70 Jahre Menschenrechte

Menschenrechte

Einfordern - Verteidigen - Garantieren

Saal der Menschenrechte der Vereinten Nationen in GenfSaal der Menschenrechte der Vereinten Nationen in Genf — Urheber/in: UN Geneva.

Alle Menschen sind gleich an Rechten und Würde geboren – egal, wo sie herkommen, wo sie leben, wie sie aussehen, wen sie lieben, welche Sprache sie sprechen, welches Geschlecht sie haben, welche religiöse oder politische Überzeugung sie haben und egal, welchen sozialen oder ökonomischen Stand sie haben oder auf welche Art und Weise auch immer sie verschieden sein mögen. Die Heinrich-Böll-Stiftung engagiert sich dafür, dass alle Menschen ihre Rechte kennen, sie einfordern und verteidigen können.

Recht, von dem man keinen Gebrauch macht, stirbt ab; Freiheit, von der man keinen Gebrauch macht, welkt dahin.
Heinrich Böll

70 Jahre Menschenrechte

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Das wurde vor 70 Jahren am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris verkündet, als die Gemeinschaft der Staaten der Welt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) verabschiedete. Seitdem dient die AEMR Menschen auf der ganzen Welt als Anker, um für ihre Freiheit, Würde und Gleichberechtigung zu streiten und Regierende, Machthabende und politische und ökonomische Akteur/innen zu mahnen und in die Pflicht zu nehmen, die Rechte und Würde aller Menschen zu achten in allem was sie tun.

70 Jahre Menschenrechte: Unteilbar. Unveräußerlich. Universell.

Einführung

Vor 70 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) verabschiedet. Wir arbeiten weltweit mit unseren Partnerinnen und Partnern daran, Demokratie und Menschenrechte, Würde und Freiheit für alle Wirklichkeit werden zu lassen.

Von Barbara Unmüßig

Mut zu Menschenrechten

Hintergrund

Weltweit geraten Menschenrechte in die Defensive. Dennoch gibt es keinen Grund zu verzagen. Trotz aller Rückschritte und unübersehbarer Mängel läuft der Schutz von Menschenrechten lokal wie global auf Hochtouren.

Von Michael Krennerich

70 Jahre Erklärung der Menschenrechte | Böll.Fokus

Podcast-Episode
Alle Menschen sind gleich viel wert und haben die gleichen Rechte. Die Menschenrechte feiern ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren, wollen sie besser verstehen und herausfinden, warum sie für uns alle auch heute noch so bedeutsam sind.

Portraitreihe

Wir haben unsere Partner/innen gefragt, was sie 70 Jahre nach der Verabschiedung der AEMR umtreibt und was die Menschenrechte für sie bedeuten. Hier sind einige ihre Antworten:

Yosra Frawes, Tunesien

Das Recht und die Menschenrechte

Menschenrechte vor Gericht Geltung zu verschaffen, ist nicht einfach – aber es geht. Sei es unter Berufung auf nationales oder internationales Recht, durch den Internationalen Strafgerichtshof oder Sondertribunale, Wirtschaftsakteur/innen und Machthabende, die die Menschenrechte verletzen, können zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem tragen Gerichte oft dazu bei, Regierungen dazu zu verpflichten, die normativen Verpflichtungen der Menschenrechte in ihrer Politik und nationalen Gesetzgebungen Realität werden zu lassen. Ein paar Beispiele, wo das funktioniert, zeigen wir hier.

Das Recht will ja wahrgenommen werden, es fällt einem nicht in den Schoß. Und das erfordert Mut.
Heinrich Böll

Menschenrechtsverbrechen in Syrien

Seit 2017 unterstützt die Heinrich Böll Stiftung das European Center for Constitutional und Human Rights (ECCHR) dabei, mit über 50 Überlebenden der Menschenrechtsverbrechen aus Syrien Beweise zu sammeln, "um der Gewalt in Syrien die Sprache des Rechts entgegen zu setzen".

Der Internationale Haftbefehl durch die Bundesanwaltschaft in Deutschland gegen den Chef des syrischen Luftwaffengeheimdienstes im Juni 2018 ist ein erster großer Erfolg für unsere Projektpartner und ein wichtiges Zeichen dafür, dass Menschenrechtsverbrechen nicht ohne Konsequenzen für die Täter bleiben.

Die Wirtschaft und Menschenrechte

Überall entlang von Produktions- und Lieferketten werden die Menschenrechte missachtet. Sei es, wenn Unternehmen Land erwerben, dabei Menschen vertreiben und sie nicht angemessen entschädigen, oder wenn in der Produktion unzureichende Arbeitsbedingungen herrschen, wenn beim Abbau von Ressourcen das Grundwasser und die natürliche Lebensgrundlage der Menschen verschmutzt und zerstört werden. Häufig kooperieren Unternehmen auch mit autoritären Regimen und tragen dazu bei, dass diese die Menschenrechte ihrer Bevölkerungen mit Füßen treten können. Wenn es darum geht, die Menschenrechte zu achten, sind also auch ökonomische Akteur/innen in der Verantwortung.

