminderung verlängern wollen, das technisch gesehen mit der COP31 ausläuft. Die Bemühungen im Rahmen dieses Arbeitsprogramms waren umstritten und wenig überzeugend, und es könnte an der Bereitschaft mangeln, ein ähnliches Format fortzuführen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Ambitionen der „Bottom-up“-Emissionsminderungsverpflichtungen im Rahmen der national festgelegten Beiträge (NDCs), dem Eckpfeiler des Pariser Abkommens, nach wie vor recht gering sind. Bislang haben 150 Länder, auf die 75% der weltweiten Emissionen entfallen, ihre dritten Fünfjahres-NDCs vorgelegt, die eine erhebliche Ambitionslücke zwischen den beabsichtigten Klimaschutzbemühungen und dem zeigen, was für einen 1,5°C-Pfad erforderlich wäre. Kurz vor der COP31 wurde ein aktualisierter Synthesebericht des UNFCCC-Sekretariats veröffentlicht. Der Zusammenhang mit der (fehlenden) Klimafinanzierung ist wichtig, da viele Länder des Globalen Südens das Ambitionsniveau ihrer nationalen Anstrengungen davon abhängig machen, ob finanzielle Unterstützung durch die Industrieländer als historische Emittenten bereitgestellt wird.

Viele Länder des Globalen Südens machen das Ambitionsniveau ihrer nationalen Anstrengungen davon abhängig, ob finanzielle Unterstützung durch die Industrieländer bereitgestellt wird.

Verluste und Schäden: Erneuter Fokus nach dem Gletschereinsturz im Himalaya?

Die verheerende Flutkatastrophe mit Tausenden von Opfern nach einem Gletschereinsturz im Himalaya in Nepal und Tibet hat im Vorfeld der COP31 in Antalya die weltweite Aufmerksamkeit erneut auf Verluste und Schäden (Loss and Damage) gelenkt, einschließlich der Forderung der Zivilgesellschaft, dafür einen eigenen Tagesordnungspunkt bei der COP einzurichten. Sie hat zudem sowohl die Ressourcenprobleme als auch die Verzögerungen bei der vollständigen Funktionsfähigkeit des Fonds zur Bewältigung von Verlusten und Schäden (FRLD) deutlich gemacht. Der FRLD ist deutlich unterfinanziert – seine Startfinanzierungsphase ist auf 342 Millionen US-Dollar begrenzt, während sich die ersten Finanzierungsanträge auf 2,8 Milliarden US-Dollar beliefen –, und er muss noch seine langfristigen operativen Richtlinien und Prioritäten festlegen, zu denen auch die schnelle Freigabe von Finanzmitteln nach Klimakatastrophen gehören muss. Die internationale Zivilgesellschaft erhöht den Druck mit der Kampagne #FillTheFund.

In Antalya wird es zudem weitere Diskussionen über den Warschauer Mechanismus für Verluste und Schäden und dessen Arbeit geben, einschließlich eines Mandats aus Belém, die Ausarbeitung eines globalen Berichts zum „Stand der Verluste und Schäden“ voranzutreiben. Dieser soll den Unterstützungsbedarf der Entwicklungsländer hervorheben, unter anderem in Bezug auf Kapazitätsaufbau, technische Hilfe und Finanzmittel zur Bewältigung zunehmend katastrophaler Verluste und Schäden.

Kohlenstoffmärkte und 1.5°C-Overshoot: Die Risiken von Artikel 6

Artikel 6 bewegt sich zunehmend hin zur Umsetzung der Systeme, die die Kohlenstoffmärkte unter dem Pariser Abkommen funktionsfähig machen sollen. Zentrale Streitpunkte betreffen die Frage, wer die Standards festlegt, welche Arten von Aktivitäten Gutschriften generieren können, wie diese Gutschriften verbucht werden und ob die Regeln überhöhte Klimaforderungen verhindern und betroffene Gemeinschaften vor Ausbeutung und Schaden schützen können.

