Globale LGBT-Rechte und die Zunahme der Anti-LGBT-Aktivitäten in Indonesien

Globale LGBT-Rechte und die Zunahme der Anti-LGBT-Aktivitäten in Indonesien

Der öffentliche Diskurs in Indonesien hat sich gegen Menschen aus der LGBT-Gemeinschaft gewandt. Viele nehmen LGBT als neuen externen Eingriff wahr und können zwischen verschiedenen Identitäten und Gruppen innerhalb der Bezeichnung nicht differenzieren, obwohl z.B. die Transgender Waria Gemeinschaft seit langer Zeit Teil der indonesischen Gesellschaft ist. Trotzdem unterstützt die indonesische Regierung hinter geschlossenen Türen weiterhin Projekte in der LGBT-Gemeinschaft.

Die ASEAN-Flagge und die Regenbogenfahne vor blauem Himmel

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers 50 Jahre ASEAN – Welche Rolle spielt soziale und ökologische Gerechtigkeit?

In den letzten Jahren sind lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle (im Folgenden: LGBT-) Themen Ursache einer großen Polarisierung zwischen verschiedenen Nationen geworden. Zu positiven Entwicklungen gehören eine Reihe westlicher Länder, etwa die Niederlande, Kanada und Spanien, die die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt haben.

Andere Länder haben weitere rechtliche Schritte unternommen, um die nicht-binäre Gender-Kategorie anzuerkennen, die häufig als „drittes Geschlecht“ bezeichnet wird. Außerdem sind eine Reihe Maßnahmen erfolgt, die Menschenrechtsstandards für den Schutz von LGBT-Menschen anerkennen, etablieren und zum Mainstream machen.

2006 brachte eine internationale Menschenrechtskonferenz in Yogyakarta, Indonesien, die Yogyakarta-Prinzipien hervor, die zu einem wichtigen Rechtsinstrument für LGBT-Bewegungen geworden sind. Ein ähnlicher historischer Schritt wurde von den Vereinten Nationen unternommen, die einen unabhängigen Experten zu Fragen sexueller Orientierung und Gender-Identität ernannte.

Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, die Globalisierung des Diskurses zu LGBT-Rechten in viele Teile der Welt hinein zu verbreiten, auch in die Region Südostasien. Vor zwei Jahren hat Vietnam endlich das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe aufgehoben und dadurch vielen gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit eröffnet, ihre Hochzeitszeremonien zu planen.[1]

Die Vorlage für das LGBT-Antidiskriminierungsgesetz wurde 2016 erneut in das Plenum des Senats der Philippinen eingebracht, nachdem dies 2000 zum ersten Mal geschehen war.[2] Angesichts der hohen Rate an Morden an Transsexuellen im Land hat dieser Schritt der LGBT-Community Hoffnung gegeben, dass das Gesetz verabschiedet werden könnte und dazu beitragen wird, die LGBT-Diskriminierung zu bekämpfen.

Des Weiteren rekrutiert PC Air – eine thailändische Fluggesellschaft – in Bangkok, wo Transsexuelle hohe Sichtbarkeit genießen, seit 2012 transsexuelle Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter.[3] Trotz solcher Fortschritte wird allerdings berichtet, dass Stigmatisierung, Diskriminierung und Schikanierung von LGBT-Menschen in Südostasien weiterhin weit verbreitet sind.[4]

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA 2015 zur Gleichstellung der Ehe und die Betonung der mit der Ehe verbundenen Rechte hat auf der internationalen Ebene den Diskurs über LGBT-Rechte scheinbar verstärkt. Das Aufkommen des Themas ist leider außerhalb der USA zu einem Ausgangspunkt für Vorbehalte und eine konservative Gegenreaktion geworden.[5]

Beispielsweise wird der LGBT-Aktivismus in Indonesien zunehmend mit Bemühungen zur Legalisierung der gleichgeschlechtliche Ehe in Verbindung gebracht. Das brachte die Regierung dazu, öffentlich zu verkünden, dass es für LGBT-Bewegungen im Land keinen Platz gäbe. Genauso furchterregend ist, dass die zunehmende Sichtbarkeit von LGBT-Themen Brunei Darussalam dazu angeregt hat, die Scharia anzuwenden.

Danach gelten homosexuelle Praktiken als Handlungen, auf denen die Todesstrafe durch Steinigung steht. § 377A des aus der britischen Kolonialzeit stammenden Strafgesetzbuchs, der „unnatürliche Geschlechtsakte“ verbietet, ist im neoliberalen Singapur ebenfalls weiterhin in Kraft.

Nach dieser kurzen Betrachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Südostasien, habe ich Indonesien als vorwiegend muslimisches Land als Ausgangspunkt gewählt, um auszuloten, wie genau die Internationalisierung des Diskurses über LGBT-Rechte nationale Homophobie erzeugt, die in der Folge ihre Komplexitäten und Unstimmigkeiten offenlegt.

Den kompletten Artikel können Sie hier als PDF downloaden.

 

[1] Siehe John Boudreau und Nguyen Dieu Tu Uyen, „Gay Weddings Planned as Vietnam Marriage Law Is Repealed“, Bloomberg News, 1. Januar 2015, https://www.bloomberg.com/news/articles/2015-01-07/gay-weddings-planned-as-vietnam-marriage-law-is-repealed

[2] Siehe Camille Allemia, „After 17 Years, LGBT Anti-Discrimination Bill up for Senate Debate“, Rappler, 21. Dezember 2016, http://www.rappler.com/nation/156139-lgbt-anti-discrimination-bill-senate-plenary

[3] Siehe Kate Hodal, „Flying the Flag for Ladyboys: Thai Airline Takes on Transgender Flight Attendants“, The Guardian, 17. Januar 2012, https://www.theguardian.com/world/2012/jan/17/pc-air-transgender-flight-attendants

[4] Siehe UNDP: Being LGBT in Asia – Thailand, Vietnam, The Philippines’ Country Reports (2014), http://www.asia-pacific.undp.org/content/rbap/en/home/operations/projects/overview/being-lgbt-in-asia.html

[5] Siehe Dennis Altman und Jonathan Symons, The Queer Wars (UK: Polity, 2015).

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