Kunststoffe, meist Plastik genannt, gehören zu den Erfindungen, die modernes Leben ermöglichen. Doch sie sind sehr beständig und „verschwinden“ nicht einfach wieder. Das hat Folgen für Umwelt und Gesundheit. Deshalb werden Alternativen gesucht und entwickelt.
Sechs Jahre lang, von 2013 bis 2019, führte das Umweltministerium einen Dialog mit der Kosmetik-Industrie. Denn die Hersteller, die sich vorgeblich um Schönheit sorgten, packten in ihre Produkte jede Menge Mikroplastik. Es wird zwar oft schnell von der Haut abgespült, landet dann aber im Abwasser und Klärschlamm.
Letzterer wurde jahrzehntelang als Dünger auf Äckern ausgebracht. So gelangten große Mengen Mikroplastik in Böden und Gewässer. Inzwischen wird Klärschlamm überwiegend verbrannt, doch ein Teil wird noch immer als Dünger verwendet.
Unter dem Begriff „Mikroplastik“ werden synthetische Polymerpartikel, also Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von unter 5 Millimetern zusammengefasst.
Als primäres Mikroplastik werden dabei die winzigen Kunststoffpartikel bezeichnet, die Produkten gezielt zugesetzt oder durch die Nutzung von Kunststoffprodukten freigesetzt werden. Zu den wichtigsten Quellen zählen dabei der Abrieb synthetischer Kleidung beim Waschen und Reifenabrieb im Straßenverkehr. Mikroplastik, das Produkten bewusst zugesetzt wird, etwa Mikrokügelchen in Kosmetik, macht dagegen einen deutlich kleineren Anteil aus.
Mikroplastik im Meer
Bis zu ein Drittel des gesamten Mikroplastiks in den Ozeanen stammt Schätzungen zufolge aus solchen primären Quellen. Die anderen bis zu zwei Drittel steuert das sogenannte sekundäre Mikroplastik bei. Dieses entsteht, wenn Kunststoffgegenstände wie Plastiktüten, Flaschen oder Fischernetze zerfallen.
Mikroplastik ist inzwischen überall auf der Welt zu finden und gelangt in die Nahrungskette. Gesundheitliche Schäden für Lebewesen können über toxische Bestandteile des Plastiks entstehen, aber auch durch anhaftende Giftstoffe oder biologische Agenten wie Bakterien. In der Folge können Infektionen und Entzündungen entstehen oder Gene geschädigt werden.
EU will Verschmutzung durch Mikroplastik verringern
2023 startete die EU – auf Basis der 2018 beschlossenen Kunststoffstrategie – Initiativen gegen Verschmutzung durch Mikroplastik. So sollen bis 2030 alle Kunststoffverpackungen wiederverwendet oder recycelt werden können und damit auch weniger Mikroplastik entstehen.
Seit Oktober 2023 ist bereits der Einsatz so genannter synthetischer Polymermikropartikel verboten. Cremes und Peelings dürfen keine Mikroperlen aus Kunststoff mehr enthalten. Nicht mehr erlaubt ist auch Glitzerstaub, wie er in Nagelstudios oder für Kostümierungen genutzt wird.
Die neuen EU-Regeln betreffen jedoch vor allem die primäre Mikroplastik. Immer noch gelangen jährlich 19 bis 23 Millionen Tonnen von „normalem“ Plastik in Böden, Flüsse und Ozeane, die dann früher oder später in Mikropartikel zerfallen.
Alternativen bei Verpackungen und Kleidung sind verfügbar
Vielen Mikroplastik-Quellen räumt die EU in ihrer Strategie großzügige Übergangsfristen und Ausnahmen ein, so beim Einsatz der Polymere in Wachsen, Poliermitteln, Lufterfrischern, Medizinprodukten, Pestiziden und Saatgut.
Ein Grund für die Fristen ist, dass plastikfreie Alternativen fehlen. Bei manchen Anwendungen wie Pestiziden geht es vor allem um eine deutliche Verringerung ihrer Nutzung.
Anders sieht das bei Verpackungen aus. Hier sind vielfach schon biobasierte Verpackungsmittel verfügbar oder man greift zu traditionellen Gefäßen aus Glas oder Metall. Beim Einkauf lassen sich Gemüse und Obst oft ganz unverpackt in den Einkaufskorb legen.
Auch Kleidung muss nicht aus synthetischen Materialien bestehen. Bei Outdoor-Kleidung verzichten einige Markenanbieter bereits auf fluorhaltige Beschichtungen. Andere synthetikfreie Fasern aus biologischer Produktion wie Wolle und Seide können ebenfalls einen gewissen Anteil an Chemiefasern ersetzen.
Konsument*innen können sich mit textilen Ökolabels vertraut machen und sich fragen, ob Hightech-Funktionen bei Alltagskleidung notwendig sind. Am Ende nützt es Umwelt und Gesundheit am meisten, Bekleidung länger zu tragen, sie pfleglich zu behandeln oder aus zweiter Hand zu besorgen.
Das gilt auch über Kleidung und Verpackungen hinaus: Längerfristig kommt es vor allem darauf an, weniger neues Plastik herzustellen, Plastik möglichst zu vermeiden und Mehrweg auszubauen. Wo Plastik weiterhin nötig ist, sollten Produkte so gestaltet sein, dass sie möglichst wenig Mikroplastik freisetzen und am Ende hochwertig recycelt werden können.