Zu den miteinander verknüpften Entwicklungen auf der COP31 gehören: die anhaltenden Probleme hinsichtlich Integrität und Transparenz in Artikel 6.2; sowie die Operationalisierung von Artikel 6.4 mit kritischen Diskussionen über CDR und 1.5°C-Overshoot sowie die Schutzmaßnahmen des „Sustainable Development Tool“ (SDT).

Es bleibt ein zentraler Konflikt bei diesen neu entstehenden Kohlenstoffmärkten, ob mehr Zeit und Geld für die „Verbesserung“ dieser Mechanismen zum Erfassen und Handel mit Kohlenstoff verschwendet werden sollen – oder ob diese langwierigen und aufwendigen Prozesse uns noch weiter davon wegbringen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Dass die äußerst begrenzte Menge an realisierbarem – oder potenziell realisierbarem – Carbon Dioxide Removal (CDR), sei es durch biologische oder technologische Ansätze, im Rahmen der Kohlenstoffmärkte dafür verwendet wird, fossile Emissionen zu kompensieren, steht zudem im eklatanten Widerspruch zu dem formulierten Ziel, CO₂ nach einem 1,5°C-Overshoot in großem Umfang wieder aus der Atmosphäre zu entfernen.

Artikel 6.2: Berichterstattung, Transparenz und internationale Bilanzierung

Artikel 6.2 ermöglicht es Ländern, Emissionsminderungen in anderen Ländern auf ihre Klimaschutzverpflichtungen im Rahmen ihrer national festgelegten Beiträge (NDC) anzurechnen. Die Funktionsweise von Artikel 6.2 hängt davon ab, dass die Länder solche Übertragungen genehmigen, Bericht erstatten, Transaktionen nachverfolgen und entsprechende Anpassungen vornehmen, um Doppelzählungen zu vermeiden.

Allerdings wurden in jedem der Länderberichte, die im Rahmen einer Analyse der technischen Überprüfungen der Vereinten Nationen im Juni 2026 untersuchten wurden, Probleme bei der Umweltintegrität festgestellt. Die bestehenden Regeln lassen den teilnehmenden Ländern viel zu viel Ermessensspielraum und bieten nicht genügend Transparenz für eine unabhängige Überprüfung, sodass die Länder ihre Berichts- und Handelsprozesse nach Belieben gestalten können.

Darüber hinaus werden Blockchain und KI zunehmend zum Aufbau und zur Nachverfolgung von Registern eingesetzt. Große Technologieunternehmen gewinnen in diesem Prozess immer mehr an Einfluss und Macht, was grundsätzliche Fragen von Transparenz und Machtverhältnissen aufwirft.

Der „Ambition Dialogue“ zu Artikel 6.2 beginnt am ersten Tag der COP31. Darüber hinaus findet der Dialog zur technischen Expertenprüfung (TER) gemäß Artikel 6 statt. Auch die Finanzierung von Artikel 6.2 wird erörtert.

Artikel 6.4: CDR, fossiler Lock-in und Schutzmaßnahmen

Die COP31 wird für Artikel 6.4 ein wichtiger Kontrollmoment sein: Die UNFCCC hat den Jahresbericht des Aufsichtsgremiums gemäß Artikel 6.4 veröffentlicht, sodass er bei der COP31 (im Rahmen der CMA8, der „eighth session of the Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement“) geprüft werden kann. Der Jahresbericht des Aufsichtsgremiums an die CMA8 umfasst dessen Steuerung und Kontrolle, die Fortschritte bei der Umsetzung, das Arbeitsprogramm und die Finanzen. Seine Empfehlungen bieten den Ländern Raum, dem Mechanismus weitere Leitlinien vorzugeben. Das Aufsichtsgremium wird der CMA auf der COP31 offiziell Bericht erstatten. Die Vertragsparteien prüfen die Fortschrittsberichte und befassen sich mit den konkreten Empfehlungen, um weitere strukturelle Richtlinien für den Gutschriftmechanismus des Pariser Abkommens (Paris Agreement Crediting Mechamism, PACM) zu erlassen.