Hinter dem schönen, aus dem Bereich des Organischen entliehenen Begriff Wachstum steht eine unerbittliche Ideologie, die mit Wert materiellen Wert meint.
Heinrich Böll

Flucht & Migration und die Menschenrechte

„Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen“, heißt es in Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR). Es gibt viele Gründe, das zu tun: Vor allem Gewalt, Verfolgung und Krieg, Armut und Hunger, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen. Aber auch das Streben nach einem angemessenen Leben in Würde, nach Arbeit und Bildung, Gesundheitsversorgung und der Chance, sich eine Zukunft aufzubauen. Und in der AEMR heißt es weiter: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen“ (Artikel 14). Die Heinrich-Böll-Stiftung setzt sich dafür ein, das Recht auf Asyl uneingeschränkt zu wahren und Migration nicht zu stoppen, sondern sie zu gestalten.

Ich bin der Meinung, dass man Menschenleben retten soll, wo man sie retten kann.
Heinrich Böll

Das Gift der Worte

Kommentar

Die Liste mit den Unworten des Jahres wird in diesen Tagen länger und länger. Ein Appell wider die Verrohung der Sprache in der Flüchtlingspolitik.

Von Kirsten Maas-Albert

LGBTI-Rechte sind Menschenrechte

Menschen sollen sich frei für ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität entscheiden können. Die Unterstützung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter*-Menschen (LGBTI) gehört daher zum Selbstverständnis der Heinrich-Böll-Stiftung. Denn wenn Menschen aufgrund ihrer Lebenssituationen oder Orientierungen in ihren Rechten eingeschränkt werden, im Alltag, durch fehlenden Schutz oder auch durch aktive Diskriminierung von Staat und Institutionen, dann ist es in der Regel auch um den Schutz anderer Rechte und den Zustand der Institutionen nicht gut bestellt. Und das betrifft alle Bürgerinnen und Bürger auch in anderen Lebensbereichen.

Natürlich gibt es Männer und Frauen. Das wissen wir. Aber ich glaube, dass jeder auch das "Dritte" in sich hat. [...] Was heißt männlich, was heißt weiblich? Ich weiß das bis heute nicht.
Heinrich Böll

Die Zivilgesellschaft und Menschenrechte

Zivilgesellschaft ist aus politischen Prozessen nicht wegzudenken. Sie kann diese (mit)gestalten, politische Beteiligung organisieren, Korruption und Menschenrechtsverletzungen aufdecken und staatliche Rechenschaft einfordern. Doch in vielen Ländern setzen Regierungen gezielte Maßnahmen ein, um zivilgesellschaftliches Handeln einzuschränken. Die Heinrich-Böll-Stiftung erfährt das mit ihren Partner/innen selbst und setzt das Problem auf die politische Agenda, um dem Trend eine menschenrechtsbasierte Politik entgegenzusetzen.

Es geht darum, Raum für Freiheit und Mut freizuhalten. Der Mut der freien Menschen muss einen Platz haben.
Heinrich Böll

Demokratie und die Menschenrechte

Demokratie ist kein Selbstläufer. Demokratie muss erkämpft, mit Leben gefüllt und erneuert werden. Überall auf der Welt setzen sich Menschen für Demokratie, für ihre politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Menschenrechte ein. Sie zu unterstützen, ist ein Kernanliegen der Heinrich-Böll-Stiftung. Menschenrechte, Demokratie und Nachhaltigkeit – das ist der Dreiklang, der die Arbeit der Stiftung im In- und Ausland prägt.

Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben.
Heinrich Böll

Wir müssen unsere Demokratie in Europa schützen

Populistische Kräfte versprechen Sicherheit durch Abschottung und einen autoritären Staat. Wie kann die EU auf den Demokratieabbau in den eigenen Reihen reagieren? Das Vorwort zur Studie "Demokratiesicherung in der Europäischen Union".

Von Dr. Ellen Ueberschär, Dr. Christine Pütz

Mangelnde Rechtsstaatlichkeit: Polen erhält Warnung vom EuGH

Analyse

Seit Monaten wird versucht den Umbau der unabhängigen Justiz in Polen zu stoppen. Jetzt hat der Europäische Gerichtshof ein Urteil gefällt, wonach die Auslieferung eines Verdächtigen an Polen verweigert werden kann, wenn ihm dort kein faires Verfahren garantiert ist. 

Von Sergey Lagodinsky