Böll.Thema 2/2015: Sehnsucht nach Zeit

Böll.Thema 2/2015: Sehnsucht nach Zeit

Was Zeitpolitik tun kann
Böll.Thema 2/2015: Sehnsucht nach Zeit
01. Okt. 2015
Heinrich-Böll-Stiftung
Kostenlos
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: September 2015
Seitenanzahl: 56
Lizenz: CC-BY-NC-ND 3.0
Reihe: Böll.Thema

 

Was gibt es Spannenderes, als ein Heft zu einem Thema zu machen, das nicht schon hundertfach diskutiert und von allen Seiten beleuchtet wurde? Zeitpolitik ist so ein Thema. Viele Menschen, die diesen sperrigen Begriff zum ersten Mal hören, zucken entweder mit den Schultern – «Was soll das sein? Hat das was mit Zeitmanagement zu tun?» – oder, deutlich ablehnend: «Will die Politik jetzt auch noch in mein Privatestes, meine Lebenszeit eingreifen?»

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, der erkennt schnell: Zeitpolitik gab es schon immer, es wurde eben nur nicht so genannt. Der Kampf um den 8-Stunden-Tag war ein zentrales Anliegen der Arbeiterbewegung, «Samstags gehört Vati mir» (!) eine populäre Parole der Gewerkschaften in den Anfängen der Bundesrepublik. Schulbehörden bestimmen Ferienzeiten, an die Eltern sich halten müssen, und wer am Sonntag den Bohrer ansetzt, verstößt gegen die vom Grundgesetz geschützte Sonntagsruhe, was in schweren Fällen mit Bußgeld geahndet werden kann (S. 4).

Seit einiger Zeit nun hat die Politik, haben auch Bündnis 90 /Die Grünen das Thema für sich entdeckt. Dabei geht es darum, die Zeitstrukturen einer Gesellschaft so zu gestalten, dass sie den Alltag der Menschen verbessern, anders ausgedrückt: Bürgerinnen und Bürger sollen so leben können, wie sie es als sinnerfüllt empfinden, nicht mehr so «gehetzt» von einer Aufgabe oder Pflicht zur anderen eilen. Männer wie Frauen wollen sich um ihre Familie, Kinder, alten Eltern kümmern und nicht auf existenzsichernde Erwerbsarbeit verzichten. Wir wissen, wie sehr es vor allem Frauen sind, die diesen Spagat täglich machen müssen, dass sie viel mehr Zeit mit Kindern oder der Pflege verbringen. Es geht aber auch darum, Zeit für sich selber zu finden: um sich weiterzubilden, ein Ehrenamt zu übernehmen oder einfach mal auszusteigen.

 

Inhaltsverzeichnis:

1 Editorial
 

Zeit und Politik

  • 3 Liebe Politikerinnen und Politiker!
    Ein Brief von Karlheinz Geißler
  • 4 Was ist Zeitpolitik?
    Eine Einführung von Jürgen P. Rinderspacher
  • 6 «Aus der Momo-Perspektive»
    Gesine Agena und Robert Habeck über grüne Zeitpolitik. Interview: Barbara Unmüßig und Elisabeth Schmidt
  • 10 «Warum mir Zeitpolitik wichtig ist»
    Bettina Jarasch will Vereinbarkeit neu denken.
  • 11 Eine kurze Geschichte ...
    Chronik der Zeitpolitik in Gewerkschaften und Parteien. Von Björn Gernig
  • 12 «Wie viel Freiheit trauen wir uns zu?»
    Knut Giesler über den frischen Wind in der Zeitpolitik der IG-Metall. Interview: Friedrich Landenberger
  • 14 Wann kommt das «Recht auf eigene Zeit»?
    Ulrich Mückenberger fordert Gesetze gegen Entwertung und Diskriminierung.
  • 16 Nicht jeder Tag hat 24 Stunden
    Wider den Diebstahl von Zeit. Von Ulrich Mückenberger
  • 18 Zeit für Visionen
    'Wer Demokratie (leben) will, braucht Energie und einen freien Kopf. Von Jürgen P. Rinderspacher

Zeit und Mensch

  • 20 Von Zeitfressern und anderen Monstern
    Was unsere Sprache über unser Zeitempfinden verrät. Von Anne-Kathrin Hoklas
  • 22 «Wir sind eine umherirrende Generation!»
    Gerald Hüther über die Beschleunigung und Verdichtung des Lebens. Interview: Elisabeth Schmidt
  • 24 Womit Deutsche ihre Zeit verbringen
    Ergebnisse der jüngsten Zeitbudget-Erhebung, ausgewertet von der Heinrich-Böll-Stiftung. Von Dorothee Schulte-Basta
  • 25 Von der Last und Lust des Wartens
    Es nervt, es demütigt, könnte aber auch zu Phantasien und Gedankenspielen anregen. Von Karlheinz Geißler
  • 27 Das viele, viele Andere
    Katrin Spoerr fragt sich, warum sie viel weniger Zeit hat als ihre Großmutter, die keinen Tag frei hatte.
  • 28 Generation Null Fehler
    Keine Zeit für Irrtümer? Schade. Sie führen meistens auf die richtige Spur. Von Sabine-Schmidt-Lauff und Fanny Hösl
  • 30 Sehnsucht nach Zeit
    Eine Erzählung in Bildern. Von Sibylle Fendt und Jana Prosinger

Zeit und Alltag

  • 36 Sie lieben das System
    Firma Projektron schafft freie Freiräume durch akribische Planung. Von Johannes Gernert
  • 38 Durch Kreuzberg gleiten
    Roland Prähofer hat mehrere Jobs und keine Zeit fürs Leben. Von Annabelle Seubert
  • 40 Meine Frau arbeitet sieben Tage die Woche
    Nichts gegen grüne Zeitpolitik, aber wer den Alltag meistern will, muss wissen, was er vom Leben will. Von Peter Unfried
  • 42 Das schaffst du schon
    Alleinerziehende kommen immer entweder zu früh oder zu spät. Von Simone Schmollack

Zeit und Zukunft

  • 44 Zeit für Ungehorsam
    Die Protestantische Ethik ist viel besser als ihr Ruf. Von Uwe Becker
  • 46 Lebenslang lernen
    50 Jahre und mehr sind wir erwachsen – jede Menge Zeit, immer noch schlauer zu werden. Von Sabine Schmidt-Lauff
  • 47 Arbeit – mit Vergnügen
    Wie unser Berufsleben selbstbestimmter und gesünder werden könnte. Von Heide Oestreich
  • 49 Es ist angerichtet
    Kulturtechniken des Essens schaffen Zeit für Gemeinschaften. Von Uta Meier-Gräwe
  • 50 Seid faul, Frauen!
    Natürlich gehören Frauen nach oben auf die Karriereleiter. Ist aber entspanntes Runterrutschen nicht viel attraktiver? Von Katrin Gottschalk
  • 51 Uhrlos glücklich
    Ein Bekenntnis von Karlheinz Geißler
  • 52 Zum Lunch mit ...
    dem Bestsellerautor Stefan Klein, mit am Tisch: Annette Maennel.

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Gast

Erst lassen die Grünen und die anderen Sekten der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands uns immer mehr schuften für ihre sinnlosen Projekte wie EU, Euro Rettung, Griechenland Rettung, Klimaschindel, Gendertoiletten, Refugees Welcome, Energiewende usw. (die natürlich volldemokratisch nie vom Volk legitimiert wurden)
und dann besitzen sie die Frechheit ihren Think-Tank über Zeit faseln zu lassen und "Zeitpolitik" betreiben zu wollen. Verschaukeln könne wir uns alleine.