Gleichzeitig hat die Sitzung des Aufsichtsgremiums gemäß Artikel 6.4 im Oktober 2026 aktualisierte Standards und Instrumente verabschiedet, die sich mit Themen wie Nicht-Permanenz, Rückgängigmachungen (reversals), Verlagerungseffekten, Zusätzlichkeit und Lock-in-Risiken befassen.

Die Standards für die Kohlendioxidentfernung (CDR) sind nach wie vor fragwürdig: Die gravierenden Bedenken hinsichtlich Permanenz, Wiederaustritt von Emissionen und der Ausweitung der förderfähigen Aktivitäten bleiben bestehen. Diese Regeln sind besonders wichtig für die Unterscheidung zwischen biologischer („naturbasierter“) CO₂-Entfernung und technischer CO₂-Entfernung. In Ökosystemen gebundenes CO₂ kann durch Waldbrände, Dürren oder Landnutzungsänderungen freigesetzt werden; technische Entfernungen sind hingegen von Energie, Infrastruktur, Speicherung und langfristiger Überwachung abhängig. Derzeit tragen die Bilanzierungsregeln diesen unterschiedlichen Risiken nicht angemessen Rechnung.

Schutzmaßnahmen sind nach wie vor das umstrittenste Thema im Zusammenhang mit Artikel 6. Eine Koalition aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, indigenen Völkern, Vertreter*innen lokaler Gemeinschaften, Gewerkschaften und Menschenrechtsexpert*innen forderte im September 2026 strengere Schutzmaßnahmen und wies darauf hin, dass das unter Artikel 6 entwickelte Sustainable Development Tool (SDT) die von den Projekten betroffenen Gemeinschaften nicht ausreichend schütze. Von der unzureichenden Anerkennung gewohnheitsrechtlicher und informeller Landbesitzverhältnisse über die abgeschwächten Anforderungen an die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) bis hin zu mangelhaften Mechanismen der Gewinnbeteiligung und der Bearbeitung von Beschwerden – der Prozess lässt weder Transparenz noch eine sinnvolle Entscheidungsfindung für betroffene indigene Völker und Gemeinschaften zu, die von der Klimakrise am stärksten betroffen sind.

Übergang von bestehenden Projekten des Clean Development Mechanism zu Artikel 6.4

Der Übergang von Projekten, die im Rahmen des „Clean Development Mechanism“ (CDM) des Kyoto-Protokolls registriert wurden, auf den neuen Gutschriftmechanismus gemäß Artikel 6.4 des Pariser Abkommens (PACM) gibt weiterhin Anlass zu erheblicher Sorge. In Bezug auf den CDM gibt es seit langem Kritik hinsichtlich Zusätzlichkeit, überhöhter Gutschriften und fragwürdiger Klimavorteile. Anhaltende Bedenken hinsichtlich Umwelt- und Menschenrechtsmängeln bei einer ganzen Reihe von Projekten, die jetzt als erste den Übergang in Artikel 6 (PACM) anstreben, werden bislang ignoriert.

Backlash gegen Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte

In den UNFCCC-Verhandlungen gibt es weiterhin ein erhebliches Zurückdrängen von Menschenrechten und Geschlechtergerechtigkeit. Zwar wurde in Belém ein neunjähriger Aktionsplan zur Gleichstellung der Geschlechter (GAP) verabschiedet, doch gleichzeitig wurden Verweise auf Menschenrechte, Geschlechtergerechtigkeit sowie Intersektionalität und geschlechtliche Vielfalt angefochten, und es fehlt eine klare Verknüpfung mit Ressourcen für die Umsetzung. Bislang gibt es weitgehenden Widerstand in verschiedenen Verhandlungsrunden, Menschenrechte als verbindliche Grundlage für alle Klimaschutzmaßnahmen umfassend anzuerkennen – wiewohl es im Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (ICJ) klar mandatiert ist.

Die Vereinbarung enthält eine ausdrückliche Klausel, wonach die Teilnehmenden die lokalen Gesetze respektieren und eine Einmischung in die „inneren Angelegenheiten“ des Gastgeberlandes vermeiden müssen.

Es könnte in Antalya zudem zu möglichen Einschränkungen für internationale Menschenrechts- und feministische Aktivist*innen kommen, die in die Türkei reisen: Die Vereinbarung zwischen der UNFCCC und der türkischen COP31-Präsidentschaft als Gastgeberland enthält eine ausdrückliche Klausel, wonach die Teilnehmenden die lokalen Gesetze respektieren und eine Einmischung in die „inneren Angelegenheiten“ des Gastgeberlandes vermeiden müssen. 

Angesichts des jüngsten harten Vorgehens der türkischen Regierung gegen LGBTI+-Gruppen und Gender-Organisationen – derzeit befinden sich mehr als 80 Personen in Haft – warnen internationale Menschenrechtsgruppen und Klimaaktivist*innen, dass diese Klausel eine abschreckende Wirkung auf die Meinungsfreiheit und das Recht auf friedliche Versammlung haben könnte. Dies könnte den traditionellen Klimaprotestmarsch vor dem UNFCCC-Veranstaltungsort betreffen, der ein Höhepunkt der zivilgesellschaftlichen Zusammenkunft in Belém bei der COP30 war (da die drei vorherigen COPs in autoritären Ländern stattfanden), sowie weitere zivilgesellschaftliche und Bewegungszusammenkünfte außerhalb der Konferenzsäle, vor allem den Alternativgipfel (Peoples’ Summit) beinträchtigen.

Innenpolitik in der Türkei im Vorfeld der COP31

Seit März 2025 befindet sich der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, in Haft. Ihm werden Korruption und andere Straftaten vorgeworfen; die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von bis zu 2.430 Jahren. İmamoğlus Inhaftierung markierte den Beginn einer beispiellosen Kampagne, die darauf abzielt, die größte Oppositionspartei, die CHP, buchstäblich zu zerschlagen. Hunderte gewählte Vertreter*innen und Parteifunktionäre wurden festgenommen, während Bürgermeister*innen aus ihrem Amt entfernt und durch ernannte Verwalter*innen ersetzt wurden. Was zuvor nur die pro-kurdische DEM-Partei getroffen hatte, zerreißt nun die CHP. Nach Ansicht vieler politischer Analyst*innen war İmamoğlu mit seiner rasant steigenden Popularität für den türkischen Präsidenten einfach zu einem gefährlichen Rivalen geworden.

İmamoğlus Inhaftierung markierte den Beginn einer beispiellosen Kampagne, die darauf abzielt, die größte Oppositionspartei, die CHP, buchstäblich zu zerschlagen. 

Erschwerend für die Regierung kommt hinzu, dass die Inflation zwar gesunken ist, offiziell aber immer noch bei 30 Prozent liegt – und in Wirklichkeit wahrscheinlich deutlich höher ist. Vor allem aber verlieren die Einkommen der meisten Menschen seit Jahren an Kaufkraft, da die Preise schneller steigen als die Löhne. Und nun erschüttert ein Finanzskandal in Milliardenhöhe das Land: Zwielichtige Investmentfonds im Wert von 18 Milliarden US-Dollar sind zusammengebrochen und hochrangige Funktionär*innen der regierenden AKP sind direkt darin verwickelt. Und die Kleinanleger*innen, die nun um ihre Einlagen fürchten, gehören größtenteils zur Wählerschaft der AKP – mit anderen Worten: genau zur Basis der Regierung und ihrer Partei, deren Zustimmungswerte schwinden.

Präsident Erdoğan will wiedergewählt werden. Daher darf es keine unerwarteten Ergebnisse geben. Folglich nimmt auch der Druck auf die kritische Zivilgesellschaft zu. Nicht nur das Europäische Parlament ist der Einschätzung, dass die Türkei „einen gravierenden Rückschritt bei der Rechtsstaatlichkeit und eine sich verschlechternde Menschenrechtslage“ erlebt. Freies und kritisches Denken in der Türkei durchlebt schwierige Zeiten, selbst dort, wo es am meisten zu Hause ist: an den Universitäten. Und das sind keine guten Nachrichten für die Klimapolitik, die vielleicht mehr als jeder andere Politikbereich auf freie Wissenschaft angewiesen ist.

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